Revolutionäre Linke: Zusammenführen, was zusammengehört ?

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Bei scharf-links  steht eine von ARAB http://arab.blogsport.de/ herausgegebene Analyse der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise. ARAB ordnet sie historisch ein in den empirisch feststellbaren kapitalistischen Krisenzyklus und benennt die Ursachen der beständig wiederkehrenden Krisen. Charakterisiert werden einige politische Reaktionen auf die Krise von Seiten der Bourgeoisie und der Linken (hier namentlich Linkspartei, attac, Okkupy). Charaktersiert wird auch die Rolle der EU als Beispiel für die imperialistische Staatenkonkurrenz. Ausserdem geht es um die Perspektive derjenigen Linken, die sich zu revolutionären Standpunkten durchgearbeitet haben.

 

Wer wie ich in der DKP organisiert ist, wird in dem Text nichts Neues finden. Aber bemerkenswert ist, dass sich ein politischer Zusammenhang - ARAB - , anscheinend aus eigener Kraft, einen kommunistischen Standpunkt erarbeitet hat. ARAB scheint nicht der einzige Zusammenhang zu sein, dem das gelungen ist. Ähnliches habe ich bei 3A http://3a.blogsport.de/ gefunden. Die Relevanz dieser Gruppen hinsichtlich Mitgliederzahl, Einfluss und Organisationskraft kann ich nicht einschätzen. Eintagsfliegen sind das jedenfalls nicht. ARAB existiert mehr als fünf Jahre. Die erreichte Klarheit des Standpunkts dieser Gruppen setzt offenbar voraus, dass man sich über einen längeren Zeitraum organisert, praktische Erfahrung gesammelt und einiges an Hirnschmalz aufgewendet hat.

 

In dem hier verlinkten ARAB-Papier ist von den "traditionellen Kommunisten" nur ganz am Rande die Rede. Umgekehrt kenne ich keinen einzigen Text aus dem DKP-"Spektrum" oder anderen "traditionell-kommunistischen" Zusammenhängen, der sich mit der politischen Entwicklung organisierter Zusammenhänge befasst, die sich aus der autonom-antifaschistischen Strömung entwickeln.

 

Ich finde, diese beiderseitige Fremdheit sollte überwunden werden. Man sollte sich wechselseitig genauer wahrnehmen. Es gibt so viele Übereinstimmungen, dass das geradezu zwingend ist.

 

Hier der ARAB-Text:

 

http://www.scharf-links.de/47.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=27495&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=588f57f935

 

 

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retmarut 08/24/2012 12:41


Die ARAB (wie auch das A3-Bündnis als Ganzes) kommen ursprünglich aus der autonomen, antifaschistischen Bewegung und haben sich über die Auseinandersetzung mit Kapitalismus und Imperialismus
(insb. seit dem G8-Gipfel in Heiligendamm) zunehmend marxistisch-leninistischen Positionen angenähert, auch wenn da (ich würde sogar sagen notwendigerweise) noch einige ultralinke Positionen
mitschwingen. Am besten lassen die sich im bundesdeutschen Spektrum vergleichen mit den "Antiimps" der 1980er, wobei mir heute das Verhältnis zur (nicht mehr existenten) DDR doch wesentlich
entspannter erscheint. Die ARAB hat z.B. vor einiger Zeit eine interessante Veranstaltung zur DDR gemacht, von der es auch Audiofiles der Redebeiträge im Internet gibt:


http://archive.org/details/DDR_Die_radikale_Linke_und_der_realsozialistische_Versuch


Jedenfalls ist die bisherige Entwicklung des A3-Bündnisses aus meiner Sicht sehr begrüßenswert. Aus dem A3-Bündnis wird auch zunehmend die politische Ausrichtung auf den deutschen Imperialismus
als Hauptfeind vorgenommen, so u.a. auf der diesjährigen LLL-Demo.


Bedauerlich ist, dass die DKP (um es mal an dieser Partei festzumachen) nicht aktiver auf dieses junge revolutionär-kommunistische Spektrum zugeht. Es bestehen teils gute Kontakte zwischen der
DKP und den jeweiligen Gruppen vor Ort, insb. in Berlin. (Teils gibt es dort auch personelle Überschneidungen.) Trotzdem müsste meiner Meinung nach viel mehr der Austausch gesucht werden, u.a.
auch durch gemeinsame Bildungsveranstaltungen. Und ich sage ganz bewusst Austausch, denn das sollte zweiseitig laufen, weil beide Seiten derzeit von einander lernen können.


Problematisch beim A3-Bündnis ist aus meiner Sicht, dass es vom Habitus und den Strukturen immer noch eng an die Autonome Szene angelehnt ist, also immer eine Tendenz in Richtung subkultureller
Jugendströmung hat. Das zieht dann gemeinhin die Konsequenz nach sich, dass diejenigen, die diesem Jugendalter allmählich entwachsen sind (das ist dann meist zwischen 30 und 35 der Fall),
individuell aus den Gruppen ausscheiden und dann oftmals ohne künftige politisch-organisatorische Bindung dastehen. Und da finde ich es wichtig, dass die Weichen dann nicht auf kleinbürgerliche
Reihenhausidylle, sondern auf Eintritt in eine KP gestellt werden. Ich kenne es aus dem eigenen Umfeld zur Genüge, wo linksradikale Antifas ab Mitte 30 dann bei den Grünen, der PDL, im
akademischen Elfenbeinturm oder in der kleinbürgerlichen (bei entsprechendem familiären Background nicht selten auch in der bürgerlichen) Gemütlichkeit landen.

Sepp Aigner 08/24/2012 21:10



Danke für die weiterführenden Geischtspunkte.


Mir scheint die Parteifrage das A und O zu sein. Gegen die Ausbildung spezieller Milieus ist, finde ich, "an sich" nichts zu sagen. In den kräftigeren Zeiten der kommunistischen Bewegung in D hat
es das immer gegeben und das waren im günstigen Fall spezielle Zugänge zu kommistischen Positionen. Aber ohne die Organisierung in der KP ist die Gefahr grösser, dass jugendliches Engagement sich
schliesslich wieder verflüchtigt. Die Gefahr besteht zwar immer, aber ohne Partei ist sie grösser.


Was den Austausch zwischen solchen Gruppen und der DKP betrifft, sehe ich das so wie Du. Das muss künftig von DKP-Seite viel aktiver angegangen werden, und zwar nicht nur auf örtlicher Ebene.
Leider ist die Partei für solche Kräfte nicht sonderlich "attraktiv", weil es bis in die Führung hinein Tendenzen der Anpassung an einen diffusen linken Manstream gibt, der die besondere Rolle
der KP verwischt und die Leute fast zwangsläufig die Frage stellen lässt: Warum DKP und nicht beispielsweise Linkspartei ? Ich denke, die Durchsetzung der Marxisten-Leninisten in der DKP gegen
die rechtsopportunistischen Tendenzen ist eine Frage, die für die Zukunft der gesamten kommunistischen Bewegung in D entscheidend ist.