Bartsch, mach doch endlich rueber !
Der Vorfall scheint laeppisch zu sein: Dietmar Bartsch, abgehalfteter Bundesgeschaeftsfuehrer der Linkspartei, geht juristisch gegen die einzige konsequent linke Tageszeitung in Deutschland, die junge welt, vor, unter Ausnutzung aller Moeglichkeiten, ohne Ruecksicht auf deren schwache wirtschaftliche Lage - oder eben diese in Rechnung stellend. Die Angelegenheit wird die junge welt nicht kaputtmachen. Aber Bartsch reiht sich ein in die Riege derer, die der Zeitung mit juristischen Mitteln, unter Ausnutzung der Kosten buergerlicher Gerichtsbarkeit, ans Leder wollen.
Mein-Parteibuch kommentiert das so: "Dietmar Bartsch mit der Klassenjustiz gegen die junge welt" http://www.mein-parteibuch.com/blog/2010/06/25/dietmar-bartsch-mit-der-klassenjustiz-gegen-die-junge-welt/ . So ist es. "IIloyalitaet, das ist vermutlich der schwerste Vorwurf, dem man einem Bundesgeschaeftsfuehrer machen kann", sagt Bartsch ueber Bartsch. (http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/dietmar-bartsch-allein-unter-linken/1664650.html ). So ist es, Herr Genosse Bartsch. Manchmal hat Illoyalitaet sogar Konsequenzen, wie bekannt: "Nach internen Querelen in der Linkspartei zieht Bundesgeschaeftsfuehrer Dietmar Bartsch jetzt Konsequenzen. Einige Landesvorstaende hatten Bartsch Illoyalitaet gegenueber Parteichef Lafontaine vorgeworfen und seinen Ruecktritt verlangt. Der Bundesgeschaeftsfuehrer der Linken gibt sein Amt ab." schrieb Die Welt am 15.Januar. Aber der Verlust einer Amtsfunktion bedeutet ja nicht, seine Funktion zu verlieren.
Bartsch nennt sich einen Linken. Das tut er mit Recht. Schliesslich gibt es die feine Unterscheidung zwischen links und link. Irgendwie faellt mir bei dem Wort link die SPD ein: linke Politik mit links ohne s. Und wenn ich an die SPD denke, faellt mir Bartsch wieder ein: linke Politik ohne s. SPD- und Bartsch-Politik: Das ist kompatibel.
- "Er hat keine Beruehrungsaengste, wenn es um die SPD geht ... Seit den 90er Jahren warb er fuer eine Oeffnung der Partei, kaempfte gegen den traditionellen Antiamerikanismus in der PDS und fuer internationale Friedenseinsaetze der gesamtdeutschen Bundeswehr. ... Bei SPD-Bundespolitikern, auch bei deren Vorsitzenden Sigmar Gabriel, ist Bartsch ... ein durchaus geschaetzter Gespraechspartner." (http://www.sueddeutsche.de/politik/linke-geschaeftsfuehrer-dietmar-bartsch-umstrittener-reformer-1.61140 )
Klaus Ernst meint aber: "Bevor Bartsch in die SPD geht, gewinnt Sigmar Gabriel einen Hundertmeterlauf." (http://www.abendblatt.de/plitik/article1345200/Dietmar-Bartsch-will-kein-Asyl-bei-der-SPD.html ) Vielleicht taeuscht sich Klaus Ernst ?
Nein, er hat recht. So einfach in die SPD eintreten wird Bartsch nicht, jedenfalls nicht ohne Not. Das waere suboptimal. Optimal waere, die Linkspartei in die SPD mitzunehmen. Das ist aber nicht so einfach. Das braucht Zeit. Dafuer muss man zuerst den Linken in der Linkspartei, den Linken mit s, das Wasser abgraben. In den Zusammenhang gehoert Bartschs Vorgehen gegen die junge welt - ein kleiner Spatenstich fuers grosse Abbauwerk. Andere graben auch - die Ministrablen in der Linkspartei, die "Rot-Rot"-Regierungsrealpolitiker, die Paus und Ramelows und Claus, die, die laengst angekommen sind, und denen es nur noch drum geht, die gesamte Partei - oder wenigstens moeglichst grosse Teile - nachzuziehen.
"Lechts und Rinks kann man nicht verwechsern - werch ein Illtum", hat Ernst Jandl geschrieben. Das auch. Dem ist hinzuzufuegen: Links und link kann man nicht verwechseln - welch ein Irrtum. Siehe Bartsch und SPD.