Noch einmal zu Kommunisten und gleichgeschlechtliche Beziehungen

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Die Unterstützung der russischen KP KPRF für eine homophobe Gesetzgebung und die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen im Alltag war das Thema dieses Blogeintrags: http://kritische-massen.over-blog.de/article-russische-kommunisten-im-schlepptau-der-christlichen-orthodoxie-114878367.html . Um die zur KPRF in Gegensatz stehende Hltung der deutschen Kommunisten geht es in diesem Blogeintrag;  

http://kritische-massen.over-blog.de/article-dkp-queer-homophobie-ist-konterrevolutionar-114878933.html . Zu letzterem gab es einen Kommentar, auf den ich hinweisen möchte.

 

Alexandra schreibt:

 

Das vorgestellte Zitat ist aus dem Zusammenhang genommen! Dr. Alberto Roque Guerra erklärt den schwierigen Erkenntnisweg zu Fragen der Homosexualität.

Aus diesem Grunde ist der Titel abzulehnen und stattdessen wirklich das Lesen des Artikels von Dr. Guerra zu empfehlen. Schwerpunkt ist nämlich die Integration Homosexueller als komplexes gesellschaftliches Anliegen. Darunter verstand der DDR-Wissenschaftler Dr. Reiner Werner (Homosexualität, 2. Aufl. Berlin 1988 VEB Verlag Volk und Gesundheit, Berlin) die gleichberechtigte Anerkennung dieser Bevölkerungsgruppe – ohne Palaver, aber als „ein komplexes Anliegen des Umdenkens und der vorurteilsfreien Sachanalyse aller an der konkreten Kommunikation Beteiligten.“ (…) Verständnis ergibt sich aus Verstehen, demnach aus grundlegenden Einstellungswandlungen durch freilich auch selbst gewollten Wissenszuwachs.“

Die Entwicklung einer sozialistischen Gesellschaft ist eben auch noch mit vielen nur nach und nach abzustellenden Makeln behaftet, die in manchen Schichten der Bevölkerung unwahrscheinlich zäh festkleben, noch heute und hier, und das, obwohl Kommunisten und fortschrittliche Menschen wie Bloch, August Bebel, Käthe Kollwitz, Thomas Mann u. a bereits Ende des 19. Jahrhunderts. eine Petition zur Abschaffung des § 175 durch den Reichstag einbrachten. Die KPD hatte 1924 als einzige Partei im Reichstag die Diskussion erneut in Gang gesetzt. 1929 war dafür eine Mehrheit vorhanden, aber es war für Jahre zu spät.

Heute wird häufig vergessen, dass sich eine kommunistische Partei auf wissenschaftlicher Grundlage konstituiert hat, um die gesellschaftlichen Prozesse voran zu bringen. Die KPRF zeigt, dass sie sich von dieser Linie mehr und mehr entfernt, und eben nicht nur der marxistisch-leninistischen.

Außerdem wird der gesellschaftliche Rückschritt im heutigen Russland deutlich. Das, was in den Jahren vor der Konterrevolution erreicht wurde (zumindest wurden besagte Strafparagraphen nicht angewandt), ist nun wieder auf dem Wege zu verschwinden.

Zum Ausdruck kommt hier schlichtweg unlogisches, unwissenschaftliches und ins Mittelalter zurückführendes gesellschaftliches Verhalten. Eine kommunistische Partei, die ihren revolutionären Status aufgibt, landet eben auch im Extremfall auf solchen Abwegen.

Vielleicht kann man hier den Bogen schließen zu den derzeitig in Frankreich stattfinden Diskussionen und Demonstrationen gegen die Homosexuellen-Ehe. Diese von den Massenmedien hochstilisierte Protestbewegung (die obendrein ein gutes Ablenkungsmanöver von sozialen Problemen ist) ist von durchweg rechten Kräften inszeniert, die für ihr Verhalten unwissende (s. o.) kleinbürgerliche Familienmütter einspannen, die endlich auf die Straße gehen dürfen, um ihre Vater-Mutter-Kind-Familie zu verteidigen. Mit diesen Protestaktionen wird nicht nur auf Homosexuelle gezielt, sondern auf alle außerhalb des traditionellen kirchlichen Schemas Lebenden. Demnächst werden sie fordern, Alleinerziehende wieder unter Vormundschaft zu stellen. Und diese Praxis ist noch nicht so lange her und wird auf Teilgebieten heute noch in Deutschland praktiziert. Die Leute bedienen sich übrigens einer ausgesprochenen Heuchelei.

A. Kollontai war eine engagierte gebildete Frau und ihrer Zeit weit voraus. Mit einer Stalin-Ära hat das nichts zu tun.

Bis auf die oben genannten Ausrutscher ist dem Artikelzuzustimmen.



 

Veröffentlicht in Kultur und Gesellschaft

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Thomas 02/01/2013 09:27


Natürlich ist das Zitat aus dem Zusammenhang gegriffen. Aus diesem Grund haben wir den Artikel direkt verlinkt. Wer auf (CENESEX) klickt, wird mit dem Interview verbunden.

Sepp Aigner 02/01/2013 12:24



Mir kam´s darauf an, was der Kommentar klarstellt: Kommunisten und fortschrittliche Bürgerliche treten schon seit Ende des 19, Jahrhunderts für die Beendigung der Diskriminerung ein. Ich
halte das für einen Massstab für Zivilisertheit. Überall, wo es rückwärts geht, wie seit dem Ende der SU in Russland, ist das verbunden mit Homophobie.