Womblog bringt ein Interview

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

 

Vor ein paar Tagen hat Womblog dieses Interview auf seine Site gestellt:

 

Kuba - Beginn einer neuen Zeit - Interview mit dem Dissidenten Manuel Cuesta Morua

 

http://womblog.de/2010/06/08/kuba-beginn-einer-neuen-zeit-interview-mit-dem-dissidenten-manuel-cuesta-mora/

 

Womblog bringt gewoehnlich Beitraege ueber Lateinamerika, die auf Sympathien fuer die dortige Linke schliessen lassen und empfiehlt auch entsprechende Web Sites (neben einer gewissen rechtsradkalen  AmSel, die imer noch auf ihrer Empfehlungsliste steht, und dazu wie die Faust aufs Auge passt; nebenbei bemerkt).

 

Besagter Beitrag hat anderen Charakter. Die, oberflaechlich gelesen, wohlklingenden Sprueche des Herrn Morua und der Einfuehrungstext zum Interview sind ein Musterbeispiel fuer ein relativ neues Diversionskonzept gegen Kuba, fuer das sich Leute wie Morua einspannen lassen. Mit einer schwer durchschaubaren Mischung aus Unterstellungen, Phrasen ueber Demokratie und Menschenrechte, Bosheiten und dem Bezug auf tatsaechliche Probleme wird im Sinne dieses Konzepts ein Gesamtbild erzeugt, in dem die kubanische Regierung, die gesellschaftlichen und staatlichen Organisationen und Institutionen und die kubanische Verfassungsordnung einerseits und die kubanischen Buerger andererseits gegeneinander gestellt werden - um aus dieser Propagandafigur abzuleiten, dass es eine "vermittelnde Instanz" brauche - wie z.B. die katholische Kirche oder "moderate" Dissidenten.

 

Der Zweck ist, ein neues politisches Subjekt zu installieren, das den "Uebergang in eine neue Zeit" "mediatisieren" soll. Bloederweise - fuer die Betreiber - hapert es mit der Materialisierung dieses Konzepts. In Wirklichkeit repraesentieren die "Damen in Weiss", hungerstreikenden "Dissidenten", diversen Vereinsvorsitzenden und Sprecher "oppositioneller Parteien" niemanden ausser ihren Auftraggebern, von denen sie bezahlt werden.

 

Aber was nicht ist, soll halt werden. Daran arbeiten die "Dissidenten". Auftragsgemaess. Ob die Konterrevolution nun auf Samtpfoten erfolgreicher ist als mit Mord, Sabotage und Boykott ist dabei noch nicht raus. Herr Morua formuliert die bestehenden Zweifel im abschliessenden Satz des Interviews so:

 

"Vor allem aber muss(te) man fragen, ob sich Kubas Probleme schrittweise durch angemessene Antworten auf die in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen bestehenden Probleme loesen lassen, oder ob dazu ein globaler Ansatz noetig ist." Die hinterfotzige Intrigantensprache ins Deutsche uebersetzt: Es ist nicht ausgemacht, ob die Konterrevolution per Wuehlarbeit in kleinen Schritten durchgesetzt wird oder mit einem grossen Ruck - "globaler Ansatz".

 

 

Ein Dissident ...

 

Im Einfuehrungstext zum Interview wird Herr Morua so vorgestellt: "Anthropologe, Philosoph, Historiker". Ein respektabler Mann  also. Das qualifiziert ihn fuer hohe Funktionen. Zum Beispiel ist er Generalsekretaer des Socialist Democratic Current und Vorsitzender der Progressive Circle Party (PARP) und Mitstreiter des Citizens Comittee for Racial Integration (CIR). Der Multifunktionaer findet aber noch Zeit fuer andere Hobbies:

 

"It is well known in Havana that Cuesta Morua is a frequent visitor to the American Interests Secition there. If he is receiving money. he would have to be very carefull, as that is illegal in Cuba, much like receiving money from Iran or North Korea would be in the US." (http://afrocubaweb.com/cuestamorua.htm )

 

 

Eine Menschenrechtsorganisation ...

 

Was ist, um ein Beispiel des humanitaeren Wirkens Hernn Moruas herauszugreifen, CIR ?

 

Herr Morua hat, als Co-Unterzeichner und in diesem Fall in seiner Eigenschaft als Sprecher der PARP, zusammen mit den Herren A. Madrazo Luna, dem Coordinar Nacional des CIR, und dessen Vize, Herrn Leonardo Calvo Cardenas, am 14. Dezember 2009 eine Erklaerung herausgegeben, in der man sich herzlich fuer erwiesene Solidaritaet mit den "kubanischen Antirassisten" bedankt. Die Bedankten sind Honoratioren der Universidad de West Indies im besonderen und "die Studenten der Karibik" im allgemeinen. Dabei geht es um dieses edle Anliegen: um eine "postrassistische Perspektive, die es erlaubt, alle in einer Gesellschaft des Wohlstands zu integrieren." (http://afrocubaweb.com/cir.htm#12/14/09 )

 

- Kubanische dissidente "Antirassisten" suchen also die "internationale Solidaritaet" fuer ihren "antirassistischen Kampf in Kuba". Die Zustaende werden dort schon so sein, dass das sein muss. Nicht wahr ? Zwar leben auf Kuba die Menschen verschiedener Hautfarbe und Religion "integriert" und gleichberechtigt zuammen wie in keinem anderen lateinamerikanischen Land und schon gar nicht in den USA, aber es besteht entschieden Handlungsbedarf, und zwar ausserhalb der Organisationen und Institutionen, in denen das jeden Tag real passiert. Die CIR ist es, die dazu berufen ist.

 

Aber nicht nur dem antirassistischen Kampf in Kuba widmet sich CIR. Das liegt schon deshalb nahe, weil eine vom Ausland bezahlte Organisation darin nur schwerlich ein Betaetigungsfeld findet. Wenn sich der schwarzhaeutige Jose mit seinem weisshaeutigen Nachbarn Rodrigo streitet und den dabei "du bloeder Weisser" nennt, kann man zwar, ausreichend Boeswilligkeit vorausgesetzt, auch daraus ein "Rassenproblem" machen, aber diese Art von Konflikten gibt halt doch nicht allzuviel her.

 

Jedenfalls draengt es z. B. den Nationalen Koordinator des CIR, Herrn Luna, zu zusaetzlichen Taten. Zum Beispiel muss der "religioese und kulturelle Pluralismus in Kuba" gestaerkt werden. Deswegen freut sich Herr Luna auch so darueber, dass ein russischer Pope in Anwesenheit von Raul Castro in Havana ein orthodoxe Kirche einweiht. - Aaaber ! Wo bleibt ein Yoruba-Tempel ??? Nun koennten sich zwar die Anhaenger des Yoruba-Kults einfach einen Tempel bauen, wenn sie meinen, dass ihnen das guttut. Aber vorher hat es dann jedenfalls CIR angemahnt. Schon wieder ein Erfolg ! Im allgemeinen ist es so: Zwar sind "soziale, religioese und politische Sektoren ... in Kuba gut repraesentiert()", aaaber vielleicht laesst sich noch was auftreiben, das noch nicht gut repaesentiert ist ?! CIR wird schon was einfallen. (http://afrocubaweb.com/madrazoluna.htm ). 

 

 

Freunde und Foerderer einer Menschenrechtsorganisation ...

 

Da die Anhaenger der Menschenrechte in Kuba dauernd aufs grausamste unterdrueckt werden, bedarf es der interantionalen Solidaritaet mit den armen. Aber daran soll es auch nicht fehlen. Zum Beispiel hat das CIR nicht nur wackere Streiter auf Kuba, sondern auch in Florida. Zum Beispiel seine dortige Sprecherin Victoria Ruiz-Labrit:

 

"Currently working out of Miami, Ruiz Labrit is the spokesperson for the ... (CIR) ... She had a craeer as a dissident in Cuba in the 90's, where she was spoekesman for the Comittee of Pacifistic Opposition, then she emigrated to the US. According to FedSpending.org Ruiz Labrit was funded by Florida Congresswoman Illeana Ros Lethinen in 2004 and 2005, when she received $ 47 000. The significance of this is hard to overstike: Ros Lethinen belongs to the hard right plantokraty in Miami and ran her 1989 campaign on an platform that included freeing Orlando Bosch, the mass murderer who planned the 1976 dawning of a Cubana flight, killing 73 civilians ... Vicka Ruiz-Labrit also has the support of Florida Congressman Diaz Belart, whose family, like the Baccardis and the Fanjuls, represents the old slave owning Plantokraty in exile - their money and influence drive much of South Florida politics." (http://afroweb.com )

 

 

Worum geht es ?

 

Es geht darum, dass die alte Aggressionspolitik der USA und der exilkubanischen Miami-Mafia gegenueber Kuba gescheitert ist. In vierzig Jahren ist es nicht gelungen, die Revolution zu kontern, die Zueckerbarone und Schnapsbrenner, Spielkasino- und Bordellbetreiber wieder in ihre wohlverdienten demokratischen Rechte zu setzen. Die sozialistische Ordnung Kubas erweist sich trotz Wirtschaftsembargo und Sabotage, trotz Einsatzes chemischer Gifte, Versenkung kubanischer Fischtrawler und Sprengung eines Pasagierflugzeugs, trotz ungezaehlter Mordanschlaege auf die politische Fuehrung und all der weiteren immer neu ersonnenen und versuchten denkbaren Schandtaten ... als ziemlich resistent.

 

Und was macht man als Imperium, wenn eine Methode scheitert ? Man laesst eine andere ausdenken. Das Morden und Brennen liegt einem freilich naeher, und man laesst auch nicht davon. Aber wohl oder uebel muss man auch die Moral und die Menschenrechte fuer den edlen Zweck vernutzen, wenn Bombe und Gift allein nicht helfen.

 

Man spaeht also jeden Widerspruch und jedes Widerspruechlein der kubanischen Gesellschaft aus und baut fuer deren konterrevolutionaere Ausnutzung ein politisches Subjekt auf: die Dissidenz, die "oppsotionellen Parteien", allerlei "Menschenrechtsorganisationen".

 

Nicht zufaellig steht dabei die Forderung nach "Pluralismus" an zentraler Stelle. Mit diesem Begriff wird erstens an den Ideale der buergerlich-demokratischen Freiheiten angeknuepft, in deren Namen sich vielleicht "westliche" Gimpel auf die imperialistische Leimrute locken und zur Unterstuetzung der "kubanischen Dissidenten" animieren lassen. Zweitens handelt es sich um die Formulierung des naechsten Etappenziels der Einmischung in Kuba: Ist der "Pluralismus" durchgesetzt, steht den sozialistischen politischen und gesellschaftlichen Organisationen und staatlichen Institutionen eine Konkurrenz gegenueber - eben diese "Dissidenten", "opposionellen Parteien", "Menschenrechtsorganisationen". Damit ist der politische Ausgangspunkt fuer den unmittelbaren Kampf um die Macht geschaffen. Die Entwicklung folgt dann nicht mehr der Logik der sozialistischen Gesellschaft, sondern der stets praesenten Alternative Sozialisus  - oder ....

 

Das Oder kann, da es zunaechst hoechst hypothetisch ist, in den gluehensten Farben gemalt werden. Das Oder ist nicht der real existierende Kapitalismus in seiner puertorikanischen, haitianischen, dominikanischen Auspraegung - das ware die wirkliche "Alternative" Kubas zur sozialistischen Ordnung, und bei solchem Vergleich werden nicht viele Kubaner finden, dass sie tauschen sollten. Das Oder ist, fuers Erste, das selbe verlogene Gequatsche, mit dem man auch die Menschen in den osteuropaeischen sozialistischen Staaten uebertoelpelt hat - mit dem bekannten, fuer die Masse der Menschen ziemlich unerfreulichen, Folgen.

 

 

Mind Operations

 

Was die Miami-Mafia und das Imperium in Sachen Kuba mit dem Missbrauch des Freiheits-, Demokratie- und Menschenrechts-Ideal machen, nennt man Mind Operations. In diesem hier beleuchteten Fall hat sich Womblog dafuer einspannen lassen.

 

Ueberlegungen, wie man sich davor schuetzen kann, auf die Geheimdienstkampagnen hereinzufallen, stehen hier:  

 

  http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=15215

 

 

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