WDR 5: entstellen, verdrehen, manipulieren ... deutscher Qualitaetsjournalismus eben

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

 

Gestern stand in Net News Global ein Beitrag von WDR 5 ueber den Umgang der bolivianischen Regierung mit den Lithium-Vorkommen des Landes. ( http://www.wdr5.de/fileadmin/user_upload/Sendungen/Politikum/2010/07/Manuskripte/05%20Claudia%20Belemann.pdf ) Claudia Belemann gab ihm die Ueberschrift: "Die Vetternwirtschaft des Volkshelden - Ueber den Umgang mit Bodenschaetzen in Bolivien"

 

Der "Volksheld" ist natuerlich Morales. Morales - Vetternwirtschaft: Das suggeriert die Ueberschrift. Welche Fakten fuehrt Frau Belemann fuer diese Behauptung an ? Keine.

 

Das Thema des Beitrags ist ein anderes - die Art und Weise, wie die Regierung Morales mit Boliviens Bodenschaetzen umgeht. Belemann:

 

"Seit 4 1/2 Jahren regiert Praesident Evo Morales in Bolivien: der erste indigene Praesident Suedamerikas, der versprochen hat, imer im Interesse der armen, indigenen Bevoelkerung handeln zu wollen." Aber im Fall des Lithiumvorkommens zeige sich, dass er das nicht tut. Belemann laesst einen Dr. Claros zu Wort kommen:

 

"Aber da gibt es einen Widerspruch. Die Regierung hat am Anfang gesagt, das lassen wir die Bolivianer tun, (...) ein solches Unternehmen sollte in unseren Haenden sein. (...) aber die Sache ist jetzt anders geworden, Mitsubishi und so weiter sind hinter der Regierung und die Regierung: wir brauchen Investoren, die hierher kommen sollen. Das bedeutet es ist nicht mehr die Rede von Anfang. Die Regierung sucht ein Angebot, Investoren fuer die gesamte Arbeit: den Abbau und die Nutzung des ganzen Produkts."

 

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update 09.07.2010: veraenderten Link eingefuegt

Belemann ergaenzt: "Dr. Claros fuerchtet die Ausbeutung der bolivianischen Ressourcen durch internationale Konzerne. Vor Augen hat er die Silbermine San Cristobal ... Sie ist in japanischer Hand. Das Silber wird ueber das nahe Chile in alle Welt exportiert. Ausser schlecht bezahlten Arbeitsplaetzen und einigen Steuereinnahmen hat Bolivien nichts davon."

 

Suggeriert wird also:

 

Es laeuft auch unter der Regierung Morales in Bolivien, wie es in Lateinamerika seit altersher laeuft. Morales will die einheimische Bevoelkerung nicht von den Bodenschaetzen profitieren lassen, sondern bandelt hinter deren Ruecken mit internationalen Konzernen.

 

Im Neuen Deutschland steht dazu (zitiert nach: http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Bolivien/salzsee.html ):

 

"Mit dem Lithium hat Bolivien etws anderes vor. Es soll nicht einfach exportiert, sondern im Land weiterverarbeitet werden und den Aufbau eines neuen Industriezweigs ermoeglichen."

 

- Also das glatte Gegenteil dessen, was Belemann suggeriert, wird angestrebt.

 

ND weiter: "Dass sich die ehrgeizigen Plaene nicht ohne groessere Investitionen aus dem Ausland verwirklichen lassen, liegt auf der Hand. Hinzu kommt, dass dem Land technisches Know-how fehlt ... Dennoch soll der Abbau in staatlicher Hand bleiben. Man wolle "Partner, keine Herren", betont Praesident Evo Morales, der an die Vergabe von Foerderlizenzen harte Bedingungen knuepft: Foerdergesellschaften muessen dem Staat eine Mehrheitsbeteiligung einraeumen und darueber hinaus in die Infrastruktur des Landes investieren."

 

Nie von gehoert, nicht wahr, Frau Belemann ? Das ist Ihnen einfach entgangen, nicht wahr ?

 

In dem ND-Artikel wird der Grund dafuer genannt, dass auslaendische Konzerne ueberhaupt zum Zug kommen sollen:

 

"Die ersten Schritte zum Abbau hat Bolivien ohne fremde Hilfe unternommen. Am Rande des Salar de Uyumi nahm die staatliche Bergbaugesellschaft Comibol vergangenes Jahr eine Pilotanlage in Betrieb, in der verschiedene Produktonsprozesse erprobt und jaehrlich bis zu  30 000 Tonnen Lithium-Karbonat hergestelt werden. Aus dem Verkauf ... erhofft sich Bolivien in den komenden Jahren Einnahmen von mehreren hundert Millionen Dollar." Das Problem ist aber: "Kritiker zweifeln an der Konkurrenzfaehigkeit des Programms ..."

 

Dies - und nicht der Umstand, dass die Regierung Morales mit internationalen Multis unter einer Decke steckt, wie von Belemann suggeriert - ist der Grund, warum internationale Multis ueberhaupt beteiligt werden sollen. ND:

 

"Trotz des steigenden Drucks zoegert Bolivien damit, auslaendische Unternehmer ins Boot zu holen. Einer der Gruende liegt in der Vergangenheit des Landes ... Immer profitierten Fremde und eine kleine Minderheit im Land. ..."

 

Genau das ist dabei, unter der Rgierung Morales anders zu werden. Belemann aber suggeriert, Morales sei in die Fussstapfen der korrupten Oligarchen-Regierungen getreten, die Bolivien bis zu seinem Amtsantritt beherrscht haben, un die tatsaechlich das Land an die Multis ausgeliefert und dafuer Provisionen kassiert haben.

 

Gegen den Widerstand der alten Oligarchen hat die linke Parlamentsmehrheit inzwischen eine gesetzliche Grundlage geschaffen, die im Fall auslaendischer Investitionen garantiert, dass der Hauptnutzen Bolivien selbst zugute kommt.

 

Nie von gehoert, Frau Belemann, nicht wahr ? Oder sollen die Zuschauer, bzw. Leser, nichts davon hoeren ?

 

Belemann kommt aber nicht ganz darum herum, zuzugestehen, das die MAS-Politik die Lage der Armen verbessert. Wenigstens muss man das dann aber so missguenstig und feindselig wie moeglich formulieren:

 

"Noch gelingt es Evo Morales sich gegenueber der einfachen Bevoelkerung als Anwalt der Armen zu profilieren, zum Beispiel indem er Erziehungsgeld und eine Basisrente eingefuehrt hat."

 

Das ist aber auch ein gefinkelt hinterlistiger Trick des Evo Morales, nicht wahr, Frau Belemann ? Macht der doch glatt, was er versprochen hat ... !

 

Nun, Frau Belemann weiss schon, warum dieser Schlingel sowas macht: Das macht er bloss, weil er sich die Macht sichern will. Es ist nicht, dass er die Macht der Linken sichern will, um die Lage der Armen zu verbessern, nein. Ganz im Gegentum: Der verbessert die Lage der Armen, um seine Macht zu sichern ...

 

Worauf das hinaus soll, schreibt Frau Belemann auch. Sie setzt die Behauptung allerdings nicht selbst, sondern laesst irgeneinen Juristen zu Wort kommen:

 

"Klientelpolitik wirft der Jurist der Regierung Morales vor: die Bedienung der eigenen Parteileute mit Privilegien. Das Wohl des ganzen Landes hat dieser Praesident nicht im Auge ... Eine Politik, die die Weichen stellt fuer eine nachhaltige Entwicklung Boliviens laesst sich nicht beobachten."

 

Worin besteht die Klientelpolitik ? Wer wird geschmiert ? Wer bereichert sich ?

 

Dazu teilt Frau Belemann dem geschaetzten Publikum nichts mit. Sie weiss es eben. Das wird man doch nicht auch noch belegen muessen ?!

 

- Es liesse sich schon allerlei beobachten in Bolivien, Frau Belemann - wenn man wollte und duerfte. Darueber gaebe es so viel zu berichten, dass man darauf verzichten koennte zu verdrehen, zu entstellen, zu manipulieren und mit nichts belegte Verdaechtigungen zu kolportieren. Aber Sie duerfen nicht, stimmts ? Ohne Mainstream-Stromlinienfoermigkeit wird man nichts in den deutschen Medien, stimmts ? Die sind schliesslich die Vierte Gewalt, die Abteilung, die fuer die Manipulation der Bevoelkerung zustaendig ist. Da muss man funktionieren, wenn man was werden - oder auch bloss seinen Job halten - will, stimmts ?

 

Frau Belemann, ein kleines Raedchen, laeuft in diesem Getriebe: Die deutsche Politik in Lateinamerika ist, die Linksregierungen zu schaedigen und zu schwaechen, wo immer es moeglich ist, und die korrupte alte Oligrachen-Bande zu staerken, wo immer es geht. Nur von denen kriegt man die lukrativen Freihandelsvertraege fuer die Oeffung - oer das Offenhalten - dieser Staaten fuer die Multis, den ungehinderten Abtransport der Reichtuemer Lateinamerikas in die imperialistischen Metropolen und die ungehinderte Ausbeutung der dortigen Arbeitskraft. Dafuer arbeiten die Konrad-Adenauer-Stifttung, die Naumann-Stiftung, die Friedrich-Ebert-Stiftung vor Ort.

 

Und Leute wie Claudia Belemann arbeiten dafuer an der Heimatfront. - Deutscher Qualitaetsjournalismus eben. 

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