Berlin: Schwierigkeiten im Umgang mit den höheren Werten

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

In CDU und FDP regt sich Widerstand gegen die Kollektiv-Haftung der Euro-Staaten für die Staatsschulden der schwächsten Länder dieser Gruppe. Deutschland hat viele Jahrzehnte von der EU profitiert. Unter dem Rettungsschirm der "europäischen Einigung" konnte es seine Schwäche nach dem verlorenen Krieg überwinden und wieder zu einer imperialen Macht aufsteigen. Aber jetzt beginnt die EU - und ihr Kern, die Euro-Staaten - ernsthaft zu kosten. Der deutsche "Wettbewerbsvorteil" der im Vergleich zu den anderen Mächten zinsgünstigen Refinanzierung der Staatsschuld droht z. B. verloren zu gehen, wenn - via Eurobonds, immer grössere "Rettungsschirme" oder welche Mittel auch immer - sich auch das deutsche "Rating" verschlechtert.

 

Zu den Bauchschmerzen über die die Kollektivhaftung für die schwächelnden Konkurrenten kommt ein Herzhüpfen, aber ein banges: Wenn man sie verweigern würde, könnten man eventuell nicht nur Kosten vermeiden, sondern sich sogar noch in ganz anderer Qualität zum Krisengewinner machen, als das bislang der Fall ist: Wenn Italien, Spanien und dann sogar Frankreich den Bach runtergehen und Deutschland (nebst ein paar Satelliten) vergleichsweise unbeschädigt bleibt, wäre Frankreich, der ewige Hauptkonkurrent um die Vorherrschaft in Westeuropa, endlich auf die Plätze verwiesen. - Bloss: Soll man sich das trauen ? Geht das ? Bleibt das dann folgende Chaos deutsch beherrschbar ?

 

Beate Landefeld erörtert in einem Text, den ich gestern gespiegelt habe, die allgemeinen Abwägungsnöte der europäischen Bourgeoisien: http://kritische-massen.over-blog.de/article-eu-die-europaischen-bourgeoisien-im-zwiespalt-82007098.html . Im Fall der Frage der Kollektivhaftung werden diese Nöte für Deutschland konkret. Die stärkere Fraktion der deutschen Monopolbourgeoisie setzt bisher auf "Europa". Aber die Bedenken werden grösser. - Das ist es, was die CDU- und FDP-Chargen, die derzeit mit einer Verweigerung der Zustimmung zum Merkel-Kurs drohen, umtreibt.

 

Es könnte ein Revirement anstehen. Die SPD steht als Merkel-Hilfstruppe bereit. Ein Ausscheiden der FDP aus der Regierung, eine CDU/CSU-Minderheitsregierung mit parlamentarischer Unterstützung der SPD ist möglich.

Werbung

Veröffentlicht in Deutschland

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post
A
<br /> <br /> Im Eventualfall würden die USA den Panik-Knopf drücken und die EU an der Sollbruchstelle Deutschland / Frankreich spalten. Frankreich, England, Südwest-Europa, die Niederlande und Skandinavien<br /> würden an die USA fallen. Deutschland, Südost- und Osteuropa an Russland.<br /> <br /> <br /> Das Problem der USA besteht darin, dass sie die EU eliminieren könnten, sich zugleich damit aber erheblich schwächen würden...<br /> <br /> <br /> <br />
Antworten
A
<br /> <br /> Ich glaube, die USA haben hier einen Konflikt? Sie wollen Nr. 1 bleiben im Westen und setzen den Keil an die bekannten Sollbruchstellen der EU an. Bei einem Bruch zwischen Deutschland und<br /> Frankreich wäre die EU am Ende. Dies jedoch würde Russland strategisch aufwerten, was die USA auch nicht wirklich wollen. An dem Punkt stecken sie in einer Zwickmühle...<br /> <br /> <br /> <br />
Antworten
S
<br /> <br /> Brzezinsky schreibt, der Hegemonialmachtstatus der USA ENTSCHEIDE SICH IN EUROPA ...<br /> <br /> <br /> <br />
A
<br /> <br /> Deutschland kann sich NIE eine Situation leisten oder auch nur wünschen, wo es dem großen westlichen Nachbarn Frankreich schlecht ginge! Im Gegenteil: Der Kern Europas um Deutschland herum muss<br /> wirtschaftlich und sozial so homogen wie nur möglich ausgestattet sein! Alles andere bedeutete – eher früher als später – Krieg! Ein europäischer Bürgerkrieg ist nicht mehr undenkbar...<br /> <br /> <br /> <br />
Antworten
S
<br /> <br /> Merkel und Kohl haben beide mehrmals gesagt, die europäische Einigung sei eine Frage von Krieg oder Frieden. Das bestätigt, was Du schreibst. Ich denke, das Zerbrechen des Bündnisses der<br /> deutschen und der französischen Monopolbourgeoisie will niemand von denen. Es wäre für beide Seiten das Ende der Hoffnung, etwas den USA Ebenbürtiges auf die Beine zu stellen. Und jede Macht für<br /> sich genommen kann kaum den dafür nötigen Hinterhof beherrschen und in die Welt ausgreifen; erst recht nicht, wenn das Verhältnis feindlich werden würde. Und trotzdem gibt es jetzt diese stärkere<br /> Orientierung Frankreichs (Ich bezweifele, dass das bloss ein Steckenpferd Sarkozys ist) mit UK und USA; umgekehrt die beharrliche selbstbewusste Distanz Deutschlands zum Überfall auf Libyen, die<br /> deutsche "Betonung" der Bedeutung der BRIC-Staaten (Das steht für eine von den USA unabhängigere und sogar gegen diese gerichtete Politik) ... eine ganze Reihe Anzeichen, dass die<br /> "deutsch-französische Achse" in einer Krise ist, obwohl es zu ihr vom Standpunkt der betreffenden Borugeoisien aus keine "vernünftige" Alternative gibt. Mir scheint, das "westliche Bündnis"<br /> treibt gerenerell auseinander, und in diesem Prozess gibtes gleichzeitig Umgruppierungen in den Allianzen. Mal sehen ...<br /> <br /> <br /> <br />