Wer ist Kommunist ? Eine Klarstellung

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

 

Grundzüge der kommunistischen Strategie

 

 

Von Stefan Klingersberger

Das Ziel eines jeden Kommunisten und jeder Kommunistin ist der Kommunismus, das scheint völlig einleuchtend. Leider ist die Situation heute aber so, dass nicht nur Einzelpersonen, sondern sogar Organisationen sich kommunistisch nennen, die keine wirkliche Vorstellung (mehr) davon haben, was sie wollen. Was heißt es also KommunistIn zu sein? Was heißt es, den Kommunismus als Ziel zu haben? Und wie kommen wir dorthin?

 

Kommunismus ist möglich, …

 

Unter dem Kommunismus verstehen wir die klassenlose Gesellschaft. Hier sind die Produktionsverhältnisse derart beschaffen, dass es weder die Notwendigkeit noch die Möglichkeit gibt, dass sich bestimmte Menschen die Arbeit anderer aneignen und sich damit zur ökonomisch (und damit einhergehend auch politisch) herrschenden Klasse machen.

Dass eine solche Gesellschaftsform möglich ist und also nicht einem angeblichen „schlechten Wesen des Menschen“ widerspricht, zeigt die Urgesellschaft: Diese auch Urkommunismus genannte naturwüchsige Gesellschaftsform war frei von jeder Ausbeutung. Der Urkommunismus stand ganz am Anfang der Geschichte der menschlichen Gesellschaft, wo sich die Produktivkräfte gerade erst begannen zu entwickeln. Die „Spaltung der Gesellschaft in eine ausbeutende und eine ausgebeutete, eine herrschende und eine unterdrückte Klasse“ war daher nach Friedrich Engels eine „notwendige Folge der früheren geringen Entwicklung der Produktion“1. Der Kommunismus wird demgegenüber die höchst entwickelte Produktionsform verwirklichen, die gesellschaftliche Planung der ebenso gesellschaftlichen Produktion, mit Marx' Motto vor Augen: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“ Dass die Zeit bereits gekommen ist, den Weg Richtung Kommunismus zu beschreiten, sieht man daran, dass die Produktion heute schon in höchstem Maß gesellschaftlich funktioniert während die private Aneigung des gesellschaftlichen Reichtums durch einige wenige von einer Triebkraft, wie sie es im Frühkapitalismus war, zu einem Hemmnis der ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklung geworden ist.

 

KommunistIn sein bedeutet aber mehr als nur das Ziel einer klassenlosen Gesellschaft vor Augen haben. Andernfalls müsste man alle AnarchistInnen und SozialistInnen, aber auch zahlreiche Anhänger von Glaubensgemeinschaften, die mit den Kämpfen der ArbeiterInnenbewegung eher am Rande zu tun haben, als KommunistInnen bezeichnen. Begrifflich wäre das offenbar unsinnig. Was unterscheidet dann aber die KommunistInnen von den genannten anderen Gruppierungen?

 

… aber nur über den Sozialismus!

 

KommunistIn sein bedeutet auch eine bestimmte Idee davon zu haben, wie man das Ziel einer klassenlosen Gesellschaft zu erreichen gedenkt. Zum Beispiel unterscheidet sie von Gläubigen, dass sie davon überzeugt sind, dass man mit Beten nichts bewegen wird. Von den AnarchistInnen unterscheidet sie, dass sie die Befreiung der Individuen mittels der Befreiung der Gesellschaft erreichen wollen und nicht, wie die AnarchistInnen, umgekehrt. Mit den SozialistInnen (im engeren Sinn) gemeinsam haben sie die Vorstellung, dass es auf dem Weg zur klassenlosen Gesellschaft einer längeren Übergangsperiode bedarf. Sie unterscheiden sich aber von den SozialistInnen dadurch, dass sie auf den Bruch mit der kapitalistischen Gesellschaft orientieren, um auf ihren Trümmern den Sozialismus zu errichten, der zwar selbst eine Klassengesellschaft darstellt, allerdings eine, die die Bedingungen zum Hinüberwachsen in den Kommunismus schafft. Die SozialistInnen hingegen setzen Kommunismus und Sozialismus gleich und glauben, dass man direkt vom Kapitalismus schrittweise in eine klassenlose Gesellschaft übergehen kann.

 

Auf die Illusionen, mit Beten die Welt verändern oder durch die Befreiung des Einzelnen die der Gesellschaft erreichen zu können, soll an anderer Stelle eingegangen werden. Warum aber ist der Bruch mit der kapitalistischen Gesellschaft notwendig, warum kann man nicht von ihr ausgehend zu einer klassenlosen Gesellschaft kommen? Nun ja, das Problem ist, dass es im Kapitalismus noch Kräfte gibt, die an einer klassenlosen Gesellschaft ganz und gar nicht interessiert sind – und auch nicht interessiert sein können, „bei Strafe ihres eigenen Untergangs“(Marx): die KapitalistInnenklasse. Sie muss alles daran legen, fortschrittliche Tendenzen zu verhindern. Und die Geschichte hat bereits unzählige Male gezeigt, dass sie das auch tut: Die blutige Niederschlagung der Pariser Kommune und der Faschismus, der die Reaktion auf eine gefährlich stark werdende ArbeiterInnenbewegung darstellt, sind nur zwei Beispiele. Der kapitalistische Staat ist der Staat der KapitalistInnen: So kontrollieren sie nicht nur die Produktion, sondern zum Beispiel auch das Militär und über die gleichgeschalteten Medien eine Propagandamaschinerie, mit der sie fortschrittliche Bewegungen im Keim ersticken (versuchen). Bevor es also auch nur ansatzweise dazu kommen könnte, zur klassenlosen Gesellschaft „hinüberzuwachsen“, hat die KapitalistInnenklasse schon längst alles, und zwar wirklich alles, was notwendig ist, in Bewegung gesetzt um das zu verhindern – die nötigen Mittel dazu haben sie im Kapitalismus ja. Vor diesem Hintergrund muss es als eine (gemein)gefährliche Illusion bezeichnet werden, zu glauben, man könne vom Kapitalismus in die klassenlose Gesellschaft „hinüberwachsen“.

 

One solution: Revolution!

 

Stattdessen muss für unseren Zweck den KapitalistInnen die ökonomische und politische Herrschaft und damit die Mittel, den Übergang zur klassenlosen Gesellschaft zu verhindern, entrissen werden. Nur auf der Basis einer Gesellschaftsordnung, deren herrschende Klasse das objektive Interesse hat, die Klassengesellschaften überhaupt zu überwinden, kann der Weg zum Kommunismus bereitet werden. Diese Gesellschaftsordnung nennen wir Sozialismus. Zu ihm kann man aus den selben Gründen ebenfalls nicht einfach „hinüberwachsen“, sondern er kann nur durch einen revolutionären Bruch mit der kapitalistischen Gesellschaft erreicht werden. Dafür wiederum ist es erforderlich, dass eine revolutionäre Kraft eine revolutionäre Situation ausnutzt und die Revolution durchführt.

 

Eine revolutionäre Situation ist dann gegeben, wenn sich ein Gesellschaftssystem in einer tiefen Krise befindet, wenn die Klassenwidersprüche zugespitzt sind, offen zutage treten und von den Leidtragenden nicht mehr geduldet werden. Bewegungen von unten entstehen nun, die sich gegen das bestehende System wenden. Eine solche Situation ergibt aber noch nicht automatisch eine Revolution, wie die Geschichte eindeutig zeigt: Zu oft schon wurde eine Revolution von „Gemäßigten“ dadurch verhindert, dass sie die Volksmassen in einer revolutionären Situation beschwichtigt und auf einige Zuckerl seitens der Herrschenden vertröstet haben. Es braucht in einer revolutionären Situation daher eine ausreichend starke Kraft, die sich dem entschlossenen Kampf um die Macht widmet, Beschwichtigungszuckerl als solche entlarvt und die Volksmassen zur Revolution führt. Sie muss den Willen der Volksmassen aufgreifen, sodass sie sich auf sie stützen, die Macht erkämpfen und schließlich auch aufrecht erhalten kann.

 

Das erklärte Ziel dieser Revolution ist es, die Grundlage für den Übergang zur klassenlosen Gesellschaft zu schaffen, also der (ehemaligen) Ausbeuterklasse die Mittel zu entreißen, diesen Übergang zu verhindern. Mit der errungenen Macht muss ein Staat errichtet werden, der es sich zur Aufgabe macht, Restaurationsversuche zurückzuschlagen, ideologische Überbleibsel aus den vorherigen Klassengesellschaften zu überwinden und die sozialistische Wirtschaft zu entwickeln. Auch dieser Staat ist aber nicht von Dauer, denn wenn die sozialistische Revolution die Überwindung der Klassengesellschaft zum Ziel hat, dann auch die Überwindung jeglichen Staates, ist doch der Staat „nach Marx […] ein Organ der Klassenherrschaft, ein Organ zur Unterdrückung der einen Klasse durch die andere.“2 Eine Revolution um das endgültige Ziel zu erreichen, ist jedoch nicht nötig, hat sich doch mit dem Sozialismus bereits jene Klasse zur herrschenden Klasse gemacht, die für den Kommunismus kämpft. Lenin schreibt in seiner Schrift „Staat und Revolution“ richtigerweise: „Die Ablösung des bürgerlichen Staates durch den proletarischen ist ohne gewaltsame Revolution unmöglich. Die Aufhebung des proletarischen Staates, d.h. die Aufhebung jeglichen Staates, ist nicht anders möglich als auf dem Wege der „Absterbens“.“3

 

Warum aber schreibt er ausgerechnet von einem „proletarischen“ Staat, also von einem ArbeiterInnenstaat?

 

Arbeiterklasse voran!

 

Wir haben oben davon gesprochen, dass die herrschende Klasse im Sozialismus eine Klasse sein muss, deren objektives Interesse die klassenlose Gesellschaft ist. Überlegen wir also, welche Klasse das ist. Unter den ökonomischen Bedingungen des Kapitalismus haben sich zwei Hauptklassen herausentwickelt: die KapitalistInnenklasse und die ArbeiterInnenklasse. Marx und Engels schrieben 1848: „Unsere Epoche, die Epoche der Bourgeoisie, zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Klassengegensätze vereinfacht hat. Die ganze Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei große feindliche Lager, in zwei große, einander direkt gegenüberstehende Klassen: Bourgeoisie und Proletariat4.“5 Natürlich gibt es daneben noch kleinere andere Schichten. Doch diese beiden Klassen spielen die ökonomisch bei weitem wichtigste Rolle im Kapitalismus. Nicht zufällig heißt dieses Gesellschaftssystem Kapitalismus, es ist nun einmal dasjenige Gesellschaftssystem, in dem die KapitalistInnen die herrschende Klasse darstellen. Und der natürliche Gegenspieler der Kapitalisten sind die ArbeiterInnen; von ihnen sind sie außerdem existentiell abhängig, da sie keine Kapitalisten mehr wären, würden sie nicht die Arbeitskraft anderer ausbeuten. Natürlich gibt es auch innerhalb der beiden Hauptklassen (tatsächliche) Unterschiede. Doch muss man imstande sein, tatsächliche Unterschiede von nur scheinbaren, oder solchen, die bewusst von der Kapitalistenklasse zum Zwecke der Verwischung der Klassenverhältnisse hervorgerufen wurden, auseinander zu halten – Stichwort Scheinselbstständigkeit. Wie man aber die Kapitalistenklasse von der ArbeiterInnenklasse unterscheiden kann, daran hat sich seit Engels nichts geändert: „Unter Bourgeois wird die Klasse der modernen Kapitalisten verstanden, die Besitzer der gesellschaftlichen Produktionsmittel sind und Lohnarbeit ausnutzen. Unter Proletarier die Klasse der modernen Lohnarbeiter, die, da sie keine eigenen Produktionsmittel besitzen, darauf angewiesen sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, um leben zu können.“6 Welche von den beiden Hauptklassen der kapitalistischen Gesellschaft wird nun Interesse daran haben, die Klassengesellschaften zu überwinden? Natürlich die ArbeiterInnenklasse! Die ArbeiterInnenklasse muss also die herrschende Klasse jener Gesellschaftsordnung werden, deren Aufgabe es ist, den Weg zur klassenlosen Gesellschaft zu ebnen. Diese Tatsache leugnen, heißt den Marxismus verneinen, denn „das Wichtigste in der Marxschen Lehre ist die Klarstellung der weltgeschichtlichen Rolle des Proletariats als des Schöpfers der sozialistischen Gesellschaft.“7

 

„Wer seine Lage erkannt hat, wie soll der aufzuhalten sein?“ (Brecht) Es sind also die ArbeiterInnen, die die sozialistische Revolution vollziehen müssen. Wenn aber der Sozialismus im Interesse der ArbeiterInnenklasse liegt und sie dazu fähig sind, ihn zu erkämpfen, warum leben wir dann nicht schon lange im Sozialismus? Nun ja, den ArbeiterInnen ist nicht von Haus aus ihre Lage klar, geschweige denn ihre große Aufgabe. Sie müssen diese Klarheit erst durch zähe Klassenkämpfe, durch die die Klassenwidersprüche immer offensichtlicher werden, erlangen. In diesem Prozess wird die Klasse „an sich“ zur Klasse „für sich“, es entwickelt sich Klassenbewusstsein. Damit diese Erkenntnis aber nicht immer wieder durch bürgerliche Propaganda verwischt wird, braucht es eine Kraft innerhalb der ArbeiterInnenklasse, die diese bürgerliche Propaganda entlarvt, die die Widersprüche in der Gesellschaft aufdeckt und den Lösungsweg aufzeigt. Es braucht eine Kraft, die sich sowohl der Lage als auch der historischen Aufgabe der ArbeiterInnenklasse voll bewusst ist, und die sich eben nicht durch die bürgerliche Propaganda in die Irre führen lässt.

 

Diese Kraft, dieser Teil der ArbeiterInnenklasse hat quasi schon die „Einsicht in die Notwendigkeit“, wie es Hegel formulieren würde. Die Einsicht alleine ist aber nicht ausreichend, denn es könnte ja sein, dass man sie auf sich beruhen lässt, die Hände in den Schoß legt und sich ein möglichst bequemes Leben macht. Sondern es muss noch dazukommen, dass man diese Einsicht dazu ausnutzt, um in die richtige Richtung tätig zu sein. Den „einsichtigen“ und in fortschrittlicher Richtung tätigen Teil der ArbeiterInnenklasse bezeichnen wir schließlich als ihre Avantgarde, ihren Vortrupp. Aufgabe der Avantgarde der ArbeiterInnenklasse ist es, einen Kompass in Richtung Kommunismus zu liefern, in theoretischer wie praktischer Hinsicht. Fernab jeglicher Besserwisserei und jeglichen Abenteurertums muss sie an der vordersten Front der aktuellen sozialen Kämpfe stehen und diesen Kampf dabei stets mit dem Endziel „Kommunismus“ und den strategischen Schritten dorthin (wie sie in diesem Artikel in groben Zügen dargestellt werden sollen) theoretisch verknüpfen. Die Avantgarde besteht aber nicht aus einzelnen Individuen, die voneinander isoliert für den Kommunismus tätig sein wollen. Stattdessen arbeiten diese Individuen gemeinsam und schließen sich zu Organisationen zusammen, wodurch sie nicht nur die Schlagkraft für die Durchsetzung ihrer gemeinsamen Ziele vervielfachen, sondern die Erreichung dieser Ziele auch überhaupt erst ermöglichen. Sinnvollerweise schließt sich die Avantgarde zu mehreren verschiedenen Organisationen zusammen, um das nötige Klassenbewusstsein auch in die entsprechenden verschiedenen Lebensbereiche der ArbeiterInnenklasse zu tragen. So könnte es Jugend-, Frauen-, MigrantInnen-, oder Kulturorganisationen geben. Um aber zu verhindern, dass diese Organisationen voneinander losgelöst arbeiten und sich somit früher oder später in verschiedene Richtungen entwickeln, braucht es eine zentrale Organisation, die sämtliche Fäden der revolutionären ArbeiterInnenbewegung in sich zusammenführt: die Partei.

 

Langer Rede, kurzer Sinn

 

Mit dem Instrument einer revolutionären Partei muss also die Avantgarde der ArbeiterInnenklasse Klassenbewusstsein verbreiten. In einer revolutionären Situation kann sie dann – wenn das Klassenbewusstsein ausreichend ausgeprägt und die Partei organisatorisch stark genug ist – eine sozialistische Revolution durchführen. Sie ist notwendig, um der KapitalistenInnenklasse die Mittel zu entreißen, das Hinüberwachsen zum Kommunismus, der klassenlosen Gesellschaft, zu verhindern.

 

In grober Weise wurden in diesem Artikel einige geschichtsphilosophische Erkenntnisse umrissen, die auf den Überzeugungen der KommunistInnen, auf dem dialektischen und historischen Materialismus, basieren und gleichzeitig ihre strategischen Eckpunkte darstellen. Die Dialektik lehrt zwar auch, dass Erkenntnisse niemals völlig umfassend und der Wahrheit entsprechend und Theorien niemals völlig entwickelt sein können. Dennoch muss jeder, der sich KommunistIn nennen will und an diesen grundlegenden strategischen Zügen zweifelt, entweder sauber argumentieren, warum es dennoch gerechtfertigt sei, sich KommunistIn zu nennen und worin die Fehler in der obigen zusammenfassenden Darstellung liegen – oder aber diese Person soll aufhören sich KommunistIn zu nennen.

 

Fussnoten

1 Friedrich Engels: Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft.

2 Lenin: Staat und Revolution.

3 Lenin: Staat und Revolution.

4 (=KapitalistInnenklasse und ArbeiterInnenklasse).

5 Karl Marx/Friedrich Engels: Manifest der kommunistischen Partei.

6 Manifest der kommunistischen Partei. (Anm. von Engels 1888)

7 Lenin, Werke 18, S. 576.

 

Quelle: http://www.kominform.at/article.php/2011072912363751

 

 

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G
<br /> <br /> Vllt. sind meine Posting zu undifferenziert? Zu viele Aspekte, tja, ich kann nur so schreiben...<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> 1. Ich sage nur, dass ein soz. Staat effektiv und schlank organisiert sein muss. Er hat sicher auch die von Ihnen beschriebenen Aufgaben zu gewährleisten, dieser hat aber auch die machtpolitische<br /> Basis der Ak selbst zu sein, die an der Macht beteiligt werden muss. Meinetwegen neben (!) der "Avantgarde einer k. Partei", also in Korrespondenz. Die Ak muss in den Betrieben die Macht<br /> erhalten, sofort oder in einem Prozess. Das ist eine Frage des Konzeptes! Cockshott/Cotrell beweisen es.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> 2. So habe ich den Trotzkismus noch nie gesehen, jetzt verstehe ich auch Ihre Argumentation! Dann hat doch aber die Geschichte selbst bewiesen, dass der bürokratische Aufbau den Sozialismus zu<br /> Fall gebracht hat. Also, ist gegen die "Dämonisierung" der kP eigentlich nichts einzuwenden. Sie haben es selbst geschrieben! Es ist doch nur ein Spiel zwischen Trotzkisten und klassischen<br /> Kommunisten. Wer siegt denn dabei? Nur der Klassenfeind.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Titow ist damals einen anderen Weg gegangen, er redete nicht von den Putzfrau, die noch nicht bereit war für den Sozialismus, Titow hatte ein anderes Konzept und hat damit die Gesellschaft in<br /> eine andere Richtung gezwungen. Wann ist denn der Mensch für euch, für eure Sache reif genug? Das Beispiel Jugoslawien beweist doch, dass man den "Neuen Menschen" nicht braucht. Die<br /> Gesellschaften haben sich weiterentwickelt, so auch der Mensch, ihr klassischen Kommunisten wohl nicht? Es könnte ja auch sein, dass für Lenin jeder Arbeiter so dumm ist wie eine Putzfrau. Und<br /> wenn sich der "Neue Mensch" als sozialistische Persönlichkeit auch nicht bei den organisierten Kommunisten einstellt, dann kann der Totalausfall samt bürokratischem Überbau kein Zufall sein. Dann<br /> ist der organisierte Kommunist auch nur eine Putzfrau, nicht selbstständig denkend, ewig in Unterdrückung denkend. Tja, stimmt doch, denn wer hat denn den bürokratischen Zentralismus verhindert<br /> oder verändert? Bestimmt nicht die organisierten Kommunisten, die anderen gern erzählen wie andere sein müssen. Vllt, sind es die Kommunisten auch selbst, vllt. erinnert doch alles zu sehr an<br /> bürgerlichen Politikbetrieb. Man muss vom ersten Tag an ein Konzept haben, dass Partizipation zulässt und fordert, sonst werden es die Arbeiter nie lernen, denn man muss es schon ausprobieren<br /> (dürfen). Statt darüber zu reden, dieses reden kenne ich aus der DDR, der Arbeiter ist noch nicht reif genug... Blamabel für die DKP! <br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Ihr diskutiert ein Thema, dass durch die Geschichte der Falschheit längst überführt wurde. Ihr wollt eine neue Partei-Diktatur und wenn es wieder mit der Wirtschaft nicht funktioniert und es wird<br /> nicht funktionieren, dann braucht ihr wieder Sicherheitsorgane zur Absicherung der Errungenschaften. Dann wird die VP wieder verklärt zur des Volkes Polizei, während fleißig verhaftet wird. Ich<br /> glaube, dass LENIN ein Tyrann war, der seine Freude an der Denunziation hatte, die Tscheka spricht Bände. Es sind keine Fehler, sondern das falsche Konzept. Wer den Arbeitern nicht traut, der<br /> will nur seine eigene Macht, der braucht Stasi und Armee, das muss dringend verhindert werden! Und so kann es auch nicht verwundern, das Linke zum Klassenfeind überlaufen, die gegen euch auf der<br /> anderen Seite kämpfen könnten.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Überlegen Sie mal selbst wie Arbeit heute in Deutschland organisiert wird, da übernehmen viele in Führungspositionen Aufgaben des Chefs, der freut sich, der hat mehr Zeit. Die anderen weniger,<br /> bekommen einen höheren Lohn, sie beute sich für den Profit des Chefs noch mehr aus. Sie machen es, sie entwckeln sich weiter, sie partizipieren, natürlich kapitalistisch, aber sie entwickeln<br /> sich. Ihr organiserten Kommunisten scheint das nicht zu sehen und kommt auch noch in 1000 jahren mit der Unreife?<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Übrigens: Sie lesen doch die Granma: Neulich stand da etwas von Mentalitätswechsel, der dringend nötig ist um die Revolution zu bewahren. Oder anders gesagt: Die Revolution ist dabei sich Tod zu<br /> wirtschaften. Ich nannte es Faulheit, der Präsi "Mentalitätswechsel". Freut mich für diese Erkenntnis, ich frage mich nur warum 300 Millionen Dollar ausgegeben werden um Lebensmittel zu kaufen.<br /> Sie sollen arbeiten und das machen Kubaner vllt. nur über totalen Zwang. Schließlich waren sie sich auch zu fein aufs Feld zu gehen als der Ostblock zusammen brach. Letzteres ist nicht zynisch<br /> nur weil es Kommunisten nicht gefällt, das steht so ähnlich in einem Bericht von einem deutschen Nachhaltigkeitsforscher als Zitat einer Kubanerin.<br /> <br /> <br /> <br />
Antworten
S
<br /> <br /> "Das ist eine Frage des Konzeptes": Ja, schon auch. Aber "Konzepte" müssen so mit den ZUNÄCHST GEGEBENEN materiellen, sozialen, kulturellen Bedingungen verschränkt sein, dass sie diese<br /> vorwärtsbringen. Es gibt immer Varianten, aber keine "freie Wahl". Zum Allgemeinen, was den Sozialismus um 20. Jahrhundert betrifft, mal das:<br /> <br /> <br /> http://kritische-massen.over-blog.de/article-fragmente-sozialismus-5---gesellschaft-staat-partei-55467337.html<br /> <br /> <br /> Cockshott/Cotrell: Das zeigt gut, wie weit Realsierungsmöglichkeiten einer sozialistischen Gesellschaft heute von denen vor hundert Jahren entfernt sind (aber bloss in den entwickeltsten<br /> kapitalistischen Regionen; im grösseren Teil der Welt sind sie noch nicht so weit davon entfernt). Eine Kritik an C/C gibt es irgendwo in diesem Blog: http://rote-predigt.over-blog.com/10-categorie-10293697.html<br /> <br /> <br /> <br />
G
<br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Ich will nur feststellen, dass ich den hdM schon verstanden habe.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Kapitalismus ist in strengen vertikalen Machtachsen organisiert, mit klaren Regeln. Kommunismus, in dem der Staat abstirbt, ist folglich das Gegenteil. Dazwischen der Sozialismus, ganz gleich<br /> welcher Entwicklungsstufe. Mit horizontalen Machtachsen sind konkrete direktdemokratische Prinzipien gemeint, die für den Bürger doch sehr wichtig sind, denn dieser muss doch den Unterschied im<br /> rev. Fall des Falles feststellen können. Also horizontale Machtachsen als konkrete direktdemokratische Prinzipien (Partizipation) in einem vertikal organisierten Staat/Gesellschaft.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Die eigentliche Schwachstelle des Staatssozialismus war ja der Punkt, dass das Entwicklungskonzept zu sehr an ein kapitalistisches angelehnt war. "Überholen ohne einzuholen", damit war ein<br /> forcierter ökonomischer Aufbau, eine Überlegenheit gemeint. Ich meine, Sozialismus ist keine Konsumgesellschaft. Der Mensch will gut leben, ja, aber die Partizipation ist doch als Pk im Betrieb<br /> oder Bürger in der Gesellschaft viel wichtiger! Das ist doch Sozialismus und das vom ersten Tag an. Wie soll denn der Bürger, die Pk Verantwortung übernehmen, wenn das Konzept<br /> staatsdirigistischer und bevormundender Natur ist? Asiatische Produktionsweise=Komandowirtschaft, siehe Bahro. Und was soll der "Neue Mensch" sein? (rF) Che. Sozialismus muss auch ohne den "Neuen<br /> Menschen" funktionieren, das Reden von Selbstaufopferung, Selbstlosigkeit, höherem Bewusstsein für die neue bessere Welt wird sich bei vielen nicht einstellen.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Lenin, die politische Säule des Sozialismus des 20. Jh's geht vom Führungsanspruch der KP aus, auch wenn Sie immer in einer "verschlüsselten Form" Ak schreiben. In der DDR ist der Kapitalist<br /> durch den Funktionär ausgetauscht worden, die Organisationsstruktur des Betriebes blieb größtenteils erhalten. In diesen vertikalen Machtachsen war keine Partizipation bzw. Organisation der<br /> Arbeit durch die Ak möglich. Nach Lenin, wie auch Sie schreiben, muss sie die Verantwortung erst lernen. Ich nenne das Unterstellung, dass es der Ak an politischer Reife fehlt. Gehe ich davon<br /> aus, dass Lenin seine Schriften durch die Realität Russlands/Sowjetrusslands nach den hdM angepasst hat, dann muss ich mich auch nicht wundern. Denn die Ak war in Russland verschwindend gering<br /> vorhanden und das Land war sehr rückschrittlich. Deshalb aus Lenin ein unabänderliches Naturgesetz zu machen halte ich für einen Fehlschluss. Die Trotzkisten sind hier an Marx näher dran, denn<br /> sie reden von wahrer Arbeitermacht. "Die Arbeiter müssen die politische Macht in den Händen halten, um die Neugründung der Arbeit bewerkstelligen zu können." Wenn also jede Fachkraft an seinem<br /> Arbeitsplatz seine Tätigkeit in der Produktionskette ausübt, nur ohne Kapitalisten, wozu braucht die Fachkraft dann einen Funktionär? (rF) Zum arbeiten sicher nicht. Die Leitung und Organisation<br /> muss kollektiv mit den anderen Fachkräften bewältig werden, in horizontalen Machtachsen. Nicht von oben von der KP organisiert. Und dann wundern sich Kommunisten über Bürokratie und Degeneration?<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Würde die Rev. in einem entwickelten Land geschehen, würden die Kommunisten 3 Tage regieren, wenn diese vorhätten die Arbeiter zu bevormunden. Fragen Sie sich selber warum Lenin in Lateinamerika<br /> keine Chance hat.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Die Frage ist also, wann und wo, wird das Volk an tatsächlichen Entscheidungen beteiligt. Ich habe immer noch große Zweifel, dass das von der DKP gewollt ist. Wann soll die Putzfrau diese Reife<br /> haben? Will sie das überhaupt? Und wozu? Eine Putzfrau? Der "Neue Mensch", die Software, ist so wie sie ist, damit muss gearbeitet werden. Nicht mit Träumen, Wünschen und Hoffnungen. Da kann ich<br /> auch gleich Zeuge werden, ohne die Zeugen diskriminieren zu wollen.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Der soz. Staat ist natürlich vertikal organisiert, muss aber schlank und effizient arbeiten. Eine Bürokratisierung muss vllt. per Gesetz verhindert werden, ich bin kein Rechtswissenschaftler. Das<br /> ist ja ein besonderes Thema der Trotzkisten. (siehe auch Ihr Posting)<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> rF=rethorische Frage<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> <br />
Antworten
S
<br /> <br /> Viele Aspekte. Ich kann nicht auf alle eingehen. Hier nur zwei Sachen:<br /> <br /> <br /> 1. Sie berücksichtigen bei der Vostellung von einer sozialistischen Gesellschaft nicht, dass es sich dabei nach wie vor um eine klassengesellschaft handelt. Es gibt noch eine<br /> Bourgeoisie, die ihr enteignetes Eigentum wiederhaben will. Das ist keine Frage von Jahren. Nach vier Jahrzehnten haben sich viele Bourgeois in der ehemaligen DDR und osteuropäischen Staaten nach<br /> geglückter Konterrevolution ihr Eigentum wiedergeholt. Der sozialistische Staat muss so gebaut sein, dass er in der Lage ist, die Minderheit der ehemaligen Ausbeuter in dem Sinn zu<br /> unterdrücken, dass sie nach Möglichkeit keine Machtbasis aufbauen können, die ihnen Konterrevolution ermöglicht.<br /> <br /> <br /> 2. Die "Putzfrau": Wir sind jahrhundertelang als bürgerliche Individuen sozialisiert, im Betrieb als Befehlsempfänger, als Staatsbürger als mehr oder weniger gehorsame Untertanen. Ein freies<br /> selbstbestimmtes Leben (kollektiv und individuell) muss gegen das, was wir bis in alle Poren verinnerlicht haben, GELERNT werden. Solche Lernprozesse passieren nicht nur spontan. Sie müssen<br /> organisiert werden. Wie ? Von wem ? Ich habe keine Idee, wie das ohne Avantgarde gehen soll. Die Notwendigkeit einer solchen bestreiten übrigens ja auch die Trotzkisten nicht. Ihre Masche in<br /> der Praxis ist nur, dass sie stets eine idealisierte Arbeiterklasse einer dämonisierten Partei gegenüberstellen.<br /> <br /> <br /> Dass gutes Leben nicht bloss möglichst viel Konsum ist, ist "klar". Aber die praktische Erfahrung, dass das so ist, machen annähernd die Massen erst heute erst in einem kleinen Teil der Welt, in<br /> den imperialistischen Zentren. Erst heute und erst in einem kleinen Teil der Welt wird der von den entwickelten Produktivkräften jederzeit herstellbare Überfluss "künstlich" von der<br /> Kapitalherrschaft verhindert und diese WIRKLICH, nicht nur in vorausgedachter Perspektive anachronistisch.Im 20. Jahrhundert musste dies durch "Bewusstsein" und praktisch durch ständige<br /> moralische Appelle antizipiert werden. Auch daher die überwältigende Rolle der "Erziehung" in den sozialistischen Gesellschaften des 20. Jahrhunderts. Wir waren einfach "früh dran", und für den<br /> grössten Teil der Menschheit gilt das immer noch. Das ist kein Argument gegen Revolution, aber eins dafür, die Realisierungsbedingungen und -möglichkeiten von Sozialismus nüchtern<br /> einzuschätzen.  <br /> <br /> <br /> <br />
G
<br /> <br /> Natürlich braucht man einen Staat, aber einen der in horizontalen Machtachsen organisiert ist, eben entgegengesetzt eines bürgerlichen Staates. Das ist auch logisch, denn wie will man<br /> Partizipation der arbeitenden Menschen sonst gewährleisten? Wie der Staat aufgebaut ist, soll weniger an starren Modellen festgemacht werden, sondern, soll ständig einer Revision unterzogen<br /> werden können. Denn wenn sich eine Gesellschaft entwickelt, dann muss sich auch der soz. Staat, der ein Resultat der Klassenbeziehungen ist, ändern. Es muss ein Staat der arbeitenden Menschen<br /> sein und kein Staat, in dem sich eine kommunistische Partei sich ihren eigenen Staat schafft. Genau das ist auch in Kuba passiert, jetzt blockiert die Bürokratie, eben wie bekannt, das sow.<br /> Modell. Es ist nie revidiert oder angepasst oder weiterentwickelt worden. Es hat in der Geschichte noch nie so etwas gegeben wie die Selbstzerschlagung der eigenen Macht (der KP), um den Weg<br /> freizumachen, für die Macht der Arbeiterklasse im sozialistischen Staat. Genau deshalb steht Marx Lenin gegenüber. Letzterer steht für die Führungsrolle der KP im Staat und in der Gesellschaft,<br /> da ist kein Platz für die Arbeiterklasse, so ist es zumindest angewendet worden. Parteifunktionäre haben in den Betrieben keine Arbeit zu organisieren, es sei denn es sind Fachkräfte, die nicht<br /> nach der Linientreue zum Generalsekretär ausgesucht worden sind. (siehe Kuba, deshalb funktioniert auch wenig) Und die Ak spielt auch nicht die 2. Geige, denn alle arbeitenden Menschen teilen<br /> sich die Macht. Es ist eine Tatsache und Schande, dass fast ausschließlich die dollarisierten Bereiche der kub. Ökonomie gut funktionieren. <br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Die Funktionäre sollen Vorschläge für die Entwicklung einer sozialistischen Gesellschaft unterbreiten, so wie es der jetzige Präsident in Kuba auch formuliert hat.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Es macht für mich keinen Sinn schon vorher irgendein Modell aus der Schublade zu holen, wenn man die gesell. Kräfte nicht genau analysiert. Für mich führt der demokratische Zentralismus von Lenin<br /> in die Sackgasse einer Parteidiktatur, die nicht zum Sozialismus führen kann.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Wie sich die Geschichte ereignen wird, weis kein Mensch, der Kap. wird alles tun um diese Entwicklung aufzuhalten und hat ungleich andere Mittel zur Verfügung. Was Bürokratien anrichten können<br /> wissen wir...<br /> <br /> <br /> <br />
Antworten
S
<br /> <br /> "horizontalen Machtachsen": Hört sich gut an, verstehe ich aber nicht.<br /> <br /> <br /> "Starre Modelle": einverstanden. Aber alle sozialistischen politischen Ordnungen müssen trotzdem gemeinsame Merkmale haben. Bsp: Der Staat muss das Gemeineigentum an den Produktionsmitteln<br /> garantieren. Ansonsten gab es und wird es geben unterschiedliche Varianten, ähnlich, wie auch die Bourgeoisie ihre Herrschaftsordnung im Detail recht unterschiedlich gestaltet und, wie in der<br /> bürgerlichen Ordnung auch, je nach den Bedingungen eines Landes, den historischen Umständen und Möglichkeiten, in Auswertung gemachter Erfahrungen etc.<br /> <br /> <br /> Kommunistische Partei: Es gibt kein Beispiel, dass sich eine sozialistische Ordnung über längere Zeit gehalten hätte ohne eine regierende KP. Die Gefahren, die das beinhaltet, kennen wir<br /> inzwischen auch. Daraus muss gelernt werden; z. B. zu verhindern, dass sich ein bürokratischer Apparat mit der Zeit immer selbständiger macht und die Funktionsträger eigene soziale Interessen<br /> entwickeln. Eine grundsätzliche Alternative sehe ich nicht. Man muss hier im Hinterkopf behalten, dass Sozialismus eine Übergangsgesellschaft ist, die, wie Marx sinngemäss schreibt, noch mit den<br /> "Muttermalen der alten Gesellschaft" behaftet ist. Der sozialistische Staat ist ja eine Behelfskrücke, ein Widerspruch zu einer kommunistischen Gesellschaft; aber eine, die in dieser<br /> Übergangsphase unabdingbar notwendig ist.<br /> <br /> <br /> <br />
G
<br /> <br /> Guter Artikel,<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> nur die Organisation war ein Problem.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> "Mit dem Instrument einer revolutionären Partei muss also die Avantgarde der ArbeiterInnenklasse Klassenbewusstsein verbreiten." Das habe ich in der DDR anders gelernt. Da hieß es, dass die<br /> Partei die Avantgarde der Gesellschaft ist. Ist nun der Staatssozialismus die Konsequenz von dem, der immer als Sozialismus bezeichnet wurde? Das kann kurz beantwortet werden, wenn Sie wollen...<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> In meiner Sicht ist der Sozialismus eine Übergangsgesellschaft vom Kapitalismus zum Sozialismus. Als solche trägt sie noch die "Muttermale der alten Gesellschaft", wie Marx mal geschrieben hat.<br /> Die Erfahrung des 20. Jqahrhunderts zeigt, dass der Übergang keine kurzfristige Sache ist, sondern eine langdauernde. Ich glaube, dass Kommunismus überhaupt erst möglich wird, wenn wenigstens der<br /> Grossteil des Globus sozialistisch geworden ist und wenn die produktionsmittel überall so weit entwickelt sind wie jetzt in den in dieser Hinsicht entwickeltsten Ländern.<br /> <br /> <br /> Daraus folgt, dass Sozialismus noch Staat braucht, und zwar einen, den die Arbeiterklasse beherrscht, unter Beteiligung anderer Klassen und Schichten, die auch ein soziales Interesse am<br /> Sozialismus haben. Staat ist Macht, auch Unterdrückung, im Fqall des sozialistischen Staates Unterdrückung all dessen, was "zurück zum Kapitalismus" will. Eine Gesellschaft selbst zu führen und<br /> zu verwalten muss von den Werktätigen auch erst gelernt werden. Lenins sprichwörtliche Putzfrau kann das sehr wohl lernen, aber sie muss sich dabei von der verachteten Putzfrau in eine<br /> selbstbewusste sozialistische Persönlichkeit verwandeln, die sich auch das Fachwissen für die Organisierung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Prozesse aneignet.<br /> <br /> <br /> Ich meine, dass die Arbeiterklasse für diesen ganzen geschichtlichen Abschnitt ein Machtzentrum braucht, wenn sie ihre Macht halten und sinnvoll (planvoll) ausüben will. Dafür sehe ich keine<br /> bessere Organisaionsform als die kommunistische Partei.<br /> <br /> <br /> Im 20. Jahrhundert hat sich m.E. dabei erwiesen, dass kommunistische Parteien, die lang an der Regierung sind, degenerieren können, ebenso wie die Rätedemokratie, also die staatliche<br /> Machtorganisation. In der SU sind die Sowjets immer mehr zu einer Formalie geworden und die Staats- und Parteibürokratie zu den eigentlichen Machtinhabern. Mit der Zeit haben die Menschen in<br /> Mchtfunktionen eigene soziale Interessen entwickelt, die eine Zeitlang durch und vom Sozialismus gut leben konnten, aber für grössere eigene Ambitionen die sozialistische Eigentumsordnung als<br /> Schranke zu sehen begannen. Diese Schranke wurde mit der Konterrevolution überwunden. Es waren (in der SU) hauptsächlich Partei- und Staatsbürokraten, die sich das Staats-/Volkseigentum unter den<br /> Nagel gerissen haben.<br /> <br /> <br /> Das heisst meiner Meinung nach, dass dieser Gefahr bei künftigen Versuchen Rechnung getragen werden muss. Wie, weiss ich im einzelnen auch nicht. Wahrscheinlich gibt es keine Patentlösung, kein<br /> "todsicheres Schema", sondern eher jeweils nur konkrete, den Bedingungen eines Landes entsprechende Lösungen. Stalin hat mal sinngemäss gesagt, dass die Partei mächtig ist, solange sie sich<br /> wirklich auf die Masse der Arbeitenden stützt und gewissermassen deren politische Verkörperung ist, und dass sie ein Nichts ist, wenn das verloren geht. Das hat sich in der SU auf fürchterliche<br /> Weise bewahrheitet. Die Niederlage war ja nicht nur total, sondern sie ist auch auf beschämende und demütigende Weise vor sich gegangen - die Partei hat sich als hohler koloss erwiesen.<br /> <br /> <br /> Ein Schlüsselwort scheint mir Demokratie zu sein - und zwar nicht bürgerliche "Repräsentations"-Demokratie, sonder proletarische - etwa: politische Selbsttätigkeit der Massen mittels Partei und<br /> Räten. Wir wissen heute, dass "der neue Mensch" nicht von heute auf morgen entsteht und dass das leichter konzipiert als realisiert wird. Ich bin aber trotzdem nicht pessimistisch. Die<br /> Herausbildung neuer Gesellschaftsordnungen war immer ein Prozess von Jahrhunderten, und das erste haben wir schon hinter uns. Im Vergleich zur Feudal- und Sklavenhalterordnung hat sich im<br /> Kapitalismus die Entwicklung auch sehr beschleunigt, einfach durch die rasche Produktivkraftentwicklung. Ich hab deshalb schon Hoffnung, dass es diesmal schneller geht als z.B. beim Übergang vom<br /> Feudalismus zum Kapitalismus, bei dem die "ersten Zuckungen" im ausgehenden Mittelalter stattfanden (Bauernkriege) und die entgültigen bürgerlichen Revolutionen erst dreihundert Jahre<br /> später. <br /> <br /> <br /> <br />
K
<br /> <br /> Er wollte nicht, dass sich seine Leute die Köpfe einschlugen wegen religiöser Differenzen - ähnlich wie der Alte Fritz bei den Preußen.<br /> <br /> <br /> <br />
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