Syrien: Bitte vergleichen. Und nachdenken. Denken.

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

FAZ, heute im Internet:

"Massaker oder Meuterei ? Tage des Schreckens in Syrien"

http://www.faz.net/artikel/C32315/massaker-oder-meuterei-tage-des-schreckens-in-syrien-30434386.html

 

Hier ein Text von "syrischer Seite":

 

...

Die Menschen, die hier der Berichterstattung folgen werden manipuliert, sie werden nahezu einer Gehirnwäsche unterzogen. Immer wieder werden die gleichen Nachrichten gebracht und so gedreht, dass nur die Oppositionellen die sind, die friedliche Absichten haben. Wenn man sich da mal nicht täuscht. Warum werden Menschen als Schutzschilde genommen? Warum werden Unschuldige an Strommasten erhängt? Warum wurden Waffenlager gefunden und warum ruft die syrische Bevölkerung die Armee zu Hilfe, wenn doch nur friedliche Demonstranten in Syrien auf die Straße gehen?

Gestern starben bis zu 120 Soldaten und Sicherheitskräfte in Jisr al-Shughur, nachdem sie in einen Hinterhalt gerieten. Sie wurden von bewaffneten Banden angegriffen. Regierungsgebäude und das Postamt wurden in Brand gesteckt. Außerdem wurde Sprengstoff gestohlen. Sind das friedliche Demonstranten? Sie halten die Stadt seit über einer Woche besetzt. Die Nachrichten werden so gelenkt und Manipuliert, dass sie berichten, die syrische Regierung gehe gegen Regimegegner vor und schieße auf Unschuldige, Unbewaffnete. Die Darstellung der syrischen Seite oder auch anderer Berichte, die nicht von friedlichen Demonstranten berichten, wird als Propaganda leichtfertig abgetan.

 

Die Oppositionellen sprechen von getöteten friedlichen Demonstranten und Einwohnern der Stadt. Die Regierung berichtet von gefallenen Soldaten und Sicherheitskräften. Schon in der vergangenen Zeit wurden immer wieder gern getötete Sicherheitskräfte als Zivilisten verkauft, macht sich in der Statistik der Opposition besser. Doch man sollte nicht nur einer Seite blind glauben, auch wenn die angeblich die im Westen so verehrten demokratischen Ziele verfolgt. Das Spiel, was in Syrien gespielt wird, hat mit Demokratie rein gar nichts zu tun, sondern lediglich mit einem schmutzigen Machtspiel, bei dem die Opposition mit unlauteren Mitteln spielt.

 

Reicht es nicht langsam? Hat man nicht langsam das erreicht, was man wollte? Man hat die Bevölkerung gegeneinander aufgewiegelt und für Chaos gesorgt. In diesem Chaos soll nun der Präsident für Ordnung, für Reformen sorgen. Warum werden dann seine Reformen, die er in die Wege geleitet hat, nicht anerkannt? Warum geht das Anstacheln weiter? Da muss doch etwas faul sein an der Darstellung der Seite der Demonstranten.

 

Der Präsident, egal welche Fehler er bisher auch immer gemacht hat, hat die Unterstützung großer Teile des Volkes, weil vor allem viele Syrer in Syrien sehen, dass zwischen Berichterstattung auf al-Jazeera und der realen Lage eine riesige Kluft klafft. Wann hat diese furchtbare Hetze gegen Syrien endlich ein Ende? Man kann nur hoffen, dass der Präsident sich bald persönlich an sein Volk wendet und eine Rede hält, die vielleicht die Bevölkerung wieder ein wenig enger zusammenbringt. So wie die Lage derzeit ist, ist sie eine Katastrophe.

 

Gestern meldete sich bereits der syrische Innenminister zu Wort und gab sicher einen letzten Warnschuss an all die Terroristen und Banden, die immer wieder für Blutvergießen Unschuldiger sorgen. Sollte die Gewalt nicht aufhören, wird die Armee wesentlich härter vorgehen, da sich die Regierung bewaffnete Angriffe gegen die Bevölkerung und gegen sich selbst nicht länger so hinnehmen wird.

 

Während man in Syrien die Armee beschuldigt, brutal gegen friedliche Demonstranten vorzugehen, hat man noch nie den Vergleich zum Jemen gezogen, wo Panzer mit schwerem Geschoss um sich feuern. Das ist in Syrien nicht der Fall, auch wenn das viele nicht wahr haben wollen. Was ich nicht verstehen kann, ist, wie Syrer, die ihr Land lieben, nun zuschauen, wie es von außen und innen kaputt gemacht wird.

 

Auf die Kräfte, auf die die USA setzt, kann wohl jeder nur allzu gut verzichten, denn diese Kräfte bringen weder Demokratie noch Freiheit. Die wollen nur mit Unterstützung der USA ihr Ziel erreichen und an die Macht kommen, weil sie entweder eine persönliche Rechnung mit dem Präsidenten zu begleichen haben oder weil sie sich an Amerika verkauft haben.

 

Wann beginnt man endlich, auch in Deutschland kritischer zu denken und Dinge, Nachrichten zu hinterfragen. Es kann nicht sein, dass man die westliche Presse für objektiv hält, obwohl auch sie nur politische Ziele verfolgt. Erinnert sein nur mal an die Zeitschriften des Axel-Springer-Verlages, deren Geschäftsführer sicher eher Interesse daran haben, Assad wegzubekommen als die Wahrheit zu berichten, obwohl Assad ein kalkulierbarer Feind ist, der es bisher immer schaffte, die Grenze zwischen Syrien und Israel sicher zu halten.

 

Wo soll die ganze Situation hinführen? Warum ist man nicht langsam bereit, etwas kritischer zu hinterfragen und vor allem auch die Stimmen zu Wort kommen zu lassen, die zwar für Reformen sind, was nachvollziehbar und dringend notwendig ist, aber sich gegen die Gewalt aussprechen? Warum sieht man immer nur Demonstrationen gegen die Regierung, berichtet aber nie von Pro-Demonstrationen in Europa und Amerika beispielsweise?

Warum erwähnt man nur die Facebook-Seiten, die gegen die Regierung sind, nie aber die, die hinter Bashar al-Assad stehen und für Frieden und friedliche Reformen sind? Viele von den Betreibern sind übrigens auch in Syrien vor Ort und berichten von der Lage. Warum glaubt man ihnen nicht, der Oppositionsgruppen, die schon mehrfach gelogen hat, umso mehr.

 

Man sollte endlich mit dieser Stimmungsmache aufhören, will man Syrien nicht in einen Bürgerkrieg stürzen. Nur scheint wohl hier leider das Interesse zu liegen. Ich kann nur hoffen, dass es nicht so weit kommen wird, dass der Präsident das Ruder noch herumreißen wird. Es wäre traurig und entsetzlich sollte die Gewalt weiter ansteigen. Es mussten schon viel zu viele Menschen sterben.

 

Quelle: http://www.sarsura-syrien.de/gewalt-syrien-nimmt-100-tote-sicherheitskraefte-5246.html

 

Für Deutsche und Bürger anderer NATO-Staaten geht es nicht in erster Linie darum, wem man glaubt - abgesehen davon, dass Die allermeisten Menschen gar nicht die Wahl haben, weil die Medien alle das Gleiche verbreiten, praktisch gleichgeschaltet sind oder sich selber gleichschalten. Man könnte die Probleme in Syrien die der Syrer sein lassen und sich trotzdem "eine Meinung bilden", den einen oder den anderen Erfolg wünschen.

 

Aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass die Unruhen, dahingestellt, ob sie "authentisch" sind oder von aussen geschürt oder sogar angezettelt werden, als Gelegenheit für die Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates benutzt werden; - Einmischung mit feindseliger Propaganda und Desinformation, sehr wahrscheinlich auch Vereinnahmung von Oppositionellen und direkte Steuerung von Gruppen innerhalb der Opposition, sehr wahrscheinlich verdeckte Versorgung mit Waffen, Sprengstoff, Munition, Kommunikationsmitteln. Ein Wunder wäre es, wenn CIA, Mossad und wahrscheinlich auch andere westliche Geheimdienste an dieser Opposition nicht auch mit Agenten beteiligt wären. (Ich für mein Teil glaube nicht an Wunder.)

 

Damit ist es nicht getan. Die USA und Frankreich haben jetzt die Initiative ergriffen, in der UNO eine Resolution gegen Syrien durchzubringen, die die Einmischung decken soll. Die USA und andere wollen freie Hand für einen auch offen militärischen Angriff. Das Szenario ist das Gleiche wie Im Fall Libyen. Was eine solche Resolution - ziemlich egal, was drin steht -, bedeuten würde, wird auch am Fall Libyen klar. Die UN-Resolution 1973 gegen Libyen deckt nicht mehr als die Durchsetzung einer "Flugverbotszone". Die war in drei Tagen durchgesetzt. Aber die NATO bombardiert seit jetzt drei Monaten Tag für Tag, zerstört systematisch die Infrastruktur des Landes, verbreitet Angst und Schrecken unter der Bevölkerung, um sie mürbe zu machen, versucht, den "Rebellen" den Weg frei zu bomben.

 

Das ist die "Perspektive" auch für Syrien. Mindestens wollen die USA und ihre Kumpane diese Option offenhalten. Wenn ein möglicher Angriff gegen Syrien von der UNO gedeckt wird - umos besser.

 

Damit stehen diejenigen, die im Meinen über Syrien mit der Opposition - denjenigen, die mit ausländischen Mähten zusammenarbeiten und auf deren Intervention rechnen - sympathisieren, vor der Frage: Erstreckt sich diese Sympathie auch darauf, dass der nächste Krieg angefangen wird ? Das ist gut zu überlegen. Wohin soll das führen ? Nächste Station Iran ? Ganz Nordafrika und Naher/ Mittlerer Osten Kriegsgebiet ?

 

Sympathie für die Opposition in Syrien hin oder her. Wer sie zu Einverständnis, ideeller Unterstützung oder auch nur wohlwollender Hinnahme von immer neuen Kriegen ausdehnt, ist, finde ich, entweder ziemlich dumm oder schlichtweg wahnsinnig. Es ist mir egal, wenn sich jemand beleidigt fühlt, wenn er ziemlich dumm oder schlichtweg wahnsinnig genannt wird. Die öffentliche Meinung im Westen ist wirklich am Rand des Wahnsinns. Wäre es anders, könnte nicht so gleichgültig oder zustimmend hingenommen werden, was gerade mit den Libyern gemacht wird.

 

Liebe Leute am Rand des Wahnsinns: Nicht, dass ihr meint, es gehe bloss um die da hinten, da unten. Es geht schon um uns selbst auch. Erstens müssen Kriege bezahlt werden, und es ist die Masse der Bevölkerung, die sie zahlen muss. Zweitens handelt es sich um Kriege praktisch vor unserer Haustür. Zwischen Nordafrika und dem Nahen Osten und Westeuropa gibt es keine Brandschutzmauer. Ein Grossfeuer im Nachbarhaus kann auch das eigene vernichten.

Veröffentlicht in Naher-Mittlerer Osten

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