Eine gute Wahl in Venezuela

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Bei einer Wahlbeteiligung von fast 81 Prozent hat die bolivarische Bewegung in Venezuela die Wahl mit einer Mehrheit der Wähler von knapp 55 Prozent gewonnen. Damit hat Chavez für seine neue Amtszeit eine demokratische Legitimation wie keiner der Freedom&Democracy-Missionare, die sich in der ganzen Welt als Oberaufseher der Demokratie aufführen, obwohl sie bei sich zu Hause gewöhnlich nur eine Minderheit repräsentieren und trotzdem an der Regierung sind. Obama ist, bei einer Wahlbeteiligung von knapp 57 Prozent bei den letzten Präsidentschaftswahlen, von weniger als 30 Prozent der   Wahlberechtigten gewählt. Die britische Regierung repräsentiert bei einer Wahlbeteiligung von gut 57 Prozent bei den Wahlen von 2012 eine ganz ähnlich grosse Minderheit. In Deutschland lag die Bundestags-Wahlbeteiligung zuletzt bei knapp 71 Prozent. Die Regierungskoalition Merkels stützt sich damit auf die Stimmen von weniger als 40 Prozent der Wahlberechtigten(1)...

 

Die Mehrheit der Anhänger der bolivarischen Revolution in Venezuela ist im Vergleich dazu überzeugend. Aber dass der Kandidat der Rechten auf fast 45 Prozent der Stimmen kam zeigt den ungebrochenen Einfluss der Bourgeoisie. Chavez erhielt um die acht Millionen Stimmen, die Rechte um die sechs Millionen. Das bedeutet, dass viele Menschen die Rechte gewählt haben, obwohl diese ihre Interessen nicht vertritt, sondern für diese eine Bedrohung ist. In den bürgerlichen Medien wird Chavez oft als "Linkspopulist" bezeichnet. Das ist er nicht, weil ein Populist nur "so tut als ob". Bei Chavez stimmen dagegen Wort und Tat überein. Als "Populist" hat sich dagegen sein rechter Rivale betätigt. Er hat den Leuten das Blaue vom Himmel versprochen und sie damit getäuscht, weil er in Wirklichkeit etwas ganz anderes will als er sagt. Im Lauf des Wahlkampfs kam sein wirkliches Programm ans Licht, das geheim bleiben sollte. Es ist ein Programm der Demontage der sozialen Errungenschaften der bisherigen 14 Jahre Chavez-Regierung, ein Programm der Auslieferung Venezuelas an die in- und ausländischen Räuber. Und trotzdm hat die hasserfüllte und durch und durch verlogene Kampagne der Rechten sechs Millionen Stimmen gezogen, während deren soziale Basis - diejenigen, die in irgendeiner Weise von einer Rechtsregierung profitieren würden - sicher weniger als die Hälfte dieser Zahl ausmacht. Die andere Hälfte ist Ergebnis erfolgreicher Demagogie.

 

Die Bourgeoisie ist immer noch mächtig. Aber sie hat sich ein weiteres Mal nicht durchsetzen können. Jetzt sind sechs weitere Jahre Zeit, die Revolution voranzubringen. Der Hunger ist überwunden. Wenn keine Katastrophen passieren, wird die Armut überwunden sein, wenn die nächsten regulären Wahlen anstehen. Schlechte Aussichten für die Rechte, gute für das Volk.

 

_________

(1) Zahlen von http://principiis-obsta.blogspot.se/2012/10/phantastischer-sieg-von-hugo-chavez-in.html

 

__________

update:

 

Andre Scheer in junge welt zum Wahlausgang:

http://www.jungewelt.de/2012/10-09/046.php

und

http://www.jungewelt.de/2012/10-09/034.php

Veröffentlicht in Venezuela

Kommentiere diesen Post