Saturday, 10. december 2011 6 10 /12 /Dez. /2011 16:40

 

Ein Sprecher der US-Regierung habe dazu aufgefordert, dass in Russland "keine Gewalt angewendet" werde, heisst es heute bei dernewsticker.de. Die Komikerin, die dafür an die Mikrofone geschickt wurde, war die Aussenamtssprecherin Victoria Nuland. - Ausgerechnet die USA fordern ANDERE auf, keine Gewalt anzuwenden ! Das ist schwarzer Humor vom Schärfsten. Die Dame hätte ebensogut dazu aufrufen können, dass die Russen weniger Wodka trinken sollten, oder mehr. Der Inhalt des "Aufrufs" ist vollkommen egal. Sein Zweck ist allein, Anspruch auf Einmischung in die inneren Angelegenheiten Russlands anzumelden, die USA wieder einmal als Oberaufseher des Planeten zu präsentieren.

 

Unter diesem Anspruch laufen im Moment alle "Nachrichten" über Russland. Man sieht eine Gelegenheit, das Land zu destabilisieren, sich einzumischen, eigene prowestliche Kräfte in Russland stärker ins Spiel zu bringen. Dafür werden im Moment - im Erfolgsfall sicher nicht lang - sogar die Kommunisten vernutzt. Für die Financial Times Deutschland ist der Führer Sjuganow "der Kopf des Tages" ( http://www.ftd.de/politik/international/:kopf-des-tages-gennadi-sjuganow-ein-apparatschik-gegen-putin/60138689.html ). In irgendeiner deutschen "führenden Tageszeitung" habe ich gestern gelesen, ein "Wahlbeobachter" habe behauptet, die KPRF habe in Wirklichkeit dreimal mehr Stimmen bekommen als die zugestandenen 20 %. Demnach hättte sie in Wirklichkeit 60 %. Zu 100 % sicher ist jedenfalls, dass Im Dienst der Destabilisierung jeder gegen jeden gehetzt werden soll, Hauptsache Chaos -und dann wird man schon sehen, was sich machen lässt.

 

Das Herausstellen der russischen Kommunisten durch die westlichen Mainstream-Medien zeigt aber auch, dass es mit dem imperialistischen Einfluspotential auf Russland nicht sonderlich gut steht. Jabloko, die Partei, die wirklich nach imperialistischem Geschmack ist, weil sie ein Überbleibsel aus den goldenen Zeiten des ungehemmten Verramschens des ehemaligen Volkseigentums unter Jelzin ist, hat bei den Wahlen gerade einmal 3.3 % der Stimmen erhalten. Die politischen Vertreter der Räuber-Bourgeoisie sind kompromittiert.

 

Die, die jetzt gegen das "System Putin" auf die Strasse gehen, sind in der Mehrheit keine Bewunderer des Westens, sondern stehen im Gegenteil dafür, den westlichen Einfluss, die westliche Art zu wirtschaften, die "westliche Lebensart" zurück zu drängen. Putin selbst gewinnt seinen Massenanhang hauptsächlich damit, dass er für eben dies steht. Der Protest gegen ihn speist sich daraus, dass er das nicht konsequent, ehrlich, wirklich tut, sondern das zum Teil nur vorgibt, während er gleichzeitig die kapitalistische Geschäftemacherei, Korruption, die Verschleuderung der russischen Rohstoffe an den Westen anstatt deren Nutzung für eine starke einheimische Industrie betreibt.

 

Diese Doppelbödigkeit gibt es bei den Kommunisten nicht, und eben deswegen haben sie Zulauf. Sie treten glaubwürdig und ohne "Hintertürchen" für sozialen Fortschritt und ein selbstbewusstes, auf seine Souveränität bedachtes Russland, für enge nachbarschaftliche Beziehungen zwischen den ehemaligen Sowjetrepubliken ein. Damit haben sie ihren Stimmanteil verdoppelt.

 

Was sich in Russland möglicherweise anbahnt, ist keineswegs eine "Öffnung zum Westen", eine "bunte Revolution", die von den Imperialisten vereinnahmt werden kann, sondern eher das Gegenteil. Die westlichen Konzern-Medien aber nutzen die Gelegenheit der Proteste in Russland, um bei ihren Konsumenten den Eindruck zu erzeugen, die Protestierenden wünschten sich mehr "westliche Werte". - Geschenkt. Ein Beispiel mehr, dass die Mainstream-Medien nicht informieren, sondern manipulieren und lügen. Sie mokieren sich jetzt über Putins "gelenkte Demokratie". Dass im Westen eine Handvoll gleichgeschalteter Monopol-Medien "die Demokratie lenken" ist kein Thema für Selbstreflexion. Es könnte aber eins werden.

von Sepp Aigner - veröffentlicht in: Osteuropa - Community: Kritische Massen
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