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Sunday 7 november 7 07 /11 /Nov. 06:22

 

Das Haus, in dem wir leben, kostet im Monat 950 Euro Miete. Dazu kommt noch einiges nebenbei. Hätten wir es gekauft würde es um die 300 000 Euro kosten, und um die Hypothek abzustottern, wäre die monatliche Rate noch höher. Was kostet da so viel ? Es handelt sich doch bloss um paartausend Ziegelsteine, etwas Holz und Fliesen, Installationen, ein Stückchen Boden ?

 

Wir zahlen den Hausbesitzer. Der will paar Euro an uns verdienen. Er wiederum zahlt an die Bank, die ihm das Geld für den Hausbau geliehen hat. Die will paar Euro verdienen. Zwanzig Jahre Hypothek bedeutet, dass er über die Zinsen das Haus zweimal bezahlt. Die Baufirma, die das Haus hochgezogen hat, wollte auch paar Euro verdienen; desgleichen der Besitzer des Grundstücks.

 

So kommt zusammen, was den Leuten jeden Monat 30, 40 oder sogar 50 % ihres Einkommens abverlangt - bloss für ein Dach überm Kopf.

 

Vor zwei Jahren war ich in Marinaleda, jenem "sozialistischen" Dorf in Andalusien. Dort kostete ein neues Haus seine Bewohner im Durchschnitt 28 500 Euro, anschliessend 15 Euro im Monat. Dazu kommen 15 Euro (wenn ich mich richtig erinnere) pro Monat fürs Wasser, dazu Strom und Müllabfuhr (Letztere kostet 15 Euro ... im Jahr.)

 

Wieso kostet ein Haus in Marinaleda keine 30 000, unser gemietetes Haus in einem bayerischen Provinzkaff aber 300 000 ?

 

In Marinaleda ist der Boden keine Ware, weil in Gemeindebesitz und nicht handelbar. Die Gemeinde zahlt die Erschliessungskosten, das Baumaterial und die Facharbeit. Ihre Einnahmen sind nicht höher als die eines beliebigen andalusischen Dorfes, aber sie werden anders verteilt, weil die Gemeinderegierung kommunistisch ist. Keine Bank verdient an so einem Haus paar Euro für die Hypothek, die Mauerer und Fliesenleger und Elektriker kriegen für ihre Arbeit Lohn, aber kein Bauunternehmer Profit, einen privaten Grundstückseigner gibt es nicht.

 

Das macht schon den ganzen Unterschied. Kapitalistisches Wohneigentum verzehnfacht für die Benutzer den Preis. Der "Sachzwang" der verschiedenen Kapitaldienste, die Kette von Profiten zwingt uns, nur fürs Wohnen ein Drittel unserer Arbeit oder mehr aufzuwenden.

 

In Marinaleda haben die Bewohner in den 1970er Jahren einen regelrechten Aufstand gemacht. Sie erkämpften sich 1 500 Hektar Land und fingen an, es genossenschaftlich zu bewirtschaften. Das macht den Unterschied. - Sie haben einen Aufstand gemacht. Man kann sagen: Aufstand machen ist die beste Zukunfstinvestition, die sich denken lässt.

 

 

 

 

von Sepp Aigner - veröffentlicht in: Kultur und Gesellschaft - Community: Kritische Massen
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Kommentare

Die Bewohner des andalusischen Dorfes "Zinslos" haben doch bestimmt ein gar schreckliches Leben, so ganz ohne Zins und Zinseszins? Die laufen bestimmt den ganzen Tag mit grauen, unglücklichen Gesichtern herum (eingezäunt?) und vermissen ihre kapitalistische Freiheit? Wie geht das offizielle, kapitalistische Spanien der Banken und der PSOE damit um? Läuft schon eine Befreiungsaktion? Was sagt die Presse? Fragen über Fragen...

Kommentarnr1 gepostet von almabu am 7.11.2010 um 07h15

Ja, so ist es. Vor lauter Verzweiflung treiben sie sich nach Feierabend - nach langen sechseinhalb Stunden Fronarbeit - im selbstgebauten Schwimmbad oder im Dorfpark herum oder in dem halben Dutzend Kneipen. Da geht die Unterdrückung dann weiter: Der Eintritt ins Schwimmbad kostet 3,50 Euro ... im Jahr (für Dorfbewohner, für Auswärtige ist das der Tagespreis). Den berüchtigten Subotnik gibts natürlich auch, dort zur Tarnung Domingo Rojo (Roter Sonntag) genannt. Da müssen die Leute ohne Bezahlung das Dorf saubermachen, einmal im Monat - also wer halt will und Zeit hat. Und es gibt nicht einen einzigen PP (in etwa: CDU)-Gemeinderat, sondern immer typische Ostblock-Wahlergebnisse - so um die 70 % für die Izquierda Unida.

Antwort von Sepp Aigner am 7.11.2010 um 08h00

Sepp, ich fürchte der Zinsteufel macht inzwischen auch vor Marinaleda nicht halt!

Wie könnte es sonst sein, dass da andalusische Tagelöhner-Hütten für ein Schweinegeld in englischen Immobilienseiten angeboten werden im web?

http://www.propertyindex.com/sublocation/holidaysales/Properties-in-Marinaleda/37440/#HS4292369

Kommentarnr2 gepostet von almabu am 7.11.2010 um 07h25

Schönen Sonntagmorgen.

In Marinaleda gibt es ein "altes Dorf", in dem Häuser ganz normales Privateigentum sind. Die werden natürlich auch verhökert. )Mir hat man ein Dorfhaus für 110 000 Euro angeboten, die ich aber leider nicht hatte.) Im "neuen Dorf" mit "sozialistischen" Eigentumsverhältnissen leben, wenn ich mich richtig erinnere, ungefährt 1200 (oder 1400 ?) von 2700 Dorfbewohnern.

Ansonsten stimmt natürlich, dass Aufstand in einem einzigen Dorf nicht genügt. Die Genossenschaften dort müssen unter den selben Marktbedingungen produzieren wie jeder kapitalistische Betrieb auch. Erstaunlich ist nur, was selbst unter kapitalistischen Verhältnissen möglich ist und über dreissig Jahre gehalten werden kann. (Ob das schon für immer ist, ist nicht sicher.)

Es gibt einen kleinen Run auf das "sozialistische" Dorf. ich habe einen australischen Kneipier kennengelernt, paar Leute aus Irland und Holland und England. Deutsche Toscana-Bohemiens hatten es vor zwei Jahren noch nicht entdeckt, aber das wird nicht lang so bleiben. (Ich fürchte sogar, dass meine Schwärmerei zur "Entdeckung" beiträgt. Und es wird nicht schwer sein, Marinaleda gerade so zu versauen wir die Toscana. Wenn sie Pech haben, kommen Fischer oder Trittin. Da kommt mir ein furchtbarer Gedanke: vielleicht BEIDE ?!)

Antwort von Sepp Aigner am 7.11.2010 um 07h49

Fischer und Trittin? Ächz, das wäre das Ende...

Kommentarnr3 gepostet von almabu am 7.11.2010 um 09h51

Wenn ich in der Richtung was mitkriege, ruf ich den Bürgermeister an, um ihn zu warnen.

Antwort von Sepp Aigner am 7.11.2010 um 11h11

Warum so in die Ferne schweifen - vor etwas mehr als 20 Jahren gab es fast die gleiche Situation in den östlichen. heute durch die BRD okkupieteren Gebieten, sprich in der DDR auch schon. Grund und Boden waren Volkseigentum und wurden dem Hausbauer kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Kredit wurde mit 1% verzinst und mit 1% getilgt und für die Bevölkerung gab es bei den Baubetrieben klare Preislisten, Bevölkerungsbau Preisliste Stand 1967 so weit mir noch in Erinnerung. Das alles haben wir weggeschmissen für ein paaar Bananen und für eine Kanzlerin, die die Atomkraftwerke länger betreiben läßt - damit zumindest dort gute Gewinne gemacht werden können

Kommentarnr4 gepostet von Günther Wassenaar am 7.11.2010 um 11h47

Wenn ich es recht in Erinnerung habe, hat ein normales Eigenheim in der DDR um die 60 000 Mark gekostet, und das bei den supergünstigen Kreditbedingungen, von denen Du schreibst.

Antwort von Sepp Aigner am 7.11.2010 um 13h31

Was kostet wie viel und wie viel kostest es?

Schon interessant, hatte ja Deinen Beitrag wiedergegeben und was die Menschen dort machen, ist durchaus Beispielgebend. Andererseits, warum den auf eigenen Errungenschaften scheißen, ein Abtritt war doch da, warum den in die Ferne schweifen, hier … hatten wir`s schon mal! So musste ich in der DDR 3% meines Einkommens monatlich für Miete ausgeben, des Weiteren noch 250,- bis 300,- Mark (angeblich wertlose Aluschips) für Strom, Heizen, Wasser etc. im Jahr. Grundnahrungsmittel konnte man nicht gerade teuer nennen und auch kulturelle Angebote (Kino, Theater, etc.) waren erschwinglich, des weitern waren Bücher preiswert, aber von hoher Qualität, Weiterbildung wurde gefördert, wobei man dafür auch regelmäßig von der Arbeit freigestellt wurde. Und doch haben die Menschen anders entschieden! Und ohne auf ein anders Thema hier aufmerksam machen zu wollen, es lag auch daran, dass die SED eine Massenpartei war, aber keine Partei der Massen mehr! So gab es keine politische Kraft in der DDR, welche 1989 in der Lage gewesen wäre, die Führung im Interesse der Werktätigen zu übernehmen, somit fiel es den Okkupanten relativ leicht, die Macht zu erringen. Dabei wurde die staatliche Einheit relativ schnell hergestellt, eine andere Einheit ist für das Kapital in diesem Zusammenhang nicht nötig und somit auch nicht förderlich, aus diesem Grund gehen die Bestrebungen in Richtung der Erhaltung von Spaltung. Seit dem bin auch ich „frei“, (was immer Freiheit auch ist, sie ist immer konkret,) und darf mehr als 1/3 des Einkommens für Miete ausgeben und was ich in der DDR im Jahr für Strom, Heizung, Wasser etc. ausgeben musste, darf ich heute fast schon im Monat berappen. Grundnahrungsmittel werden nicht mehr subventioniert, eine Teilnahme am Kulturbetrieb (Kino, Theater, etc.) ist mit erheblichen Mehrkosten verbunden und somit vielen nicht mehr in dem Umfang wie in der DDR möglich. Bücher kosten "richtig" Geld und die Qualität läst gelegentlich zu wünsche übrig. Weiterbildung bezahlt unter Umständen die Arge, oder die Agentur für Arbeit, oft nicht dem Bedarf entsprechend! So konnten viele neue Erfahrungen gesammelt werde, aber auch die alten sollten nicht vergessen werden, aus beiden gilt es die entsprechenden Lehren für die Zukunft zu ziehen. In Deinem Reisebericht hattest Du Marinaleda mit einem gewissen gallischen Dorf verglichen, und den Mut und die Standhaftigkeit der kleinen Gallier ist auch den Bewohnern von Marinaleda zu wünschen und vor allen, dass dieses Nachahmer auf gesamtgesellschaftlichem Niveau findet! 3,50€ im Jahr fürs Freibad, das ist doch was!

Gruß Thomas

Kommentarnr5 gepostet von kucaf am 7.11.2010 um 12h55

- Eine Erfahrung, die unausloschbar ist. Deshalb müssen sie aus der DDR einen "Unrechtsstaat" machen. Aber das wird auf Dauer auch nicht helfen.

Antwort von Sepp Aigner am 7.11.2010 um 13h20

Die haben nicht nur paradiesische Freibadpreise, sondern auch ein Wetter wo du das Freibad beinahe ganzjährig benutzen kannst!

Ein anderes Beispiel zu Preisen und der darin enthaltenen Marge, genannt "Luft":

Auto, Listenpreis 60.000 Euro. 20 Prozent Rabatt problemlos möglich ergibt 48.000 Euro Nettopreis. Abschreibung über 6 Jahre á 8.000 Euro. Zeitwert nach zwei Jahre 32.000 Euro. Das heisst, ein "fast neues", zweijähriges Auto kostet etwa die Hälfte des Neupreises! Wirksamer kann man Geld kaum vernichten, als durch Neuwagenkauf;-))

 

Kommentarnr6 gepostet von almabu am 7.11.2010 um 14h00

Besonders bizarr ist der Umstand, dass ausgerechnet Merkel, die sich zu DDR Zeiten bei den Russen eingeschleimt hat (dann hatte man wohl auch Ruhe vor den Stasi?) sich nach dem Beitritt vehement den Amis an den Hals schmiss, entschlossen in DubbleVs Hintern kroch, jetzt die Kriminalisierung der DDR und gleichzeitig die social-event-activities für Seppi Ackermann betreibt und nebenbei den erstaunten Wessis die Zeit und Gedanken von Adenauer und Erhard erklärt. Die ist wirklich echt krass, Alter!

Kommentarnr7 gepostet von almabu am 7.11.2010 um 14h07

Das verstehst Du bloss nicht. Frau Merkel ist einfach FLEXIBEL,und das ist hochmodern und gehört zu den Führungsqualitäten.

Antwort von Sepp Aigner am 7.11.2010 um 16h44

guter Vergleich, gutes Resume.

Kommentarnr8 gepostet von Karlheinz Krass am 7.11.2010 um 14h52

Vielleicht sind wir uns in mehr Fragen einig ?

Antwort von Sepp Aigner am 7.11.2010 um 20h35

Hallo Sepp,

warum musst Du mir auch immer solche Stichwörter geben, denn es ist so eine Sache, mit dem Unrechtstaat und was ist schon Recht? „Die Gesamtheit sich wechselseitig bedingender und voneinander abhängiger, vom Staat gesetzter oder sanktionierter und geschützter allgemeinverbindlicher Verhaltensregeln (Normen), die den letztlich durch die Produktionsverhältnisse bedingten Willen der herrschenden Klasse ausdrücken und staatlich erzwingbar sind. Rechtsnormen widerspiegeln die Interessen der ökonomisch und politisch herrschenden Klasse, die ihre Interessen in der Gesellschaft nur dauerhaft durchsetzen und schützen kann, wenn sie ihrem Willen allgemein Ausdruck in Gestallt staatlich-verbindlicher Normen verleit.“ Habe ich einmal gelesen und wenn wir uns unserer wissenschaftlichen Weltanschauung bedienen und uns nicht vom bürgerliche und kleinbürgerliche Geschwätz einlullen lassen, dann können wir durchaus sagen, ja, die DDR war ein Unrechtsstaat! Denn in ihr hatten kapitalistisch Monopole keine Rechte! Dabei sollten wir aber nicht vergessen hinzuzufügen, dass das Recht in der DDR im Interesse der überwiegenden Mehrheit des werktätigen Volkes ausgeübt wurde! Wenn wir uns auf eine Diskussion über Rechtsstaat und Unrechtsstaat einlassen, so sollte es weniger darum gehen nachzuweisen, dass die Bezeichnung Unrechtsstaat politisch, ideologischen Ursprungs ist, sondern das auch das Recht objektive Ursachen hat und immer den gesellschaftlichen Verhältnissen entspricht, welchen es entspringt. Somit war die DDR aus Sicht des Kapitals, aus Sicht der Monopole, ein Unrechtsstaat, da es keine Rechte für diese in diesem Staat gab, oder diese zumindest erheblich eingeschränkt waren! Den Werktätigen hingegen stand ein Rechtsystem gegenüber, welches ihre Interessen vertrat und dem gerecht wurde. Im Gegenzug ist auch die Bundesrepublik alles andere als ein Rechtstaat, da in ihr ein Rechtsystem praktiziert wird, welches auf die Interessen des Kapitals, der Monopole ausgerichtet ist und sich gegen die Interessen der Werktätigen entfaltet. So gesehen ist ein jeder Rechtssaat, immer auch ein Unrechtsstaat! Dabei finde ich, dass wir nicht immer nur verteidigen sollten, sondern durchaus auch angreifen. Die DDR ist tot, ihr sei zu gedenken in allen Ehren und der Sozialismus der Zukunft wird sich ihrer besinnen, verteidigen brauch wir sie nicht mehr, die Hintergründe der Leichenfledderei hingegen gilt es aufzudecken!  

Eigentlich wollte ich gar nicht soviel schreiben, ist aber ein interessantes Thema, was es verdient beackert zu werden.

Ich gehe einmal davon aus, dass Du Verständnis dafür hast!

Freidenkerischen  Gruß

Thomas

Kommentarnr9 gepostet von kucaf am 7.11.2010 um 15h19

Ganz Deiner Meinung. Recht ist in Gesetzen kodifizierte Macht, und die Macht wird in einer Klassengesellschaft von der herrschenden Klasse ausgeübt.

Allerdings gibt es auch willkürliche/terroristische Machtausübung. Und gegen die sind die Rechte auch im Rahmen der bürgerlichen ordnung zuverteidigen, wie die Meinugs-, Versammlungs- und Organisationsfreiheit. Solche Sachen müssen gegen die Bourgeoisie verteidigt werden, die dazu neigt, im Bedarfsfall dieSelbstbeschränkungen ihrer Machtausübung, die in ihrer Juristerei auch enthalten ist, im Bedarfsfall selbst zu schleifen. In dem Sinn hat Max Reimann zur Verabschiedung des westdeutschen Grundgesetzes gesagt, die KPD lehne es zwar ab (u.a., weiles die Teilung Deutschlands besiegelte), aber die Kommunisten würden diejenigen sein, die die demokratischen Rechte des Grundgesetzes gegen deren Einschränkung verteidigen würden. Das gilt, finde ich, unverändert.

Antwort von Sepp Aigner am 7.11.2010 um 20h55

Hallo großer Meister der sozialistischen Marktwirtschaft.

Hast du auch mal bedacht, wie hoch das Einkommen durchschnittlich dort ist?

Was kostet im Verhältnis zum Einkommen das Haus, das Brot, die Wurst, der Fernseher, die Heizung? Das sind doch die grundsätzlichen Fragen.

Bei einem Einkommen von 100 Euro pro Monat schaut die Rechnung dann ganz anders aus...

Kommentarnr10 gepostet von Jenny Cotton am 11.11.2010 um 09h32

"Meister der sozialistischen Marktwirtschaft" ? Welcher ? Und inwiefern Meister ?

Genau die Art Artikel, die Du ansprichst, waren unter sozialistischen Verhältnissen (Osteuropa/SU) so günstig zu haben, dass jeder sie sich leisten konnte; Fernseher und andere langlebige Konsumgüter ausgenommen. Aber das Dach überm Kopf und das "täglich Brot" war für niemandem eine Sorge, wenn es auch oft Grund zum Maulen über die Qualität und das Sortiment gab.

Antwort von Sepp Aigner am 11.11.2010 um 10h42

Nun hatte ich in meinem ersten Kommentar ein paar Zahlen genannt, hatte mein damaliges Einkommen aber nicht berücksichtigt. Somit sei zur Veranschaulichung darauf hingewiesen, dass ich 1989 im Monat 930,-Mark Netto verdient habe, was so ungefähr dem Durchschnitt in der DDR entsprach.  Letztlich ist es eine Tatsache, dass im Monat mehr Geld zum Ausgeben, oder eben zum Sparen, übrig geblieben ist, als es heute bei durchschnittlichen Einkommen der Fall ist.

Was nun Waren des Grundbedarfs betraf, so hatte die Mark der DDR eine wesentlich höhere Kaufkraft, als die D-Mark. Dinge die der Mensch nicht unbedingt braucht, waren hingegen teuerer. Unterm Stirch gab es in der DDR-Bevölkerung einen Geldüberschuss, auch weil viele Produkte und Dienstleistungen der Warencharakter ganz oder teilweise genommen war, wogegen in der kapitalistischen Gesellschaftsformation es bedingter Weise am Geld in der Bevölkerung mangelt, und es streben ist, Produkte, Dienstleistungen, selbst persönliche Verhältnisse den Charakter einer Ware zu geben, also handelbar zu machen. Grob geschrieben, steht unter Berücksichtigung zu befriedigender Bedürfnisse einem Geldüberschuss in der Regel ein Warenmangel gegenüber, genau wie einem Warenüberschuss, ein entsprechender Geldmangel. Viele DDR-Bürger, auch dadurch begünstigt, dass sie die kapitalistische Gesellschaft nur aus dem (West-) Fernsehen kannten, verbunden mit der Ansicht, dass der bundesdeutsche Kapitalismus allgemeingültiges Beispiel ist, waren der Illusion erlegen, die verschiedenen Verhältnisse zusammen bringen zu können. Auf der einen Seite soziale Sicherheit, sicheres Einkommen und vieles andere mehr und auf der anderen Seite die vollen Schaufenster! Eigentlich eine wünschenswerte Situation, nur unter kapitalistischen Bedingungen wird diese immer eine Illusion bleiben. Solche Vorstelllungen begünstigten dann aber auch den Umschwung der Protest 1989/90 von „Wir sind das Volk“ zu „Wir sind ein Volk“, und mit der Öffnung der Staatsgrenze zur BRD strömten viele in die Tempel des Konsum, um den Göttern zu huldigen, deren Knechte sie heute sind.

Die Ursachen für den Untergang der DDR sind hingegen wesentlich vielschichtiger und im Kontext ihrer Zeit zu sehen.

Kommentarnr11 gepostet von kucaf am 11.11.2010 um 13h17

Gerade habe ich mir die Propagandaausstellung in Leipzig angesehen, mit der die Geschichte der DDR und der Jahrzehnte nach dem II. Weltkrieg frech verlogen, aber medial gekonnt, in den Dreck gezogen wird. Das hat schon Wirkung, scheint mir. Aber Lebenserfahrungen wie Deine können sie nicht wirklich mit Lügen auslöschen. Den "Konsumrausch", war mein Eindruck in Leipzig, gibt es nach wie vor - aber auch grosse Ernüchterung: Man kann ja als Normalverdiener oder Arbeitsloser gar nicht kaufen, was an Waren bis auf die Strassen quillt. Es muss schon ein zweispältiges Gefühl sein, denke ich, am "Überfluss" teilzuhaben - mit Billigramsch von Mäc Geiz.

Antwort von Sepp Aigner am 23.11.2010 um 09h00

Hallo Sepp,

hatte schon gedacht, dass Du eine Winterpause machst, wie letztes Jahr. Und selbst in Leipzig warst Du, hätte man es vorher gewusst, hätte wir uns ja mal kennen lernen können.

Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal.

Gruß

Thomas

Kommentarnr12 gepostet von kucaf am 23.11.2010 um 10h34

Die Winterpause wird noch kommen, aber erst ab Januar und nicht so vollständig wie im letzten Winter.  Was das Kennenlernen betrifft, hab ich Dir eine Mail geschickt.

Antwort von Sepp Aigner am 23.11.2010 um 11h13

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