Monday, 29. august 2011 1 29 /08 /Aug. /2011 07:02

 

In meinem Blog haben viele Tausende Menschen seit Beginn des Libyenkrieges Texte zu diesem Thema gelesen. Mein Blog gehört zu den kleineren, andere haben viele höhere Zugriffszahlen. Und es gibt viele Blogs und Portale, die sich kritisch mit diesem Krieg auseinandersetzen. Ich kann die Gesamtzahl der Menschen, die uns, lesen, nicht annähernd einschätzen. Aber jedenfalls erreichen wir hunderttausende Menschen. Ich nehme an, dass diese in den "alternativen" Internet-Medien lesen, weil sie in den Mainstrema-Medien keine zureichende Informationsquelle sehen, zumindest Texte aus einem anderen "Blickwinkel" lesen wollen, um sich selbst eine Meinung zu bilden. Ich nehme auch an, das ein grosser Teil der Leserinnen und Leser mehr oder weniger mit einer oppositionellen Haltung zu diesem Krieg sympathisieren.

 

Das ist die eine Seite. Eine andere ist: Wenn jemand zu einer Kundgebung gegen diesen Krieg aufruft - kommen nur ganz wenige. Vermutlich ist die Zahl der Bloggerinnen und Blogger, die gegen diesen Krieg anschreiben, z. B. in Berlin grösser  als die Zahl derjenigen, die zu solchen Kungebungen kommen.

 

Schreiben und Lesen von Antikriegs-Texten und die Bereitschaft, daraus irgendeine Konsequenz zu ziehen, z. B. auch nur ein paar Stunden seiner Zeit für die Teilnahme an einer Kungebung zu "opfern", fallen auf eine Weise auseinander, die zumindest auf den ersten Blick erstaunlich und entäuschend ist. 

 

Woran liegt das ? Was bedeutet das ? Schreiben wir uns umsonst die Finger wund ? Ist das veränderbar ? Wenn ja - wie ?

 

Ich habe dazu keine fertigen Antworten. Ich vermute, Ihr auch nicht.  Wir sollten das diskutieren, zumal das "Phänomen" ja auch bei anderen "Themen" zu beobachten ist.

von Sepp Aigner - veröffentlicht in: Kultur und Gesellschaft - Community: Kritische Massen
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Kommentare

Nein,keiner von Euch schreibt sich umsonst die Finger wund.Wie sollte man sonst in diesem,derzeitigen Deutschland überhaupt noch an Nachrichten kommen,die verlogenen Medien sind doch völlig unerträglich geworden.Was das demonstrieren angeht,da kann ich nur für mich sprechen,ich wohne sehr weit von Städten weg in denen Aktionen stattfinden,es ist halt auch eine Zeit- und Kostenfrage dorthin zu reisen.Wir brauchen eine größere Vernetzung der Menschen,damit man sich für solche Sachen auch mal zusammenschließen kann.Aber dank meiner Informationen aus dem Internet,kann ich immer wieder Menschen davon überzeugen,wie verbrecherisch dieses verlogene System wirklich ist.

Kommentarnr1 gepostet von Pit am 29.08.2011 um 09h53

Alternative Medien werden sehr intensiv "konsumiert" - ich kenne das aus meinem Freundes/Bekanntenkreis - der politisch sehr "unterschiedlich" ist.

Aber eine "Grundmeinung" eint alle: Protest ist sinnlos!

Der vielbeschworene "friedliche Protest nach bürgerlich demokratischen Regeln" ist schlicht und ergreifend "fürn Arsch"!

Kommentarnr2 gepostet von andreas am 29.08.2011 um 10h17

Hallo Sepp,

ich habe auch keine fertige Antwort, aber einige Gedanken zum Thema:

Alles, was die Menschen in Bewegung setzt, muss durch ihren Kopf hindurch; aber welche Gestalt es in diesem Kopf annimmt, hängt sehr von den Umständen ab. [1] Und so haben die Blogger, welche gegen den Libyenkrieg bloggen, oder auch allgemein gegen die Meinungsmachemedien, eine Aufgabe übernommen, welche erst im Laufe der Zeit andere, praktische Wirkung zeigen wird. Aus diesem Grund hier noch ein zweites Zitat von F. Engels: Der große Grundgedanke, dass die Welt nicht als ein Komplex von fertigen Dingen zu fassen ist, sondern als ein Komplex von Prozessen, worin die scheinbar stabilen Dinge nicht minder wie ihre Gedankenabbilder in unserm Kopf, die Begriffe, eine ununterbrochene Veränderung des Werdens und Vergehens durchmachen, in der bei aller scheinbaren Zufälligkeit und trotz aller momentanen Rückläufigkeit schließlich eine fortschreitende Entwicklung sich durchsetzt – dieser große Grundgedanke ist, namentlich seit Hegel, so sehr in das gewöhnliche Bewusstsein übergegangen, dass er in dieser Allgemeinheit wohl kaum noch Widerspruch findet. Aber ihn in der Phrase anerkennen und ihn in der Wirklichkeit im einzelnen auf jedem zur Untersuchung kommenden Gebiet durchzuführen, ist zweierlei. Geht man aber bei der Untersuchung stets von diesem Gesichtspunkt aus, so hört die Forderung endgültiger Lösungen und ewiger Wahrheiten ein für allemal auf; man ist sich der notwendigen Beschränktheit aller gewonnenen Erkenntnis stets bewusst, ihrer Bedingtheit durch die Umstände, unter denen sie gewonnen wurde; aber man lässt sich auch nicht mehr imponieren durch die der noch stets landläufigen alten Metaphysik unüberwindlichen Gegensätze von Wahr und Falsch, Gut und Schlecht, Identisch und Verschieden, Notwendig und Zufällig; man weiß, dass diese Gegensätze nur relative Gültigkeit haben, dass das jetzt für wahr Erkannte seine verborgene, später hervortretende falsche Seite ebensogut hat wie das jetzt als falsch Erkannte seine wahre Seite, kraft deren es früher für wahr gelten konnte; dass das behauptete Notwendige sich aus lauter Zufälligkeiten zusammensetzt und das angeblich Zufällige die Form ist, hinter der die Notwendigkeit sich birgt – und so weiter.“[2]

Nun scheit mir, dass das gewöhnliche Bewusstsein heute selbst hinter dieser Erkenntnis zurückgefallen ist. Die Meinungsmachemedien haben ganze Arbeit geleistet, es ist schwer den geschaffenen Glauben an diese infragezustellen, Aufklärung tut Not! Dabei sind die modernen Massenmedien das Opium fürs Volk, Glaube heißt vertrauen und nicht Wissen, religiöser Glaube heißt blindes Vertrauen. Die Massenmedien haben die klassischen Religionen hierzulande lange schon abgelöst und ihnen wird zum Teil blind vertraut. Freies Denken ist vielen Menschen fremd, auch wenn sie vermeinen das ihre Gedanken frei sind, sind diese doch den verschiedensten Einflüssen ausgesetzt, entsprechen ganz bestimmten Umständen, entspringen ihren Lebensverhältnissen. Nun aber treten neue Medien auf den Plan, das Internet macht es möglich und sich verändernde gesellschaftliche Verhältnisse schaffen die Notwendigkeit ihres kritischen Seins. Menschen beginnen zu zweifeln, und der Zweifel ist die Kraft die Treibt, sie entwickeln unabhängige Gedanken, sie hinterfragen Aussagen in den Medien, sie fangen an nicht mehr blind zu vertrauen und letztlich lernen sie zu erkennen, wie ihr eigenes praktisches Leben so manche Aussage in den Medien widerlegt.

Das geht nicht von heute auf morgen, ganz im Gegenteil, es braucht seine Zeit, aber es wird die Zeit kommen, dass freies Denken der Medienmacht geballt gegenübertritt und sich dieses in den Taten der Menschen spiegelt! Steter Tropfen höhlt den Stein und der Verlust religiösen Glaubens hat in erster Linie etwas mit Vertrauensverlust zu tun, Vertrauensverlust in die Meinungsmachemedien, in das System des Kapitals selbst! Somit ist das Bloggen gegen die Mainstream-Lügen nicht vergeblich, sondern notwendiger den je und desto mehr sich daran beteiligen, desto größer der Kreis wird, desto erfolgreicher wird es sein und desto eher wird es auch praktische Wirkung zeigen.  

Solidarischen Gruß

Kommentarnr3 gepostet von kucaf am 29.08.2011 um 11h55

Grüß Dich Sepp!

Die Frage, die Du hier stellst, hat eine Menge mit dem Phänomen zu tun, das Du kürzlich als "Truther-Bewegung" besprochen hast. 

Eine unzureichende Bemerkung dazu.
Was ist "Wahrheit" im Diskurs von Leuten, die ihr Bewußt-Sein zurichten müssen, den verborgenen Zusammenhang der Wertformen, "kristallisiert" in den Warenformen, zu exekutieren, "den Dingen ihren Willen zu leihen"(Marx), und das in erster Linie in der übergreifenden Form des Warenverkehrs, dem Vertrag?
Ja, in diesem Diskurs ist "Wahrheit" das Gegenteil einer Lüge. Doch schon die einfachsten Formen des Warenverkehrs, die Warenfälschung z.b., übergreifend der Vertragsbruch, zeigen, die so verstandene Lüge ist tat-sächlich die Kehrseite der "Wahrheit". Sie ist wie Letztere integraler Bestandteil des ungtrennbaren, weil nur in ungetrennter Gestalt existierenden, nämlich wirksamen Zusammenhangs, der in einem Vertrag codifiziert und über seine Form abgewickelt wird: Die Warenfälschung ist methodischer Bestandteil der Produktion der Waren und der Vertragsbruch ist die Art und Weise, wie um den antagonistischen Nutzen antagonistischer Interessen, die Gegenstand eines Vertrages sind, praktisch wie theoretisch konkurriert wird.

Deshalb behaupte ich, Deine Charakterisierung der Ideologien der "Truther" - "simplifizierend" und manichäisch - ist nicht etwa nur selbst eine (möglicherweise zulässige, weil zielführende) Vereinfachung, sie ist falsch.
Die (objektivierende!) Scheidung "Gut / Böse" ersetzt die rationelle Subjektivität der Urteile "nützlich / schädlich" just dort, wo der Schaden garantiert und unvermeidlich ist, unter der Verwandlung und Abwicklung von Lebenszwecken einer unterworfenen Bevölkerung in antagonistische "Interessen". Es handelt sich um den Apell an eine übergeordnete Instanz, welcher der Unterworfene, dessen Interessen notorisch im Gesamtzusammenhang untergehen, weil nur verschwindendes Moment in der Realisation der Werte, von der die Herrschaft lebt, eine ideelle Gestalt und ideelle Formen gibt, um an der gewährten Verfolgung gewährter Interessen festhalten zu können. Der Kampf um ideelle Werte ist ein unvermeidbares, weil in der Vertragsform enthaltenes, Manöver im Kampf eines Bürgers, seinen Willen innerhalb des ökonomischen und politischen Herrschaftszusammenhanges, dem er unterliegt, funktionell zu halten.
Die "Truther" haben exemplarisch an "9/11" die Aufkündigung einer nationalstaatlichen Geschäftsgrundlage zur Kenntnis nehmen wollen.
Diese Geschäftsgrundlage figurierte in vergangenen Klassenkämpfen unter "demokratischer Aufhebung der Klassengesellschaft", bestand praktisch in der nominellen Gleichstellung der Bürger (der Citoyens, nicht der Bourgeois) vor dem Gesetz und in einer bedingt wirksamen Selbstverpflichtung der Nationalstaaten, ihr Eigentum an den Staatssklaven als einen übergeordneten Wert anzuerkennen, den sie bei sich selbst einklagbar halten zu wollen versprachen ("Menschenrechte", im (zweifelhaften) Unterschied zu Viehrechten).

Dies Notariatsverhältnis, das die Nationalstaaten im Namen einer fiktiven, himmlischen Rechtsinstanz, der sie ihre rohe Gewaltausübung zu leihen versprachen, zu ihren Sklaven einnahmen, war insofern eine halbwegs verläßliche Grundlage für die Kalkulation der somit  aus dem Menschenmaterial des Kapitals ausgehobenen Bürger mit ihrem garantierten Schaden, als demokratische Staaten sich gewöhnlich daran hielten, es kündigen zu müssen, bevor sie zu Enteigungungen oder Exekutionen schritten. Wer sich von Kommunisten fernhielt, dem drohte nur in Fällen von Schwerstkriminalität solch eine Kündigung.

Das Notariatsverhältnis ist nicht erst mit 9/11 gekündigt, das Massaker auf dem "Highway to Death" im ersten Irakkrieg war das Fanal, das die Kündigung auch innerhalb der Metropolen ankündigte. Das merkte nur keiner, weil Bestanteil des Notariatsverhältnisses eines Nationalstaates ein von Notaren wie Mündeln gepflegter Rassismus ist. Der liegt sowohl in der ökonomischen Bedingtheit wie der politischen und juristischen Kündbarkeit des Notariats, wie die jüdische Bevölkerung des III Reiches erfahren mußte.

Hier mache ich einen "harten" Übergang: Die "Truther"-Bewegung ist die notwendige Form, die bürgerrechtliche Defensive gegen die bislang nur implizite, nicht explizit Kündigung des Staatsbürgerverhältnisses in den Metropolen annehmen muß.

Den Übergang zu der von Dir aufgeworfenen Frage schieb ich jetze auf eine mögliche Diskussion hier, will aber die praktische Folgerung, die m.E. zu ziehen ist, immerhin nennen:

Die Truther, zu denen alle, die gegen die Lügen und Verdrehungen der demokratischen Öffentlichkeit anschreiben, aufgrund obengenannter Notwendigkeit zählen, ob sie (wir) das wollen oder nicht, indem z.b. alles, was wir schreiben, von der Mehrheit der Rezipienten entsprechend eingekürzt wird und somit das Schicksal einer (Konsum-)Ware unter anderen Waren erleidet, sind nicht nutz- und instrumenalisierbar für iwie vorgestellte "revolutionäre" Absichten, und als einen staatsbürgerlichen Widerstand gegen die Installation einer korporativen Kastengesellschaft könnte und würd man die Leut nur seinerseits anstiften, von den teils schon realissierten, teils in Formierung befindlichen Militärregimes der Metropolen bei genehmer Gelegenheit verheizt zu werden. Mit der unvermeidlichen Folge, daß damit die Ohnmacht staatsbürgerlichen Widerstandes, die ihm begrifflich eignet, materiell exekutiert würde.

Praktisch: Leave the internet and organize! Und zwar auf strengstens bedachte und kontrollierte Weis.

Kommentarnr4 gepostet von TomGard am 29.08.2011 um 12h03

Nein, auf keinen Fall schreiben wir uns vergeblich die Finger wund. Gerade in Zeiten wie diesen und bei Themen wie Nato-Krieg in Libyen, wo man wirklich keine Lust mehr hat, die Nachrichten in den öffentlich-rechtlichen Sendern zu sehen oder die bürgerliche Presse zu lesen, weil so offensichtlich maniluliert und gelogen wird (wird es ja immer, schon durch die Auswahl dessen, was man als Bürger so wichtig zu finden hat, aber langsam wird es unerträglich) sind die Beiträge in Blogs wie diesem unglaublich wichtig - wo soll man sich sonst informieren und vor allem: Woran soll man sonst sehen, dass es da noch andere gibt, die etwas anderes wollen, als das, was uns verordnet wird?

Dass die Leute, die das lesen und weitertragen nicht unbedingt auch noch zu Kundgebungen kommen, finde ich nicht so schlimm - ich wohne in Berlin Nähe Alexanderplatz, dort gibt es dauernd Demos und Kundgebungen und ich halte die Öffentlichkeitswirkung solcher Veranstaltungen für sehr begrenzt. Es gibt einfach zu viele, deshalb kommen auch immer nur wenige. Aber das heißt doch nicht, dass sich niemand dafür interessiert! Es heißt nur, dass an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit gerade nicht genug Leute sind. Dafür gibt es viele Gründe. Und deshalb ist es um so wichtiger, das Internet zu nutzen, weil dann egal ist, wo die Leute sind und wann sie Zeit haben. Bloggen ist wichtiger den je! Auf jeden Fall weiter machen!

Kommentarnr5 gepostet von modesty am 29.08.2011 um 15h37

Ich lese deinen Blog normalerweise NICHT. Ich informiere mich in internationalen Publikationen. Aber eines solltest Du vielleicht wissen: Wo Angst regiert, hat die Vernuft keinen Raum. Diesen Urinstinkt kann man nur schwer überwinden.

Kommentarnr6 gepostet von Besucher am 29.08.2011 um 15h51

Nein, es ist nicht umsonst, allerdings bekomme ich auch oft zu hören, dass die Proteste sowieso umsonst seien.

Ich würde gerne zu Demos gehen, aber leider kann ich nicht, aus gesundheitlichen Gründen. Es gibt noch einige andere Menschen im wwww. von denen ich weiss, dass es bei ihnen ähnlich ist, wie bei mir.

Gelesen werden wir jedenfalls, trotz schnellebigen Zeiten und raschen Klicks. Viele sagen, dass sie froh sind, dass es diese Alternativen gibt. Nein, umsonst ist es sicher nicht, was wir tun.

Kommentarnr7 gepostet von Inge am 29.08.2011 um 16h02

Hallo Sepp,

der Beitrag von TomGard hat mich veranlasst nach dem Beitrag von Dir zu suchen, welchen er erwähnte und zu dem sein Kommentar sicher besser passen würde. Ich hoffe dass ich den richtigen Beitrag gefunden habe. Da ich keine Lust hatte Deine Seiten zu durchsuchen und auch nicht wusste wann Du den Beitrag geschrieben hattest, habe ich bei Google als Suchbegriff Truther-Bewegung eingegeben und was muss ich sagen, an erster Stelle stand Dein Beitrag. Ist doch was, kannst stolz darauf sein. Im Gegensatz zum ausschlaggebenden Kommentar ist der Beitrag informativ und in keiner weise verwirrend, was vom Kommentar nicht gesagt werden kann. Eines muss dem Autor des Kommentars aber zugestanden werden, er bestätigt die Aussagen in besagtem Beitrag sehr gut.

Gruß

Kommentarnr8 gepostet von kucaf am 29.08.2011 um 16h42

@ kucaf,

ja, mein Kommentar ist nicht ganz einfach zu entschlüsseln, zumal ich bewußt "Lücken" ließ, die der Leser versuchen soll, selbst zu füllen. Der Zusammenhang, den ich da herstelle, ist halt vielstufig und ich wollt hier keinen Roman schreiben.

Zum Ende geriet ich obendrein in Zeitdruck und verhunzte einen Satz.
Ich will sagen: Verkennt man staatsbürgerliche Defensive von der Art, wie ich sie bei den Truthern hab skizzieren wollen und stilisiert ihn zum Widerstand, oder etwas, woran Widerstand anknüpfen könnte, so hetzt man sowohl die Leut als sich selbst ins längst vorbereitete Verderben. Sich selbst, weil die Adressaten solch einer Verkennung und vermeintlichen Instrumentalisierung den Spieß umdrehen, und die "Avantgarde" verheizen - wie an der "Arbeiterbewegung", die seltenst eine war, bestens zu studieren.

TG

Kommentarnr9 gepostet von TomGard am 29.08.2011 um 18h01

Nachdem ich zum Diskutieren aufgerufen habe und dabei keine Sonderstellung einnehmen möchte, schreib ich mir jetzt selber einen Kommentar.

Erstmal Tom/kucaf: Ich finde die Diskussion interessant und ich glaube, wir sind auch nicht weit auseinander. Deinen Text, Tom, finde ich schwierig zu lesen, weil er, wie Du ja selber in Deiner Antwort auf kucaf schreibst, so stark verdichtet ist, das man zum leichteren Verständnis wirklich einen ziemlich langen Text dazu machen müsste. Die bei den Truthern verbreitete moralisch bleibende Empörung und das Gut-Böse-Schema gehört schon zum Thema. Es ist in der Bloggerszene weit verbreitet, Ich bin ganz Toms Meinung, dass das gefährliche Seiten hat (kucaf hat ja einen Beitrag dazu verlinkt.).

Aber ich will etwas anderes ansprechen; Die von den anderen Kommentatoren eingeschätzte Wirkung kritischen Bloggens sehe ich auch. Wie mehrmals angesprochen, ist die Wirkung aber augenscheinlich nicht, dass daraus unmittelbar politisches Handeln folgt. Es passiert etwas in den Köpfen, bleibt aber im wesentlichen in den Köpfen, hat wenig praktische Konsequenzen.

DASS im Kopf was passiert ist das Allerwichtigste. Aber es ist nur eine VORAUSSETZUNG für gesellschaftliche Veränderung (Handlungen, die dazu führen). Nun handelt es sich beim Kritisierten, z. B. im Fall des Libyenkriegs, so gut wie immer um Machtausübung und Erleiden von Machtausübung. Macht ausüben ist Handeln. Die Herrschenden denken auch, sie sind klug, man sollte sie nicht unterschätzen (Das kommt oft vor - Merkel als Dummchen etc.), aber sie bleiben selbstverständlich nicht dabei stehen, sondern sie handeln jeden Tag. Wir nicht. Wir lassen es im wesentlichen (noch ?) dabei, kritisch zu denken. Bei kritischem HANDELN sind wir (noch ?) nicht.

Das ist ein Zustand, der überwunden werden muss, meine ich. Es ist inkonsequent, beim Kritisieren stehen zu bleiben. Logisch wäre, es in Handeln umzusetzen.

Kommentarnr10 gepostet von Sepp Aigner am 29.08.2011 um 19h02

"Handeln", Sepp, ist ein verflucht weiter Begriff und er wird allzu oft und gern (individual-)moralisch verstanden. Obwohl ... Libyen hat es ja nichtmal mehr zu 'ner Lichterkettenmobilisierung gebracht ...

"Vernetzung" wird oft zum Handlungsersatz genommen, obwohl allen Beteiligten letztlich klar sein dürfte, daß sie in der Selbstreferentialität verbleibt.

Organisierte Zusammenhänge gibt es ja zahlreich im Lande. Mein Beitrag zielte darauf, daß die hier Lesenden, von denen etliche solchen Zusammenhängen nahe stehen dürften, sich vorlegen, inwieweit die Aktivitäten der bestehenden Verbände in der skizzierten Defensive verbleiben, nämlich ihre Grenze darin haben, im Idealfall eine schiere Anzahl von Leuten mobilisieren zu können, deren Protest / Unwillen / Unbehagen unter den alten herrschaftlichen GEschäftsbedingungen für unhintergehbar galt. (Seinerzeit schon zu Unrecht, denkt an das Schicksal der "Friedensbewegung" der 80ger). Sollte von dieser Geschäftsgrundlage allenfalls ein Restbestand übrig sein, vielleicht gar einer, der überwiegend eine Funktion der mobilisierbaren Militanz und Bewaffnung der "Sicherheits"kräfte wäre, hätte "Organisation" und deren zweckmäßige Form ein erster Inhalt der Debatten darüber zu sein, wie Handlungsfähigkeit herzustellen sei. Und solche Debatten hätten umständehalber auf einer Ebene zu beginnen, die man in der Vergangenheit "Zellen" genannt hätte, zwischen Leuten, die physischen Kontakt haben oder herstellen.

Andernfalls nämlich, um einen zynischen Scherz zu machen, machte man sich auf eine "Nato" angewiesen, die Wege freibombt ...

Kommentarnr11 gepostet von TomGard am 29.08.2011 um 22h15

Es gibt so eine Art Protest-Ritual, dem sich viele inzwischen verweigern, weil es anscheinend "nichts bringt". (s. den Kommentar von modesty). Das ist Resultat von Erfahrungen - immerhin. Und dann gibt es viele, die "von vornherein", ohne solche Erfahrungen überhaupt gemacht zu haben, sagen, dass "nichts geht" (Kommentar von Andreas). Das Resultat ist dasselbe, aber was drin steckt ist sehr verschieden. (Beides widerspiegelt sich auch in der sich ausbreitenden Wahl-Abstinenz- auch so ein Ritual. das "nichts bringt".)

Ich finde, das ist zweischlächtig. Einerseits ist es wirklich so, dass in der bürgerlichen Demokratie nicht vorgesehen ist, dass die Masse der Bürgerinnen und Bürger sich wirklich einmischt. Sie sollen ihr Kreuzchen malen und basta. Also: Keine Lichtleinschwenkereien zu vollführen und Kreuzchen zu malen hat was Richtiges, nämlich die Einsicht oder Vermutung, dass es sich dabei um Ersatzhandlungen handelt. Andererseits bedeutet die Verweigerung der Teilnahme an solchen Gummizellen-Übungen, wenn es beim blossen Verweigern BLEIBT, die faktische Hinnahme der Verhältnisse. Die damit verbundenen Ohnmachtsgefühle sind aber objektiv FALSCH. Der Staat ist schon mächtig. Aber das Volk (ich meine nicht das toitsche Volk, sindern die Klassen und Schichten, die unter der Fuchtel der Bourgeoisie stehen) kann ALLES, wenn es WILL. Die Erzeugung von Ohnmachtsgefühlen ist kein Gegenstz, sondern komplentär zur Demokratie-Show.

Tom, Du schreibst von Zellen bilden. Wir Kommunisten machen das und vereinigen diese Zellen zu einer Partei, die (im Erfolgsfall) zu einheitlichem zielgerichteten Handeln fähig ist. Das Allgemeine scheint mir zu sein: sich organisieren, in welchen Formen auch immer (das Kriterium ist einfach die Effektivität), und zwar zum Zweck MACHT zu entwickeln. Es geht um MACHT - um die bestehende der (Gross-)Bourgeoisie auf der einen Seite und die potentielle der Masse der Bevölkerung. 

Kommentarnr12 gepostet von Sepp Aigner am 29.08.2011 um 23h51

Nein, die finger schreibt Ihr nicht umsonst wund ! Aber es gibt viele Leute die denken das Demos nichts bringen. Zum einen ist dort eine gewisse Angst wegen der totalüberwachung(Drohnen,Kameras usw.) zum anderen gibt es zu viele Demos mit vergleichweise nichtigen Themen. Heute geht Herr Müller auf die Straße um aufzuzeigen das die Mittagspause zu kurz ist, und morgen Herr Meier weil er findet das seine Stadt verwahrlost und nich hübsch genug ist. Dabei gehen die wirklich wichtigen Themen ein bischen unter. So wird man überflutet von Veranstaltungen für die neue Skaterpipe und das Bürgerzentrum. All das verhallt und am Ende sieht man gar nicht mehr richtig hin wenn wieder e´twas neues tolles bewegt werden soll. Zum dritten kommt noch dazu das manche Veranstaltungen toleriert werden, nur um dort die "Drahtzieher" wie die Rahm von der Milch abzuschöpfen. Zum vierten gibt es viele Leute im Land die unglaublich viel zu meckern haben und sich auch für Schlau verkaufen, Abends aber nach Hause gehen, denn sie dürfen ja GZSZ nicht verpassen und der tägliche look in Facebook darf ja auch nicht vergessen werden. Dazu noch die Müllermilch und ein paar Chips. Am nächsten Tag aber im Blog über schlechte Ernährung mindestens 10 Posts hinterlassen und sich nachher anderen mit ihrer Weisheit aufdrängen. Und weil die Welt ungerecht ist gleich mal (zuhausesitzend)zur Demo aufrufen. Das alles führt dazu das auf Demos immer weniger Leute auftauchen. Auch ich gehöre aus dem ein oder anderem Grund dazu. schade eigentlich.

Kommentarnr13 gepostet von Gonzalez am 30.08.2011 um 07h53

Hallo Sepp & Mitleser,

sind ja nicht uninteressant die verschiednen Meinungen, entsprechen sie doch konkreten Erfahrungen. Trotzdem gilt nach wie vor, wenn Dein starker Arm es will, stehen alle Räder still, nur warum will der starke Arm nicht? Mangelt es am Bewusstsein dieser Stärke? Gibt es keine erkennbare Notwendigkeit diese Stärke zu zeigen? Weis Mensch nicht wo er steht und hegt die Hoffnung zu „größeren“ berufen zu sein und ohnehin geht es einen ja noch gut, am besten nicht daran rühren, wird eh schlechter? Geht es im Verständnis nur Bergab und mit Widerstand würde dieser Prozess sich nur beschleunigen, ohnehin ist Verkündetherweise praktizierte Politik alternativlos?! Sind die Menschen hierzulande hirngewaschen, mit Persil zum klaren Gedanken, so klar, dass er eines jeden Inhaltes beraubt wurde und nur das Schillern der Seifenblasen übrig bleibt?

In meinem ersten Kommentar hatte ich zwei Zitate von F. Engels angebracht, die dort enthaltenen Aussagen haben nichts an ihrer Gültigkeit verloren. Unsere Aufgabe ist es dabei zu erkennen, zu ergründen, zu erfassen, zu vermitteln, aufzuklären! Der dargestellten Verklärtheit gesellschaftlichen Sein, die entsprechende Aufklärung entgegenzusetzen!

Dabei sollten wir auch nicht vergessen, dass es den Kräften des Kapitals durchaus gelungen ist, Widerstand in ihrem Interesse zu instrumentalisieren und zu ritualisieren. Gelegentlich kommt es vor, dass das nicht gelingt, das ist aber gegenwärtig noch selten, viel öfter gelingt es Widerstand auf gewünschte Bahnen zu lenken, oder zumindest abzulenken, zu entschärfen, ihm die Wirkung und Wucht zu nehmen, ihn letztlich wenig erfolgreich erscheinen zu lassen. Gutes Beispiel ist Stuttgart 21, erst gab es gegen diese Projekt keinen Widerstand, welcher öffentlich wirksam war, als er sich zum Baubeginn entwickelte und zunahm, schienen die Machthaber etwas irritiert, setzten gar Gewallt ein, was im nachhinein mit Krokodilstränen bedauert wurde, da der Widerstand nicht zu brechen war, sondern ganz im Gegenteil sogar noch zunahm. So wurde sich für den etwas längeren, aber erfolgreicheren Weg entschieden, es wurde verhandelt, ein Schlichter eingesetzt und da der Glaube an das System in diesem Lande, an verklärte Rechtsstaatlichkeit tief verwurzelt ist, konnte so der entscheidende Widerstand gebrochen werden. Was jetzt zu sehen ist, ist zersplitterter Widerstand, ein Sack voller Kompromisse, der Weg durch die Instanzen, in welchen alles zerredet werden kann und die Zeit gegen jene Arbeitet, welche den Widerstand gegen diese Projekt aufrecht erhalten. Und dabei ist es in diesem Fall nicht etwa um politische, sondern um ökonomische Interessen gegangen.   

Oder schauen wir uns die Welt gewerkschaftlichen Seins an, die Rituale, welche ersonnen wurden um vorgeblich die Interessen der Werktätigen durchzusetzen, genau betrachtet dienen diese in der Regel den Unternehmen.

Und dann das leidliche Thema Wahlen und könnte es nicht sein, dass Wahlverweigerung ein Schritt richtiger Erkenntnis ist? Nämlich dass diese Menschen erkannt haben, dass sie mittels Wahlen keine Veränderungen in ihrem Interesse bewirken können? Sicher gilt es dort nicht stehen zu bleiben, sonder nach Möglichkeiten zu suchen, wie Abhilfe geschaffen werden kann. Die Erkenntnis der beschränkten Möglichkeit, schließt die Suche nach neuen Möglichkeiten nicht aus, sondern ist eine Voraussetzung dafür! Ich gehe z. B. wählen um mir mit jedem Gang zur Wahlurne zu beweisen, dass mittels Wahlen keine Veränderungen innerhalb des Systems möglich sind, höchstens einige kleine kosmetische Korrekturen! Aber allein dieser Beweiß ist es für mich wert wählen zu gehen, da die Beschränktheit des demokratischen Systems dort offen zu Tage tritt!

Nein, es kommt darauf an zu lernen, empirisch, aber vor allen auch theoretisch, welche Schlüsse können aus den praktischen Erfahrungen gezogen werden, was ist verallgemeinerungswürdig, welche Gesetzmäßigkeiten stecken hinter den einzelnen Vorgängen usw. usf. Die Meinungsmachemedien werden so etwas nicht tun, sie werden weiter massenweise Pulver in die Hirne streuen, damit diese auch schön sauber sind, klar, glasklar, mit bunten schillernden Seifenblasen. Aber wer soll es tun, wenn nicht wir? Auch wenn wir nicht über ideale Voraussetzungen verfügen, sollten wir die Möglichkeiten nutzen welche uns zur Verfügung stehen. Uns mit den Problemen unser Zeit auseinandersetzen, zu sammeln, zu erkennen, zu untersuchen, zu lernen, zu lehren, ist eine Notwendigkeit nicht nur unserer Zeit. Uns aus dem Elend zu erlösen, … es bleibt uns nichts anderes übrig und mit der Zeit werden wir auch immer besser werden, immer mehr Erfolg haben und die Welt verändern helfen! Das Ziel unseres Tuns muss daher auch eine neue Organisiertheit sein, welche es vermag die vorhandene Macht zu bündeln und im Interesse der Menschen zu nutzen, dabei sollten wir aber auch nicht verkennen, dass wir noch ziemlich am Anfang stehen!

Gruß

Kommentarnr14 gepostet von kucaf am 30.08.2011 um 10h09

Als regelmäßiger Leser Deines Blogs, werter Sepp, muss ich sagen: Chapeau! Trotz der psychologischen Kriegsführung hast Du Dich entschieden, die gerechte Sache des libyschen Volkes zu verfechten! Dein Werk und das vieler anderer Blogger wird nicht umsonst gewesen sein. Hoffentlich ist in den "Heimatfront"-Ländern der NATO die Feder (der Kriegsgegner) mächtiger als das Schwert (der Barbaren).

Übrigens: wo ist bei diesem Krieg die Friedensbewegung geblieben, wo waren die Hunderttausenden, die gegen die Massenmorde im Irak und in Afghanistan mobilisiert werden können?!

Kommentarnr15 gepostet von C.R. am 30.08.2011 um 15h29

Wie ? Blog.de teilt dir keine Zugriffszahlen mit ??

Man kann doch auch "externe" zugriffszähler einbinden oder sogar selber machen indem man immer z.B. eine 1pixel Grafik einbindet, die auf einem Server mit Statistikfunktionen liegt die ja jeder hat. dort kriegst du dann täglich wöchentlich oder monatlich jährlich angezeigt von WO (also hier) wieviele Zugriffe kommen. Mit unterschiedlichen gifs kann man das sogar für jede einzelne Seite separat machen.  

Kommentarnr16 gepostet von EDGAR am 31.08.2011 um 10h59

EDGAR: Das ist ein Missverständnis. Ich meinte: Ich kann die Gesamtleserschaft ALLER kritischen Blogs nicht einschätzen. MEINE wird von overblog natürlich täglich ausgewertet.

Kommentarnr17 gepostet von Sepp Aigner am 1.09.2011 um 07h21

C.R.:

- Im Fall des Irakkriegs ist von den Mainstream-Medien entsprechende Stimmung gemacht worden. Schröder lag damals daran, geradezu als Kopf der "Nicht-Willigen" zu erscheinen.

- Im Fall Afghanisten ist Deutschland direkt am Krieg beteiligt.

- Die Friedensbewegung ist im Fall Libyen (wie übrigens im Fall Afghanistan auch) politisch unklar. In den Stellungnahmen schwingt ein Sowohl-als-Auch mit (NATO böse, aber auch Gaddafi). Damit ist sie schon halb im Mainstream, weil die eigentliche Frage, nämlich, dass die Interventen ihre Pfoten aus jedem Land rauszulassen haben, unabhängig von jedem Urteil über die inneren Verhältnisse in solchen "betroffenen" Ländern, dabei zurücktritt. Ich fürchte, in dieser Halbherzigkeit spiegelt sich olivgrüner Einfluss und der Einfluss der "Ankommer" in der Linkspartei, die genau wissen, dass es, zumindest auf Bundesebene, keine Ministersessel gibt ohne "Bekenntnis" zur NATO und zur aussenpolitischen deutschen Staatsräson im allgemeinen. Ich finde, da steht eine Diskussion an. Bernd Duschner hat das ausführlicher kritisiert: http://haraldpflueger.com/de/blog/libyen/48665-solidaritaet-mit-dem-libyschen-volk-und-seiner-rechtmaessigen-regierung-.html .

Kommentarnr18 gepostet von Sepp Aigner am 1.09.2011 um 07h35

Hallo Sepp,

oben hatte ich F. Engels zitiert, hier das betreffende Zitat noch einmal: Der große Grundgedanke, dass die Welt nicht als ein Komplex von fertigen Dingen zu fassen ist, sondern als ein Komplex von Prozessen, worin die scheinbar stabilen Dinge nicht minder wie ihre Gedankenabbilder in unserm Kopf, die Begriffe, eine ununterbrochene Veränderung des Werdens und Vergehens durchmachen, in der bei aller scheinbaren Zufälligkeit und trotz aller momentanen Rückläufigkeit schließlich eine fortschreitende Entwicklung sich durchsetzt – dieser große Grundgedanke ist, namentlich seit Hegel, so sehr in das gewöhnliche Bewusstsein übergegangen, dass er in dieser Allgemeinheit wohl kaum noch Widerspruch findet. Aber ihn in der Phrase anerkennen und ihn in der Wirklichkeit im einzelnen auf jedem zur Untersuchung kommenden Gebiet durchzuführen, ist zweierlei. Geht man aber bei der Untersuchung stets von diesem Gesichtspunkt aus, so hört die Forderung endgültiger Lösungen und ewiger Wahrheiten ein für allemal auf; man ist sich der notwendigen Beschränktheit aller gewonnenen Erkenntnis stets bewusst, ihrer Bedingtheit durch die Umstände, unter denen sie gewonnen wurde; aber man lässt sich auch nicht mehr imponieren durch die der noch stets landläufigen alten Metaphysik unüberwindlichen Gegensätze von Wahr und Falsch, Gut und Schlecht, Identisch und Verschieden, Notwendig und Zufällig; man weiß, dass diese Gegensätze nur relative Gültigkeit haben,dass das jetzt für wahr Erkannte seine verborgene, später hervortretende falsche Seite ebensogut hat wie das jetzt als falsch Erkannte seine wahre Seite, kraft deren es früher für wahr gelten konnte; dass das behauptete Notwendige sich aus lauter Zufälligkeiten zusammensetzt und das angeblich Zufällige die Form ist, hinter der die Notwendigkeit sich birgt – und so weiter.“[2]

Heute besteht meines Erachtens ein entscheidendes Problem darin, dass die meisten Menschen in diesem Lande im Denken, in der Erkenntnis hinter Hegel zurückversetzt wurden. Mittels Medien wurden die meisten Gehirne darauf getrimmt in Kategorien von schwarz und weis, gut und böse, Diktatur und Demokratie etc. zu denken. Und dieses wird getan und auch wen Zweifel aufkommen, so wird zwar festgestellt, dass das was geschieht nicht gut ist, nicht gut sein kann, aber da der Gegner der bösen Tat bis jetzt als böse Galt, kann es doch vielleicht nicht verkehrt sein, bekämpft gar das Böse das Böse? So simpel diese Logik ist, so falsch ist sie auch, aber leider all zu tief im Bewusstsein vieler Menschen verankert.

Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mittel, und in diesem Zusammenhang möchte ich die Aufmerksamkeit auf „die Fortsetzung“ lenken! Krieg ist eine Folge der ihr vorangegangenen Politik, er kommt nicht aus den Nichts, nicht einfach so daher, sondern er wurde vorbereitet und das in der Regel mit allen Mitteln welche zur Verfügung stehen. Krieg ist die Fortsetzung, also auch ein Mittel, welches dann eingesetzt wird, wenn andere Mittel der Politik versagt haben, oder nicht schnell genug ans Ziel führen. Kriege werden immer aus der, wenn auch vermeidlichen, Position des Stärkeren heraus geführt. Nur warum, einfach so, nur um Politik fortzusetzen? Nein, sondern um den Interessen gerecht zu werden, welche sich hinter der Politik verbergen!

Nicht Gut und Böse sind die Kategorien in welchen es zu denken gilt, sondern in Interessen, Interessen, welche hinter den verschiedenen Taten stecken! Warum wird Krieg geführt, wer profitiert von den Kriegen, welche Interessen haben die einzelnen Kriegsparteien? Was hat ein Menschen wie Gaddafi z. B. für ein Interesse die ihm als Kriegsgrund vorgeworfenen Taten zu begehen, eigentlich keines, was haben die Libyer für ein Interesse den höchsten Lebensstandart auf dem afrikanischen Kontinent, fast europäisches Niveau, auf dem Schlachtfeld zu opfern? Warum unterstützen 80% der libyschen Bevölkerung Gaddafi, warum bewaffnet ein „Diktator“ das von ihm geknechtete Volk? Gut, letzteres ist in den Meinungsmachemedien nicht zu lesen, aber es sind Tatsachen und gerade auf Grund dieser Tatsachen wurde von der NATO eine friedliche Lösung abgelehnt. Sie sind sich nämlich durchaus bewusst, dass eine solche Lösung für sie in die Hosen gehen würden, denn sie haben gesehen, dass Millionen in Libyen auf die Straßen gegangen sind, gegen den Krieg demonstriert und den bestehenden Verhältnissen Zuspruch erteilt haben.

Nun tobt der heiße Krieg noch und die Heimatstadt Gaddafis wird von der NATO sturmreif geschossen. In den Meinungsmachemedien wird es so dargestellt, dass den Bewohnern der Stadt die Möglichkeit zur Kapitulation eingeräumt wird und man verhandeln wolle. In Wahrheit wird diese Zeit gebraucht um die Erstürmung vorzubereiten, Truppen zu konzentrieren und die NATO ihre Bomben werfen kann.

Um wieder aufs Thema zurück zu kommen, Aufgabe ist es somit nicht nur verschieden Sichtweisen zu untersuchen, einen klaren interessenbezogenen Standpunkt einzunehmen und sich mit den Nachrichten in den Meinungsmachemedien auseinanderzusetzen, sondern auch Aufzuklären, dem Schwarzweisdenken in Kategorien und festen Verhältnissen, ein prozessorientiertes, interessenbezogenes, alles in Frage stellendes Denken entgegen zu setzen.   

Ja Sepp, am 25.02. hatte ich einen Beitrag mit dem Titel „Medialer Feldzug des Grauens“ geschrieben, und so mache Erkenntnis konnte bis jetzt gewonnen werden, steter Tropfen höhlt den Stein, nur sollten wir uns keiner Illusionen hingeben, dass es einfach sein könnte Denkweisen von heute auf Morgen zu ändern. Das braucht Zeit und ist Bestandteil eines Kampfes, welcher beständig geleugnet, aber von den Leugnern mit immer härterer Wucht geführt wird.

Gruß

Kommentarnr19 gepostet von kucaf am 1.09.2011 um 12h09

Im Endeffekt verändern die alternativen Blogs in 'ihrer Gesamtheit' die Medien- und Informationslandschaft.
Um es noch genereller Auszudrücken: Die vielen einzelnen Partizipationsmöglichkeiten des Internets, dazu zählen nicht nur Blogs, sondern auch Chats/SocialMedia etc, verbessern die Kommunikation untereinander und erzeugen mit der Zeit ein neues Bewusstsein für Informationsgehalt und -qualität.
Die Bemühungen der einzelnen Autoren sind deswegen alles andere als vergebens.

Kommentarnr20 gepostet von TheoRettich am 1.09.2011 um 21h33

Ihr, die hier kommentiert habt, machtet einen schrecklichen Fehler.

Grundlage des Fehlers ist die Weigerung, zur Kenntnis zu nehmen, daß es seit 9/11 - genauer: seit der Atomkriegsdrohung der USA gegen JEDEN Staat, ausgesprochen während der Natoratssitzung, die den "Bündnisfall" deklarierte, und popularisiert in der Weltkriegserklärung G.W. Bushs vor dem Kongress, "either you are with us (sic!) or with the terrorists" - keine "Außenpolitik" mehr gibt, sondern auf der Basis der militärischen US-Hegemonie nurmehr Weltinnenpolitik.

Der Vorgang entspricht der Logik des Kapitalverhältnisses, die in einer fortgeschrittenen imperialistischen Welt zur Entfaltung gebracht wird, in der - mit der Selbstaufgabe der SU - der Weltmarkt zwar ökonomisch zum Abschluß gebracht war, aber nicht militärisch. Eben diese Situation bestand bis zum Februar in Libyen, das sein Öl dort ablieferte, wo der imperiale Anspruch auf den Stoff erhoben wurde, sogar zu Sonderkonditionen, jedoch stand die Verwendung der Einnahmen in der Person Gaddafis und seiner Gefolgsleute unter einem völkischen  Vorbehalt - wozu es der "antiimperialistischen" Rhetorik und ärgerlicher "Sperenzien", wie die Gründung der afrikanischen Investitionsbank oder das Geschenk eines Telekommunikationssateliten zu Lasten der Europäer, nicht bedurft hat, wie man grad an Syrien studieren kann. Der militärische Abschluß der Vollendung des Weltmarktes ist die Herstellung eines globalen Polizeiregimes, oder, praktisch ausgedrückt, die Umwandlung des militärischen Hegemons USA in einen globalen Gewaltmonopolisten.

Ich hatte in einem Posting weiter oben angedeutet, daß diese Entfaltung der Kapitallogik die Auflösung der bisherigen nationalstaatlichen Geschäftsgrundlage einschließlich des Staatsbürgerverhältnisses in sich schließt. Der Grund ist abstrakt schnell genannt: eine globale Herrschaft ist nicht mehr territorial! Sie erstreckt sich nicht länger auf ein Gebiet, auf dem ein einidentischer gesellschaftlicher Zusammenhang in seinen stofflich bedingt verschiedenen Erscheinungsformen zur Durchsetzung und Entfaltung gebracht werden soll bzw. wurde, ein Zusammenhang von Geschäft und Gewalt, der anschließend der Betreuung unterliegt, welche das Menschenmaterial zu identischen Sassen ein und desselben territorialen Gewaltverhältnisses definiert. Ich kenne kein Wort für das neue Paradigma nichtterritorialer Herrschaft, und sage hier deshalb nur: Es ähnelt der Herrschaft feodaler Gefolgschaften in frühmittelalterlichen europäischen Königtümern, also VOR der Inquisition, welch Letztere die Territorien von den Quellen indigener Souveränität säuberte, den Frauenschößen in tribalen Traditionen.

Ich schrieb weiter oben, das Notariatsverhältnis, als welches ich das Staatsbürgerdasein charakterisierte, sei "nicht erst mit 9/11 gekündigt, das Massaker auf dem "Highway to Death" im ersten Irakkrieg war das Fanal, das die Kündigung auch innerhalb der Metropolen ankündigte. Das merkte nur keiner, weil Bestanteil des Notariatsverhältnisses eines Nationalstaates ein von Notaren wie Mündeln gepflegter Rassismus ist. Der liegt sowohl in der ökonomischen Bedingtheit wie der politischen und juristischen Kündbarkeit des Notariats, wie die jüdische Bevölkerung des III Reiches erfahren mußte."
"Rassismus" figuriert in diesem Satz als der Name für ein Manöver der Sassen einer Nation - eines bestimmten territorialen Staatswesens - das von der Defensive der Unterwerfung unter die Anforderungen von Staat und Kapital aus eine zweifelhafte Offensive zu gewinnen trachtet, indem es sein gesellschaftliches Dasein als naturale Voraussetzung des Gewaltverhältnisses umdeutet, dem es de facto entstammt. Rassismus ist der Übergang von einer Adaption an Herrschaft zu seiner Assimilation und seine Institute sind die der Schulbildung.

Ich muß hier aus Arbeitsgründen abbrechen und gebe deshalb nur noch ein paar links, an denen - u.a. - eine Fortsetzung meiner Erklärung des Fehlers, den ihr hier alle gemacht habt, ansetzen könnte:

http://humanrightsinvestigations.org/2011/09/01/natos-secret-weapon-racism/

http://humanrightsinvestigations.org/2011/08/27/finally-the-unhcr-breaks-the-silence-on-murders-of-blacks-in-tripoli/

http://humanrightsinvestigations.org/2011/07/17/lynching-in-benghazi/

http://humanrightsinvestigations.org/2011/08/21/bombing-of-zlitan-by-the-raf/

http://humanrightsinvestigations.org/2011/08/13/tawergha-no-longer-exists-only-misrata/

Meine Behauptung:
Diese Vorgänge sind nicht etwa geduldet, sie sind bevollmächtigt, erwünscht und folgen einer wohlbestimmten Strategie, welche tatsächlich eine Interessenidentität zwischen den Metropolen und der Al Qaeda herstellt, welche das TNC nurmehr zum Repräsentationsorgan hat.

Kommentarnr21 gepostet von TomGard am 2.09.2011 um 12h09

Noch ein Link:

http://www.carlisle.army.mil/USAWC/parameters/Articles/97summer/peters.htm

Guckt nicht so sehr darauf, wer dieser Peters ist - der 8 Jahre nach diesem Artikel /Vortrag eine neue Weltkarte erstellte, die viel Beachtung fand ...- sondern untersucht möglichst jeden Satz im Licht meiner obigen Rohskizze. Und tut es nicht als Ideosynkrasie eines professionellen amerikanischen Schlächtermeisters ab, daß er die Welt mit entwaffnender Schlichtheit in "Loser" und "Winner" teilt - das entspricht einer fortgeschrittenen imperialistischen Kaptiallogik!

Kommentarnr22 gepostet von TomGard am 2.09.2011 um 12h35

TomGard,

eigentlich könnte geschrieben werden, Thema verfehlt! Immerhin geht es hier nicht um irgendwelche Verschwörungstheorien oder Fantasien über gesellschaftliche Zusammenhänge, sondern um die Notwendigkeit sich mit den Problemen unserer Zeit auseinanderzusetzen. Wie dieses geschehen sollte, darüber ist nachzudenken und welche weltanschaulichen Grundlagen genutzt werden, ist nicht unbedeutend für zu erzielende Ergebnisse.

In einem anderem Beitrag hier im Blog ist zu lesen: „Progressive und emanzipatorische politische Arbeit ist jedoch zu allen Zeiten immer auch Aufklärungsarbeit.“ Und an anderer Stelle: „Wir versuchen nicht zu überreden, sondern Bewusstsein für Probleme und Zusammenhänge zu schaffen.“ Und dazu beizutragen, dass die dafür notwendigen Fähigkeiten sich herausbilden, würde ich hinzufügen. Letzteres bedeutet z. B. auch eine Argumentation nachvollziehbar aufzubauen und eine klare Sprache zu finden.

Ganz im Gegensatz zur Argumentation eines TomGard, da wird nicht argumentiert, da wird konstatiert und den Kommentatoren erst einmal eine Keule vor den Schädel geschlagen. „Die (ihr) hier kommentiert habt, machtet einen schrecklichen Fehler.“ Und ohne auf das Geschriebene der Kommentatoren einzugehen, wird in die Zauberkiste gegriffen, ein Gegenstand hervor geholt, welcher in dieser Diskussion eigentlich keine Rolle spielt. So wird der grundlegende Fehler benannt, welcher konkret darin bestehen soll, das sich geweigert wird, „zur Kenntnis zu nehmen, dass es seit 9/11 – genauer: seit der Atomkriegsdrohung der USA gegen JEDEN Staat, ausgesprochen während der NATO-Ratssitzung, die den „Bündnisfall“ deklarierte, und popularisiert in der Weltkriegserklärung … keine „Außenpolitik“ mehr gibt, sondern auf der Basis der militärischen US-Hegemonie nun mehr Weltinnenpolitik.“ Aber wie schon Gesagt, Gegenstand der Betrachtung war es nicht, aber unabhängig davon, wird die Lage verkannt, da es durchaus weiter Außenpolitik gibt, allein die Politik unter den NATO-Staaten, welche alles andere als eine homogene Massen bilden, zeugt davon. Zum anderen haben die USA unabhängig von 9/11 und seit sie im Besitz atomarer Waffen sind, dieses Drohpotenzial auch genutzt. Nun wird hier kaum einer behaupten, dass sich mit 9/11 nicht einiges in der Welt verändert hat, das die USA und die NATO "endlich" wieder einen Feind generieren konnten, nach dem ihr alter Feind abhanden gekommen war. Dazu noch einen Feind, welcher territorial unabhängig ist und somit die Gelegenheit bietet ihn nach gut dünken überall zu bekämpfen.

Aber genug dazu, letztlich wird einiges konstatiert, anderes wird interpretiert und es werden sogar Schlüsse gezogen, allein die gesellschaftlichen Ursachen für 9/11, dem allgemeinem Krieg, wie auch den besonderen Kriegen, bleiben im Dunkel. Genauso im Dunkel bleiben die Rolle des Rassismus, aber auch der Religionen oder anderer Unterschiede, welche verschienen Menschengruppen zuzuordnen sind. Aber immerhin, die Kommentatoren liegen falsch, nur ein Kommentator liegt richtig (auch wenn er das Thema verfehlt) und verkündet seine Weißheiten. Dazu noch etliche Links, welche seine Aussagen untermauern sollen, aber nur auf Englisch zu haben sind. Hier wird nicht gesucht, hier wird auch kein Standpunkt verkündet, hier werden Weißheiten präsentiert und der Glaube der mitlesenden angesprochen. Die Ereignisse in Folge von 09.11. sind Produkt dieses Systems und egal wer die Tat begangen hat, die Verantwortlichen sind dieselben. Für den ersten Weltkrieg musste ein Thronanwärter sterben, für den zweite wurde ein Radiosender überfallen, und für den dritten zwei Gebäude zum Einsturz gebracht, nur warum wurde der erste Weltkrieg geführt, warum der zweite und warum befinden wir uns nun schon wieder im Krieg?    

Kommentarnr23 gepostet von kucaf am 2.09.2011 um 16h59

"Immerhin geht es hier (...) um die Notwendigkeit sich mit den Problemen unserer Zeit auseinanderzusetzen."

Der Gegenstand und sein merkwürdiges Attribut ("unserer Zeit") ist der Fehler, auf den ich hinaus wollte, allerdings auf konkretere Weise, als er hier präsentiert wird.

"Probleme unserer Zeit" - das ist die Formel, mit der ein Politiker einen Anspruch darauf erhebt, zu einer vorgeblich sach(!)gerechten Machtentfaltung im Namen und kraft einer Klientel ermächtigt zu werden. Im Namen "der Geschichte", im Namen "der Menschheit", oder doch wenigstens "der Menschlichkeit", oder auch recht eigentlich im Namen "der Arbeiterklasse" und ihres "historischen Auftrags". Alles Subjekte, die es nicht gibt, die nur Titel darstellen, unter denen Machtansprüche erhoben und verteidigt werden.

Zum Rest Deines hetzerischen Geseires, dessen einziges fassbares "Argument" neben dem arroganten Verweis auf ein Besserwissen in der Aussage besteht, die Nato habe iwie einen Feind "gebraucht" und sich deshalb einen gestellt - dümmer gehts nimmer, wie Du lustigerweise unten abstrakt selbst einräumst - ist mir meine und Eure Zeit zu schade.

Wenn Herrschaft nicht länger territorial ist, die Territorialität vielmehr eine überlebte Form, die abgewickelt wird, dann ist Gegenwehr gegen das Geschäft der Herrschaft nicht mehr POLITISCH zu haben(1) - jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinne. Das war meine Hauptbotschaft.

(1) Übrigens war sie das nie, aber das ist in der Tat nur eine Behauptung von mir, die ich angesichts der gezeigten Ignoranz und Immunität schon gegen die Form eines Arguments - im Unterschied zu Berufung auf Autoritäten -  nicht mal anhebe, zu begründen.

Kommentarnr24 gepostet von TomGard am 2.09.2011 um 18h09

Nun TomGard ist „unsere Zeit“ das Problem, vordem wurden zwar ein anderes Problem festgemacht, aber immerhin, jetzt steht wenigstens fest, was das Problem ist, denn die "Probleme unserer Zeit" ist/sind? der Fehler! Das dieses auf konkreterer Weise sein sollte, als passiert, nun gut und ich bin froh das ich helfen konnte.

Aber eine Frage am Rande, mit was sollten wir uns beschäftigen, wenn nicht mit Problemen unserer Zeit? Weil Politiker gern Aussagen und Begriffe zu Worthülsen verkommen lassen, bedeutet das doch noch lange nicht, dass es vermieden werden muss diese zu verwenden. Ganz im Gegenteil, es gilt Begriffen ihre Inhalte wiederzugeben um somit die Worthülse als Worthülse zu entlarven.

Und es wird aufgezählt und festgestellt, dass es „alles Subjekte, die es nicht gibt“ sind! Aber einmal davon abgesehen, dass es sich bei den Aufgezählten nicht immer um Subjekte handelt, wäre doch die Frage interessant, welche Subjekte es gibt?

Vielleicht kann es ja in Erfahrung gebracht werden, soll ja auch so etwas wie eine Objekt – Subjekt - Dialektik geben. Argumentation kann ich das geschrienen hingegen nicht nennen, zum einen wird behauptet und nicht einmal ansatzweise begründet und zum anderen werden Argumente schlichtweg verrissen, als „hetzerisches Geseire“ bezeichnet. Gelegentlich soll ja auch die Form eine Rolle spielen, wobei mit der Substanz in der Regel auch diese schwindet. Und wieso eigentlich die Verwunderung, da wird den Kommentatoren eine Keule vor den Bregen geschlagen, wehren hingegen sollen sie sich nicht, denn es wurde die Wahrheit verkündet! Nur was ist Wahrheit, wenn nicht ein weites Feld, da gibt es objektive, relative, subjektive, absolute und wer weiß nicht noch was alles für Wahrheiten. Andererseits muss ich durchaus in Anspruch nehmen, mich mit Argumenten auseinandergesetzt zu haben, waren ohnehin nicht viel da, bei den meisten Aussagen handelte es sich um einfache Behauptungen. Im Gegenzug hagelt es wiederum Aussagen ohne Begründung, Unterstellungen mit pauschaler Abwertung.

Zwar heißt es dümmer geht immer, manchmal auch nimmer, trotzdem wird zum Kriegführen ein Feind gebraucht! Wenn dieser sich nicht freiwillig stellt, wird eben einer geschaffen! Das ist alles andere als neu in der Geschichte. Während der Zeit des kalten Krieges war Hauptfeind der NATO die sozialistische Staatengemeinschaft, mit ihrem Militärbündnis. Mit Untergang des Sozialismus in Europa kam somit der NATO ihr Hauptfeind abhanden und womit sollten nun schon allein die Rüstungsanstrengungen begründet werden? Nein, ein neuer Feind musste her und über den Weg einiger Kriege, so gegen Jugoslawien, konnte das Ereignis vom 11.09. vor 10 Jahren hervorragend genutzt werden, um einen neuen, globalen Feind zum Leben zu erwecken. Dieser taugt nach wie vor um Kriegsgründe zu generieren, wobei es die NATO nicht stört, mit erklärten und sonst bekämpften Terroristen Schulter an Schulter in Libyen Krieg zu führen.

Nun sei es aber vergönnt den Rückzug nach vorn anzutreten, die Zeit ist zu schade, stimmt, also kann sich die Zeit genommen werden, oder auch nicht, ein Argument hingegen ist es nicht. Und nun ist auch die Hauptbotschaft angekommen, jedenfalls jetzt wo sie konkret niedergeschrieben wurde. Diskussionswürdig ist sie sicher, wobei vordem zu klären wäre, was unter Politik verstanden wird, sicher gibt es auch in diesem Punkt einige Differenzen. Und auch wenn wir heute Nationalstaaten haben, so werden keine Territorien, eigentlich wurden noch nie Territorien beherrscht, sondern immer nur Menschen, gelegentlich wurde in selber Form auch versucht die Natur zu beherrschen, das ist aber ein anders Thema! Es ist auch nicht neu in der Geschichte, dass Herrschaftsbereiche ausgedehnt wurden und Herrschaftsansprüche absolut formuliert, aber auch wieder schwanden. Und auch das Herrschaft wechselte, gesellschaftliche Verhältnisse sich änderten usw. usf. Auch die Römer hatten versucht die Weltherrschaft zu erlangen, jedenfalls über die ihnen bekannte Welt und immer wenn sie dachten an die Grenzen zu kommen, mussten sie feststellen, dass es weiter ging. Nun gibt es heute keine unbekannten Gebiete auf der Erde mehr und nur eine Supermacht treibt ihr Unwesen, allein diese Macht ist nicht absolut und unanfechtbar.

Wenn zum Schluss noch festgestellt wird, dass sich nicht die Mühe gemacht werden muss Argumente „zu begründen“, so ist nur festzustellen, dass diese in den vorhergehenden Texten ebenfalls nicht der Fall gewesen ist.  

Kommentarnr25 gepostet von kucaf am 2.09.2011 um 20h32

" ... nur eine Supermacht treibt ihr Unwesen."

Die Hervorhebungen kennzeichnen weitere Verzweigungen des Fehlers, auf den ich gutwillige Leser aufmerksam machen wollte.

Der Hauptast ist die Anbetung der Macht, ein für's Zurechtkommen mit Herrschaft und dem erzwungenen Mitmachen in ihr benötigtes geistiges Manöver. Von ihm zweigt der Rassismus - nach meiner im vorletzten Posting gegebenen allgemeinen Bestimmung, Naturalisierung von Herrschaft - ab und zwar - Achtung! - gewissermaßen auf derselben "Höhe" wie antirassistische Ethik.

Wie überhaupt jede Ethik - im Gegensatz zum Individualethos, den man bei Mitgliedern von Stammesgesellschaften findet - vom Ast der Anbetung der Macht abzweigt, das unterstelle ich hier mal als "eigentlich" ziemlich offensichtlich!

Und diese Ethik der Macht ist hier, in diesem Strang, nicht nur bei dem Indoktrinationsopfer allgegenwärtig. Nämlich in dem Partikel "Wir", "Uns".

Wenn ich oben sagte, die Gegenwehr gegen die neuen Formen der Herrschaft könne nicht mehr im herkömmlichen Sinne politisch sein, wenn sie wenigstens nach theoretischer Zweckmäßigkeit strebe (über praktische Zweckmäßigkeit wird anders und anderswo entschieden), so füge ich jetzt in einem kleinen "Sprung" hinzu: Sie "kann" in diesem Sinne auch nicht mehr ethisch sein!

Warum, um die funktionärstechnische Denunziationslust kucafs noch ein wenig weiter zu füttern, glaubt ihr, erscheinen die Wikileaks-Kabel, die über die Spitze des Eisberges rassistischer Menschenschlachterei der Soldateska berichten, die im Irak hauste, erst und gerade jetzt? Zu welchem Zweck hat die wer bis zu diesem Zeitpunkt zurück gehalten?! Warum ich "diesen Zeitpunkt" betone? Nun, weil die AP vorgestern die Lizenz ausführte, ganz "offiziös" von den KZs zu berichten, die in Tripoli, Misrata, Bengazi eingerichtet wurden. Natürlich mit der "Aufforderung", die Insassen sollten "anständig" behandelt werden. Wie behandelt man Insassen eines Nigger-KZ anständig? Hm?

Schwenk.
Seit Jahren gespenstert nun dieser Sarrazin im Auftrag der Bertelsmann - Stiftung durch die Medienlandschaft. Und Sepp berichtete hier auf diesem Blog von der rassistischen Exekution einer HarzIV Empfängerin auf offener Szenerie. "Harzer", das IST die Rasse!
Hat es daraufhin "riots" in D. gegeben, wie in England aus einem viel weniger klaren Anlaß einer rassistischen Exekution?

In England hat Cameron die unbrauchbare Bevölkerung praktisch zu "Untermenschen" erklärt. Das mußte er tun, denn obwohl und gerade weil die britische Gesellschaft auf hergebrachtere Weise ständisch ist, als die deutsche, sind die Grundbestände einer republikanischen Tradition dort überaus stark. Deshalb sind doch die "Nigger" alle da!
In D. sind sie nicht! Hier sind nur die ehemaligen "Gastarbeiter" und ihre Nachkommen, nebst ein paar Beutedeutschen, die ihre Funktion einbüßten, kaum waren sie im Lande.
MaW der rassistische Konsens in Deutschland, vertreten mehr und mehr durch die "Grünen", ist gegen jedes Wetter beständig, und das weiß die bewaffnete Meschpoke um die "Paläste".

Und deshalb bleibt die Diskussion über "Libyen" eine Elitediskussion, die grad mal darüber ins "Volk" sickert, daß sich wer darüber aufregt, daß "wir" jetzt die islamistischen Nigger zu Handlangern nehmen bzw. nähmen. Darüber werden dann einige Leut "wach" innerhalb des Albtraums, in welchem sie ihr Dasein fristen.

Kurzum: Hört auf von einem "Wir" oder gar dem "Volk" zu träumen. Es geht längst um "Du oder ich"! Und dies Du oder ich ist es, was der Organisation bedarf - durchaus heterogener Organisation. Eine, die Kräfte bündelt, ohne sie so zu "bündeln", daß sie zur leichten Beute der bewaffneten Rassisten und ständischen Faschisten wird, die übrigens längst Trainingslager im Lande unterhalten für Kämpfe, an die ihr noch nicht einmal zu denken wagt - wie es scheint.

Kommentarnr26 gepostet von TomGard am 3.09.2011 um 11h39

Vorwort: Hallo Sepp, der Text ist etwas länger geworden und Dein Programm wird ihn sicher wieder abschneiden. Das macht aber nichts, ich werde den abgeschnittenen Text nachreichen.

Gruß

Nun TomGard, zwar ward der Rückzug verkündet, die Zeit als zu schade angesehen und trotzdem geht es weiter. Dass die Zeit zu schade ist, ist nebenbei bemerkt oft eine typische Floskel, welche gern gebraucht wird, wenn einen die Argumente ausgehen und somit die Aussagen des Gegenübers auf andere Art und Weise in Frage gestellt werden sollen. Also durch aus eine gebräuchliche Methode der Auseinandersetzung.

Da ich nun kein „gutwilliger Leser“ bin, sonder Diskutant und im Internet in der Regel auch diskutiert wird, um die Mitleser mit einzubinden, aber auch eigene Positionen zu erarbeiten, werde ich diese Gelegenheit entsprechend nutzen. Dabei möchte ich nicht auf das hervorgehobene „Super Un“ eingehen, sonder etwas Aufmerksamkeit der Form widmen, so dem „gutwilligen Leser“. Ich kann auch nicht sagen wie viele Mitleser es außer Sepp gibt, wobei davon ausgegangen werden kann, dass es ein oder zwei schon sein werden und vielleicht sind diese sogar gutwillig.

Apropos, was bedeutet eigentlich die Aussage vom „gutwilligen Leser“ in diesem Zusammenhang? Zum einen dass ich als nicht „gutwilliger Leser“ eingestuft werde, weil ich die Aussagen nicht teile, sondern als Diskussionsgrundlage nehme, sie in Frage stelle, gar dagegen Argumentiere. Da dieses wiederum praktische Tat ist und das die Aussage vom „gutwilligen Leser“ zeugte, ist davon auszugehen, dass ein „gutwilliger Leser“ ein Leser ist, welcher die Aussagen so hinnimmt wie sie gemacht werden, nicht zweifelt, nicht in Frage stellt, nicht argumentiert, ihnen Glauben schenkt! Nur was ist Glaube, zum einen Nichtwissen, wobei er eine Vorstufe zum Wissen sein kann, genauso wie zum Dogma, sich gar zum religiösen Glauben weiterentwickeln, welcher letztlich blindes Vertrauen bedeutet, gar verlangt und jede Kritik ihm gegenüber ausschließt. In diesem Sinne bin ich gern ein „böswilliger Leser“ und der Herr möge uns vor diesen „gutwilligen Lesern“ bewahren, um es mit religiösem Hintergrund zu schreiben. Und da wir nun bei der Religion angekommen sind, kann ich die Gelegenheit nutzen im Text vorzufahren und „der Hauptast (oder Hauptlast?) ist die Anbetung der Macht“, zuwenden. Wenn es der Ast ist, so fällt mir dazu ein passendes chinesisches Sprichwort ein, „säge an den Ast auf den Du sitzt, bevor man Dich an diesen aufhängen kann“, (habe ich jedenfalls mal als chinesisches Sprichwort klassifiziert gelesen)!

Ansonsten möchte ich zwar nicht abwerten, aber den geschriebenen Kauderwelsch des nächsten Abschnitts auch nicht werten, er ist es nicht wert! (Schrieb er und hatte längst gewertet.) Ethik soll ja angewandte Philosophie sein, und Philosophie das Nachdenken über das Leben, wobei es zwei große Grundrichtungen gibt, beide werden hier vertreten, eine durch den Freund des „gutwilligen Lesers“ und eine durch den nicht „gutwilligen Leser“, weil Schreiberling!

Nun gut, möge die Macht mit Dir sein, nur was ist Macht? Macht, notwendiger politischer, ökonomischer und ideologischer Ausdruck konkreter sozialökonomischer Verhältnisse? Ja, so ist es, aber von Verhältnissen war bis jetzt nicht die Rede. In ideellen Bereichen wird gewischt und Indoktrinationsopfer allgegenwärtig festgestellt. Nur wo sind diese Opfer? Ich bin jedenfalls keines, denn ich lasse mich nicht indoktrinieren, sonder diskutiere, hinterfrage, tausche Argumente. Indoktrination, Belehrung, eine besonders vehemente, keinen Widerspruch und keine Diskussion zulassende Belehrung. Sollten die Indoktrinationsopfer etwas die „gutwilligen Leser“ sein? Passen würde es ja!  

Entschuldigung, bin jetzt doch etwas auf das Kauderwelsch eingegangen, wobei immer daran gedacht werden sollte, ein Bummerrang ist mit der notwendigen Vorsicht als Waffe einzusetzen, da es im Regelfall zurückkommt. 

Nun können wir sicher auch auf Talkshowniveau diskutieren, was nicht anderes bedeutet als Meinungen auszutauschen, ohne die Meinung des Gegenüber zu berücksichtigen, oder maximal nur mit einführenden Worten zum Zwecke der Überleitung zur eigenen Aussage. Andererseits hatte ich einige Aussagen aufgenommen und meine Ansichten dazu geschrieben, sicher nicht eines „gutwilligen Lesers“ entsprechend, wobei die „Gutwilligkeit“ gerade in der nicht entäußerten Tat besteht, und die Tat meinerseits nicht dem erwarteten Gutdünken entspricht. Ansonsten wäre es nicht notwendig mit dem „Gutwilligen Leser“ zu spekulieren.

Aber genug mit diesen Spielchen und der neuen Formen der Herrschaft zugewendet! Neuen Formen der Herrschaft? Welche neuen Formen der Herrschaft? Was hat sich geändert, wodurch unterscheidet sich die neue Form der Herrschaft von den althergebrachten, im gesellschaftlichem Gefüge des Kapitals? Konstatiert kann viel werden, allein lässt sich auf Grund dieser Behauptung keine neue Form entdecken. Eher ist es so, dass die neuen Formen durchaus die alten Formen sind, vielleicht etwas modifiziert, dem Entwicklungsstand der Produktivkräfte entsprechend.

Wie ich an anderer Stelle schon bemerkte, ist es wichtig so manchen Begriff nach seinen Inhalt zu sondieren, also sich über inhaltliches Verständnis auszutauschen. Dieses gilt auch für das Verständnis vom Kampf, dessen verschienen Formen und deren Anwendung. So ist es schon Interessant, was Du, TomGard unter Politik verstehst, wenn von politisch geschrieben wird, zusammen mit „Gegenwehr gegen die neuen Formen der Herrschaft“. Und was ist dass Streben nach „theoretischer Zweckmäßigkeit … (über praktische Zweckmäßigkeit wird anders und anderswo entschieden)“? Da drängt sich einen nicht nur die Frage auf, wo über praktische Zweckmäßigkeit entschieden wird, sondern auch die Tatsache, dass eigentlich die Praxis der Prüfstein einer jeden Theorie ist. Wobei ein TomGard hier versucht eine Theorie, seine Theorie an den Mann und die Frau zu bringen, hinterfragt darf sie nicht werden, auch nicht in Frage gestellt und ob seine Theorie der Praxis entspricht, muss hier nicht begründet werden, nicht einmal ansatzweise, das wird woanders entschieden, hier nicht! Hier können sich die „gutwilligen Leser“ an den theoretischen Ergüssen berauschen, was anderes wird nicht zugebilligt! Wenn sich mit dieser Theorie beschäftigt wird, wie von mit praktiziert, zeigen sich relativ schnell und praktisch auch die theoretischen Grenzen, an welche diese Theorien stoßen. Um den Theorien dennoch Nachdruck zu verleihen, wird der Kritiker auf Korn genommen, ihm Unwillen, gar die selbst genutzte Vorgehensweise unterstellt und vermutet. Das dann noch „funktionärstechnische Denunziationslust“ (was immer das auch ist) unterstellt wird, offenbart eigentlich nichts anderes, als das nicht vorhandene Vermögen, sich mit anderer Meinung auseinanderzusetzen.

„Funktionärstechnische Denunziationslust“, diese Wortkombination ist es wert sich auf der Zunge zergehen zu lassen. Was bedeutet es, funktionärstechnisch, was ist das, die Technik von Funktionären? Zum Denunzieren taugt dieser Begriff alle mal! Fraglich wer hier seiner Denunziationslust freien Lauf gibt, das Urteil darüber kann hier getrost dem Leser überlassen werden.

Und selbst wenn die verschiedensten Gräueltaten der jüngeren Geschichte und der Gegenwart aufgezählt werden, am System des Kapitals hat sich dadurch nichts ge

Kommentarnr27 gepostet von kucaf am 3.09.2011 um 22h38

Fortsetzung:

Und selbst wenn die verschiedensten Gräueltaten der jüngeren Geschichte und der Gegenwart aufgezählt werden, am System des Kapitals hat sich dadurch nichts geändert. Für ähnliches gibt es genügend Beispiele welche sich durch die gesamte Entwicklungsgeschichte kapitalistischen Seins ziehen. Was ist daran neu? Nein TomGard, es kann noch soviel Zorn in das Geschriebene gelegt werden, am System des Kapitals hat sich grundsätzlich seit dem Erreichen seiner höchsten Ausprägung nichts geändert. Selbst wenn es oberflächlich so scheinen mag und auch wenn es über Jahre und Jahrzehnte gelungen ist ein falsches Bild zu liefern, das nackte Gerippe hat sich nicht geändert.

Und um dem Schwenk zu folgen, auch ein Sarrazin hat seine Aufgabe zu erfüllen, dabei sind seine Theorien alles andere als neu. Aufgabe kann es da nur sein, aufzuklären, solchen Theorien praktisch entgegenzutreten, in dem sie widerlegt werden. Das gelingt aber nicht, wenn eine eigene Kopfgeburt genommen wird, als Theorie erklärt, die Praxis ausgeschlossen und als absolute Wahrheit verkauft werden soll! Das Sein bestimmt das Bewusstsein, nicht umgekehrt. Dabei gibt es auch Ursachen dafür, wie Menschen hierzulande reagieren, z. B. im Zusammenhang mit Hatz IV, oder auch anders gearteten Repressionen. Einfache Lösungen gibt es nicht und in meinem ersten Kommentar hatte ich Friedrich Engels zitiert, an diese Zitate sei in diesem Zusammenhang noch einmal erinnert.

Nicht zu vergessen, zwar funktioniert Kapitalismus nach ihm innewohnenden Gesetzmäßigkeiten, dieses bedeutet aber lange noch nicht, dass es unter den einzelnen Ländern keine Unterschiede gibt. England und Deutschland sind beides imperiale Mächte und doch gibt es erhebliche Unterschiede, gerade was die historische Entwicklung betrifft, welche sich heute noch in der Gesellschaft der einzelnen Länder spiegelt. England unterhielt schon eines der größten Kolonialreiche, als in Deutschland die kapitalistische Entwicklung dabei war den Kinderschuhen zu entwachsen. Dann ging die Entwicklung sehr schnell, die Welt war aber schon so gut wie aufgeteilt. Fürs deutsche Reich blieben Ende des 19 Jahrhunderts nur ein “paar Reste”, wobei sie gerade in ihren afrikanischen Kolonien wüteten. Viele Menschen in England stammen aus den ehemaligen Kolonien, sie sind meistens als Arbeitskräfte nach England geholt worden und dort geblieben. In der heutigen Bevölkerung spiegelt sich letztlich auch die koloniale Geschichte des Landes. In Deutschland war es anders, die paar Kolonien die man gehabt hat, waren nach dem ersten Weltkrieg nicht mehr da. Der Weg zur Kolonialmacht war gescheitern, die wirtschaftliche Macht hingegen nahm nach wie vor zu. Es kam der zweite Weltkrieg mit all seinen Gräueltaten, auch dieser führte nicht zum gewünschten Erfolg, hinterließ Chaos und Zerstörung. Der Wiederaufbau zeugte im Westen das „Wirtschaftswunder“, schnell erstarkte das Land wieder und in der BRD wurden Arbeitkräfte gebraucht, solange es ging, wurden diese im Osten des Landes, in der DDR rekrutiert, nach dem diese Kräfte nicht mehr reichten, holte man Gastarbeiter. Die sollten sich eigentlich nicht im Lande niederlassen, wie der Name schon sagt, sie waren zu Gast um zu Arbeiten. Die Menschen wollte man eigentlich nicht, ihre Arbeitskraft brauchte man aber sehr. Viele sind dann hier geblieben, holten ihre Familien nach, um dort zu leben wo sie arbeiteten. Kurz geschrieben, England und Deutschland sind nicht zu vergleichen, ohne die historische Entwicklung und deren Ursachen mit in betracht zu ziehen. Auch in diesem Zusammenhang sei an die Engels Zitate erinnert!

Und einmal davon abgesehen, dass die Wortwahl mehr als zu wünschen übrig lässt, ist „die Diskussion über „Libyen““ alles andere als eine Elitediskussion. Die Aussage selbst ist durchaus Wasser auf die Mühlen des Kapitals, ‚das einfach Volk hat sich gefälligst aus solchen Diskussionen herauszuhalten, es ist nicht in der Lage Zusammenhänge zu erkennen, das ist Aufgabe der Spezialisten und der Eliten’, und einfacher kann es den Herrschenden mit der Selbstentmündigung gar nicht gemachen werden. Nur was sind die Eliten, was beinhaltet die Elitetheorie, welchen Zweck hat diese? Schon mal mit beschäftigt und darüber nachgedacht?

Und zum Schluss kurzum bemerkt, der Herdentrieb des Individualismus hat überall seine Spuren hinterlassen und drückt sich in wachsender Egozentrik aus. Dass Menschen individuell sind, bedeutet noch lange nicht dass sie Individualisten sind, der Mensch ist ein gesellschaftliches Wesen. Dabei möge es ums „Du“ und „ich“ gehen, nur was kommt raus, wenn „Du“ und „ich“ zusammengehen, sich organisieren, wenn nicht „Wir“! Ja, der Klassenkampf wird geführt, auch wenn er beständig geleugnet wird, da es angeblich keine Klassen mehr gibt. Die Kräfte des Kapitals sind formiert und formieren sich weiter, Aufklärung tut Not, Wissen tut Not, Erkenntnis tut Not und einfache Lösungen gibt es nicht!

Ach ja, kann es sein, das Du mich beleidigst, weil Du voller Zorn über Deine Machtlosigkeit bist und nun selbst hier auf Kritik stößt? 

Kommentarnr28 gepostet von kucaf am 3.09.2011 um 22h44

Ich gebe mich geschlagen, Jungchen

Kommentarnr29 gepostet von TomGard am 3.09.2011 um 23h57

infragestellen heißt: fragen stellen... oder?

?

frag ich mal so, oder andersherum:

was tut man, also, wie sieht ein umgesetztes (ablesbares) "infragestellen" aus?

wie schaut das aus, hmm?

(alle sätze, die mit dem fragezeichen enden, sind fragen, also möchten gern eine oder mehrere antworten, jenseits von "wahrheiten" versteht sich ;-) )

Kommentarnr30 gepostet von wolfsmilch am 4.09.2011 um 00h59

Infragestellen heißt zweifeln!

Infragestellen fordert den Beweiß!

Nicht bedingungslose Anerkenntnis einer Aussage, eines Zustandes, eines Wertes, Inhaltes, etc.

Infragestellen bedeutet nachdenken über den Gegenstand der Betrachtung, über die Richtigkeit und Unrichtigkeit einer Aussage, über den Sinn von Werten und ihren Bezug zum gesellschaftlichen Sein! Infragestellen bedeutet die Frage nach Sinn und historischen Bestand zu stellen, Sinn zu hinterfragen, Entwicklung zu erkennen! Infragestellen ist eine Grundvoraussetzung zum Nachdenken über die Welt und „was die, im innersten zusammenhält“*.

Infragestellen bedeutet die Anerkenntnis „…dass die Welt nicht als ein Komplex von fertigen Dingen zu fassen ist, sondern als ein Komplex von Prozessen,…“[1]

 

Mephistopheles:

„Ich bin der Geist, der stets verneint!

Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,

Ist wert, dass es zugrunde geht;

Drum besser wär´s, dass nichts entstünde.

So ist denn alles, was ihr Sünde,

Zerstörung, kurz, das Böse nennt,

Mein eigentliches Element.“

Goethe, Faust – Der Tragödie erster Teil

1885 Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig

Seite 46 /Studierzimmer

*ebenda Seite 18 / Nacht

Kommentarnr31 gepostet von kucaf am 4.09.2011 um 10h58

Nun TomGard, hier wurde keiner geschlagen, darum kann es auch nicht gehen und darum geht es auch nicht. Wobei dieses der Aussage auch nur oberflächlich entnommen werden kann, da das „Jungchen“ negierend wirkt. Ohne zu wissen wird vermutet und damit zum Ausdruck gebracht, „Jungchen“ = du hast keine Ahnung, komme dahin wo ich schon bin! Das ersetzt zwar keine Argumente, kann aber durchaus hilfreich sein, die eigene Situation zu rechtfertigen, sich selbst Trost zuzusprechen.

Sonntäglichen Gruß vom Jungchen!  

 

P.S.

Sepp hat aus einen Beitrag von Kurt Tucholsky veröffentlicht, auf der Suche nach den gesamten Text bin ich auf folgendes Zitat des Schriftstellers gestoßen, welches sehr gut zu diesem Thema hier passt:

  
       "Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und zu sagen: Nein!"

Kommentarnr32 gepostet von kucaf am 4.09.2011 um 14h17

Ich bin erst jetzt dazu gekommen, die Kontroverse Tom/kucaf zu lesen und habe im Moment auch nichtdiue Zeit, darauf ausführlich einzugehen.

Zu Deiner Überlegung, Thomas, wer hier ausser mir noch mitliest: Mit Stand von gestern, 3.9., ist der Beitrag genau 299 x angeklickt worden. Erfahrungsgemäss wird sich das im Lauf der Zeit in etwa verdoppeln. Nicht der ganz grosse Renner also, aber doch ein gewisses Interesse.

Tom: Bloss zwei Punkte, die mir in Deinen Ausführungen zentral zu sein scheinen:

1. Seit 9/11 "Weltinnenpolitik". - Meine Meinung: Was die Anlage der USamerikanischen Aussenpolitik angeht, jedenfalls ihre propagandistische Begleitmusik, ganz richtig. Bloss ist die Absicht nicht mit der Realität gleichzusetzen. In dem Sinn ist der Befund nicht richtig, weil der US-Anspruch die wirklichen Machtverhältnisse auf dem Planeten ungefähr so erfasst, wie ein Grössenwahnsinniger seine eigene Bedeutung. Wahnsinnig ist dieser Anspruch tatsächlich. Das ist ein Weltkriegsprogramm.

2. "Wir, "Uns" - "Ich - Du": Nein. In einer Klassengesellschaft relativiert sich das "Ich - Du" zwangsläufig daran, dass das eigene Leben und das des "Gegenüber" sich, ob euinem das gefällt oder nicht, einordnet in die gesellshaftlichen Eigentums- und Machtverhältnisse , also klassenmässig.

Kommentarnr33 gepostet von Sepp Aigner am 4.09.2011 um 16h51

Hallo Sepp,

Zu meiner Rede von "Weltinnenpolitik" schreibst Du:

"Bloss ist die Absicht nicht mit der Realität gleichzusetzen. In dem Sinn ist der Befund nicht richtig, weil der US-Anspruch die wirklichen Machtverhältnisse auf dem Planeten ungefähr so erfasst, wie ein Grössenwahnsinniger seine eigene Bedeutung."

Dein Verweis auf "realen Machtverhältnisse" läßt mich vermuten, Du verstehst unter "Weltinnenpolitik" etwas anderes, als ich - ein Mißverständnis, das ich mit meiner knappen Darlegung natürlich verschuldete.
Mein Argument lautete: Der Weltmarkt ist ökonomisch durchgesetzt, aber nicht militärisch. Dein Einwand, die US-Armee könne nicht nach Belieben überall rummachen, ist deshalb keiner. Umgekehrt: Welche nationalen Souveräne setzen ihre Macht, einschließlich der militärischen, unter den gegebenen Weltwährungs-finanzmarkt-Bedingungen denn NICHT im Dienste der Kapitalisierung ihrer, aber ebenso benachbarter Reichtumsquellen bis hinüber zur anderen Seite des Globus, und also für die Vervollkommnung dieses Weltmarktes ein?

Auch dafür sind die letztlichen russischen und chinesischen Wendungen im "Fall" Libyen ein Lehrstück.

Um einen Einwand vorwegzunehmen: Ja, in der SCO und dem BRICS - Verbund versuchen die Beteiligten, die USA ökonomisch zu umgehen, aber um erst einmal Voraussetzungen und Mittel dafür zu schaffen, daß das gehen könnte, sind China wie Russland wie Indien wie Brasilien "genötigt" - weil und solange sie kapitalistische Staaten sind, und China ist einer, trotz des Sonderweges, den China in der "ursprünglichen Akkumulation" nimmt - die Kapitalisierung im Rahmen des einzig noch von ihnen selbst überhaupt aufrechterhaltenen Dollar-Systems voran zu treiben und zu nutzen und damit was zu unterhalten? Richtig: Das Gewaltgeschäft des angemaßten Souveräns des Weltmarktes, also desjenigen, der, mit der ultimaten Waffenüberlegenheit im Rücken, ihnen die Bedingungen ihrer "Emanzipation" zu diktieren trachtet. Das ist das substanziell Neue: Die zur ökonomischen Herrschaft unverzichtbare militärische (politische) Herrschaft ist nur noch SEKUNDÄR faux frais einer nationalen Kapitalisierung, und damit Gegenstand von Kalkulationen, deren Grundlagen im "friedlichen Handel" geschaffen werden und im Kriegsfalle zugleich außer Kraft - und umgesetzt werden, sondern die Gewaltausübung ist Geschäft und Lebensgrundlage der militärischen Hegemonialmacht. Beide Momente, die Notwendigkeit globaler Gewaltausübung auf einem Weltmarkt einerseits, und die militärische Unangreifbarkeit des Hegemons andererseits, ergeben zusammen, daß die USA der Souverän des Weltmarktes, und damit die einzig verbliebene sozusagen "echte" Nation sind.

"Souveränität" ist und war doch nie mit "umumschränkter" oder auch nur "unwidersprechlicher" Herrschaft zu verwechseln. Das ist IMMER ein Ideal, nämlich das Ideal der (Handlungs-) Freiheit der Nation und daher in Deinem Sinne ein (bellizistischer) "Größenwahn". Jeder Souverän erschafft doch die Gründe und Zwecke, die ihn zum Eingreifen "nötigen" - elementar in der Herstellung und Absicherung des Kapitalverhältnisses selbst! Das Ideal der Souveränität ist somit identisch mit ihrer (materiellen!) Notwendigkeit! Das ist doch die Anmaßung der Lüge vom "Sachzwang" - und damit zugleich dessen "Wahrheit"!

Wie im Falle eines nationalen Souveräns im alten Sinne ist die Macht der USA "unwidersprechlich" nur im Maße ihrer militärischen Unangreifbarkeit, nicht nach dem ideellen Maßstab schrankenloser Handlungsfreiheit.

Aber indem der Hegemon die Herrschaft "als" ein (in der Form eines) nationales Geschäft betreibt und längst alternativlos betreiben muß, IST der Weltmarkt der PERMANENTE KRIEGSFALL! In diesem Sinne ist er militarisiert, aber diese Militarisierung ist abermals ein Ideal und daher ein Prozess (hier hätte Kucaf merken können, daß ich Engels ontische Phrasen "aufhebe", indem ich ihr Konstrukt EINlöse!) dessen Asymptote das globale Gewaltmonopol ist, obwohl die USA es unter keinen erhältlichen Umständen je allein ausüben könnten.

(Anm: Wie überhaupt "Souveränität", "Macht" und "Herrschaft" im allgemeinen Sinne die Eigenschaft haben, daß ihr selbstreferentieller Endzweck das Zusammenschnurren in einen dimensionslosen PUNKT ist, dem jede praktische Gewaltausübung äußerlich wird, nämlich gleichsam das Werk von Satelliten, die das ideelle Machtzentrum umkreisen. 

Was Du "Größenwahn" nennst, ist nach alledem der praktische Kern der Sache, und alle relevanten Mächte, BESONDERS auch China und Russland, handeln danach, weil ihr nationales Interesse unter diesen Bedingungen nur darin bestehen kann, Bedingungen herzustellen, unter denen sie als abhängige Regionalmächte Sonderbedingungen lizensierter Herrschaft heraus schlagen können. Genau in diesem Zweck liegt der Berührungspunkt der persönlichen Interessen der Mitglieder der politischen Klassen mit dem abstrakten "nationalen Interesse", das es deshalb nur noch SO gibt, daß es das "recht eigentlich" NICHT MEHR gibt.

Außer, wenn z.b. ein verstockter "Verrückter" einer Ölquelle mit Volk "vorsteht" und sich querstellt.

Kommentarnr34 gepostet von TomGard am 4.09.2011 um 23h05

Sepp, Dein zweiter Punkt:

Du schreibst:

"In einer Klassengesellschaft relativiert sich das "Ich - Du" zwangsläufig daran, dass das eigene Leben und das des "Gegenüber" sich, ob euinem das gefällt oder nicht, einordnet in die gesellshaftlichen Eigentums- und Machtverhältnisse , also klassenmässig."

Ich will hier nicht lange auf unserem Gegensatz 'rumreiten, weil er nicht zwingend eine aktuell praktische Rolle spielen muß. Nur - vielleicht - zur Verdeutlichung:

Da ordnet nicht "sich" ein Leben ein, sondern es wird unterworfen und streckt sich nach der Decke. Und diese Decke - siehe mein vorangegangenes Posting - besteht in herrschaftlich eingerichteten und betreuten corporativen Interessen, die über der Betreuung zu politischen Interessen werden - am Erhalt, der Ausgestaltung und eben Betreuung des Kapitalverhältnisses. Zu diesen corporativen Interessen zählt - an übergeordneter Stelle - das sog. "Klasseninteresse". Eines das vor allem dadurch "relativiert" wird, daß es ein Interesse am MITMACHEN in der KONKURRENZ, an Konkurrenzfähigkeit ist. Ein "Klasseninteresse" in dem revolutionären Sinn, den ihm Frühsozialisten, zu denen der junge Marx zählte, zuzuschreiben trachteten, setzt bei den Individuen der Klasse daher ... seine Aufhebung voraus! Sie müssten dazu das Konkurrenzinteresse nicht bloß corporativ suspendieren, um dessen substanzielle Schädigung zu bekämpfen, sondern aufgeben.

Marx hatte daher im "Kapital", dessen Kritik des Kapitalverhältnisses implizit eine Kritik der Arbeiterklasse ist, diesen frühsozialistischen Standpunkt überwunden - doch ging er damit aus politischen und vielleicht auch "menschlichen"Gründen nicht hausieren. Die "Kritik des Gothaer Programms", der berühmte Spruch von der "Partei Marx" und manche nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Bemerkung legen Zeugnis davon.

Aus der Kritik der Arbeiterklasse folgt ja auch kein politischer Aufruf an sie bzw. an Leut, die sich als Kommunisten verstehen, die notwendigen und erzwungenen politischen und seinerzeit auch paramilitärischen Kämpfe zu lassen, ganz im Gegenteil. Aber die Schranken des corporativen Interesses kommen just in dem Spruch zum Tragen, den kucaf zitierte: "Alle Räder stehen still, wenn ..." usw.
Okay, und dann?!
Ja, dann geht die Scheiße von vorn wieder los, und zwar leider auch dann, wenn die Sprecher den politischen Standpunkt des Spruches, den Appell an eine handelnde Staatsgewalt, ihre Interessen gefälligst zu berücksichtigen, überwinden.
Denn dann steht da immer noch die schreckliche Inthronisation abstrakter Arbeit zu Buche, die in dem Spruch steckt (ist in der "Anbetung der Macht", von der ich sprach, eingeschlossen). Auch nach der Gebrauchswertseite, also als "gesellschaftlicher Reproduktionsprozess" genommen, bleibt klein v klein v: Vernutzung von Arbeits- = Lebenskraft, Maloche, Verwandlung von Lebenszeit in Arbeitszeit. (Wie gebrauchswertseitig an der Ware zu sehen, wenn man hinguckt - auch, wenngleich etwas "idiosynkratisch", an der "sozialistischen Ware".)

Nein, emphatisch gesagt steht ein "Wir" und "Uns", auch wenn es nicht hegemonial gemeint ist, und diesen hegemoniale Absicht griff ich gegenüber kucef an, einem "Ich UND Du" polemisch gegenüber und im Wege. "Kommunismus", das wird ein "Bund aus Bünden" sein, oder keiner sein.

Und so will ich auch unsere Differenz verstehen. Ich jedenfalls will und brauche kein "Wir" mit Dir - aber einen Bund, den schlösse ich jederzeit!

Kommentarnr35 gepostet von TomGard am 5.09.2011 um 00h21

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