Zapatisten marschieren in fünf Provinzhaupstädte ein

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

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Lautstarke Schweigemärsche: Zehntausende Zapatistas besetzen Provinzhauptstädte | Drucken | E-Mail

 

 
Sonntag, den 23. Dezember 2012

 

Schweigemarsch der Zapatistas

Schweigemarsch der Zapatistas

 

Im frühen Morgengrauen des vergangenen Freitag, dem ersten Tag des neuen Zyklus des Maya-Kalenders, sind Zehntausende Zapatistas - geschätzt werden bis zu 50.000 -, in ihrer Mehrheit indigene Kleinbauern aus den aufständischen Gemeinden im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas, in die fünf Provinzhauptstädte Ocosingo, Las Margaritas, Altamirano, Palenque und San Cristóbal de Las Casas einmarschiert. Mit erhobener linker Faust und in völliger Stille zogen sie unbewaffnet, vermummt und in militärischer Ordnung in die Städte ein und besetzten dort für mehrere Stunden die zentralen Plätze. Auch dort standen sie bei strömendem Regen in völliger Stille. Am Nachmittag kehrten die vorwiegend jungen Frauen und Männer wieder in ihre Gemeinden zurück.

 

 

Die lautlos lautstarke Protest dürfte die größte Mobilisierung der Zapatistas seit dem Beginn ihres Aufstands 1994 gewesen sein. Auch damals hatten die Zapatistas diese Ortschaften kurzzeitig besetzt, damals allerdings bewaffnet.

Nach der Aktion vom 21. Dezember veröffentlichte das „Klandestine Revolutionäre Indigene Komitee / Generalkommandantur der EZLN“, das zentrale Organ dieser basisdemokratischen Organisation, ein Kommuniqué, das auf den vor allem in westlichen Medien gehypten, angeblich von den antiken Maya prophezeiten Weltuntergang anspielte: „Könnt ihr das hören? Es ist der Klang ihrer Welt, die zusammenbricht. Es ist die unsere, die wiederkehrt. Der Tag, der Tag war, wurde Nacht. Und die Nacht wird der Tag sein, der Tag sein wird.“

Dieser Überraschungscoup der Widerstandsbewegung an solch einem symbolträchtigen Datum bewies nach langer Abwesenheit aus der Öffentlichkeit erneut die ungebrochene Stärke der Zapatistas, die in den letzten 20 Jahren in ihren Gemeinden eine funktionierende Selbstverwaltung mit eigenem Schul-, Gesundheits- und Gerichtssystem aufgebaut haben, das nicht mehr auf den ausbeuterischen und rassistischen mexikanischen Staat angewiesen ist. Am Tag, an dem die westliche Welt ihre Lust am Untergang zelebrierte, zeigten die widerständigen Maya, dass sie weiter existieren und dass mit ihnen zu rechnen ist.

Mit ihrer Mobilisierung erinnerten die Zapatistas auch an den von ihnen 1992 - also vor genau 20 Jahren - von ihnen basisdemokratisch gefällten Beschluss zum bewaffneten Aufstand am 1. Januar 1994. Außerdem fällt ihre Aktion zusammen mit dem 15. Jahrestag des Massakers von Acteal am 22. Dezember. Damals hatten Paramilitärs mit Unterstützung der mexikanischen Regierung in der Gemeinde Acteal 45 Menschen, vor allem Frauen und Kinder, brutal ermordet.

Quelle; Alerta! Lateinamerika Gruppe Düsseldorf / RedGlobe

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Gunther, nur ein Bürger. 12/23/2012 21:30


Ich dachte die Zapatisten wären eine Untergrundorganisation?

Sepp Aigner 12/23/2012 21:44



Naja, sie nehmen ja auch nicht am "öffentlichen Leben" Mexikos teil und bleiben anonym. Aber gleichzeitig haben sie auf dem Land so etwas wie ein befreites Gebiet aufgebaut. Dass sie relativ in
Ruhe gelassen und nur ab und zu mit einer Militäraktion überzogen werden (und in dem Fall wehren sich die Bauern dann auch bewaffnet), liegt aber wahrscheinlich hauptsächlich daran, dass das
Gebiete sind, in denen für die Bourgeoisie nicht viel zu holen ist. Ursprünglich waren die Zapatisten wohl eine Gruppe linker Intellektueller, die aufs Land gegangen sind, um die Bauern zu
revolutionieren. Daraus ist schon etwas geworden, aber es bleibt bisher leider eine regionale Erscheinung. Respekt habe ich davor, dass diese Intellektuellen nicht nach ein paar Jahren wieder in
die Stadt zurückgegangen sind, sondern das Projekt jetzt schon seit Jahrzehnten verfolgen.