Artikel teilen! Praesidentensuche vergauckt: Angetreten waren die Parteien- und Staatsfuehrer mit der Ankuendigung, einen Repraesentanten aller ...
Angetreten waren die Parteien- und Staatsfuehrer mit der Ankuendigung, einen Repraesentanten aller zu suchen. Gefunden haben sie Gauck. Das ist in Ordnung. Einen gemeinsamen Repraesentanten von Hart IV-Empfaengern, Arbeitern und Angestellten und gebeutelten Selbstaendigen auf der einen Seite und der deutschen Industrie- und Bankenwelt und ihren politischen Sachwaltern auf der anderen Seite gibt es ohnehin nicht.
Von den 99 % abgesehen, ist Gauck wirklich ein gemeinsamer Kandidat. Die Postenjaeger-Agenturen CDU, CSU, FDP, SPD und Gruene, die sich politische Parteien nennen, haben sich einen ausgesucht, der sie wuerdig repraesentieren wird. Da waechst zusammen, was zusammengehoert. Da ist sie, die Berliner Republik, die nur noch zeigt, dass wir eine bessere brauchen. Anders als Gauck sieht der oberste Repraesentant einer Gesellschaft nicht aus, in der sich alles ums Geld dreht und auf der Jagd danach der eigene Vorteil und Ellenbogen, das Tricksern und Taeuschen, das Kriechen vor den Oberen und das Treten nach unten die wichtigsten staatsbuergerlichen Eigenschaften sind.
Aber immerhin ist Gauck doch ein Mann von Format ? Das stimmt. Das Dschungelcamp ist ja schliesslich auch ein Format, und die Tages-Show und das, was vier Buchstaben im Titel traegt und sich Zeitung nennt. Zu wirklichen Format hat der Mann es in der Disziplin des Opportunismus gebracht. In der DDR hat er sich den Status eines Privilegierten zu verschaffen gewusst. Waehrend der "Wende" hat er sich der neuen Macht ngedient und seinen weiteren Aufstieg auf die Luege vom "Buergerrechtler Gauck" und die Verleumdung der DDR, in der er gepaeppelt wurde, als "Unrechtsstaat" gegruendet.
Gauck als Bundespraesident - das ist ein Affront gegen alle ehemaligen DDR-Buerger, die sich ihr rechtschaffenes Leben in einem auf soziale Gleichheit gegruendeten Staat nicht nachtraeglich von den Siegern und speichelleckenden Quislingen in den Dreck treten lassen. Er ist sogar ein Affront gegen die aufrichtigen Buergerrechtler in der DDR, denen es nicht um den Anschluss, sondern um eine bessere DDR ging. Zu ihnen gehoerte Gauck naeemlich nicht. Aber er schmueckt sich seit der Konterrevolution mit deren Renommee. Veraechtliche Bemerkungen ueber Hartz IV-Empfaenger und die Occupy-Bewegten, aber "differenzierte" zu Sarrazin - das ist der liberale, konservative und linke Gauck. Die FAZ hat ihm heute diese Zuordnungen verpasst, und die fiese alte Tante hat recht: Der ist, was gerade nuetzlich ist.
Das offizielle Deutschland wird in Gauck den Bundespraesidenten haben, den es verdient. Gekuert worden ist er uebrigens am Rosenmontag. An dem Tag fuehren bekanntlich die Narren das Szepter.
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