Wie starben die RAF-Häftlinge in Stammheim ?

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Die Badische Landesbühne zeigt

Helge Lehmann

Die Todesnacht in Stammheim

Premiere: 27. September 2012

Uraufführung

 

Am Morgen des 18. Oktober 1977 um 8.53 Uhr meldete die dpa: »baader und ensslin haben

selbstmord begangen.«

Die Todesumstände schienen, noch bevor die Ermittlungen aufgenommen wurden, festzustehen.

Doch wie konnten Anwälte Waffen und Sprengstoff in das »sicherste Gefängnis der Welt«

schmuggeln? Wie hätten die Gefangenen ein funktionierendes Kommunikationssystem aufbau

 

en

können? Waren die Waffen- und Sprengstoffverstecke so möglich wie offiziell dargestellt?

Warum wurde der exakte Todeszeitpunkt nicht festgestellt? Wieso sind die Ermittelungsakten

unvollständig? Und letztendlich: Warum werden diese Fragen nicht endgültig geklärt?

Nach jahrelanger Recherche aller zugänglicher Materialien und Auswertung neuer, da erstmals

freigegebener Dokumente, sowie mit Hilfe praktischer Versuchsaufbauten entwickelt Helge

Lehmann eine Art Indizienprozess und

stellt die offizielle Darstellung auf den Prüfstand.

 

2011 ist seine Untersuchung unter dem Titel »Die Todesnacht in Stammheim« erschienen.

Die Wahrheitssuche geht nun auf der Bühne weiter. Warum sind auch Jahrzehnte nach den

Ereignissen wesentliche amtliche Aktenbestände zu diesem Komplex »aus Gründen der Sicherheit

der Bundesrepublik Deutschland« weiterhin Staatsgeheimnisse? Und wie wirken sich die

damaligen Strukturen auch gegenwärtig noch aus?

 

Inszenierung: Olivier Garofalo

 

Ausstattung: Olivier Garofalo/Carsten Ramm

 

Darsteller: Andreas Krüger, Sandra Pohl, Ole Xylander

 

Die nächsten Termine:

27. Sep 12 19:30 Uhr /

03. Okt 12 19:30 Uhr in Bruchsal

10. Okt 12 19:30 Uhr /

17. Okt 12 19:30 Uhr in Bruchsal

18. Okt 12 19:30 Uhr in Bruchsal

 

Über den Autor:

Helge Lehmann (Jg. 1964) ist IT-Spezialist und Betriebsratsvorsitzender

in einem transnationalen Unternehmen.

2. verbesserte u. erweiterte Aufl. 2012 ISBN 978-3-89144-452-8

 

www.todesnacht.com

Kontakt zum Autor:

Pahl-Rugenstein Verlag

Tel. 0228-632306 Mail: info@pahl-rugenstein.de

 

 

Veröffentlicht in Kultur und Gesellschaft

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Lumpy Gravy 09/27/2012 17:46


Die Antwort auf all die Fragen liegt in Helmut Schmidt's privatem Aktenbunker begraben. Den Bunker und andere luxuriöse Erweiterungen seines privaten Hauses hat sich Schmidt von der Neuen Heimat
spendieren lassen. Die Akten hat er 1982 vor der Amtsübergabe an Helmut Kohl aus dem Kanzleramt entwendet, vermutlich um spätere strafrechliche Untersuchungen unmöglich zu machen. Kohl hat 1998
dasselbe getan und mit Blair's Abgang 2007 sind jede Menge Unterlagen aus No.10 verschwunden. Dokumente und Protokolle, die für die historische Forschung in Staatsarchiven aufbewahrt werden
sollten, werden von ehemaligen Amtsinhabern systematisch dem öffentlichen Zugang entzogen oder gar vernichtet. So werden wir wohl nie restlose Klarheit über vermutliche Auftragsmorde (Stammheim,
David Kelly), Korruption, Komplotte, Waffengeschäfte, Meineide etc. erhalten.

Schmidt: ein ganz besonders widerlicher Verräter, schlimmer noch als andere führende Sozialdemokraten, die selbstverständlich ebenfalls ausnahmslos Verräter sind oder waren. Intellektuell war
Schmidt ein Wurm, der europäischen Kollegen wie Kreisky, Palme, den Uyl oder konservativen wie Heath und Giscard d'Estaing nicht das Wasser reichen konnte. Am ehesten hätte er noch mit Carter
auskommen können, aber seltsamerweise mochte Schmidt den US Präsident überhaupt nicht, vermutlich weil er in dem ungebildeten Erdnußfarmer zu viel von seiner eigenen kleinen Person wiederfand.
Was bleibt so einem schon anderes übrig, als die eigene Beschränktheit mit Großkotzigkeit und Arroganz zu überspielen? Warum sich Giscard d'Estaing mit Schmidt privat eingelassen hat, ist mir bis
heute ein Rätsel. Für mich stellt die Schmidt/Kohl Periode (24 Jahre!) den absoluten Tiefpunkt westdeutscher Politik dar, die selbst noch die vorangegangenen Amtsperioden ehemaliger Nazis in den
Schatten stellt.

Ich verzettle mich ...

RAF: Ich habe nie an die angeblichen Selbstmorde in Stammheim geglaubt. Dagegen spricht die Logik der RAF und dagegen spricht die Beweislage am Tatort. Irmgard Möller bestreitet die offizielle
Interpretation bis heute. Warum sollte man ihr weniger glauben als einer Regierung, der die drei Toten gut in den Kram paßten? Warum sollte man ihr weniger glauben, als den beteiligten
"Diensten", die sich seit Bestehen der BRD noch nie um Recht und Gesetz geschert hatten? Dasselbe trifft auf die nach wie vor ungeklärten Umstände von Ulrike Meinhof's Tod zu. Wie ich es sehe,
betrieb Schmidt neben den offiziellen Amtsgeschäften eine kleine Junta, an der er zur Minimierung des persönlichen Risikos auch Oppositionspolitiker beteiligte. Ziel war es, sich in kleinem Kreis
auf illegale Methoden zu verständigen, um das Problem RAF aus der Welt zu schaffen. Das politisch-intellektuelle Klima in der BRD hatte sich seit Beginn der Stammheim-Prozesse sehr geändert. Der
immer lauter werdende Protest gegen die Haftbedingungen der Gefangenen und gegen die Prozess-Methoden der Richter und Staatsanwälte, an dem sich dutzende prominenter Autoren, Künstler und
Intellektueller (Sartre!) beteiligten, machte der Regierung schwer zu schaffen. Da kam die Landshut-Entführung natürlich gelegen, um auch in Stammheim Tabula rasa zu machen. Und es hat
funktioniert. Mit dem Verschwinden der ersten RAF Generation ließ auch der Protest nach und, wie wir heute wissen, waren die folgenden beiden RAF Generationen zum großen Teil Kreationen der
"Dienste" oder standen unter deren Kontrolle. Alles war wieder so wie es sein sollte und Kohl's bleierne Zeit brach an ...