Artikel teilen! Schrebergaerten auf Kuba: In Deutschland gibt es , nach Wikipedia, mehr als eine Million Kleingaerten mit einer ...
In Deutschland gibt es , nach Wikipedia, mehr als eine Million Kleingaerten mit einer Gesamtflaeche von 46 000 Hektar. Sie haben ihren Urspung darin, dass Arbeiter ihre Lebensmittelversorgung mit Eigenproduktion aufbesserten, was bis weit in das 20. Jahrhundert hinein zeitweilig eine Frage von hungern oder nicht hungern war. Eine gewisse Rolle spielt die Selbstversorgung auch heute noch, und wenn es mit dem Lebensstandard weiter abwaerts geht, in Zukunft wieder eine goessere.
Der Schrebergarten ist aus der Not geboren. Aber er koennte unter vernuenftigen Verhaeltnissen eine sinnvolle Ergaezung zur landwirtschaftlichen Grossproduktion sein, mit der gleichzeitig die Staedte gruener werden, ein Feld fuer soziale Kontakte entsteht und Menschen mit einseitigen Taetigkeiten in Buero oder Fabrik einen koerperlichen Ausgleich finden koennten.
Unter kapitalistischen Verhaeltnissen sind dem aber enge Grenzen gesetzt. Jeder Quadratmeter Boden ist nicht einfach Boden, sondern zugleich Kapital, das - vor allem in den Staedten - einen hohen Preis hat und sich verzinsen soll. Die idiotische Produktivitaetsrechnung, die daraus entsteht, macht die aus der Tuerkei eingeflogenen Zucchini billiger als die im Kleingarten in Deutschland gezogenen. Ein Schrebergarten wirft nach dieser Rechnung so gut wie nichts ab, weil sein Ertrag in einem laecherlichen Verhaeltnis zu dem Preis steht, den er als Baugrund fuer ein Buerohochhaus erzielt.
Die Schrebergartenidee trifft auf Kuba auf andere Eigentumsverhaeltnisse. Der Boden ist keine Ware, kein Kapital, und muss sich nicht verzinsen. Das veraendert die Wirtschaftlichkeitsrechnung entscheidend. Das Gemeineigentum verwandelt den Boden zurueck ind das, was er ist : Boden, nicht mehr und nicht weniger. Auf dieser Eigentumsgrundlage kann sich die gaertnerische Kleinproduktion in den Staedten ziemlich frei und entsprechend den Beduerfnissen der Buerger entwickeln.
Die Eigentumsordnung ist allerdings eine zwar notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung. Sie muss erst einmal genutzt werden, damit aus ihr ein materieller Vorteil entsteht.
Das ist auf Kuba noch nicht optimiert. Obwohl Fidel Castro die Idee der Selbstversorgung in den Gemeinden schon in den 1970er Jahren propagiert hat, sind laengst noch nicht alle Moeglichkeiten genutzt. Das Landwirtschaftsministerium foerdert und propagiert, aber machen muessen es die Leute selbst.
Die gaertnerische Kleinproduktion ist, im Ergebnis, ein wachsender "Wirtschaftszweig". Sie ist, gesamtgesellschaftlich, ein Beitrag zur Eigenversorgung des Landes mit Lebensmitteln. Bei den periodisch wiederkehrenden Naturkatastrophen schafft sie einen gewissen Ausgleich zu Verlusten in der landwirtschaftlichen Grossproduktion. Gemeinden und Stadtviertel gewinnen mit ihr an Versorgungsautonomie, was im Katastropenfall, z. B. bei unterbrochenen Verkehrswegen, wichtig ist. Generell koennen uber die Kleinproduktion, die vor Ort auch verbraucht wird, Transportwege eingespart werden. Vom materiellen Nutzen abgesehen, ist das "Garteln" auch eine sinnvolle und vergnuegliche Moeglichkeit, seine Freizeit zu verbringen.
Ueber den Stand der Entwicklung und die Bedeutung der gaertnerischen Kleinproduktion auf Kuba informiert ein Artikel in der Granma (den es bisher (?) leider nur in Spanisch gibt):
http://www.granma.cu/espanol/cuba/2julio-27urbana.html
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