S-Direkt Halle: Hinter dem Betriebstor die Willkür

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Die Firma S-Direkt Halle ist im vergangenen Jahr 120 Tage lang bestreikt worden. Im November wurde ein Tarifvertrag erzwungen. Jetzt rächt sich die Firma an der Belegschaft mit Schikanen. Die Botschaft: Das habt ihr jetzt davon, wir sitzenja doch am längeren Hebel und können euch das Leben zur Hölle machen. Zu Zeiten der DDR wäre so etwas in Halle unmöglich gewesen.

 

Hier ein Solidaritätsaufruf der DKP Region Halle:

 

Vertragsbruch und systematisches Mobbing durch S-Direkt Halle

250 Kollegen vom Callcenter S- Direkt Halle haben voriges Jahr über 120 Tage gegen Hungerlöhne und miese Arbeitsbedingungen gestreikt (AZ berichtete). Die Kollegen bekamen nur 7,30 € Bruttostundenlohn, sodass viele noch zum Amt gehen und Sozialleistungen beantragen mussten. Sie forderten u.a. 8,50 € und eine 5 Tage Woche. Im November wurde ein Tarifvertrag unterzeichnet, den die Geschäftsleitung bis heute nicht vollständig umgesetzt hat. Vereinbarte Zahlungen wurden unvollständig und mit langer Verzögerung ausgezahlt, es wird teilweise Urlaub verweigert und die Kollegen werden mit dreisten und empörenden Schikanen und Mobbing überzogen. Uns wurde berichtet von Beleidigungen, Verleumdungen, Drohungen, Einschüchterungen. Das reicht von Schikanen jeder Art über Strafversetzungen bis zu ungerechtfertigten Abmahnungen. Ein paar Kollegen haben es nicht ausgehalten und gekündigt.

Dies ist eindeutig ein Teilziel der Unternehmensstrategie gegen die Kollegen. Der von vielen Menschen unterstützte Streik im vorigen Jahr hat gezeigt, das sich Kämpfen lohnt. Es müssen jetzt alle Gewerkschafter und linken Kräfte aktiv werden, um den Kollegen den Rücken zu stärken, Mut und Zusammenhalt wieder zu festigen. Es ist klar, dass Verdi rechtliche Schritte eingeleitet hat. Aber hier muss jetzt noch viel mehr passieren. Als einen ersten Schritt sollten alle Gewerkschafter und Linke die Unternehmensleitung mit Protest- e- mails und Anrufen ,,bombardieren". Die Zustände bei S - Direkt und die Machenschaften der Bosse müssen so breit wie möglich öffentlich bekannt gemacht werden. Es muss systematisch öffentlicher Druck auf die Firmenbosse aufgebaut werden. Vor allem müssen die Kollegen selbst den Kampf neu aufnehmen und wir werden sie unterstützen.

 

Schluss mit Mobbing und Schikanen!

 

Lohn, Urlaub und Entfristung gemäß Tarifvertrag - sofort !

 

DKP- Region Halle

Proteste bitte an S-Direkt Halle,
Geschäftsführer Ingo van Uehm
mail:ingo.venuehm@sparkassedirekt.de
Tel-Nr 0345 5698990
Fax 0345 5606230

(bitte wenn möglich kopien an uns schicken)

 

Quelle: http://www.dkp-lsa.de/

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landbewohner 02/25/2013 06:29


widerstand leisten bzw sich wirksam wehren - das müssen die kollegen schon ohne verdi und "linke" hinkriegen. deren funktionären gehen die zustände in der arbeitswelt nämlich meilenweit am arsch
vorbei.

Sepp Aigner 02/25/2013 09:51



Das ist eine Verallgemeinerung, die einfach nicht zutrifft. Es gibt viele Gewerkschaftsaktivisten und sogar hauptamtliche Funktionäre, die gute Arbeit machen. Bei vielen Linksparteilern ist das
auch so. Das Problem ist eher, dass,je weiter oben in den Organisationshirarchien, desto mehr abgehobene Apparatschiks anzutreffen sind. Das ist noch nicht einmal in erster Linie ein
"ideologisches" Problem. Leute mit einem Einkomen von zehntausend Euro oder mehr im Monat gehören materiell schlicht zum Kleinbürgertum und nicht mehr zur Arbeiterklasse. Sie beginnen -
von Ausnahmen abgesehen, die es auch gibt - "die Dinge von oben zu sehen" - und sie gucken, ihre Pfründe zu behalten.


Diese Bürokratisierung, die normalerweise mit Sozialdemokratisierung verbunden ist (oft versteckt hinter radikal klingenden Sprüchen) ist letztendlich Ausdruck mangelnder Kontrolle von unten,
einer Mitglieder"mentalität", die die Gewerkschaft als Dienstleistungsbetrieb wie den ADAC ansieht. DA muss angesetzt werden. Wennsich da was ändert, kann auch"weiter oben", angefangen bei den
vielen Betriebsrats"fürsten" etwas geändert werden.