Bundespraesident Koehler sagt die Wahrheit
"Meine Einschaetzung ist, dass insgesamt wir auf dem Wege sind doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Groesse mit dieser Aussnhandelsorientierung und damit auch Aussenhandelsabhaengigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall, auch militaerischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitaeten zu verhindern, die mit Sicherheit auf unsere Chancen zurueckschlagen, negativ durch Handel, Arbeitsplaetze und einkommen."
Soweit der oberste deutsche Verfassungsbrecher. (http://www.mein-parteibuch.com/blog/2010/05/23/koehler-klaert-status-der-bundeswehr/)
Es war ein weiter Weg. In den 1970er Jahren taten in Kambodscha deutsche Krankenschwestern Dienst, auf einem Nebenschauplatz des Vietnamkriegs, offiziell nicht vom deutschen Staat geschickt, sondern von deutschen Roten Kreuz. - Eine ganz harmlose, rein humanitaere Angelegenheit. So fing es an. Was ? Der Wiedereintritt Deutschlands in die Staatenkonkurrenz mit auch militaerischen Mitteln. Krankenschwestern als militaerisches Mittel ? - Genau das. Krankenschwestern als Tueroeffner, humanitaeres Geschwaetz als erste "Thematisierung" einer auf lange Sicht angelegten Kampagne, die Deutschland wieder zu einem kriegstuechtigen und kriegfuehrenden Staat machen sollte.
Die Kampagne hatte viele Zwischenetappen in vielen Laendern. In ihrem Fortschritt wurden den "humanitaeren" Einsaetzen ganz allmaehlich "militaerische Komponenten" angelagert. Zu den "NGOs" gesellten sich die Brunnenbauer vom THW - diese schon eine staatliche, paramilitaerische Organisation; deutsche Polizeikraefte; schliesslich Bundeswehreinheiten. Ganz allmaehlich wurden die Proportionen vom "Humanitaeren" zum Militaerischen hin verschoben. Die Zerstoerung des somalischen Staates unter Fuehrung der USA war ein bedeutender Schritt: Dort waren bereits Bundeswehrverbaende im Einsatz, in einem Krieg, aber noch nicht als Kampftruppen, sondern als Versorger verbuendeter Truppen.
Die Operation "Deutschland muss wieder Krieg fuehren" laeuft seit mittlerweile vier Jahrzehnten. Inzwischen ist das Ziel erreicht. Deutschland ist wieder kriegsfaehig, und es fuehrt wieder Krieg. Deutschland ist auch in dieser Hinsicht wieder ein "normaler Staat". Die Lehren der beiden Weltkriege sind unter die Staatsraeson gepfluegt. Das Tabu "von Deutschland darf nie wieder Krieg ausgehen" ist gebrochen. Deutschland "ist wieder wer". - Wer ist Deutschland wieder ? - Eine "ganz normale", im Wortsinn stinknormale imperialistische Macht.
Das Misstrauen der uebrigen Staatenwelt nach den schlechten Erfahrungen mit Nazi-Deutschland und die in der deutschen Bevoelkerung tief eingegrabenen Furcht vor den Folgen einer kriegerischen Aussenpolitik, die in der ersten Haelfte des 20. Jahrhunderts zweimal so viel Zerstoerung, Not und Elend auch in Deutschland angerichtet hatten, waren zwei Faktoren, die die Kampagne zu einer langwierigen Angelegenheit machten.
- Das Misstrauen der konkurrierenden Staaten wurde mit einer zunaechst - und bis heute noch dominierenden - Unterordnung unter die Kriegszuege der USA unterlaufen - Deutschland als "loyaler", den allgemeinen Interessen des "Westens" verpflichteter, NATO-buendnistreuer Staat, "im Gegensatz" zu den deutschen Alleingaengen der ersten Haelfte des des 20. Jahrhunderts. In der juengsten Ausscheidung Koehlers kommt diese Relativierung schon nicht mehr vor. Es geht nur noch um die "deutschen" Interessen.
- Die Abneigung der Bevoelkerung wurde parallel dazu ganz allmaehlich aufgeweicht, hauptsachlich mit den "humanitaeren" Luegen. Es dauerte, bis ein Dumm-Dumm-Becker von den Plakatwaenden grinsen konnte mit der moralischen Aufruestungsparole "Du bist Deutschland" und bis sich deutsche Fussballfans die deutschen Farben ins Gesicht schmierten, ganz harmlos, "tun doch die Franzosen und Briten und Italiener auch". Ganz harmlos besetzte die Bundeswehr einen Teil Afghanistans - "tun doch die USA, die Tuerkei und Spanien auch". Warum sollten "wir" also nicht duerfen ?! Ja, muessen, weil es doch ums Humanitaere geht ?!
Eben dieses "Wir", das deutsche, ist inzwischen weitgehend durchgesetzt. Die humanitaeren Luegen sind noch wichtig fuer die moralische Befindlichkeit des deutschen Spiessers, aber es ist schon mehr Beiwerk als Hauptsache. Der oberste deutsche Spiesser kann sie schon weglassen. Er kann das Moralin-Maentelchen schon fallen lassen und sich schamlos nackt hinstellen: "deutsche Interessen". Das spart dem Kerl die Viagra-Tablette.
Die deutschen Rot-Kreuz-Schwestern haben ihren Dienst getan, sind aus der vordersten Linie in die Etappe versetzt, wo sie hingehoeren. Der "deutsche Buerger in Uniform" ist in den Landser mit Kriegszulage verwandelt und steht wieder da, wo er hingehoert - an der vordersten Front.
Die Kampagne ist weit genug gediehen, dass ein deutscher Praesident offen aussprechen kann, worum es eigentlich geht: um die militaerische Sicherung und Durchsetzung deutscher Wirtschaftsinteressen - der Interessen der deutschen Banken und Konzerne. Um Kriegsfuehrung als Ultima Ratio deutscher Aussenpolitik.
- Wir sind wieder wer. Wir sind wieder so weit.
Wollt ihr den totalen Krieg ? - Aber nein, bloss hundsgewoehnliche Kriege, wie andere sie schliesslich auch fuehren.
Das ist der Stand der Dinge. Er ist vorlaeufig. Der "harmlose" Afghanistankrieg ist auch nur eine Zwischenstation, wie die deutschen Krankenschwestern in Kambodscha.
"Du bist Deutschland !" Ich auch, verdammt. Mir ist ziemlich mulmig dabei.