"Wir sind ein Volk". Oder zwei ? - Undeutsch arabische Ideen.

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Die Bewegung gegen die Castor-Transporte und die Verlängerung der Laufzeit der Atomkraftwerke, Stuttgart21, der Wasser-Volksentscheid in Berlin ... die Friedhofsruhe des proklamierten "Endes der Geschichte" gibt es auch in Deutschland nicht. Das Abbröckeln des "nationalen Konsenses", den die Herrschenden via bürgerlicher Parteien und Massenmedien täglich einimpfen, zeigt sich noch deutlicher als in aktiven Protesten in der stillen Abwendung, ja in der Verachtung der "schmutzigen Politik". Die SPD und CDU/CSU haben die Hälfte, oder nicht viel weniger, ihrer Mitglieder verloren, die Wahlbeteiligung ist im allgemeinen rückläufig und erreicht bei Wahlen auf unteren Ebenen nicht selten schon Werte von unter 50 %. Ein Überdruss und Ärger greift um sich, dessen gemeinsamer Nenner die Erkenntnis ist: Was da läuft, ist doch nicht wirklich Demokratie. Was der Staat macht, wird doch nicht per Wahlkreuz von den Bürgern bestimmt, sondern von Banken und Konzernen. Die Repräsentanten sind doch nicht die Vertreter des Volkes, sondern das Hilfspersonal der Reichen.

 

Aber für die meisten Menschen bleibt es vorerst beim resignierten Zurkenntnisnehmen. Auf die alten Illusionen wieder hereinzufallen liegt noch ganz nahe. "Die Politiker", die Parlamente, der Staat SOLLTEN doch die Interessen des Volkes vertreten. Wenn sie es nicht tun, WIDERSPRICHT das ihrer Aufgabe. ... Das ist die Staatsillusion in ihrer entäuschten Variante.Wenn sie nicht überwunden wird, ist das das Spielmaterial von Demagogen: Die Politik muss SAUBER werden. Schluss mit dem PARTEIENgezänk. Es braucht EHRLICHE politische Führer ... oder EINEN ?

 

Das Zerbröckeln der alten "gesellschaftlichen Mehrheiten" ist insoweit kein guter Grund für demokratische Hoffnungen, sondern eher einer zur Sorge. Am rechten Rand basteln rechte Demagogen wie Sarrazin am gesunden rassistischen Volksempfinden. Da wird an einer Kloake gegraben, in die die Unzufriedenheit bei Bedarf fliessen soll, wenn die Dämme der liberal-sozialdemokratischen Herrschaftsvariante nicht mehr halten.

 

 Wir sind nicht "ein Volk". Es gibt kein Volk. Es gibt zwei. Es gibt die Eigentümer der grossen Kapitale und ihren sozialen und politischen Anhang aus bezahlten Speichelleckern und Schönrednern, zu denen auch Typen wie Sarrazin ebenfalls gehören, nämlich wie der Eiter zur Beule, die sich ihre parasitäre gesellschaftliche Stellung selber und fürs Publikum auch noch damit erklären, dass sie die "Leistungsträger" seien. Und es gibt die, die wirklich am PC und in der Taktstrasse, im LKW und in der Altenpflege die Leistungen erbringen und davon immer schlechter leben. Noch leisten sich VW und Daimler Haustarifverträge, die den Kern dieser wirklichen "Leistungsträger" ruhigstellen sollen. Aber allmählich, in einem Prozess, der jetzt schon um die zwanzig Jahre dauert und noch nicht an seinem Ende ist, werden die tarifgeschützte Arbeit,  die regulären "sozial gesicherten" Arbeitsverhältnisse zu immer kleineren Inseln im Meer der prekären Arbeit, der unterbezahlten "flexiblen" Drecksjobs, der modernen Sklavenhalterei namens "Leiharbeit", der 1-Euro-Jobs als staatlich erzwungener Zwangsarbeit. Und noch darunter lebt das Heer der Dauerarbeitslosen, der sozial kaum abgesicherten Kranken, der aus dem Verwertungsgetriebe ausgespuckten Teile des "Humankapitals".

 

Zwischen diesen beiden Völkern ist in Wirklichkeit eine Feindschaft, ob gefühlt und erkannt oder nicht, die nicht schwarz-rot-golden übertüncht werden kann, ohne dass immer wieder Risse imLack aufplatzen. Es geht einfach um gegensätzliche Interessen, die nicht miteinander vereinbar sind. Der zeitweilige "Sozialstaats"kompromiss ist gekündigt, von oben, von den zynisch kalkulierenden "Machern", die damit kalkulieren, den Laden trotzdem ruhig halten zu können, indem sie einfach die Zukunftshoffnungen durch Zukunftsfurcht und - so kalkulieren sie - damit verbundene "Anpassungsleistungen" ersetzen - und wo das nicht funktuioniert, fahren die Wasserwerfer auf. Da SOLLTE garnichts, da gibt es nichts SAUBERES, und wer verspricht, EHRLICH diese Gegensätze zu versöhnen, sagt damit nur, dass er zu den grössten Lügnern gehört.

 

Wenn die Unzufriedenen in Deutschland sich ansehen, was weit weg dort unten in Afrika, dort drüben im Nahen Osten geschieht, sind viele Urteile vergleichsweise klar. Die Armen stehen halt gegen die Reichen auf, weil sie ihr schlechtes Leben nicht mehr ertragen wollen. Der Mubarak war ein Despot, der Ben Ali oder wie der heisst auch, und alle bereichern sich am Volk, dass es eine Schande ist. Was liegt näher, als dagegen aufzustehen und die Kerle zum Teufel zu jagen ?!

 

Ja, was liegt näher ? Bloss Merkel dürfen sie nicht heissen, oder wie die deutschen Mubarak-Entsprechungen sonst noch heissen mögen. DIE SOLLTEN SAUBER sein. - Auf komische Ideen kommt man, wenn man bloss ein Volk sieht, wo in Wirklichkeit zwei sind. Sieht man aber allle zweie, kommt man unweigerlich auf arabische Ideen. 

Veröffentlicht in Kultur und Gesellschaft

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A
<br /> <br /> Eine Geschichte aus dem Deutschland von heute:<br /> <br /> <br /> Das ist vielleicht eine Geschichte, die so nur in Bayern stattfinden konnte?<br /> Da gibt es einen aufstrebenden Politstar in der CSU, dem stünde ein Doktortitel gut zu Gesicht. Er ist zwar kein Volljurist, aber dennoch wird er von einem weltbekannten, im Jahre 2002<br /> emeritierten Professor an der Uni Bayreuth im Jahre 2006 als Doktorant angenommen. Sein Prof. war damals 72 Jahre alt und vom normalen Universitätsbetrieb befreit. Die Uni liegt quasi „im Herzen“<br /> des historischen Einflussgebietes seiner Familie. Parallel zu seiner immensen Arbeit als CSU-Star, Bundestagsabgeordneter und Wirtschaftsminister schreibt er einsam und alleine eine Doktorarbeit.<br /> Der CSU-Star promoviert 2007 mit „suma cum laude“ und übernimmt den Vorsitz des CSU-Bezirks Oberfranken in dem seine Uni liegt. Er ist für seine Uni ein wichtiger, ein bedeutender Mann. Sein<br /> Doktorvater erhält im gleichen Jahr den Bayrischen Staatspreis aus der Hand des CSU-Vorsitzenden und Bayrischen MP’s Stoiber. Das Vorwort zur Buchveröffentlichung wird im Winter 2008 in Berlin<br /> geschrieben, wo im Jahre 2009 die Dissertation publiziert wird.<br /> <br /> <br /> Kleine Schluss-Anekdote:<br /> Die Uni-Bayreuth verleiht zu dieser Zeit den Vorbildpreis an vorbildliche Wirtschaftsführer an Thomas „Arcandor“ Middelhoff, passt scho!<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Ja, eine interessante Geschichte. So wird man Leistungsträger. Was für Flachköpfe darunter sind, zeigt der Kerl auch. Es ist ja schon ziemlich doof, seitenweise unausgewiesene Zitate als eigenen<br /> Text in eine Doktorarbeit zu stellen und zu hoffen, dass das nicht rauskommt.<br /> <br /> <br /> <br />