Nordkorea: Facebook-Fake

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Vor einigen Tagen hat Nordkorea einen Twitter- und Facebook-Account eingerichtet. Nicht fuer lange. Facebook hat den Account geloescht.

 

Mein Parteibuch schreibt dazu:

 

 

Unsere freien Medien und die Propaganda der Anderen
von @ 23:52. abgelegt unter Medienmanipulation, Korea

Lange Zeit wurde in freien Medien das Bild vermittelt, Nordkorea lebe in der informationstechnischen Steinzeit. Die nordkoreanische TLD liegt brach und ob Nordkorea überhaupt wüsste, was Internet ist, wurde als sehr zweifelhaft dargestellt. Unsere freien Medien vermittelten den Eindruck, Nordkorea sehe freie Medien und Informationsfreiheit als große Gefahr an. Freien Medien seien eine Gefahr für Nordkorea, wollten unsere freien Medien uns glauben machen, denn dann würde die nordkoreanische Propaganda nicht mehr wirken.

Und nun sprach sich auf einmal herum, dass Nordkorea nicht nur eine englischsprachige Nachrichtenagentur mit Nachrichten in einer erstaunlich deutlichen Sprache, sondern auch diverse eigene Webseiten, befreundete Webseiten und auch einen Twitter- und einen Facebook-Account hat. Da wurde umgehend reagiert: ein gefakter nordkoreanischer Account wurde eingerichtet, wo, wie ein Sturmgeschütz freier Medien es ausdrückte, “drastische Rektal-Scherzchen” gegen die nordkoreanische “Propaganda” verbreitet wurden. Hach, was haben wir gelacht. Bei uns gibt es schließlich freie Medien, die die Bevölkerung informieren. Nordkorea hingegen macht Propaganda.

 

Und doch gibt es ein Problem. Auch “drastische Rektal-Scherzchen” können auf Dauer nicht verdecken, dass die freien Medien ihren Bevölkerungen systematisch dicke Lügen zur Einstimmung auf Angriffskriege auftischen. Tonkin-Zwischenfall? Hach, was haben die Nordkoreaner gelacht. Aus Brutkästen geworfene Babys? Hach, was haben die Nordkoreaner gelacht. Massenvernichtungswaffen im Irak? Hach, was haben die Nordkoreaner gelacht.

Wie geht die freie Welt nun damit um, wenn Nordkorea die dicken Lügen der freien Medien bezüglich Korea als solche benennt? Facebook, der Inbegriff der freien Medien aus dem Land der Freiheit hat dafür nun eine Lösung gefunden: der echte nordkoreanische Facebook-Account wurde gerade gelöscht. Der gefälschte Account darf natürlich bestehen bleiben.

 

“Drastische Rektal-Scherzchen” sollen der Bevölkerung der freien Welt reichen, um sich über die Ansichten Nordkoreas zu informieren. Nicht auszudenken, wenn die freien Medien einen Atomkrieg gegen Nordkorea vorbereiten sollen und die Bevölkerung der freien Welt würde darüber von Nordkorea vorab aufgeklärt.

 

Hach, was haben wir gelacht.

 

http://www.mein-parteibuch.com/blog/2010/08/23/unsere-freien-medien-und-die-propaganda-der-anderen/

Veröffentlicht in Medien

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K
<br /> <br /> Hallo Sepp,<br /> <br /> <br /> was soll ich sagen, nun lese ich nicht alles, und den koreanischen Text kann ich ohnehin nicht verstehen. Was andererseits nicht so wichtig ist, da es hier um die Sache an sich geht. Vergessen<br /> sollte wir dabei aber nicht, so wie ein ganzes Land „abgeklemmt“ werden kann, kann dieses auch jeden einzelnen treffen, und das ist es dann, mit der Freiheit der Meinung und der Medien.<br /> Andererseits, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg und gerade Verbote verraten viel über das System.<br /> <br /> <br /> Gruß<br /> <br /> <br /> <br /> <br />
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K
<br /> <br /> Interessanter Beitrag, danke, hätte sonst wahrscheinlich nichts davon mitbekommen.<br /> <br /> <br /> Ja, wie das Leben eben so ist, Freiheit ist nun mal nicht gleich Freiheit, egal über welches Medium sie gerade transportiert werden soll. Und da Nordkorea sowieso ein Land der Unfreiheit ist, hat<br /> deren Meinung in der freien Welt nichts zu suchen. Immerhin soll sich ja die Unfreiheit, dem Diktat der Freiheit beugen, aber was ist eigentlich Freiheit? <br /> <br /> <br /> (Allgemein betrachtet, … es fehlen ein paar Attribute, welche Freiheit konkret und fassbar machen und die Interessen dahinter offenbaren.)<br /> <br /> <br /> Nun ja, was wurde nicht alles schon auf dem Schrein der Freiheit geopfert, wenn nicht gar die Freiheit selbst, meistens die der Anderen! Dabei handelt es sich weniger um einen Medienkrieg,<br /> sondern eher um einen Kampf unterschiedlicher Interessen, welcher eben auch mittels Medien ausgetragen wird. Angesichts der verlautbarten Tatsachen, anscheinend sogar um Klassenkampf.<br /> <br /> <br /> Gruß<br /> <br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Mir war die nordkoreanische "Medien-Offensive" gleich aufgefallen (http://kritische-massen.over-blog.de/article-nordkorea-twittert-55674128.html ) und ich war gespannt, wie<br /> der Gegenzug ausfaellt. Na, der kam ja ziemlich prompt. Die Freiheit wird von den zustaendigen Diensten wirklich gut geschuetzt, und deren Zugriff auf die Kommunikationsmittel scheint ziemlich<br /> direkt zu sein.<br /> <br /> <br /> <br />
A
<br /> <br /> Man muss die nordkoreanische Regierung ja nicht mögen, aber dies ist ein Medien-Krieg der leider allzu häufig einem heissen Krieg des Westens voran geht. Der Cheonan-Zwischenfall ziegt dies<br /> überdeutlich. Ausser den USA glaubt wohl niemand auf der Welt die offizielle Hillary-Clinton-Version dieser Schmierenkommödie?<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Stimmt, die Medienfront ist nur eine. Seit Juni laufen fast ohne Unterbrechung Militaermanoever Suedkoreas und/oder der USA, alle in provokatorischer Naehe zu Nordkorea (und China), bis in den<br /> September hinein. - Gerade so, als waere man scharf darauf, dass es zu einem "Zwischenfall" kommt. In den Mainstream-Medien erfaehrt man ueber diese Provokationen so gut wie nichts -<br /> bezeichnenderweise.<br /> <br /> <br /> <br />