Staatsbankrott - worum es dabei geht.

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Wenn von der Schuldenkrise der Staaten die Rede ist - worum geht es dabei ?

 

Das kleinere Problem ist, die laufenden Staatsausgaben zu bezahlen. Hauptsächlich geht es darum, dass zu bestimmten Fälligkeitsterminen Staatsanleihen zurückgezahlt werden müssen. Da die Staaten das Geld für die Rückzahlung nicht haben, müssen sie neue Anleihen aufnehmen, um die alten - fälligen - zu bezahlen. Das können sie nur, wenn sie für kreditwürdig gehalten werden. Eben dies ist das Problem. Für je riskanter mögliche "Investoren", also Käufer von Staatsanleihen, es halten, einem Staat Geld zu geben und dafür ein Papier zu erhalten, das Zins und Rückzahlung verspricht, desto höher der Zins, der zugesagt werden muss. Dieser liegt zur Zeit z.B. für deutche Staatspapiere bei ca. 2,4 %, bei Italien und Spanien bei über 6 %.  Im Extremfall kriegen Staaten nicht mehr die erforderlichen Summen geliehen, werden neue Anleihen unverkäuflich bzw. können solche gar nicht mehr auf den Markt gebracht werden.

 

Eben darum geht es beim gegenwärtigen Gehampel um die "Lösung" der Zahlungsprobleme von Staaten wie Griechenland, Irland, Portugal, Spanien, Italien und anderen. Wenn es nicht genügend private Finanzidioten gibt (Banken, Fonds. etc.), die Staatspapiere kaufen, tun es bisher die Europäische Zentralbank und die nationalen Zentralbanken. Die haben das Geld aber auch nicht. Also "schöpfen" sie neues. Diesem neuen Geld steht nichts Werthaltiges gegenüber, das seine Existenz rechtfertigen würde. Es ist nicht weniger fiktiv als die nicht realisierbaren Zahlungsversprechen der Staaten, die in der "Klemme" stecken. Aber sie verschieben das Problem in die Zukunft und verhindern bisher das Zerreissen der Kreditketten.

 

Griechenland, Irland und Portugal können sich bereits nicht mehr "auf den Kapitalmärkten refininanzieren". Sie sind unter ein Sonderregime gestellt. Ihr Geldbedarf wird ersatzweise von der EZB (und dem IWF) "gedeckt", bzw. von "Garantien" der Mitgliedsstaaten der Euro-Zone, die auch durch nichts gedeckt sind.

 

Um welche Summen es sich beim Kreditbedarf der Euro-Staaten insgesamt handelt, illustriert diese Aufstellung der im Jahr 2011 fällig werdenden (oder schon gewordenen) Anleihen

 

Finanzierungsbedarf der Euroländer für 2011

 

 

Auslaufende Anleihen (Inland)

Auslaufende Anleihen (Ausland)

Haushaltsdefizit

Bedarf für Anleihen in 2011

Österreich

8 Mrd. Euro

2 Mrd. Euro

8 Mrd. Euro

17 Mrd. Euro

Belgien

24 Mrd. Euro

0

15 Mrd. Euro

39 Mrd. Euro

Finnland

6 Mrd. Euro

3 Mrd. Euro

3 Mrd. Euro

11 Mrd. Euro

Frankreich

97 Mrd. Euro

0

92 Mrd. Euro

188 Mrd. Euro

Deutschland

147 Mrd. Euro

0

48 Mrd. Euro

195 Mrd. Euro

Griechenland

28 Mrd. Euro

1 Mrd. Euro

17 Mrd. Euro

47 Mrd. Euro

Irland

4 Mrd. Euro

0

16 Mrd. Euro

23 Mrd. Euro

Italien

155 Mrd. Euro

7 Mrd. Euro

72 Mrd. Euro

233 Mrd. Euro

Niederlande

28 Mrd. Euro

0

22 Mrd. Euro

50 Mrd. Euro

Portugal

10 Mrd. Euro

0

8 Mrd. Euro

17 Mrd. Euro

Slowenien

0

0

2 Mrd. Euro

3 Mrd. Euro

Skandinavien

2 Mrd. Euro

0

4 Mrd. Euro

6 Mrd. Euro

Spanien

45 Mrd. Euro

1 Mrd. Euro

45 Mrd. Euro

91 Mrd. Euro

Gesamt

554 Mrd. Euro

14 Mrd. Euro

350 Mrd. Euro

921 Mrd. Euro

 

Veröffentlicht in Weltwirtschaftskrise

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