Syrien: Das ist kein Bürgerkrieg

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

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Doppelstrategie

 

 

Assad warnt Westen vor Terror

 

Von Werner Pirker

 

Der syrische Präsident Baschar Al-Assad hat in einem Interview mit dem Sender Al-Ichbarija die Komplizenschaft der westlichen Hegemonialmächte mit islamistischen Terrorbrigaden angeprangert. Er erinnerte daran, daß der Westen das Terrornetzwerk Al-Qaida in Afghanistan gegen das sowjetische Truppenkontingent in Stellung gebracht und dafür einen hohen Preis zu bezahlen hatte. Heute unterstützten die westlichen Staaten Al-Qaida in Libyen, Syrien und anderen Orten und würden den Preis dafür »im Herzen Europas und im Herzen der USA« zu bezahlen haben.

 


Siehe auch: USA zündeln in Syrien
Imperialistischer Krieg gegen Syrien



In Syrien bildet die Nusra-Brigade, die vor wenigen Tagen ihre Zugehörigkeit zur Al-Qaida bekundete, die Vorhut des bewaffneten Aufstandes gegen die Regierungskräfte. Ohne diese hoch motivierte und militärisch gut ausgebildete Miliz, in deren Umfeld sich auch andere dschihadistische Todesschwadronen zu grausamen Bestleistungen steigern, wäre die Rebellion gegen die Regierung in Damaskus längst in sich zusammengebrochen. Es ist deshalb auch falsch, von einem syrischen Bürgerkrieg zu sprechen. Denn hier kämpfen nicht Syrer gegen Syrer. Es ist vielmehr ein Krieg zwischen regulären, die Souveränität ihres Landes verteidigenden syrischen Kräften und Banden von religiös aufgehetzten, fremdfinanzierten Söldnern. Präsident Assad nannte mit Jordanien eines der arabischen Länder, die sich an der Aggression gegen Syrien – die jordanische Armee bildet antisyrische Diversanten aus – beteiligen. Wenn sich jetzt US-Spezialeinheiten in Richtung Jordanien aufmachen, um den Truppen der haschemitischen Monarchie »beizustehen«, zeigt das, wie klein der Schritt zu offenem militärischen Eingreifen der Westmächte in Syrien ist.

Die Waffenbruderschaft westlicher Warlords mit islamistischen Mordbrennern läßt sich nicht unbedingt mit dem von George W. Bush entfesselten und von Barack Obama weitergeführten »War on terror« vereinbaren. Doch ist das westliche Machtkartell tatsächlich so naiv, schon wieder in die islamistische Falle zu tappen, wie das Assad annimmt? Wohl eher nicht. Es stellt sich vielmehr die Frage, ob die von der imperialen Propagandawalze bei Bedarf zu Hauptfeinden der Menschheit dämonisierten Islamisten überhaupt Herren über ihre eigene Strategie sind. Viel wahrscheinlicher ist die Annahme, daß die »Gotteskrieger« beliebig instrumentalisierbar sind. Als heimtückische Feinde, derer das Imperium bedarf, um seinen auf die gewaltsame Erzwingung von Regimewechseln gerichteten Ordnungskriegen einen Anschein von Legitimität zu verleihen. Oder aber als mehr oder weniger heimliche Verbündete, wenn das auf der westlichen Abschußliste stehende Regime ein laizistisches ist. In Syrien hui, in Mali pfui – so stellt sich die »Doppelstrategie« der Wertegemeinschaft gegenüber dem Islamismus dar. Die Menschenopfer der imperialistischer Moral geschuldeten Politik gehen in die Millionen.

 

Quelle: junge Welt, 19.04.2013

Veröffentlicht in Naher-Mittlerer Osten

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