Uwe-Jens Heuer: Ein grosser marxistischer Rechtsgelehrter und aufrechter Mensch

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 Im Oktober 2011 starb Jens-Uwe Heuer. Der Geraer Sozialistische Dialog hat ein Bulletin herausgegeben, in dem sein Leben und Werk gewürdigt wird. Hier das Editorial. Das ganze Bulletin kann hier nachgelesen werden: http://www.sozialistischer-dialog.de/index.php?option=com_remository&Itemid=58&func=startdown&id=27 .   

 

      

Wir haben einen außergewöhnlichen Menschen verloren, unseren Freund und Genossen Prof. Dr. Uwe-Jens

Heuer. Die nachfolgenden Texte sollen sein Lebenswerk vor Augen führen und würdigen. Die Auswahlbibliografie

belegt seine herausragenden Arbeiten als Rechtswissenschaftler und Demokratietheoretiker in der DDR und in der BRD, die Anekdoten und Erinnerungen seinen Witz und seine Prinzipienfestigkeit.

 

Uwe-Jens hat uns ein theoretisches Werk hinterlassen, an dem niemand vorbeikommt, der sich mit den verfassungsrechtlichen, politischen und philosophischen Eckpunkten der großen Auseinandersetzungen zwischen

Sozialismus und Kapitalismus im letzten halben Jahrhundert beschäftigen will. Er war Abgeordneter und Sprecher der PDS für Rechtspolitik in der letzten, 10. Volkskammer der DDR und Abgeordneter des Deutschen Bundestages in der 11., 12. und 13. Legislaturperiode. Er wirkte politisch in einer Zeit des großen Umbruchs, da der Sozialismusversuch

auf deutschem Boden zu Ende und der konservative Rachefeldzug sowie die „Abwicklung“ der DDR über die politische Bühne gingen. Er war nicht bloß Zeitzeuge, sondern Akteur, einer der maßgeblichen Kontrahenten der Kriminalisierung der DDR und der Enteignung bzw. Entrechtung ihrer Bürgerinnen und Bürger.

 

Uwe-Jens wurde in den neunziger Jahren quasi „zum marxistischen Gewissen“ der PDS. Er blieb auch in der Partei DIE LINKE. ein ganz wichtiger Ratgeber aller derjenigen, die in und außerhalb der Linkspartei um eine taugliche Handlungsorientierung für eine antikapitalistische Politik rangen. Er war Verfasser des Aufrufs „In großer Sorge“ und langjähriger Sprecher des Marxistischen Forums in der PDS, der Linkspartei.PDS und der Partei DIE LINKE.

 

„Die Gelbe Reihe – Marxistisches Forum“, die der GNN-Verlag Schkeuditz bis heute herausgibt, war seine Schöpfung. Diese Reihe entwickelte sich zu einem wichtigen Forum des Erfahrungs- und Gedankenaustausches für marxistisches Denken heute. Das Heft 46, „Was erwarten wir vom 21. Jahrhundert? Wissenschaft – Hoffnung – Traum“, dokumentiert

das Kolloquium der Rosa-Luxemburg-Stiftung vom 11. Juli 2002, das aus Anlass des 75. Geburtstages von Uwe-Jens Heuer stattfand. Wir empfehlen es all unseren Lesern.

 

In die Programmdebatten der PDS und der Partei DIE LINKE griff Uwe-Jens Heuer bis zuletzt ein. Erinnert sei an den Chemnitzer Programmparteitag der PDS im Jahre 2003, wo er energisch die Anträge des Marxistischen Forums und anderer gegen den Parteivorstand verteidigte. Der letzte öffentliche Auftritt von Uwe-Jens war auf dem Vereinigungsparteitag 2007. Er wandte sich leidenschaftlich gegen das Entsorgen des Begriffs „Demokratischer Sozialismus“ aus dem Namen der Partei.

 

Als seine Kräfte für größere politische Auftritte nicht mehr reichten, begann und vollendete er seine letzte

wissenschaftliche Arbeit: die Auseinandersetzung mit dem rechtskonservativen Staatstheoretiker Carl Schmitt. Sie wird noch in diesem Monat im Verlag edition ost unter dem Titel „Glanz, Elend und Wiederkehr des Staatsdenkers Carl Schmitt“ erscheinen.

 

Ein letztes Mal diskutierte Uwe-Jens Heuer am 15. Juli dieses Jahres im Kreis der GenossInnen des Marxistischen

Forums den damals gerade vorgelegten Entwurf des Leitantrages des Parteivorstandes an den Erfurter Parteitag für ein Programm der Partei Die Linke. Seine differenzierte Einschätzung und insgesamt doch positive Bewertung des

Entwurfs war für die Entscheidungsfindung aller antikapitalistischen Linken in der Partei sehr wichtig:

 

„Der vorliegende Entwurf ist von einer starken antikapitalistischen Tendenz geprägt. Es zeichnet sich ein Programm ab, das sicherlich marxistische Züge hat, jedoch in wesentlichen Teilen Züge eines ethischsozialistischen und sozialdemokratischen, bestenfalls linkssozialistischen Programms aufweist.“

 

An dem Tag, an dem auf dem Erfurter Parteitag das Programm beschlossen wurde, verstarb Uwe-Jens Heuer. Es in praktische Politik umzusetzen, sollte in seinem Sinne unser aller Anliegen sein.

 

Hermann Klenner nannte ihn in seiner Trauerrede „anpassungsresistent“. Man wünscht sich mehr Linkspolitiker, die dieses Attribut verdienen. Wir hatten mit Uwe-Jens Heuer einen streitbaren und konsequenten Kämpfer an unserer Seite. Wir können ihn leider nicht mehr persönlich befragen. Jedoch sein Leben, sein Werk und die von ihm gelebte Geradlinigkeit zu befragen, ist möglich.

 

Das sollten wir tun, auch als letzten Dank. Wir geben hier mit Trauerreden und Nachrufen Stimmen wieder, die für die Lebenden ausdrücken, wer Uwe-Jens Heuer war und was er uns bedeutete und bedeutet, und wir glauben ihn besonders angemessen durch die Veröffentlichung von Auszügen aus seiner Autobiografie, seinen Büchern und seinen Reden zu ehren.

 

Deutlich werden soll seine Lebensleistung als Rechtswissenschaftler, seine Unbeugsamkeit im Kampf um Sozialismus, um Wahrheit und Wahrhaftigkeit, seine Klugheit und Schlagfertigkeit. Wenn die Publikation dazu anregt, sich intensiv mit seinem Werk zu befassen, würde der Zweck dieser Ausgabe des Bulletins des Zusammenschlusses „Geraer

Sozialistischer Dialog“ am besten erfüllt.

 

Für die Unterstützung und Förderung dieses Projektes möchten wir uns ganz herzlich bei Karin, Klaus und Frederike Heuer bedanken. Unser Dank gilt Ellen Brombacher, Gregor Gysi, Hermann Klenner, Renato Lorenz und Hans Modrow, die uns bereitwillig ihre Texte zur Veröffentlichung übergaben. Ein Dank an Dr. Axel Dost für seine bibliografischen

Hinweise sowie an Frank Schumann vom Verlag edition Ost der uns den Vorabdruck des letzten Buches von Uwe-Jens Heuer „Glanz, Elend und Wiederkehr des Staatsdenkers Carl Schmitt“ zur Verfügung stellte.

 

Jochen Traut

Ekkehard Lieberam

 

 

 

Veröffentlicht in Sozialismus

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