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Gestern jaehrte sich der Tag, an dem die DDR die Grenze zur BRD abriegelte und begann, diese zu befestigen und undurchdringlich zu machen. Die Erinnerungsarbeit der Mainstream-Medien war eher routinemaessig gelangweilt. Irgendein Berufs-DDR-Denunziant forderte, man muesse noch viel mehr "Mauer-Tote" finden. Das Thema bringt nicht mehr viel. Jedesmal, wenn die Journaille "Mauer-Staat" schreit, schallt es zurueck: Meint ihr Israel ? Meint ihr die USA ? Das ist peinlich. Die Mauer von gestern verstellt die Mauern von heute immer schlechter. Also, am besten Schwamm drueber. Bloss die Kommunisten geben halt wieder einmal keine Ruhe. Der RotFuchs meldet sich zu dem Thema zum Beispiel so:
Als der Frieden am seidenen Faden hing
13. August 1961: Die „Mauer“ war das häßlichste
und notwendigste Bauwerk der DDR
2010 – das 20. Jahr des Anschlusses der DDR an die BRD – ist ein neues Festival fur Geschichtsfalscher und Massendompteure. Da wird naturlich auch der 13. August 1961 „neu beleuchtet“.
Was geschah damals wirklich?
… Die beiden deutschen Staaten befanden sich im Zentrum des weltpolitischen Machtkampfes zweier Gesellschaftssysteme. Mitten durch Deutschland verlief die Grenze zwischen der „Freien Welt“ des Imperialismus und den Staaten des „Ostblocks“, die nach Lesart der burgerlichen Presse „kommunistische Diktaturen“ darstellten. Sie war weitgehend offen und daher ein standiger Gefahrenherd. Das galt besonders fur Berlin. Hier war die Grenze lediglich markiert, was verheerende okonomische Auswirkungen hatte. Fur jungere Lesergenerationen ist das gedanklich kaum nachvollziehbar:
Von der BRD war ein willkurlicher Wechselkurs zwischen den Wahrungen der beiden deutschen Staaten bestimmt worden, dem ausschlieslich politische Motive zugrunde lagen. Er schwankte zwischen 1 : 4 und 1 : 6 zugunsten der westlichen D-Mark. In der DDR gab es hingegen ein stabiles Preisgefuge, das nicht an den Marktgesetzen orientiert war, sondern auf der Grundlage zentraler staatlicher Planung und Leitung der Volkswirtschaft funktionierte. Es galt das Prinzip, lebensnotwendige Guter wie Nahrungsmittel und Dinge des taglichen Bedarfs uberwiegend sehr hoch zu subventionieren, wahrend man andere Artikel mit mehr oder weniger hohen Akzisen belegte. Wie vernunftig oder unvernunftig dieses Festpreissystem war, soll hier nicht beurteilt werden. Seriose Okonomen konnen das besser. Ich meine aber, das es dem sozialen Anliegen eines antikapitalistischen Staates entsprach und fur die meisten Menschen große Bedeutung hatte.
Uberall an den Sektorengrenzen Westberlins gab es „Wechselstuben“, in der BRD ubernahmen Banken diese Aufgabe. Man mus wissen, das damals Zehntausende Ostberliner in Westberlin arbeiteten. Wer also vom Osten nach dem Westen der Stadt ging, konnte seine Mark dort – auf rund ein Funftel reduziert – in Westmark umtauschen.
Umgekehrt aber konnte jeder Westberliner oder dort beschaftigte Ostberliner und jeder Westdeutsche fur seine D-Mark rund das Funffache an DDR-Mark eintauschen und damit im Osten nach Belieben einkaufen.
Keine Wirtschaft der Welt – auch nicht die reichste – halt so etwas auf Dauer aus.
Ganz simpel ausgedruckt: In Ostberlin kostete eine Schrippe 5 Pfennig (Ost), in Westberlin aber 20 Pfennig (West). Auf diesem Wege erwarb der Westberliner sein Brotchen fur 1 Pfennig (West). So ahnlich funktionierte das bei anderen Lebensmitteln und Artikeln des taglichen Bedarfs, bei Waren und Dienstleistungen aller Art.
Kein Wunder, das da empfindliche Versorgungsengpasse in der DDR auftreten mussten! Diese erzeugten zwangslaufig Zweifel an der Richtigkeit des sozialistischen Weges. Mit anderen Worten: Was aus eigener Kraft produziert und oft noch staatlich hoch subventioniert wurde, floss ohne realen Gegenwert in erheblichen Dimensionen auf einen Markt ab, fur den es nicht gedacht war. Andererseits musten Importe der DDR teuer mit Devisen bezahlt werden.
So entstand eine Situation, die nach Lösungen drangte. Auch die andere Seite hatte ein klares Ziel im Auge: die Liquidierung der DDR. Damals kam das Wort auf, Berlin (gemeint war Westberlin) sei „die billigste Atombombe der Welt“. Einer solchen Entwicklung konnte eine verantwortungsbewust handelnde Regierung nicht langer tatenlos zusehen.
In der Nacht vom 12. zum 13. August 1961 schloss die DDR – in Absprache mit ihren Verbundeten – schlagartig samtliche Grenzen zur BRD und zu Westberlin. Damit wurde eine normale Grenzordnung geschaffen, wie sie damals uberall auf der Welt ublich war. In Berlin standen zunachst die Kampfgruppen aus den volkseigenen Betrieben und den Institutionen an der Markierungslinie.
Hinter ihnen wurde eine Mauer quer durch Berlin gebaut. Sie war das haslichste und zugleich notwendigste Bauwerk ihrer Zeit. Naturlich ist die Frage legitim, ob es nicht eine bessere Losung hatte geben konnen. Erlaubt sei die Gegenfrage: Hatte jemand in Ost oder West eine solche parat?
Zweifellos griff die Entscheidung tief in die Privatsphare vieler Menschen ein. Familien wurden getrennt, in Westberlin Tatige konnten uber Nacht nicht mehr an ihren Arbeitsplatz. Fur die DDR war das zwar keine elegante, aber die okonomisch und politisch entscheidende, vor allem aber eine friedensbewahrende Losung.
Noch eine Bemerkung zum „Grenzregime“ und zu den „Mauertoten“. Wie gestaltet und befestigt eine Grenze ist, gehort nach dem Volkerrecht in den Hoheitsbereich der jeweiligen Staaten. Ihr Charakter wird masgeblich durch das Verhaltnis zu den Nachbarn bestimmt, ob es freundschaftlich oder konfrontativ ist. Nicht nur die DDR hatte eine „Grenzmauer“. Israel errichtete z. B. volkerrechtswidrig eine Mauer quer durch das Land der Palastinenser. Wer unter den Politikern der westlichen Welt regt sich daruber oder uber die befestigte Grenze zwischen den USA und Mexiko auf, deren Sicherungsmasnahmen die der DDR erheblich ubersteigen?
Auch dort kommen Jahr fur Jahr viele Menschen, vor allem Wirtschaftsfluchtlinge, ums Leben. Fest steht: Jeder Tote an der „Mauer“ (darunter befanden sich nicht wenige Grenzsoldaten der DDR) war einer zuviel. Allerdings gibt es daran keinen Zweifel, das die Verletzung gesicherter Staatsgrenzen ein hohes Risiko birgt. Das wuste jeder. Dabei galt fur die DDR-Grenzsoldaten zu keiner Zeit ein Schiesbefehl, sondern nur eine Schuswaffengebrauchsordnung, die mit jener der alten BRD fast wortlich ubereinstimmte.
– Ich habe die Entscheidung, die Ordnung an der Staatsgrenze herzustellen, politisch mitgetragen und begrust. Endlich fand die Ausplunderung der DDR ein Ende, konnte nicht jeder dahergelaufene Provokateur in unser Alltagsleben negativ eingreifen. So entstand eine Chance, unser gesellschaftliches System auf seinen eigenen Grundlagen weniger storanfallig zu entwickeln.
In diesem Sinne hatte die „Mauer“ jahrzehntelang eine den sozialistischen Staat bewahrende Funktion. ...
Georg Dorn, Berlin
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Ich habe den Eintrag von rote predigt uebernommen: http://rote-predigt.over-blog.com/article-eine-rotfuchs-interpretation-die-mauer-denn-der-13-august-steht-bevor-55087736.html - Danke !
Der Text von Georg Dorn ist urspruenglich im RotFuchs erschienen: http://www.rotfuchs.net/Zeitung/Aktuell/RF-151-08-10.pdf - Danke !
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