Zweierlei Nationalismen

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Die FAZnet schreibt heute über "anti-deutsche" Stimmungen in Frankreich und deren Instrumentalisierung: ttp://www.faz.net/aktuell/feuilleton/antideutsche-klischees-in-frankreich-euro-statt-wehrmacht-11552222.html . In Griechenland wird die Unterwerfungspolitik der deutschen Regierung häufig mit der Besetzung durch die Deutsche Nazi-Wehrmacht asoziiert. In diesem Artikel sorgt sich der Stern über "Anti-Deutsches" in Grossbritannien: http://www.stern.de/politik/ausland/anti-deutsches-klima-auf-der-insel-englaender-in-verbalem-tiefflug-1752397.html . Man könnte ganz Europa durchgehen und würde finden, dass es überall Ähnliches gibt. Und umgekehrt meint ein Kauder, dass in der EU jetzt deutsch gesprochen werden müsse und werden die von der deutschen Wirtschaft an die Wand gedrückten kleineren europäischen Konkurrenten als PIIGS beschimpft. - Erwachen sie gerade wieder, die "alten Dämonen" (FAZnet) ? 

 

Sie erwachen nicht einfach. Sie werden gerade wieder aufgeweckt. Dafür gibt es, aus dem Blickwinkel "derer da oben" gute Gründe. Die Vereinnahmung der Nationen für die gnadenlose Konkurrenz der Geschäftemacher untereinander hat hauptsächlich Ablenkungsfunktion. Es sind ja nicht "die Deutschen", die Griechenland fertigmachen, nicht "die Franzosen", die mit "Deutschland" um die Führung in Europa rangeln, nicht "die Briten", die damit liebäugeln, die EU von innen zum Scheitern zu bringen. Mit den Völkern hat das alles nichts zu tun.Das sind keine Anliegen, die in ihrem Interesse liegen. Sie sind bloss die Leidtragenden, die, die es ausbaden müssen.

 

Es ist das Desaster der kapitalistischen Ordnung, das Chaos der Märkte, die Unfähigkeit der grossen monopolistischen Kapitale, geschaffenen Reichtum produktiv weiterzuverwenden, die die Gegensätze schaffen. Es sind nicht "die Deutschen, die die Griechen und Portugiesen in Not stürzen, sondern es ist die Deutsche Bank und ihre Filiale im Berliner Kanzleramt. Davon abzulenken und dies hinter dem Heraufbeschwören nationaler Ressentiments zu verstecken ist die Funktion der Pflege "nationaler Gegensätze". Wenn von Nationalismus die Rede ist, ist nicht von Kapitalismus die Rede. Wenn von Nationalismus die Rede ist, ist nicht von der Enteignung der Deutschen Bank, der französischen Paribas oder der spanischen BBVA die Rede. Das ist der Zweck.

 

Wenn sich die Völker Europas nicht noch einmal gegeneinander hetzen lassen wollen, muss jedes bei sich zu Hause aufräumen. Die Enteignung des Grosskapitals im eigenen Land ist im eigenen nationalen Interesse der Masse der bevölkerung und zugleich die wirksamste internationale Solidarität. Kein deutscher Arbeiter hat etwas davon, wenn der deutsche Staat Griechenland oder Portugal zu Kolonien macht. Er muss es bloss zahlen, vorläufig mit fallendem Lebensstandard, im "äussersten Ernstfall" mit dem Leben. 

Für die Lohnabhängigen sitzt in jedem Staat der Feind im eigenen Land. Dort muss er besiegt werden.

 

Die EU geht uns in diesem Sinn nichts an. Die USA führen vor Augen, was es für die Masse der Bevölkerung bedeutet, Weltmacht zu sein. Am inneren Niedergang wegen Machtentfaltung nach aussen haben die Massen in Europa so wenig Bedarf wie die USamerikanischen. Die Kämpfe zwischen den EU-Mitgliedsstaaten um die Plätze in der Machtpyramide, um Unterordnung und Überordnung, sind die Kämpfe der Bourgeoisien, die auf dem Rücken der Völker ausgetragen werden. Wer es sich zur Sorge macht, wie die EU der Bourgeoisien weiterkommt oder ob sie scheitert, macht sich zum eigenen Schaden die Sorgen des Feindes.

 

Wenn "die da unten" sich im eigenen Interesse einmischen und die Verhältnisse zu eigenen Gunsten ändern wollen, müssen sie die Frage stellen, wer die Macht haben soll: ein paar Oligarchen mittels des Staatsapparats der Bourgeosie - oder das Volk. Die bestehende Macht sitzt nicht in Brüssel. Sie sitzt in Berlin und Paris, Madrid und Athen. Die Frage steht nicht auf der Ebene der EU. Die Frage steht in jedem einzelnen Land.  Das ist, wohlverstanden, der "Nationalismus" der Völker, der sich von Internationalismus nicht trennen lässt.

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A
<br /> Stimmt! Dem ist nichts hinzuzufügen, Sepp...<br />
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