Tarifabschluss in der Versicherungsbranche und einige Bemerkungen dazu

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

In diesem Blogeintrag  http://kritische-massen.over-blog.de/article-auf-einem-betriebsarbeiter-treffen-79600460.html habe ich eine verdi-Kollegin erwähnt, die einen der verdi-Streiks für den neuen Tarifvertrag mitorganisiert hat. Der Vertrag steht jetzt:

 

 

Versicherungsbeschäftigte: In den nächsten zwei Jahren insgesamt 5,2 Prozent mehr Geld | Drucken | E-Mail

 

Wirtschaft & Gewerkschaft
Freitag, den 22. Juli 2011 um 22:20 Uhr

Als "Erfolg der Streikenden" bezeichnete die Verhandlungsführerin der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), Beate Mensch, das Verhandlungsergebnis für die bundesweit 175.000 Versicherungsbeschäftigten. In der dritten Verhandlungsrunde in Düsseldorf hat ver.di sich mit dem Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen (AGV) darauf verständigt, die Gehälter der Beschäftigten bei den Versicherungen zum 1. September 2011 um drei Prozent und zum 1. Oktober 2012 noch einmal um weitere 2,2 Prozent zu erhöhen. Im August 2011 gibt es eine Einmalzahlung in Höhe von 350 Euro. Der neue Entgelttarifvertrag hat eine Laufzeit von 24 Monaten.

Die manteltarifvertraglichen Regelungen bleiben unangetastet und sollen zu einem späteren Zeitpunkt verhandelt werden: "Die Kolleginnen und Kollegen bekommen in der Laufzeit des neuen Entgelttarifvertrags insgesamt 5,2 Prozent mehr Geld. Dieses Ergebnis kann sich sehen lassen und beteiligt diejenigen am Erfolg der Versicherungsunternehmen, die maßgeblich dazu beigetragen haben. Und auch im Streit um den Manteltarifvertrag konnten wir uns durchsetzen und die von den Arbeitgebern geforderten drastischen Verschlechterungen abwehren", machte Mensch deutlich.

An den Streiks bei den Versicherungen hatten sich seit dem Ende der Friedenspflicht Anfang April weit mehr als 10.000 Beschäftigte beteiligt. "Wir sind mit dem Ziel angetreten, manteltarifliche Verschlechterungen für die Beschäftigten zu verhindern", betonte Mensch. Dies hätte ohne den Einsatz der Streikenden nicht erreicht werden könne.

( http://www.redglobe.de/deutschland/wirtschaft-a-gewerkschaft/4578-versicherungsbeschaeftigte-in-den-naechsten-zwei-jahren-insgesamt-52-prozent-mehr-geld )

 

Kleine Erfolge, die allerdings meistens auch einen Pferdefuss haben, werden zur Zeit von den Gewerkschaften erzielt - immer nur, wenn sie die vorhandene Bereitschaft von Belegschaften, für tarifliche Verbesserungen auch zu kämpfen, wenigstens zum Teil nutzen. Ein Beispiel dafür ist ist auch der neue Drucker-Tarif (  http://kritische-massen.over-blog.de/article-drucker-verteidigten-erfolgreich-35-stunden-woche-79687738.html ).

 

Neben der "Versicherungsmentalität" vieler Kollegen, die meinen, wenn sie ihren Gewerkschaftsbeitrag zahlen, müsste der hauptamtliche Apparat den Rest erledigen, ist eines der Hemmnisse für grössere Erfolge der Einfluss der sogenannten Co-Manager - Gewerkchaftsfunktionäre und Betriebsräte, die immer noch auf die sogenannte Sozialpartnerschaft bauen und meinen, wenn es dem Betrieb/Konzern gutgehe, gehe es den Beschäftigten auch gut und sie müssten deshalb beim Kostensparen, "Flexibilisieren", "Verschlanken" etc. mitmachen und dafür sogar eigene ideen entwicklen. Das funktioniert in den einigen Konzernbetrieben in gewissem Mass, hat aber den Preis, dass "weggesparte" Kolleginnen und Kollegen im Regen stehen gelassen werden und die Solidarität mit den kleiner Belegschaften "in der Fläche" untergraben oder praktisch aufgekündigt wird. Die alte Gewerkschaftserfahrung, dass nur die Solidarität von Millionen stark macht und diese nicht von Betriebsegoismus kaputt gemacht werden darf, wird dabei missachtet. Die Unternehmer freut das. Für die Kolleginnen und Kollegen ist das schlecht.

 

Der Schlüssel, da zu ändern, liegt hauptsächlich bei den einfachen Gewerkschaftern selbst. Die Gewerkschaft ist keine Versicherung, auch wenn manche Hauptamtlichen gern so tun. Sie ist entweder ein Kampfverband derjenigen Lohnabhängigen, die kapiert haben, dass man sich gegen die Unternehmermacht zusammentun muss, oder sie ist ein Koloss auf tönernen Füssen.

 

Zu vergessen ist dabei nicht, dass ein immer grösser werdender Teil der Kolleginnen und Kollegen aus dem Schutz von Tarifverträgen herausfällt, weil Unternehmer meinen, es sich leisten zu können, gar keinem Tarifverband anzugehören, oder weil sie in irgendeiner Form prekär beschäftigt sind. Wenn die Gewerkschaften das nicht in den Griff kriegen, werden sie weiter an Organisationskraft und damit an Durchsetzungsmacht verlieren.

 

Der Aufbau von "Druck von unten", aus den Belegschaften selbst heraus, ist das A und O. Eben deswegen führt die DKP zum Beispiel die oben erwähnten Betriebsarbeiter-Beratungen durch, organisiert Partei-Betriebgruppen, gibt Betriebszeitungen heraus. Wohngebietszeitungen können dabei unterstützend wirken. Hier können sich die aktivsten Kolleginnen und Kollegen sammeln und gemeinsam an eben diesem Aufbau des "Drucks von unten" arbeiten. Einige Beispiele für DKP-Betriebszeitungen, von denen manche eine jahrzehntelange Tradition haben und in der "Betriebsöffentlichkeit" von Konzernen durchaus eine Rolle spielen, sind zum Beispiel auf dieser Site zu finden: http://www.dkp-niedersachsen.de/bezirk/dkp.php?dkp=3 .

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