Monday, 20. february 2012 1 20 /02 /Feb. /2012 10:45

 

Angetreten waren die Parteien- und Staatsfuehrer mit der Ankuendigung, einen Repraesentanten aller zu suchen. Gefunden haben sie Gauck. Das ist in Ordnung. Einen gemeinsamen Repraesentanten von Hart IV-Empfaengern, Arbeitern und Angestellten und gebeutelten Selbstaendigen auf der einen Seite und der deutschen Industrie- und Bankenwelt und ihren politischen Sachwaltern auf der anderen Seite gibt es ohnehin nicht.

 

Von den 99 % abgesehen, ist Gauck wirklich ein gemeinsamer Kandidat. Die Postenjaeger-Agenturen CDU, CSU, FDP, SPD und Gruene, die sich politische Parteien nennen, haben sich einen ausgesucht, der sie wuerdig repraesentieren wird. Da waechst zusammen, was zusammengehoert. Da ist sie, die Berliner Republik, die nur noch zeigt, dass wir eine bessere brauchen. Anders als Gauck sieht der oberste Repraesentant einer Gesellschaft nicht aus, in der sich alles ums Geld dreht und auf der Jagd danach der eigene Vorteil und Ellenbogen, das Tricksern und Taeuschen, das Kriechen vor den Oberen und das Treten nach unten die wichtigsten staatsbuergerlichen Eigenschaften sind.

 

Aber immerhin ist Gauck doch ein Mann von Format ? Das stimmt. Das Dschungelcamp ist ja schliesslich auch ein Format, und die Tages-Show und das, was vier Buchstaben im Titel traegt und sich Zeitung nennt. Zu wirklichen Format hat der Mann es in der Disziplin des Opportunismus gebracht. In der DDR hat er sich den Status eines Privilegierten zu verschaffen gewusst. Waehrend der "Wende" hat er sich der neuen Macht ngedient und seinen weiteren Aufstieg auf die Luege vom "Buergerrechtler Gauck" und die Verleumdung der DDR, in der er gepaeppelt wurde, als "Unrechtsstaat" gegruendet.

 

Gauck als Bundespraesident - das ist ein Affront gegen alle ehemaligen DDR-Buerger, die sich ihr rechtschaffenes Leben in einem auf soziale Gleichheit gegruendeten Staat nicht nachtraeglich von den Siegern und speichelleckenden Quislingen in den Dreck treten lassen. Er ist sogar ein Affront gegen die aufrichtigen Buergerrechtler in der DDR, denen es nicht um den Anschluss, sondern um eine bessere DDR ging. Zu ihnen gehoerte Gauck naeemlich nicht. Aber er schmueckt sich seit der Konterrevolution mit deren Renommee. Veraechtliche Bemerkungen ueber Hartz IV-Empfaenger und die Occupy-Bewegten, aber "differenzierte" zu Sarrazin - das ist der liberale, konservative und linke Gauck. Die FAZ hat ihm heute diese Zuordnungen verpasst, und die fiese alte Tante hat recht: Der ist, was gerade nuetzlich ist.

 

Das offizielle Deutschland wird in Gauck den Bundespraesidenten haben, den es verdient. Gekuert worden ist er uebrigens am Rosenmontag. An dem Tag fuehren bekanntlich die Narren das Szepter.

 


 


von Sepp Aigner - veröffentlicht in: Deutschland - Community: Kritische Massen
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Kommentare

Gut beobachtet.

Mir ist leider zu G. fast gar nichts eingefallen ;-)

http://opablog.net/2012/02/18/einer/

Kommentarnr1 gepostet von kranich05 am 20.02.2012 um 17h52

Na, Dein Eintrag ist zwar kurz, aber scharf.

Mir hat die Stellungnahme von Jutta Dithfurt ganz gut gefallen. Und die von Jochen Hoffbeei duckhome zeigt, dass linke Sozialdemokraten ihn ganz aehnlich sehen.

Antwort von Sepp Aigner am 20.02.2012 um 18h32

Als ich im Karnevalsumzug im Kölner Vorort vom Kandidaten Gauck erfuhr glaubte ich an einen Karnevalsscherz! Die SPD hat entweder noch nie einen Satz von Gauck gelesen oder sie ist noch verkommener als ich sie immer schon hielt, wenn sie diesen Mann unterstützt!

Kommentarnr2 gepostet von almabu am 20.02.2012 um 19h32

Ich fuerchte Letzteres. Das war doch schon ihr Kandidat gegen Wulff. Helau !

Antwort von Sepp Aigner am 20.02.2012 um 20h08

Hallo Sepp,

ja, das stimmt, er ist ein Affront gegen alle ehemaligen DDR-Bürger. Gauck ist die Siegerjustiz in Person.Schön ist ... Dschungelcamp ist auch ein Format ... Leider glaube ich, daß das, was mit ihm auf uns zukommt, schlimmer sein wird, als wir ahnen. Deshalb wäre es nicht falsch, eine Art Anti-Gauck-Bewegung zu initiieren, warum nicht im Internet anfangen?

hier ein älterer Artikel über die Aktivitäten eines Kumpels von mir, (http://siegerjustiz.de/gauck/) der gerichtliche Auseinandersetzungen über sich ergehen lassen musste (Für alle: gauck.us, gauck.co.uk, gauck.biz usw. sind noch frei. Wer Lust hat, die politischen Inhalte, für die Gauck steht, auf diese Art zu kritisieren, mein Kumpel darf es nicht mehr, aber Ihr schon ....). Warum soll diese alte Geschichte heute interessieren? Weil man vielleicht hier sieht, wie des neuen Präsidentenkandidaten persönliches Demokratieverständnis so aussieht ...

https://www.jungewelt.de/loginFailed.php?ref=/2000/06-10/011.php

10.06.2000 / Inland

Gauck gauckt das Internet

Wie der Behördenchef versucht, mit den Ärgernissen des IT-Zeitalters fertigzuwerden

Von Klaus Fischer

Wer kennt ihn nicht, den Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Der ehemalige Pfarrer Joachim Gauck und die von ihm geleitete vieltausendköpfige Behörde sind der Garant, daß der kalte Krieg bis zum Aussterben der letzten Ureinwohner der DDR gnadenlos fortgesetzt wird. Soviel heiliger Eifer bringt natürlich massenhaft Kritiker und Gegner auf den Plan. So hat der in Berlin lebende Deutsch-Kanadier Alant Jost eine einfache Methode gefunden, die BStU - so die amtliche Abkürzung der Behörde - kräftig zu zwicken: Er ließ für sich im Internet die Domain »Gauck.de« registrieren und stellte dort kritische Artikel und Presseberichte hinein. Dazu benutzt er auch ein Bild der Web-Eingangsseite der Behörde, um deren Bildauswahl und Diktion bloßzustellen, wie er gegenüber jW erklärte.

Irgendwie müssen auch die Gauck-Leute einen internetbegabten Mitarbeiter in ihren Reihen haben, denn man kam dem guten Alant Jost auf die Schliche. Vorläufiges Resultat des Gegenschlages: Gauck-Stellvertreter Peter Busse traktierte Jost mit einem Schreiben, das in Form und Diktion geeignet schien, jeden braven Staatsbürger in Panik zu versetzen. Rechtlich ziemlich fragwürdig argumentiert Busse, daß der Herr Jost das alles eigentlich gar nicht darf. »Sie bezeichnen Ihre eigene Internet-Domain mit dem Namen Gauck.de«, klagt Busse und fährt fort: »Dieser hat sich in der Öffentlichkeit zur Bezeichnung der von Herrn Gauck geleiteten Behörde (BStU) eingebürgert. So ist z.B. in der Presse und in Gerichtsurteilen durchgängig von der Gauck- Behörde die Rede. Auch im amtlichen Telefonbuch (Gelbe Seiten) ist die Behörde unter dem Namen Gauck zu finden.«

Abgesehen vom tollen Bezug auf die angeblich amtlichen Gelben Seiten, ist das schon eine eigenartige Argumentation. Hätte ich mir die Seite Fischer.de eingerichtet und darin die Politik des Auswärtigen Amtes durch den Kakao gezogen, wäre das auch unberechtigt? Kann einer die Domain Schröder.de nicht mehr benutzen, weil vorübergehend der Bundeskanzler auch so heißt?

Die Namensnutzung dürfte für die BStU nicht das eigentlich Problem sein. »Tatsächlich handelt es sich um Infos, die der Herabsetzung von Herrn Gauck und der von ihm geleiteten Behöde dienen«, diktierte Direktor Busse in den Computer und genau hier liegt wohl der Hund begraben. Gauck & Co. sind mittlerweile offenbar extrem kritikempfindlich geworden. Nicht zuletzt die permanenten Attacken des Ex-Innenministers der DDR Peter-Michael Diestel dürften dazu beigetragen haben. Aber das, bitteschön, waren doch keine Herabwürdigungen. Diese Diestel-Beiträge sind auf den inkriminierten Seiten jedenfalls zu finden. Auch ansonsten gibt es auf den Web-Seiten von Alant Jost wohl nichts, was die Behörde und Gauck herabwürdigt.

Alant Jost ist schon ein fixer Bursche. Neben der Domain »Gauck.de« für Deutschland hat er sich auch die Adressen »Gauck.org«, »Gauck.net« und »Gauck.com« angeeignet. Das sind internationale Domains, und es kann wohl kaum jemand behaupten, daß in den chinesischen oder kolumbianischen Gelben Seiten der Begriff Gauck-Behörde zu finden ist. Aber auch davon soll sich Jost trennen, geht es nach dem Willen der BStU. Sonst drohen ihm gerichtliche Schritte. Teuer soll es für ihn auch werden. Anwaltsgebühren von über 1 000 Mark soll er jetzt schon übernehmen, weil ein Advokat mal eine Seite beschrieben hat. Dazu kommen 10 100 DM, wenn er es nicht unterläßt, seine Seiten »Gauck« zu nennen. Das aber hat er nicht vor.

Leider ist die BStU kein Superkonzern, der es lediglich verpennt hat, sich unter seinem Namen registrieren zu lassen. Dann hätte der pfiffige Gauck-Kritiker die Chance, sich die Rechte für viel Geld abkaufen zu lassen. Beispiele dafür, daß sich Leute berühmte Namen als Domain registrieren ließen, gibt es massenweise. Am besten sollte die Gauck-Busse- Behörde mal ihr reichliches Budget überschauen und Jost ein attraktives Angebot machen. Letztlich ist alles eine Frage von Aufwand und Nutzen.

Gruß

Marlene Tiger

 

 

Kommentarnr3 gepostet von Marlene Tiger am 20.02.2012 um 20h51

Hallo Marlene.

Lustig. Das ist, wie der Typ leibt und gauckt. Wie ist denn das ausgegangen ?

Ich halte die Wahl Gaucks fuer einen schoenen Ausdruck der Verkommenheit der "Parteien des Verfassungsbogens", wie sie sich in unfreiwilliger Selbstironie gelegentlich nennen. Ich goenne ihnen den Mann. Er wird vielen die Erkenntnis erleichtern, dass es in der buergerlichen Nation zwei Nationen gibt. Gluecklicherweise ist er nicht nur enervierend selbstgefaellig und neigt aus purer Gockelei zu Provokationen, sondern er ist auch ein Flachkopf, den jeder interessierte Oberschueler argumentativ nackig machen kann.

Eine Kampagne gegen ihn ? Da wird man nichts anleiern muessen. Der provoziert und ergrimmt jeden Linkslberalen.

Gruesse

Antwort von Sepp Aigner am 21.02.2012 um 17h46

Gauck ist eine schallende Ohrfeige für die überwiegende Mehrheit im Land... aber die rafft das ohnehin nicht, verseucht wie sie von BILDSpiegelRTL&Co. ist.

Kommentarnr4 gepostet von kowalsky am 21.02.2012 um 22h07

Hallo Sepp!Mein Unwohlsein mag  schier nicht weichen  wollen.Soviel berechtigte Unflat

über eine Person,welche sich als präsidialer Aspirant anschickt,die sozialen Impertinenzen

dieser Bundesmafia fürderhin zu repräsentieren,ist mir seitens der Blogosphäre selten

untergekommen.Man benennt diese Meinungsinkombatibilität auch mit dem neudeutschen

Neologismus Shitstorm.Auf der Site Siegerjustiz-den Marlene Tiger freundlicherweise auf

dem Blog "Mein Parteibuch" verlinkt hatte-fand ich einen aufschlußreichen Artikel über die

Gaucksche Unrechtsbehörde in Englisch-den ich daraufhin nach UK gekabelt habe.Die

Resonanz war enorm,obgleich die Briten mit Skandalen nicht unterversorgt sind.

Gruß Matthias

Kommentarnr5 gepostet von antagonistica84 am 22.02.2012 um 17h59

Hi Matthias.

Gut, wenn die kleinen Schattenseiten des neuen demokratischen Helden die groesstmoegliche Verbreitung finden.

Antwort von Sepp Aigner am 22.02.2012 um 18h57

Hallo Sepp,

dass Gauck ein Affront gegen alle ehemaligen DDR Bürger ist, sehe ich nicht so, denen wurde schon schlimmeres zugemutet. In diesem Zusammenhang sollten wir alte Teilungsrituale auch beiseite lassen, der Mensch ist für Ost und West nicht gut! Auch verdient es das Amt des Bundespräsidenten nicht überbewertet zu werden, da es eher repräsentative Aufgaben war zunehmen hat. Und einmal davon abgesehen, dass die Vorgänge um die Wahl Gaucks zum neuen Bundespräsidenten, durchaus taugen das politisch, parlamentarische System hierzulande zu entzaubern, können diese auch im weiterem Umfang der Aufklärung dienen. Zudem ist von Gauck vieles bekannt, oft wurde sich mit ihm in den letzten 22 Jahren auseinandergesetzt, seine Vorgehensweise kritisiert, sein Charakter offen gelegt und der geschiedene Bundespräsident ist gerade zu ein Weisenknabe ihm gegenüber, trotzdem wird er nominiert!

Einige Gedanken zum Thema habe ich ebenfalls niedergeschrieben, obwohl ich mich eigentlich zu diesem Thema nicht äußern wollte. http://kucaf.de/2012/02/22/gaukelei/

Kommentarnr6 gepostet von kucaf am 22.02.2012 um 19h46

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