9. November - Ich kann gar nicht aufhoeren zu gedenken

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner


Heute, obwohl doch schon 10. November ist und die Freiheit ja gestern nun wirklich gebuehrend gefeiert und gewuergigt worden ist, gedenke ich folgender Rede, die schon vor etwa laengerer Zeit und nur vor erlauchtem Publikum vorgetragen worden ist, auch nicht an einem 9. November, aber mit diesem durchaus im Zusammenhang zu denken: Im November 2001 sprach Herr Dr. Frank Heintzeler, Praesident des Bundesverbandes deutscher Banken, Berlin, und Sprecher des Vorstandes der Baden-Wuerttembergischen Bank AG, Stuttgart, zur Eroeffnung des Neunten Gesellschaftspolitischen Forums der Banken - Schoenhauser Gespraeche - in der Deutschen Staastoper zu Berlin eine Arie, die ich auszugsweise noch einmal abspiele:

"Mit der Wahl des neuen Veranstaltungsortes hier in der Deutschen Staatsoper ... ruecken wir ... staerker ins Zentrum Berlins ...

ein anspruchsvolles, ein schwieriges Thema ...: Die Zukunft der Nation. Wer sind wir Deutschen ? Was muessen wir sein ? ...

Welche Zukunft hat die Nation in Deutschland ? ...

Persoenlich glaube ich ... dass die Nation noch laenger bestehen wird. ...

Das heisst allerdings nicht, dass Europa fuer uns zweitrangig ist. Ganz im Gegenteil: Die europaeische Frage ist fuer Deutschland eine Existenzfrage. Ohne die vorausgegangene europaeische Integration haette es die deutsche Einheit nicht gegeben ...

Wer sind wir Deutschen ? Was muessen wir sein ? Die Einfache Antwort lautet: gute Deutsche und gute Europaeer - aber in dieser Reihenfolge ! Denn wenn wir einer richtig verstandenen Rolle Deutschlands in Europa und der Welt nachkommen, dann handelt es sich hierbei um die zwei Seiten der gleichen Muenze.

... wir duerfen hoffen: Die grosse Mehrheit der Deutschen befindet sich sozusagen auf dem Weg der Normalitaet ... Ergebnisse unserer Umfrage weisen auf ein gewachsenes nationales Selbstbewusstsein der Deutschen hin.

... Offenbar sind die Deutschen dabei, ihre lange Zeit typische anti-nationale Haltung abzulegen.

... Paradigmenwechsel der nationalen Selbstdefinition

... Im Westen ... waren es nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem die Erfolge der freiheitlichen Marktwirtschaft und des Wirtschaftswunders, die dem Land erste internationale Anerkennung brachten ... An die Stelle der Fahne traten Wirtschaft und Waehrung ... "Schaut her, wir sind wieder wer !". Wirtschaftlich galten wir recht bald als Riese, politisch aber als Zwerg.

... die Weiterentwicklung des Nationalstolzes auf enge Weise mit zwei sozialdemokratischen Kanzlern verknuepft ...

Willy Brandt war der Kanzler, der die wirtschaftliche Selbstdefnition erfolgreich ins Politische umgemuenzt hat. Er fuehrte den Whlkampf von 1972 unter dem Slogan: "Deutsche - wir koennen stolz sein auf unser Land !" ... Das war ein wichtiger Schritt zu einem Paradigmenwechsel. ...

Doch erst heute, fast 60 Jahre nach Ende des Krieges, sind wir dort angekommen, was Bundeskanzler Schroeder ... die Normalitaet eines globalen Partnerstaates genannt hat. Dabei stellte die Entscheidung Deutschlands, sich am internationalen Kampf gegen den Terrorismus zu beteiligen, eine historische Zaesur dar. Sie markiert fuer Deutschland das eigentliche Ende der Nachkriegsgeschichte: Es kehrt als gleichrangiger Partner ... zurueck in den Kreis ... jener Gesellschaften, die sich dem westlichen Wertesystem ... verpflichtet sehen. ...

Eine durchaus offene Frage ist ... wie das Nebeneinander, der Wettbewerb der Kulturen - ich verwende bewusst nicht den ... Begriff des Kampfes der Kulturen - hier in Deutschland gestaltet werden kann. Wie tolerant sollen wir ... gegenueber anderen Kulturen und Religionen sein, insbesondere, wenn diese - zumindest in Teilen - intolerant sind ? ...

Dass eine neue Rolle keineswegs ohne Probleme ist, zeigt die Kontroverse um den Einsatz der Bundeswehr ... "Wohin wir auch blicken, ueberall entwickeln sich die Chancen aus den Problemen."


Soweit die besinnliche und doch verhalten inbruenstige Arie des Herrn Dr. Heintzeler, Praesident des Bundesverbandes deutscher Banken und Sprecher des Vorstandes der Baden-Wuerttembergischen Bank AG.  Nach ihm intonierte uebrigens der beruehmte Professor Sloterdjik, Experte fuer moderne Philsophie, weiter, als Koloratur-Sopran.

zitiert nach: http://www.bankenverbund.de/pic/artikelpic/122001/22-11-01_Rede-Heintzeler.pdf

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