Dazwischengefragt

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

"Blind vor Hass" seien die, die die westlichen Truppen und den westlichen Einfluss aus Afghanistan heraushaben wollen, heisst es in der FAZ. Hier steht der Text. Ich habe mir erlaubt, einige Fragen dazwischenzuschieben.

 

Afghanistan

Blind vor Hass
 
08. August
 
von Berthold Kohler
 
Der Mord an den Ärzten zeigt: Die „Gotteskrieger“ vom Hindukusch wollen alles Westliche aus Afghanistan vertreiben.
 
Frage:
Duerfen sie das nicht ? Was tut das "Westliche" in Afghanistan ? Was hat es da zu suchen ? Muss die ganze Welt dem "Westlichen" offenstehen ? Warum ?
 
Sie wollen den totalen Taliban-Staat, eine Diktatur des Islamismus.
 
Frage:
Wen geht das etwas an, ausser den Menschen in Afghanistan ? Haben die Afghanen nicht das Recht, ihre Angelegenheiten untereinander auszumachen ? Stehen Laender wie Afghanistan automatisch unter der Oberaufsicht des "Westens" ? MIt welchem Recht wird dieser Anspruch erhoben ?
 
Diese Aussicht macht es den Staaten nicht leichter, die über den Abzug ihrer Truppen nachdenken.
 
Frage:
Ueber den Abzug ihrer Truppen nachzudenken, setzt also eine Vorleistung der Afghanen voraus: Sie muessen eine politische Ordnung akzeptieren, die dem "Westen" genehm ist ? Der "Westen" darf also den Menschen in jedem beliebigen (missliebigen) Land die politische Ordnung vorschreiben, unter der sie zu leben haben ?

 

 

 

 

Auch wer in Afghanistan nichts anderes im Sinn hat, als Erblindenden zu helfen, ist nicht sicher vor jenen, die schon blind sind vor Hass.

 

 

 Frage:

 

Wenn ein Land von fremden Truppen aus anderen Erdteilen besetzt ist und im Schutz dieser Truppen Zivilisten aus eben diesen Besatzerstaaten in das besetzte Land kommen, haben diese "nichts anderes im Sinn", als zum Beispiel "Erblindenden zu helfen" ? Ist, wer unter solchen Bedingungen "nichts anderes im Sinn" hat und einfach ignoriert, dass er, voellig unabhaengig vom eigenen Willen und der eigenen Motivation, praktisch zum zivilen Tross der Besatzer gehoert, nicht einfach bloed ? Oder hat er doch "etwas anderes im Sinn", naemlich, dass Leute wie seinesgleichen ueberall auf der Welt frei agieren koennen, weil sie ja schliesslich Buerger des "Westens" sind ? Unterscheidet sich das in irgendeiner Weise von den Missionaren und europaeischen Aerzten, die bis in das 20. Jahrhundert hinein im Schutz der Kolonialherrschaft und als Teil dieser Herrschaft ihre "guten Werke" vollbracht haben ?

 

 

Ob es tatsächlich die Taliban waren oder nur gewöhnliche Verbrecher, die im Nordosten des Landes zehn Ärzte und ihre Helfer ermordeten, ist noch nicht geklärt; die Grenzen zwischen islamistischen Fanatikern, Warlords, Rauschgifthändlern, Teilzeit-Taliban und anderen Handlangern des Todes sind ohnehin fließend.

 

 Frage:

 

Die, die sich gegen fremde Besatzung wehren, sind "Handlanger des Todes" ? Und was sind diejenigen, die taeglich in einem Land, in dem sie nichts zu suchen haben und das sie, gestuetzt auf ihre militaerische Macht, besetzt halten, Menschen toeten ?

 

Selbstbezichtigung und der Vorwurf der Missionstätigkeit zeigen, dass die Taliban dieses Massaker jedenfalls gerne begangen hätten. Damit versetzen sie jenen im Westen einen Schlag, die glaubten, der Widerstand der Islamisten richte sich im Grunde nur gegen die ausländische Militärpräsenz. Doch Taten wie diese sprechen eine andere Sprache. Die „Gotteskrieger“ vom Hindukusch wollen alles Westliche aus Afghanistan vertreiben. Sie wollen den totalen Taliban-Staat, eine Diktatur des Islamismus.

 

Diese Aussicht macht es den Staaten nicht leichter, die über den Abzug ihrer Truppen nachdenken. Zu der Debatte darüber, wie viele tote Soldaten westliche Demokratien ertragen können, bevor sie den politischen und militärischen Sinn einer solchen Mission in Frage stellen, gesellt sich die nicht weniger drängende Frage, ob diese Gesellschaften als Folge eines Scheiterns auch die vollständige Negierung ihrer Grundwerte hinnehmen können.

 

 Frage:

 

Fuer "diese Gesellschaften" - die westlichen Staaten -  ist es "eine draengende Frage", ob sie die "Negierung IHRER Grundwerte" ANDERSWO "hinnehmen koennen" ?  Ueberall also , wo die "westlichen Grundwerte" negiert werden, steht also die "draengende Frage", solche Laender zu besetzen ? Die "westlichen Grundwerte" mit militaerischer Gewalt einzufuehren ? Wie waere es z.B. mit China ? - Ist das nicht die Aussicht auf einen neuen Weltkrieg ? Ist der Anspruch, die "westlichen Werte" muessten in aller Welt eingefuehrt werden, etwas anderes als die ideologische Begruendung eines umfassenden weltweiten KRIEGSPROGRAMMS ?

 

 Wenn ja, wie lange? Schauen wir künftig weg, wenn in Afghanistan wieder Mädchen und Frauen schlimmer als Vieh behandelt und auf jedwede Art verstümmelt und massakriert werden, weil sie „ungehorsam“ waren?

 

 Frage:

 

"Schauen wir kuenftig weg, wenn" ... in den Bordellen der USA und Westeuropas Maedchen und Frauen "schlimmer als Vieh behandelt" werden ? Wenn in Brasilien, Rumaenien, in der Ukraine Menschen fuer den Organhandel ausgeweidet werden und diese Organe anschliessend reichen US- oder deutschen Buergern eingepfalnzt werden ? Wenn in Bangla Desh, Indien oder Indonesien Kinder als Sklavenarbeiter gehalten werden und deren Arbeitsprodukte dann im "Westen" konsumiert werden ? Ist da kein Handlungsbedarf ? Muessten sich die westlichen Staaten nicht zuallererst selber besetzen, damit mit dem Verstuemmeln und Massakrieren und der Menschenhaltung wie Vieh Schluss gemacht wird ?

 

Oder bombardieren wir dann hin und wieder ein Ausbildungslager in den Bergen, um unser Gewissen zu beruhigen? Was ist, wenn wir die Taliban in Ruhe lassen, sie aber uns nicht? Wenn sie, wie längst zu beobachten, ihre Hand nach Pakistan und seiner Atombombe ausstrecken?

  

 Frage:

 

Was ist, wenn USamerikanische, britische, franzoesische, israelische Regierungen nicht nur "ihre Hand nach der Atombombe ausstrecken", sondern Hunderte und Tausende solcher Atombomben IN HAENDEN HALTEN und gelegentlich sogar mit ihrem Einsatz drohen ?

 

Die einzige deutsche Partei, die für solche Fragen einfache Antworten hat, ist die Linke. Deren Vorsitzende Lötzsch sagte, im Interesse der Entwicklungshelfer, der deutschen Soldaten und der afghanischen Bevölkerung müsse die Bundeswehr sofort abgezogen werden. Im Interesse der Entwicklungshelfer, der deutschen Soldaten (die plötzliche Sorge um sie ist wirklich reizend) und der afghanischen Bevölkerung kann man nur hoffen, dass die Linkspartei noch lange in der Opposition bleibt.

 

Frage:

 

Ist die FAZ etwas anderes als ein Kriegstreiber-Hetzblatt in der Tradition des Voelkischen Beobachters ?





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