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Spanien

Thursday, 11. april 2013 4 11 /04 /Apr. /2013 18:59

Übernommen von http://uhupardo.wordpress.com/2013/04/05/neue-gefahr-fur-die-demokratie-escrache/ :

 

Neue Gefahr für die Demokratie: Escrache

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Die politische Realität in Spanien ist inzwischen derartig pervertiert, dass es nicht einfach ist, es Lesern in anderen Ländern verständlich darzustellen. Doch dies ist wahrscheinlich das aktuell beste Beispiel. Die Madrider Regierung hat eine neue Gefahr für die Demokratie ausgemacht! Sie nennt sich “Escrache”: Dieses Wort ist schwierig zu übersetzen und meint so etwas wie “öffentliche Anprangerung”. Mariano Rajoy rückt diejenigen, die Abgeordneten auf der Strasse ihre Meinung mitteilen, ausdrücklich in die Nähe des Terrorismus und ordnet Polizeigewalt an.

 

Als die Plattform für Hypotheken-Geschädigte (PAH) vor zwei Monaten ankündigte, man werde sich die Gesichter derjenigen Abgeordneten merken, die 1,5 Millionen Unterschriften ignorieren, wurde das von der konservativen Regierung als “nicht tolerierbare Drohung” bezeichnet. Gemeint war: Wer das Volksbegehren nach einer Reform der Zwangsräumungsbestimmungen nicht unterstützt, sollte damit rechnen, dass man ihn öffentlich anprangert. So geschah es dann auch, mit ausnahmslos friedlichen Mitteln wohlgemerkt.

 

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Escrache vor dem PP-Büro in Bilbao: “Wir sind keine Terroristen, wir sind Opfer!”

Vor den Büros und auch vor einigen Privathäusern von Politikern erschienen Gruppen von Menschen mit Spruchbändern und Plakaten. Sie prangerten die fortgesetzten Zwangsräumungen an und forderten den jeweiligen Politiker lauthals und oft bis zur Heiserkeit auf, etwas dagegen zu unternehmen. Diese Art der Meinungsäusserung nennt man “Escrache”, und das ist es, was die regierende Partido Popular als “Gefahr für die Demokratie” und “unerträgliche Nötigung eines gewählten Volksvertreters” einstuft und “dem Terrorismus nahe” sehen möchte. Und weil der Vergleich natürlich auch nicht ausbleiben darf: “Das haben die Nazis damals auch gemacht, in dem sie auf bestimmte Häuser gezeigt haben …”

Ein Vertreter des Innenministeriums wies dann auch die Polizei an, die “Bedroher” zu identifizieren, die Menge zu zerstreuen und notfalls mit Festnahmen zu reagieren. Escrache sei schliesslich schon damals im Zusammenhang mit den baskischen ETA-Terroristen und ihrer Jugendorganisation “kale borroka” verfolgt worden. Damit soll die PAH kriminalisiert und die wahre Herkunft des Escrache verschleiert werden, denn dieser Begriff entstand in Argentinien. In Buenos Aires und Montevideo hatten sich damals Menschen vor den Häusern der Unterdrücker versammelt, die für die Diktatur verantwortlich waren und das argentinische Wörterbuch definiert Escrache als “die öffentliche Anklage von Personen, die der Verletzung der Menschenrechte oder der Korruption beschuldigt werden; Sitzstreiks, verbale Parolen oder Spruchbänder vor deren Privathäusern oder an öffentlichen Orten sind ihre Mittel”.

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“Gefahr für die Demokratie”: Escrache als Protest gegen Zwangsräumungen vor dem Büro der Abgeordneten Eva Durán.

 

Friedlicher, wenn auch lautstarker und deutlich wahrnehmbarer Protest vor den Büros und Wohnungen von Politikern ist also Nötigung, Erpressung und Gefahr für die Demokratie, während dieselben Politiker dafür sorgen, dass ein ganzes Land im Elend versinkt, Tausende zwangsgeräumt werden, Hunderte im Flughafen von Madrid übernachten und die Hälfte aller jungen Menschen arbeitslos und ohne Zukunft sind? Nur gewählten Volksvertretern ist es vorbehalten, die Demokratie legitim zu zerstören, während basisdemokratischer Protest auf der Strasse eine kriminelle Handlung darstellt? Man kann sich bereits jetzt darauf verlassen, dass Escrache bei der in Arbeit befindlichen Reform des Strafrechts als neuer Tatbestand Berücksichtigung finden wird.

 

Ganz anschauen! Gewalt und Festnahmen bei Zwangsräumung 5. April in Madrid.

 

“Escrache” ist es nur, weil es bisher noch Wenige sind, die sich auf solche Art äussern. Wären es mehr, hätten wir schon den Aufschrei der Revolution, die es mittelfristig sowieso brauchen wird. Natürlich ist die Ansage “Ich merke mir dein Gesicht und weiss, wo du wohnst” nicht gerade eine Liebeserklärung, doch angesichts der Situation in Spanien ist Escrache geradezu eine Verharmlosung des überfälligen Protests, der sich bisher darauf beschränkt, dass die Erniedrigten in der Krise ihrem Volksvertreter lautstark vernehmlich ihre Meinung mitteilen. Dabei muss es nicht bleiben, wenn die Regierung auf ihrem Lösungsweg “Back to Franco” besteht.

Überall im Land finden derzeit beinahe täglich Escraches statt – auch heute im Baskenland. Mariano Rajoy sollte solche Aktionen besser als das begreifen, was sie in Wirklichkeit sind: Die Ruhe vor dem Sturm!

Lesen Sie dazu auch:
 

* Back to Franco 1
* Back to Franco 2
* Back to Franco 3
* Back to Franco 4

von Sepp Aigner - veröffentlicht in: Spanien - Community: Kritische Massen
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Sunday, 31. march 2013 7 31 /03 /März /2013 21:38

Übernommen von RedGlobe - http://www.redglobe.de/europa/spanien/5917-spaniens-jungkommunisten-auf-leninistischem-kurs :

 

Spaniens Jungkommunisten auf leninistischem Kurs | Drucken | E-Mail

 

 
Sonntag, den 31. März 2013

 

Anabel García

Anabel García

 

Anabel García ist neue Generalsekretärin des Kommunistischen Jugendverbandes Spaniens (UJCE). Sie wurde am Samstag auf dem dreitägigen 12. Kongress der Jugendorganisation der spanischen KP gewählt. Die junge Frau führte bislang die UJCE in Andalusien. In ihrer Antrittsrede erklärte sie "den Unternehmern und dem Patriarchat" den Krieg, wie es auf der Facebook-Seite des Jugendverbandes heisst. Feierlich verabschiedeten die Delegierten der kommunistischen Jugend auch ihre Mitglieder, die altersbedingt in die spanische KP (PCE) wechseln. Sie seien der "vierte leninistische Jahrgang" des Verbandes gewesen, wurde ihnen mit auf den Weg gegeben.

 

Im Mittelpunkt der Diskussionen standen unter anderem die Solidarität mit dem Volk Zyperns gegen die Politik der Troika, eine Solidaritätserklärung mit Nordkorea im Kampf gegen den Imperialismus sowie mit dem palästinensischen Volk in seinem Einsatz gegen die israelische Besatzung. Zu den Delegierten sprach auch ein Vertreter des Jugendverbandes der saharauischen Befreiungsfront Polisario, der unterstrich, dass seine Bewegung sehr wohl zu unterscheiden wisse zwischen der spanischen Regierung, die das marokkanische Besatzungsregime unterstütze, und dem spanischen Volk, das solidarisch sei. Das bestätigten auch die Delegierten des UJCE-Kongresses.

Weitere Solidaritätserklärungen richteten sich an das Volk Syriens im Widerstand gegen die imperialistische Aggression sowie an Venezuela zur Unterstützung der Bolivarischen Revolution und des Präsidenten Nicolás Maduro. Grosse Transparente mit dem Bild des am 5. März verstorbenen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez waren im Sitzungssaal aufgehängt worden.

In Spanien selbst stand der Kampf gegen die Welle von Zwangsräumungen von Menschen, die ihre Bankhypotheken nicht mehr bezahlen können, im Mittelpunkt. Die UJCE unterstützte in einer Resolution die Plattform der Hypothekenopfer (PAH), die sich für eine Gesetzesänderung zugunsten der Betroffenen einsetzt und von der spanischen Regierung zuletzt mit der baskischen Untergrundorganisation ETA in Verbindung gebracht worden war.

von Sepp Aigner - veröffentlicht in: Spanien - Community: Kritische Massen
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Sunday, 17. february 2013 7 17 /02 /Feb. /2013 20:34

Hier habe ich auf die Bewegung gegen die Zwangsräumungen in Spanien hingewiesen: link . Die Menschen lassen sich von den verbalen Zugeständnissen der Rajoy-Regierung nicht einlullen, sondern demonstrieren weiter, so auchan diesem Wochenende. Tante FAZ kommt nicht umhin, das zu registrieren: link . 

 

Hier ein Bericht bei RedGlobe von den Demos dieses Wochenendes in Spanien (http://www.redglobe.de/europa/spanien/5789-hunderttausende-demonstrieren-gegen-zwangsraeumungen ):

 

Hunderttausende demonstrieren gegen Zwangsräumungen

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Sonntag, den 17. Februar 2013

 

Barcelona

Barcelona

Hunderttausende Menschen haben am Samstag in zahlreichen Städten Spaniens für das Recht auf Wohnraum und gegen Zwangsräumungen sowie gegen den »finanziellen Genozid« der Regierung in Madrid und der Banken demonstriert. Zu den Kundgebungen aufgerufen hatte die Plattform der Hypothekenopfer (PAH), unterstützt wurde sie von Gewerkschaften, Nachbarschaftsvereinigungen und anderen Organisationen. Allein in der Hauptstadt Madrid gingen Schätzungen zufolge rund 50.000 Menschen auf die Strasse. Dabei kam es erneut zu Übergriffen der Polizei, die mehrere Demonstranten festnahm. In Barcelona verlief der Zug dagegen ohne nennenswerte Zwischenfälle. Nur als der Marsch am örtlichen Sitz der in Madrid regierenden rechten Volkspartei (PP) vorüberzog, flogen einige Eier und Wasserflaschen gegen die Fassade des Gebäudes.

 

 

Im Baskenland beteiligten sich Tausende an den Demonstrationen in Donostia (San Sebastián), Vitoria und Bilbao. In Pamplona folgten nach Polizeiangaben rund 5000 Menschen dem Leittransparent mit der Aufschrift »Gegen den finanziellen Genozid« und machten Stopp an Banken und Parteigebäuden, um dort lautstark ihren Protest kundzutun. In Valencia zogen Zehntausende durch die Stadt.

 

Iruñea

Iruñea

Auf 6000 Teilnehmer wird die Zahl der Demonstration in Sevilla angegeben, die auch der Unterstützung der in dieser Region besonders starken Hausbesetzungsbewegung diente. Bei den »Corralas« nehmen durch Zwangsräumungen obdachlos gewordene Familien leerstehende Häuser in Besitz, die Banken oder großen Immobilienunternehmen gehören.

 

In Murcia forderten Tausende, dass »die Banker nicht länger die Bürger ausbeuten« dürfen. Zudem sprachen sich die Demonstranten dafür aus, dass die in der vergangenen Woche mit 1,5 Millionen Unterschriften im spanischen Kongress eingebrachte Gesetzesvorlage gegen Zwangsräumungen angenommen wird. Auch in Valladolid, Zaragoza, Guadalajara, Logroño und Gijón fanden Demonstrationen mit jeweils mehreren hundert Teilnehmern statt. In Santander verharrten die Teilnehmer zu einer Schweigeminute für die Opfer der jüngsten Selbstmorde. Allein in den vergangenen Tagen hatten sich sechs Menschen das Leben genommen, da sie angesichts bevorstehender Zwangsräumungen keinen Ausweg mehr sahen.

Den spanischen Bestimmungen zufolge reicht die Übergabe eines hypothekenbelasteten Hauses an die Bank nicht zur Tilgung der Schulden, wenn der aktuelle Wert der Immobilie unter der Summe aus Schuld und Zinsen liegt. So verlieren unzählige Familien nicht nur ihr Obdach, sondern können sich aufgrund einer weiter erdrückenden Schuldenlast auch kein neues Leben aufbauen.

von Sepp Aigner - veröffentlicht in: Spanien - Community: Kritische Massen
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Saturday, 26. january 2013 6 26 /01 /Jan. /2013 18:33

Spanien ist eine konstitutionelle Monarchie. Der König ist formeller Oberkommandierender der Streitkräfte, Das ist nicht nur ein Titel. Tatsächlich hängt vom König viel ab, wenn es "auf Spitz und Knopf" steht. Das hat der letzte Putschversuch imJahr 1981 gezeigt. Damals liess sich Ihro Majestät El Rey ( link ) einen Tag lang Zeit, bevor sie sich "positionierte". Der König zog es schliesslich vor, sich gegen den Putsch auszusprechen und gilt seitdem als zuverlässiger Garant der Demokratie. Aber dass sein Wort in einer solchen Lage überhaupt zählt und sogar entscheidend ist, zeigt schon, dass die Monarchie nicht nur eine repräsentative Funktion hat, sondern eine Institution ist, die die spanische bürgerliche Demokratie unter einen Vorbehalt stellt. Die Monarchie ist eine Hinterlassenschaft der Franco-Diktatur. Genau so war das gewollt, und so funktioniert das bis heute.

 

Der König zählt gleichzeitig zu den grossen Kapitalisten des Landes. Sein Vermögen wird auf 1,7 Milliarden Euro veranschlagt. Der Bourbonen-Clan ist tüchtig im Geschäftemachen, was um so leichter ist, als er dazu die Verquickung zwischen staatlichen Funktionen mit wirtschaftlicher Macht nutzen kann. So ist der Bourbonen-Clan ein Teil des die ganze spanische Gesellschaft durchwuchernden Klientelismus und der Korruption, die ganz unten in der Gemeinde anfängt und über den ganzen verästelten Staatsapparat bis nach ganz oben" reichen.

 

Gegen das Königtum gibt es eine republikanische Bewegung, deren Wurzeln noch in die II. Republik zurückreichen, die im spanischen Bürgerkrieg von den Franco-Faschisten mit Hilfe der deutschen Nazis und der italienischen Faschisten niedergeworfen worden ist. Die seit 2007 andauernde wirtschaftliche Krise, der rückläufige Lebensstandard und die um sich greifende Not erschüttert heute den gesellschaftlichen Konsens. Der Zukunftsoptimismus, Spanien sei nach der langen Stagnation während der Franco-Diktatur ein aufsteigendes Land, in dem es auch den "kleinen Leuten" mit der Zeit immer besser gehen werde, verfliegt. Die lange Dauer der Krise und dass ihr Ende nicht absehbar ist, lässt die Stimmung allmählich umschlagen. Das beflügelt auch die antimonarchistische, republikanische Bewegung. Im Folgenden dazu zwei interessante Links für Leute, die Spanisch lesen können. Ich komme leider nicht dazu, das zu übersetzen.

 

1. Die Deklaration des II. republikanischen Treffens, veröffentlicht auf der Website der Kommunistischen Partei:

 

http://www.pce.es/secretarias/secmovrepublicano/pl.php?id=5218

 

2. Die Erklärung eines Oberst der spanischen Armee, der der Majestätsbeleidigung beschuldigt wird und von einer Gefängnisstrafe bedroht ist. Die Erklärung ist ziemlich harsch und erinnert mich an solche des heutigen venezolanischen Präsidenten Chavez aus den 1990er Jahren, in denen er als Offizier zum Widerstand gegen die korrupte und US-abhängige venezolanische Bourgeoisie und Staatsmacht aufrief. Ob der Oberst Ingles ein Einzelgänger ist oder Rückhalt im Offizierskorps hat, kann ich nicht beurteilen. In jedem Fall wird das, was er schreibt, den Nerv vieler spanischer Bürgher treffen:

 

 

http://insurgente.org/index.php/template/tribunales/item/3573-el-coronel-mart%C3%ADnez-ingl%C3%A9s-responde-tras-conocer-que-ser%C3%A1-juzgado-por-calumnias-al-rey

von Sepp Aigner - veröffentlicht in: Spanien - Community: Kritische Massen
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Friday, 25. january 2013 5 25 /01 /Jan. /2013 20:59

Das katalanische Parlament hat eine Resolution verabschiedet, in der der Anspruch auf die Souveränität Kataloniens bekräftigt wird. Dafür stimmten die grossbürgerliche CiU. die kleinbürgerlich-linke ERC (die derzeitigen Regierungsparteien) und ICV-EUiA ( Initiative für Katalonien/Vereinigte Linke und Alternative). Die kommunistische PSUC (Vereinigte Sozialistische Partei Kataloniens, eine selbständige Partei, die gleichzeitig der katalanische Landesverband der Kommunistischen Partei Spaniens ist und an dem Bündnis ICV/EUiA teilnimmt) ist gegen diese Resolution, konnte sich aber innerhalb des Linksbündnisses nicht durchsetzen.

 

Die PSUC erkennt an, dass die Resolution gegenüber dem ursprünglichen Entwurf einige Verbesserungen enthält. Aber sie enthalte keinerlei soziale Garantien, sondern radikalisiere imGegenteil noch die "neoliberale" Politik, die in der EU vorherrscht. Das ist für die PSUC das entscheidende Kriterium für die Ablehnung der Resolution.

 

Die Stellungnahme der PSUC wurde auch von der PCE publiziert und kann hier nachgelesen werden (in "spanischer" (kastilischer) und katalanischer Sprache):

 

http://www.pce.es/federaciones/pl.php?id=5221 .

von Sepp Aigner - veröffentlicht in: Spanien - Community: Kritische Massen
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