Steinbrück als Markenprodukt

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Die SPD hat einen "Kanzlerkandidaten" gebraucht. Das ist eine Figur, die es nach dem Grundgesetz nicht gibt. Bundeskanzler werden ja nicht vom Volk gewählt, sondern vom Bundestag. Die Figur ist dem USamerikanischen Wahlzirkus nachempfunden, bei dem stets ein "Republikaner" mit einem "Demokraten" konkurriert. Die SPD-Figur des anstehenden deutschen Wahlzirkus´ ist also Herr Steinbrück. Was das mit Demokratie zu tun hat, macht schon die Art augenscheinlich, in der er gekürt wurde: von einem informellen Führungsklüngel, ausserhalb der Satzung der SPD. Man gab die Entscheidung bekannt, die Massenmedien meldeten. Die gewählten und zuständigen SPD-Gremien hatten nichts zu melden, sondern bloss noch abzunicken. Diese Ausserkraftsetzung der innerparteilichen Demokratie heisst politisch korrekt "Führungsstärke".

 

Was für ein Mensch ist da ausgeklüngelt worden ? - Ein gewesener Bundesminister unter Merkel, einer der Durchsetzer der "Agenda 2010", der "Flexibilisierung des Arbeitsmarkts", der Schröderschen Verarmungspolitik. Eine Alternative zu Merkel ? - Lächerlich. Eher eine schlechte Kopie.

 

Das macht nichts. Im Verständnis der bürgerlichen Wahlstrategen, gleich welcher Partei, geht es bei Wahlen ohnehin nicht um Inhalte, sondern um "Köpfe". Diese "Köpfe" werden professionell von Werbeagenturen gemacht. Die "Köpfe" sind ein Werbeprodukt. Ob die beauftragte Werbeagentur eine Kampagne für eine Katzenfuttermarke aufzieht oder für einen Steinbrück oder eine Merkel, ist egal. Die Tricks der Werbestrategien sind immer die selben, gleich, ob den Leuten ans Geld gegangen wird oder ans Wahlkreuzchen. 

 

Im gegebenen Fall, dem Fall Steinbrück. muss allerdings ein miserables Noname-Produkt zu Sheba aufgemotzt werden, mit Petersilie-Dressing. Nicht so einfach. Einen durchschnittlich gerissenen Apparatschik, einen gewöhnlichen Abstauber ( link ) werbetechnisch zu einer Lichtgestalt stylen ? Der virtuelle Steinbrück, der dann leutselig oder gravitätisch staatsmännisch als Werbeplakat auf die Leute herunterguckt, ist ja doch irgendwie mit dem wirklichen Steinbrück unterlegt. Das ist ein Problem. Das stellt hohe Anforderungen an Gedächtnisverlust und Lust auf Masochismus. Zu hohe vermutlich. Das fingierte Markenprodukt Steinbrück wird wohl floppen.    

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