Österreich: Eine neue kommunistische Partei in Gründung

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

2005 hat sich in Österreich die Kommunistische Initiative gegründet. Das war die notgedrungene Antwort auf die Entwicklung in der KPÖ, die, mit Ausnahme einiger ihrer Gliederungen, in eine linke Beliebigkeitspartei verwandelt worden war. Aus dieser Initiative entsteht jetzt eine neue kommunistische Partei, die Partei der Arbeit:

 

Hier der Entwurf der Grundsatzerklärung:

 

Zur Gründung und zu den Grundsätzen einer revolutionären Partei der österreichischen Arbeiterklasse

 

 

Resolution der 8. Generalversammlung der Kommunistischen Initiative Österreich, Wien, 2. Februar 2013

 

Die Generalversammlung der Kommunistischen Initiative Österreich erklärt es hiermit zu ihrem Ziel, auf Grundlage und im Sinne des untenstehenden Entwurfs einer Gründungs- und Grundsatzerklärung eine politische Partei zu gründen. Der Vereinsvorstand der KI, ihre Grundorganisationen und Mitglieder werden in den kommenden Wochen und Monaten auf gezielte und systematische Weise dahingehend wirken, diese inhaltliche Basis einerseits in der Organisation selbst zu verankern, andererseits sie auch als inhaltliche Grundlage für Diskussionen mit Mitgliedern befreundeter Organisationen oder unorganisierten Menschen über die Notwendigkeit dieser Neugründung, ihr Wesen und ihre Ausrichtung sowie konkret über eine etwaige Teilnahme an der Gründungsversammlung bzw. die künftige Mitgliedschaft in dieser Partei anzuwenden.

 


Siehe auch: Von der Kommunistischen Initiative zur Partei der Arbeit



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"Bildet euch, denn wir brauchen all eure Klugheit. Bewegt euch, denn wir brauchen eure ganze Begeisterung. Organisiert euch, denn wir brauchen eure ganze Kraft." - Antonio Gramsci

 

Gründungs- und Grundsatzerklärung der Partei der Arbeit Österreichs

Präambel

 

Die österreichische Arbeiterbewegung verfügt über eine ehrenvolle und kämpferische Geschichte. Ihre Meilensteine sind die Gründung der Sozialdemokratie 1888/89 und der Kommunistischen Partei 1918. Die österreichische Arbeiterbewegung stand 1918 bereits knapp vor der möglichen Überwindung des Kapitalismus. Sie hat sich im Februar 1934 zum Aufstand gegen den austrofaschistischen Putsch erhoben. Sie hat die Hauptlast im Kampf gegen die beiden faschistischen Diktaturen 1934-1945 sowie im nationalen Freiheitskampf 1938-1945 getragen. Sie hat in der Ersten und Zweiten Republik wichtige Reformen, demokratische, soziale und gesellschaftliche Verbesserungen erkämpft, sie war Schrittmacher für gesellschaftlichen und sozialen Fortschritt, für Frieden und Demokratie.

 

Die Gegenwart ist eine andere. Die Führung der Sozialdemokratie ist bereits vor einhundert Jahren auf die Seite des Kapitals, des Imperialismus und der Gegenrevolution gewechselt. Heute ist die SPÖ ihrem Wesen nach eine kapitalistische Partei, die selbst eine wichtige Stütze und profitorientierte Teilhaberin des staatsmonopolistischen Kapitalismus in Österreich darstellt. Sie hat nur noch fälschlich ihren Anhang und ihre Basismitgliedschaft in der Arbeiterschaft, nämlich vor allem zu dem Zweck, um die Arbeiterinnen und Arbeiter zugunsten des Kapitals zu täuschen, zu betrügen und immer wieder zu verraten. Sie trägt lediglich eine arbeiterfreundliche und soziale Maske, während sie sich durch ihre tatsächliche Politik sowie ihre politischen, wirtschaftlichen und persönlichen Verstrickungen in das System immer wieder als Partei des Kapitals entlarvt. Dennoch ist festzustellen, dass an der Basis aufrechte und ehrliche Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, Sozialistinnen und Sozialisten tätig sind, die hoffen, diese Partei wieder zum Guten, also zum Sozialen, zum Sozialistischen verändern zu können. Doch das Ergebnis dieser Bestrebungen ist seit Jahrzehnten immer dasselbe: Nicht diese Mitglieder mit den besten Absichten verändern die Partei, sondern die Partei verändert die Mitglieder und ihre Absichten. Und wer sich nicht anpasst, wird früher oder später keinen Einfluss mehr haben und von Mandaten und Funktionen entfernt.

 

Die kleinere Arbeiterpartei, die KPÖ, ist bundesweit gesehen auf dem Nullpunkt gesellschaftlicher Relevanz angelangt - und das hat sie auch selbst zu verantworten. Indem sie mittlerweile auf die Arbeiterklasse als Bezugspunkt, auf den Klassenkampf, die Revolution und damit auch den Sozialismus verzichtet, ist sie heute wohl eine kapitalismuskritische, aber ansonsten eine der Arbeiterklasse völlig entfremdete, ideologisch beliebige, allgemein-linke Partei, die auf eine Verwandlung des Kapitalismus in eine "solidarische Gesellschaft" hofft und falsche kleinbürgerliche bis reformistische Ideen propagiert. Das ist weder das, was die Arbeiterklasse anspricht, noch das, was sie braucht, und weder inhaltlich noch strategisch ein Ausdruck der revolutionären Arbeiterbewegung und ihrer wissenschaftlichen Weltanschauung, von denen sich die KPÖ bewusst distanziert. Dennoch gibt es in Teilen der KPÖ durchaus praktisch engagierte und theoretisch fundierte Mitglieder, die für ehrliche Arbeiterpolitik, antiimperialistische Positionen und revolutionäre Ziele eintreten. Sie bilden jedoch eine klare Minderheit, deren Einfluss in der Partei regional bzw. kommunal beschränkt ist und bleiben wird, ihr ehrliches Engagement wird auch weiterhin keine Auswirkung auf die Politik der KPÖ haben, sie werden ermüden und resignieren.

 

Es mag bedauerlich sein, dass die beiden klassischen, früheren Arbeiterparteien Österreichs ihrem ursprünglichen Charakter heute nicht mehr entsprechen, ja gar nicht entsprechen wollen, dass sie daher kaum noch einen realen Nutzen für die Arbeiterklasse haben. Doch es ist ihre Entscheidung, sich als mehr oder weniger integrale Bestandteile des bürgerlichen Parteienspektrums zu positionieren, und dies muss zur Kenntnis genommen werden. Allerdings erwächst genau daraus die Notwendigkeit, die bestehende Lücke zu füllen - nicht in erster Linie, aber auch, weil es sonst rechte und rechtsextreme Gruppierungen versuchen, die sich - obwohl in Wirklichkeit Speerspitzen des Kapitals - als Vertreter der "einfachen Menschen" ausgeben und mit falschen Versprechungen und demagogischen Lügen die Arbeiterinnen und Arbeiter irreführen und gegeneinander aufhetzen möchten, damit sie abgelenkt sind und nicht gegen ihren wahren Feind, den Kapitalismus, aktiv werden.

 

Die Hauptsache ist aber: Schon die gegenwärtige Situation und erst recht die Zukunft bedürfen wieder einer eigenständigen, kämpferischen und letztlich auch revolutionären Partei der Arbeiterklasse, die auf den Klassenkampf statt auf die "klassenharmonische" Unterordnung unter das Kapital setzt. Die auf die Mobilisierung und Selbsttätigkeit der Arbeiterinnen und Arbeiter statt auf Stellvertreterpolitik, auf konsequente soziale und Arbeitskämpfe statt auf "sozialpartnerschaftliche" Bettelei gegenüber dem Kapital, auf gesellschaftlichen Fortschritt statt auf asozialen Konterreformismus, auf Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit statt auf Opportunismus, auf Internationalismus statt auf antinationalen Kosmopolitismus setzt. Die auf Antiimperialismus statt auf chauvinistischen EU-Europäismus, auf Friedenspolitik statt auf Militarismus sowie auf die Verwirklichung des Sozialismus statt auf die Verewigung des Krisenkapitalismus setzt. - Eine solche Partei ist notwendig, die Arbeiterklasse braucht sie.

 

Es ist an der Zeit, die besten Traditionen der österreichischen Arbeiterbewegung wieder aufzugreifen und weiterzuführen.

 

Es ist an der Zeit, die Arbeiterbewegung unter den veränderten Bedingungen des 21. Jahrhunderts neu zu organisieren und zu formieren.

 

Es ist an der Zeit, den Kampf der Arbeiterbewegung gegen den Kapitalismus und Imperialismus sowie ihre zerstörerischen Auswirkungen wieder aufzunehmen und konsequent zu führen.

Es ist an der Zeit, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter sowie die mit ihnen verbündeten Schichten der Bevölkerung hierfür wieder eine eigene, kämpferische und revolutionäre Partei bekommen.

 

I. Gründung

 

Aufgrund dieser Erwägungen wird hiermit die Gründung und Konstituierung der Partei der Arbeit Österreichs (PdA) erklärt.

 

Dieser formelle Akt steht nicht isoliert da: Er wurde zuvor theoretisch und praktisch ausführlich vorbereitet. Er verlangt danach selbstredend den weiteren gezielten strukturellen Auf- und Ausbau der Parteiorganisationen, die Entfaltung umfassender Tätigkeiten und Aktivitäten sowie die ständige Auseinandersetzung mit der Analyse, Strategie und politischen Praxis der PdA. Es versteht sich von selbst, dass eine neue revolutionäre Partei der Arbeiterklasse nicht per Deklaration zu einer solchen wird, sondern dass sie sich durch konsequente Arbeit in und mit der Klasse, durch aufrichtige Teilnahme an ihren Kämpfen, durch ehrliche Interaktion mit den Massen entwickeln wird und muss.

 

Das Selbstverständnis der PdA, ihr Wesen, ihre Aufgaben und Ziele werden in den folgenden Kapiteln, welche die politischen, ideologischen und programmatischen Grundsätze der PdA enthalten, erläutert.

 

II. Selbstverständnis

 

Artikel 1. Die PdA ist eine Partei der arbeitenden Menschen. Die Arbeiterklasse ist die unterdrückte und ausgebeutete Klasse im Kapitalismus: Der Kapitalist kauft die Arbeitskraft eines Arbeiters/einer Arbeiterin und erhält das Arbeitsprodukt. Dieses ist jedoch mehr wert als der Lohn, den der Arbeiter/die Arbeiterin erhält. Die Differenz - den Mehrwert - eignet sich der Kapitalist als Profit an. Er lässt also den Arbeiter/die Arbeiterin teilweise unentgeltlich für sich arbeiten, arbeitet selbst nicht, zieht damit aber den Reichtum an sich, wohingegen den Arbeitenden nur die notwendigen Existenzmittel zugestanden werden. - Während die Kapitalisten die reaktionäre Klasse bilden, ist die Arbeiterklasse die revolutionäre Klasse im Kapitalismus. Ihre eigenständige Organisierung ist Voraussetzung dafür, dass sie den Kampf um ihre eigene Befreiung sowie um jene der gesamten Menschheit erfolgreich führen kann.

 

Artikel 2. Die PdA ist eine antikapitalistische Partei. Der Kapitalismus ist ein globales System der Unterdrückung und Ausbeutung, der Spaltung der Menschheit in eine kleine Minderheit der kapitalistischen Eigentümer und eine große Mehrheit der besitzlosen Arbeiter und Arbeiterinnen, in Reiche und Arme. Die kapitalistische Lohnarbeit ist das Instrument der Anhäufung immer größerer Reichtümer auf Seiten der Ausbeuterklasse der Kapitalisten, der Bourgeoisie, sowie der permanenten Existenzunsicherheit und materiellen Knappheit für die arbeitenden Menschen. Dies führt jedoch auch immer wieder dazu, dass die Arbeiter in ihrer Eigenschaft als Konsumenten sich irgendwann ihre selbst geschaffenen Produkte nicht mehr leisten können, weshalb die Kapitalisten auf ihren Waren sitzenbleiben: Dies ist die grundlegendste Ursache jeder kapitalistischen Krise. - Das System des Kapitalismus und der Lohnarbeit gründet sich darauf, dass die Produktionsmittel für die Kapitalisten monopolisiert sind, während die Arbeiter und Arbeiterinnen nichts besitzen außer ihrer physischen und geistigen Arbeitskraft. Die historisch notwendige Überwindung des Kapitalismus bedarf daher der Aufhebung des kapitalistischen Privateigentums an Produktionsmitteln und deren Überführung in gesellschaftliches Eigentum.

 

Artikel 3. Die PdA ist eine revolutionäre Partei des Klassenkampfes. Der Klassenkampf ist das Mittel und die Triebkraft gesellschaftlicher Veränderungen. Die PdA führt den Klassenkampf gegen die Bourgeoisie und die bürgerlichen Herrschaftsinstrumente auf politischem, ökonomischem und ideologischem Gebiet. Der integrale Höhepunkt des Klassenkampfes der Arbeiterklasse ist deren soziale Revolution, in der die Kapitalistenklasse politisch entmachtet und der in ihren Händen monopolisierten Produktionsmittel enteignet wird.

 

Artikel 4. Die PdA ist eine sozialistische und kommunistische Partei. Und dies im eigentlichen Wortsinn: Ihr strategisches Ziel besteht in der sozialistischen Revolution und im Aufbau des Sozialismus. Der sozialistische Staat als demokratische Herrschaft der organisierten Arbeiterklasse und der mit ihr verbündeten Schichten bei gleichzeitiger Niederhaltung gegenrevolutionärer Elemente ist Voraussetzung für den späteren Übergang zur klassenlosen Gesellschaft (Kommunismus) und somit der Aufhebung jeglicher Herrschaft.

 

Artikel 5. Die PdA ist eine antiimperialistische Partei. Das Weltsystem des Imperialismus teilt die Erde in imperialistische Mächte und abhängige Länder, die von ersteren unterdrückt und ausgebeutet werden. Die PdA steht immer auf der Seite der Unterdrückten und Bedrohten. Sie verteidigt das Selbstbestimmungsrecht der Völker, setzt sich für nationale Souveränität und Unabhängigkeit ein und unterstützt antiimperialistische Befreiungsbewegungen. Sie bekämpft die verschiedenen nationalen Imperialismen, seien es der USA-Imperialismus oder die im imperialistischen Bündnis der Europäischen Union zusammengefassten Mächte, insbesondere den aggressiven deutschen Imperialismus, der - nicht zuletzt über das Vehikel EU - auch Österreich seiner nationalen und demokratischen Souveränität berauben möchte. In diesem Sinne tritt die PdA auch für den Austritt Österreichs aus der EU sowie deren Zerschlagung ein. Stattdessen strebt sie den solidarischen und gleichberechtigten Zusammenschluss der Völker an. Gleichzeitig bekämpft die PdA die imperialistischen Aktivitäten des österreichischen Großkapitals, das den Hauptfeind der österreichischen Arbeiterklasse darstellt und in einigen Ländern Ost- und Südosteuropas hauptverantwortlich für deren imperialistische Unterdrückung und Ausbeutung ist.

 

Artikel 6. Die PdA ist eine österreichische Partei. Sie verteidigt die nationale Souveränität und Unabhängigkeit Österreichs sowie das demokratische Selbstbestimmungsrecht seiner Bevölkerung. Sie tritt ein für die Interessen der arbeitenden Menschen, die in diesem Land leben, ungeachtet ihrer Herkunft oder Sprache. Die PdA bestimmt ihre Aufgaben gemäß den nationalen Besonderheiten und konkreten spezifischen Bedingungen Österreichs sowie der dynamischen Zusammensetzung seiner Arbeiterklasse.

 

Artikel 7. Die PdA ist eine internationalistische Partei. Das eigentliche Kampffeld der PdA liegt in Österreich: Hier muss der Klassenkampf geführt werden, hier muss das Kapital zurückgedrängt und entmachtet werden. Diese Aufgabe mit aller Konsequenz zu verfolgen und zu erfüllen, ist der beste Beitrag zum gemeinsamen internationalen revolutionären Kampf der weltweiten Arbeiterklasse und ihrer Parteien. Die PdA versteht sich in diesem Sinne als integraler Teil und als österreichische Abteilung der internationalen Bewegung der kommunistischen und Arbeiterparteien. Der Internationalismus der PdA besteht in der bewussten Solidarität gegenüber, in der wechselseitigen Unterstützung der und in der aktiven Zusammenarbeit, Kooperation und Beratung mit revolutionären Parteien anderer Länder. In diesem Zusammenhang wendet sich die PdA auch gegen jede Form von Nationalismus und Chauvinismus, gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Woher auch immer die arbeitenden Menschen eines Landes, eines Kontinents oder eben des ganzen Planeten kommen, sie haben gemeinsame Klasseninteressen und dürfen sich nicht nach Herkunft, Nationalität, Sprache, Hautfarbe, Geschlecht oder Religion von der Bourgeoisie gegeneinander ausspielen und spalten lassen - nicht auf nationaler Ebene und nicht im internationalen Rahmen.

 

Artikel 8. Die PdA ist eine antifaschistische Partei. Sie bekämpft vehement alle Versuche einer schleichenden Faschisierung des Staatsapparates "von oben" ebenso wie Aktivitäten faschistischer Gruppierungen "von unten". Hierbei verteidigt sie bedingungslos die bürgerliche Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sowie die liberale Gesellschaft gegen den Faschismus, im Wissen, dass diese ebenfalls Elemente bürgerlicher Herrschaft sind. Sie unterstreicht den Charakter des Faschismus als besondere monopolkapitalistische Herrschaftsform, als offene und terroristische Diktatur der reaktionärsten und aggressivsten Teile des Monopol- und Finanzkapitals, somit als eigenes Kind des Imperialismus und Kapitalismus. Daher bedeutet ein konsequenter Antifaschismus, der die Gefahr des Faschismus für immer bannen möchte, auch Antiimperialismus und Antikapitalismus.

 

Artikel 9. Die PdA ist eine antimilitaristische Partei. Sie kämpft gegen Krieg, Militarismus, Aufrüstung sowie imperialistische Interventionen und Okkupationen. Sie tritt für die Auflösung aller Militärbündnisse ein, insbesondere der NATO, von der die Hauptgefahr für den Frieden ausgeht. Sie lehnt die Militarisierung der EU und die Teilnahme des österreichischen Bundesheeres an EU-Kampf- und Besatzungseinsätzen ab. Sie verteidigt die Neutralität Österreichs und fordert eine internationale Krisenlösungs- und Friedenspolitik des österreichischen Staates auf dieser Grundlage. Der PdA ist jedoch bewusst, dass der Imperialismus an sich nicht friedfertig sein kann, denn die verschiedenen imperialistischen Hauptmächte und ihre Verbündeten stehen immer im konkurrierenden Kampf um Rohstoffe, Absatzmärkte, Investitionsmöglichkeiten, billige Arbeitskräfte und Einflusssphären - er kann nur für bestimmte Perioden, unter bestimmten Bedingungen und durch das Wirken einer starken Friedensbewegung zum Frieden gezwungen werden. Eine Friedensgarantie gibt es nur jenseits des Imperialismus als Weltsystem.

 

Artikel 10. Die PdA ist eine emanzipatorische Partei. Sie versteht den Kampf um die völlige Gleichstellung, Selbstbestimmung und Befreiung der Frau als verpflichtenden Teil des Klassenkampfes der Arbeiterklasse um ihre Rechte und den Sozialismus. Die PdA lehnt geschlechterspezifische Diskriminierung, Sexismus, reaktionäre Rollenbilder und patriarchale Hierarchien ab und setzt sich für deren Überwindung ein.

 

Artikel 11. Die PdA ist eine ökologische Partei. Mit der Fähigkeit des Menschen, in entscheidende Bereiche der Natur, der Flora und Fauna, der Landschaftsgestaltung und sogar des Klimas einzugreifen, sie beabsichtigt oder unbeabsichtigt zu verändern, geht die Pflicht einher, im Eigeninteresse, im Interesse zukünftiger Generationen sowie zum Schutze bedrohter Lebewesen und Ökosysteme erhaltend zu agieren. Die PdA bekennt sich daher zum umfassenden Umweltschutz, zu nachhaltiger Produktion, Landwirtschaft und Ressourcengewinnung, zu einem menschen- und umweltgerechten Transport- und Bauwesen sowie zu erneuerbarer und sicherer Energiewirtschaft. Sie stellt sich gegen das rücksichtslose kapitalistische Profitprimat zulasten von Mensch, Tier und Umwelt und misst wissenschaftlichen, technischen und produktiven Fortschritt an dessen ökologischer Verträglichkeit.

 

Artikel 12. Die PdA ist eine demokratische Partei. Sie ist innerlich organisiert nach den Prinzipien des demokratischen Zentralismus. Dieser beinhaltet Rechte und Pflichten der Mitglieder, der Parteiorganisationen und der Parteiorgane. Das Parteistatut erteilt genaue Auskunft über die auf dieser Basis von der Mitgliedschaft auf demokratische Weise selbst bestimmten und beschlossenen Normen des Parteiaufbaus und Parteilebens.

 

Artikel 13. Die PdA ist eine marxistisch-leninistische Partei. Ihr gesamtes Wirken basiert auf den grundlegenden theoretischen Erkenntnissen von Karl Marx, Friedrich Engels und W. I. Lenin. Aufgabe der PdA ist es, den Marxismus-Leninismus anzuwenden sowie schöpferisch weiterzuentwickeln. Sie verteidigt den Marxismus-Leninismus gegen Entstellungen und Angriffe, seien sie revisionistischer oder "linksradikaler" Natur.

 

III. Ziele

 

Artikel 14. Die Strategie der PdA ist auf das Hauptziel der sozialistischen Revolution und des Aufbaus des Sozialismus in Österreich gerichtet. Dieses ist nicht zu ersetzen durch eine "soziale Demokratie", eine "solidarische Gesellschaft", eine "soziale Marktwirtschaft" oder dergleichen, denn diese verbleiben entweder im Rahmen des Kapitalismus oder stellen einen Widerspruch in sich dar. Die beiden zentralen Elemente der sozialistischen Revolution sind die politische Macht der organisierten Arbeiterklasse und die Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Auf dieser Basis kennt der Sozialismus einige weitere Grundsätze: die planmäßige Steigerung der Produktivität; dadurch die Sicherung des materiellen Lebens aller Menschen; die Abschaffung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen; die Überwindung der Teilung der Gesellschaft in Klassen; die Ausschaltung von Kriegen aus dem Leben der Menschen; die ökologisch nachhaltige Produktion; die Förderung sozialistischen Bewusstseins. Diese Prinzipien haben allgemeine Gültigkeit. Davon abgesehen gibt es jedoch keine Patentrezepte oder fertigen Modelle für den Sozialismus, die umzusetzen oder nachzuahmen wären. Der Sozialismus in Österreich wird ein österreichischer Sozialismus sein, der sich aufgrund der Analyse der eigenen Voraussetzungen und der spezifischen Besonderheiten ergibt und bewusst auf wissenschaftlicher Grundlage gestalten lässt.

 

Artikel 15. Mit der Verfolgung dieses Hauptziels trägt die PdA als Teil einer internationalen, weltumspannenden revolutionären Arbeiterbewegung zur weltweiten Überwindung des Kapitalismus bei. Ebenso wie der österreichische Weg zum Sozialismus und zur klassenlosen Gesellschaft ein selbstbestimmter sein wird, ist es auch umgekehrt unzulässig, anderen Nationen Vorschriften machen zu wollen. Unter diesem Gesichtspunkt anerkennt und verteidigt die PdA die historische Bedeutung des "Frühsozialismus" in Europa und der UdSSR im 20. Jahrhundert. Die PdA erklärt sich im selbigen Sinne solidarisch mit gegenwärtigen sozialistischen oder sozialistisch orientierten Ländern. Beides enthebt die PdA jedoch nicht ihrer Pflicht, vergangene, gegenwärtige und auch zukünftige sozialistische Revolutionen und Staaten einer eigenen kritischen Analyse und Betrachtung zu unterziehen. Nur dies ermöglicht es, aus internationalen Erfahrungen - seien sie positiv oder negativ zu bewerten - zu lernen.

 

Artikel 16. Das Ziel der Befreiung der Arbeiterklasse kann im Kapitalismus nicht erreicht werden, doch können Verbesserungen zugunsten der arbeitenden Menschen erkämpft werden. Hierfür braucht es starke Arbeiterparteien und kämpferische Gewerkschaften, die bereit, willens und fähig sind, dem Kapital zu trotzen und ihm Zugeständnisse abzuringen. Dies betrifft zum Beispiel höhere Löhne und Gehälter, bessere Arbeitsbedingungen, betriebliche Mitbestimmung und Arbeitszeitverkürzung. Es betrifft die soziale Absicherung der Arbeitenden und der Arbeitslosen, die Sicherheit und Höhe der Pensionen und Renten sowie die Verlegung der steuerlichen Hauptlast von den Arbeitenden zu den Kapitalisten, Spekulanten und Großeigentümern, zu den Banken und Konzernen.

 

Artikel 17. Das Ziel der vollständigen Gleichheit der Menschen bleibt der klassenlosen Gesellschaft vorbehalten, erst in einer höheren Phase der kommunistischen Gesellschaft wird das Prinzip gelten: Jeder/jede nach seinen/ihren Fähigkeiten, jedem/jeder nach seinen/ihren Bedürfnissen. Selbst im Sozialismus wird Ungleichheit fortbestehen, da das Prinzip der Leistung als Grundlage der Güterverteilung dient, sowie aus Gründen der sozialen Fairness, die eine unterschiedliche Behandlung verschiedenartiger Situationen und Bedingungen verlangt. Doch ist auch im Kapitalismus bereits ein Abbau von Ungleichheit möglich, nicht nur zugunsten der arbeitenden Menschen und der Armen gegenüber den Kapitalisten und den Reichen, sondern auch bezüglich bestimmter Personengruppen, die aus willkürlichen, vorherrschenden ideologischen und kapitalistischen Gründen ungleich behandelt, schlechter gestellt oder diskriminiert werden. Dies betrifft zum Beispiel die Gleichstellung und die Rechte der Frauen, von nationalen Minderheiten, von Immigrantinnen und Immigranten, von Menschen mit Behinderung oder von Menschen mit alternativen, von der bürgerlichen oder konservativen Vorgabe abweichenden Lebens-, Familien- oder Beziehungsentwürfen oder ebensolchen sexuellen Orientierungen. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass die Gleichstellung im bürgerlichen Staat in vielen Bereichen immer nur eine formelle sein und bleiben wird, denn der Kapitalismus beruht in seiner realen Praxis nun einmal auf Ungleichheit.

 

Artikel 18. Das Ziel einer geschwisterlichen Gemeinschaft und Gesellschaft der Solidarität gehört zu den Kernaufgaben eines sozialistischen Staates. Im bürgerlichen Staat und im Kapitalismus können den politisch und ökonomisch Herrschenden, der Bourgeoisie und ihren Gehilfen, lediglich Elemente einer gesellschaftlichen Solidarisierung abgezwungen werden, die schwer zu erkämpfen und immer wieder zu verteidigen sind. Denn die Kapitalistenklasse sieht es nicht gerne, wenn mit einem Teil ihres Profits staatliche und kommunale Einrichtungen, die für sie keinen Profit einbringen, zugunsten der arbeitenden Menschen, der Besitzlosen und der ärmeren Schichten geschaffen und erhalten werden. Ein progressiver Sozialstaat hat nicht nur die Aufgabe, für die unmittelbare soziale Absicherung der arbeitenden Menschen, der Beschäftigungslosen und ihrer Angehörigen zu sorgen, sondern muss darüber hinaus eine zum Großteil kostenlose bzw. zumindest leistbare öffentliche Grundversorgung sicherstellen, insbesondere in den Bereichen Gesundheit, Kinderbetreuung, Bildung und Ausbildung, Mobilität, Kommunikation, Freizeit sowie Altenbetreuung. Dies sind Bereiche, die der kapitalistischen Profitmacherei und Profitlogik entzogen sein müssen. Ebenso müssen sie dem bürgerlichen Elitegedanken und der sozialen Selektion und Ausgrenzung entzogen werden. Kann derartiges erkämpft und gesichert werden, so stärkt dies auch den Gedanken der Solidarität und Gemeinschaftlichkeit innerhalb der Arbeiterklasse.

 

Artikel 19. Das Ziel der vollständigen demokratischen Teilhabe und der politischen Entscheidungsgewalt der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten ist eine Grundbedingung für ein sozialistisches Gemeinwesens. Die bürgerliche Demokratie des Kapitalismus gesteht nur formell allen Menschen volle demokratische Partizipation zu, in der Praxis existiert sie nicht. Denn die ökonomische, politische und finanzielle Macht der Kapitalistenklasse, ihre Funktion als "Arbeitgeber" und -verweigerer gegenüber der Arbeiterklasse, ihr Zugriff auf die Massenmedien, auf den Wissenschafts-, Bildungs- und Kulturbetrieb, ihre PR-Konzerne, ihre Lobbyagenturen, ihre weitaus größeren Zeitressourcen, die Festlegung willkürlicher Hürden sowie die offene und versteckte Korruption verhindern demokratische Mitbestimmung und hebeln sogar das allgemeine, gleiche aktive und passive Wahlrecht partiell aus; bereits erkämpfte Errungenschaften der Arbeiterbewegung werden rückgängig gemacht. Der repräsentative Parlamentarismus der bürgerlichen Demokratie entspricht daher einer faktischen Plutokratie, einer Herrschaft der Reichen und ihrer willfährigen Kollaborateure. Insofern ist es äußerst schwierig, innerhalb des Kapitalismus eine Demokratisierung des Staates und der Gesellschaft zu erreichen. Umso vehementer ist darum zu kämpfen, auch angesichts des um sich greifenden Prozesses des Demokratieabbaus in vielen Bereichen. Das bedeutet, dass die PdA für eine radikale Demokratisierung, für die tatsächliche Gleichwertigkeit aller abgegebenen Stimmen, für den Abbau aller undemokratischen Hürden, die revolutionären und Arbeiterparteien in den Weg gelegt werden, für mehr Formen direkter Demokratie auf allen Ebenen eintritt. Die Demokratisierung betrifft aber nicht nur herkömmliche Vertretungskörper, sondern demokratische Mitbestimmungsmechanismen müssen auch in den Betrieben, in Verwaltungs- und Bildungseinrichtungen und in der Armee geschaffen werden. Gleichzeitig müssen umgekehrt Privilegien für Politiker und Parteien abgeschafft und die Gehälter für Mandatare und Regierungsmitglieder massiv gekürzt und an den Arbeiterlöhnen orientiert werden. Ebenso muss die Finanzierung - versteckte Korruption - der Parteien und von Politikern durch Konzerne und Kapitalistenverbände untersagt werden. Denn hier liegt ein Mitgrund, warum die etablierte Politik und die Systemparteien nur eine vom Volk abgehobene eigene Kaste bilden, die bloß ein willfähriges Anhängsel des Kapitals sind. Ein weiterer Aspekt der Demokratie ist die nationale Souveränität Österreichs, die von den Herrschenden zugunsten undemokratischer EU-Institutionen und zugunsten der imperialistischen Führungsmacht der EU, d.h. Deutschlands, kontinuierlich aufgegeben wird. Die PdA fordert die Wiederherstellung der uneingeschränkten nationalen Souveränität und politischen Unabhängigkeit Österreichs sowie der demokratischen Selbstbestimmung der österreichischen Bevölkerung.

 

Artikel 20. Das Ziel der Überführung der Produktionsmittel in gesellschaftliches Eigentum und dessen Kontrolle durch die an der Macht befindliche Arbeiterklasse sowie die gesellschaftliche Planung der Wirtschaft sind ökonomisch die zentralen Elemente des Sozialismus. Im Kapitalismus gibt es zeitweise und/oder teilweise ein Staatseigentum an Produktionsmitteln, vor allem an großen Betrieben. Diese Tatsache hebt deren kapitalistischen Charakter nicht auf. Die kapitalistische Verstaatlichung ist zumeist lediglich ein Mittel, um schwer finanzierbare Restrukturierungen oder Expansionen, nicht, nicht mehr oder noch nicht genügend Profit abwerfende Unternehmen oder in Krisenzeiten vor dem Ruin stehende Konzerne und Banken dem Staat zu übergeben, damit dieser über den Umweg des Staatshaushaltes die Kosten auf die arbeitenden Menschen abwälzt. Ist ein Bereich oder ein Staatsbetrieb konsolidiert bzw. die Krise überwunden, so werden die Unternehmen rasch wieder privatisiert, an in- und ausländische Kapitalisten übergeben. Ihr Motto lautet: Verluste verstaatlichen und vergesellschaften, Gewinne privatisieren. Die PdA lehnt diese Methode ab und plädiert generell für die Beibehaltung des staatlichen Eigentums. Darüber hinaus stellt die PdA dieser Vorgehensweise jedoch auch das Prinzip der demokratischen Nationalisierung gegenüber. Hierbei geht es um die Überführung der großen Produktionsmittel, insbesondere aller Banken, Versicherungen und der wichtigsten Konzerne - nicht zuletzt jener in ausländischem Besitz -, in öffentliches Eigentum. Diese Form des Staatseigentums muss an ein demokratisches Mitspracherecht der beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, an die Integration der verschiedenen Interessensverbände und deren Koordinierung, an gehobene Mindeststandards im Lohnniveau, im Sozialbereich und in der Ausbildung, an der Orientierung der Unternehmenspolitik am allgemeinen Interesse sowie an ersten Schritten in Richtung einer planmäßigen, an den Bedürfnissen der Bevölkerung orientierten Wirtschaft gebunden sein. In diesem Sinne könnten große Betriebe in Staatseigentum zu antimonopolistischen Bastionen der Arbeiterklasse entwickelt werden und an die Grenzen des Kapitalismus führen. Möglich ist dies jedoch nur, wenn die allgemeinen demokratiepolitischen Voraussetzungen und eine entsprechende Stärke der revolutionären und antimonopolistischen Bewegung gegeben sind.

 

IV. Funktionen und Aufgaben

 

Artikel 21. Die Hauptaufgabe der PdA besteht in der Aufklärung, Mobilisierung und Organisierung der Arbeiterklasse. Die Befreiung der Arbeiterklasse und die Überwindung des Kapitalismus müssen und können nur ihr eigenes Werk sein, daher muss sie dazu befähigt werden. Keine Partei kann diesen Kampf stellvertretend für die Arbeiter und Arbeiterinnen führen, sondern diese müssen selbst aktiv werden und auch selbst, aufgrund eigener Erfahrung und Einsicht, von der Sache des Sozialismus überzeugt sein. Die Aufgabe der PdA ist es daher, die Arbeiterklasse mit dem Bewusstsein ihrer Lage zu erfüllen, revolutionäres Bewusstsein in der Klasse zu entwickeln und zu reproduzieren, ihr Analyse, Strategie, Taktik und Methoden anzubieten, sie mit der Partei vertraut zu machen und ihre fortgeschrittensten Teile behutsam in sie zu integrieren - kurz: die Arbeiterklasse ideologisch, strukturell und materiell kampffähig zu machen und zu erhalten. Daher ist die PdA auch kein Selbstzweck zur Vertretung besonderer, gar eigener Interessen, sondern sie erfüllt eine notwendige Funktion in der Arbeiterbewegung, sie ist ein Angebot zum Aufbau einer starken, schlagkräftigen und selbstbewussten Partei der Arbeiterklasse.

 

Artikel 22. Es ist die Aufgabe der PdA, die Verbindung mit den Massen zu organisieren und die Arbeiterklasse mit allumfassendem politischen Bewusstsein zu erfüllen. Da die PdA Politik nicht einfach nur für, sondern mit den arbeitenden Menschen betreiben möchte und muss, ist es ihre Pflicht, stets und immer wieder den Kontakt zu den Massen herzustellen. Es ist nur eine Seite, die arbeitenden Menschen zu lehren, man muss auch von ihnen lernen. Die PdA setzt daher immer bei den konkreten sozialen Bedürfnissen und Problemen der Menschen an, sie versucht, diese scheinbar individuellen Interessen zu verallgemeinern und klare und verständliche Antworten zu geben, die es den Menschen ermöglichen, ihre Lage zu erfassen, selbst aktiv zu werden und ihre Aktivitäten auszuweiten. Die Einsicht in die gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse, Zusammenhänge, Prozesse und Perspektiven sind vermittelbar und sichtbar zu machen über unmittelbare Betroffenheiten sowie in weiterer Folge darüber hinaus. Nur wenn auf diese Weise hegemoniale Ansichten unter den arbeitenden Massen entstehen, wird die revolutionäre Idee zur materiellen Gewalt.

 

Artikel 23. Es ist die Aufgabe der PdA, für positive Reformen zu kämpfen. Die PdA ist eine revolutionäre und antikapitalistische Partei, doch bedeutet dies nicht, dass sie nicht für tatsächliche und unmittelbare Reformen, für soziale und politische Verbesserungen zugunsten der arbeitenden Menschen auch im Rahmen des Kapitalismus kämpft und diese verteidigt. Solche können aber nicht von den Herrschenden erbettelt oder "sozialpartnerschaftlich" ausverhandelt, sondern nur durch den - vornehmlich außerparlamentarischen - Druck der Arbeiterklasse erzwungen werden. Es ist jedoch festzustellen, dass keine Kette von Reformen ein automatisches Hineinwachsen in den Sozialismus oder eine Transformation des Kapitalismus ermöglicht.

 

Artikel 24. Es ist die Aufgabe der PdA, den Kampf auch in bürgerlichen Institutionen zu führen. Die bürgerlich-demokratischen Vertretungskörper, das Parlament, die Landtage und Gemeinderäte, gewerkschaftliche Gremien und die Arbeiterkammer sind zwar keine Werkzeuge der sozialistischen Revolution, aber Plattformen des Klassenkampfes. Daher wird sich die PdA gegebenenfalls für Wahlteilnahmen - in Bündnissen oder selbständig - entscheiden, denn der Klassenkampf ist auch hier zu führen: Bereits jede Wahlauseinandersetzung, aber auch etwaige Mandate sind weitere Tribünen für die Aufklärung der Arbeiterklasse und für die Entlarvung des bürgerlichen Systems und des Kapitalismus. Doch in mehrfacher Hinsicht darf es keine Illusionen geben: Ohne starke außerparlamentarische Bewegung wird man in Parlamenten höchstens partiell positive Maßnahme durchsetzen können; die bürgerlichen Gesetze, Medien und Realitäten sowie die Verteilung der finanziellen Mittel in der Gesellschaft verunmöglichen gezielt eine faire Wahlteilnahme und eine entsprechende Repräsentation für revolutionäre und tatsächliche Arbeiterparteien; und etwaige Mandatare dürfen selbst nicht dem Irrglauben des rein parlamentarischen Weges verfallen, denn dies war und ist - auf Basis der Teilhabe an den imperialistischen Extraprofiten - das Einfallstor für den Opportunismus in der Arbeiterbewegung.

 

Artikel 25. Es ist die Aufgabe der PdA, bündnisfähig zu sein. Sie darf sich nicht sektiererisch isolieren oder gegenüber anderen besserwisserisch und maßregelnd verhalten. Sie ist daher bereit, mit allen sozialistischen, kommunistischen, revolutionären und linken, aber auch allen demokratischen, sozial progressiven, pazifistischen und antifaschistischen Kräften zusammenzuarbeiten, wenn es sich aufgrund einer konkreten Übereinkunft ergibt, ohne Vorbehalte aufgrund anderer Meinungsverschiedenheiten. Die PdA hat sich als verlässlicher Bündnispartner zu erweisen, der zu seinem Wort steht und dessen Handschlag gilt. Im Großen geht es um die Schaffung eines dynamischen antimonopolistischen Bündnisses für Demokratie, sozialen Fortschritt, nationale Unabhängigkeit und Frieden, das auch gesellschaftliche Schichten wie kleine Landwirte und Gewerbetreibende, Freiberufler und Intellektuelle erfasst, die objektiv ebenso im Gegensatz zum Imperialismus und Monopolkapital stehen. Die PdA gibt ihre ideologische und organisatorische Eigenständigkeit jedoch in keiner Bündniskonstellation auf.

 

Artikel 26. Es ist die Aufgabe der PdA, taktisch flexibel und beweglich zu sein. Sie muss alle Formen des politischen, ökonomischen und ideologischen Kampfes beherrschen und auch zur richtigen Zeit anzuwenden wissen. Richtige taktische Ansätze ergeben sich aus der konkreten Analyse der jeweiligen Bedingungen, der theoretischen Erwägungen und historischen Erfahrungen. Bei aller strategischen Zielsicherheit und Prinzipienfestigkeit darf man nicht auf taktische Manöver, zweckmäßige Methoden, bewegliche Strukturen und sinnvolle Etappenziele verzichten. Die PdA ist eine Partei der gesellschaftlichen Praxis, sie muss ihre Taktik - in Übereinstimmung mit dem strategischen Ziel - anhand der tatsächlichen Realität und den Erfahrungen in den Klassenkämpfen festlegen, ihre Tätigkeit aus der Praxis entwickeln, anhand dieser überprüfen, immer wieder erneuern und weiterentwickeln.

 

Artikel 27. Es ist die historische Aufgabe der PdA, für den Sozialismus zu kämpfen. Die Welt befindet sich in der Epoche des Übergangs der Menschheit vom Kapitalismus zum Sozialismus. Dieser ist heute global eine historische Notwendigkeit für die weitere menschliche Existenz und Zivilisation, denn der Kapitalismus steht für den Weg in die Barbarei, die das Überleben der Menschheit selbst infrage stellt. Im Sinne des konsequenten Kampfes für den Sozialismus hebt die PdA die Eigentumsfrage (die Aufhebung des Privateigentums an Produktionsmitteln) als Grundfrage der revolutionären Arbeiterbewegung hervor. Die zentrale Frage der sozialistischen Revolution ist die Eroberung der politischen Macht durch die organisierte Arbeiterklasse, um dem Kapital den ökonomischen Boden zu entziehen. Daran führt kein wie auch immer gearteter „dritter Weg“ vorbei. Die PdA hält es zwar nicht für unausweichlich, aber durchaus für wahrscheinlich, dass der Weg zum Sozialismus in Österreich über die Etappe der antimonopolistischen Demokratie führt, von deren Boden aus aufgrund eines nachhaltig veränderten gesellschaftlichen Kräfteverhältnisses die Kampfbedingungen um den Sozialismus optimiert sind. Dementsprechend richtet sie ihre revolutionäre Strategie aus.

 

V. Aufruf

 

Artikel 28. Die PdA ist bereit, mit allen marxistischen, klassenverbundenen und linken Kräften Aktionseinheiten zu bilden. Sie ist darüber hinaus bereit, sich an Bündnissen mit allen fortschrittlichen und demokratischen Kräften zu beteiligen. - Die PdA ruft alle diese Kräfte, Gruppen und Menschen zur gleichberechtigten, solidarischen und demokratischen Zusammenarbeit auf.

 

Artikel 29. Die PdA lädt alle Sozialistinnen und Sozialisten, Kommunistinnen und Kommunisten, Marxistinnen und Marxisten, die für sich die Notwendigkeit einer revolutionären Neuorganisierung sehen oder gegenwärtig unorganisiert sind, dazu ein, mit ihr in Kontakt zu treten. - Die PdA ruft alle diese Menschen oder Gruppen zur gemeinsamen Diskussion über die Zukunft der Arbeiterbewegung und ihre organisatorische Gestaltung auf.

 

Artikel 30. Die PdA stellt an alle Arbeiterinnen und Arbeiter, ob in einem Arbeitsverhältnis stehend oder von Arbeitslosigkeit betroffen, das Angebot, ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und sie in selbständiger Aktion zu unterstützen. - Die PdA ruft sie dazu auf, gemeinsam Widerstand gegen die Unterdrückung und Ausbeutung des Kapitalismus zu leisten.

 

Artikel 31. Die PdA ruft alle an ihr interessierten Menschen auf, sich selbst ein Bild zu machen und im Umfeld der PdA mitzuarbeiten. - Die Mitgliedschaft in der PdA steht allen Menschen, unabhängig ihrer sozialen Stellung, Herkunft oder Nationalität, offen, wenn sie sich zu den Grundsätzen der PdA bekennen und in ihrem Sinne aktiv werden möchten.

 

Artikel 32. Zu guter letzt ruft die PdA alle Menschen, deren Lage durch die Bedingungen des Kapitalismus und Imperialismus bedroht ist, dazu auf, dies nicht als unabänderliches Schicksal zu akzeptieren. Denn die Menschheit ist Herrin ihres Schicksals, wenn sie sich dessen bewusst wird. Sammelt euch, wehrt euch, lernt kämpfen und werdet dort in der revolutionären Arbeiterbewegung aktiv, wo es euch möglich ist! Anders wird das Kapital weder zurückzudrängen noch jemals zu besiegen sein.

Die PdA verschmäht es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erklärt mit ihren hier dargelegten Grundsätzen offen, dass ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung. Mögen die herrschenden Klassen vor der Revolution der Arbeiterinnen und Arbeiter zittern. Die Arbeitenden haben in ihr nichts zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen.

 

Arbeiterinnen und Arbeiter aller Länder und unterdrückte Völker, vereinigt euch!

 

Quelle: http://www.kommunisten.at/article.php?story=20130211155636424

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