China: Terror in Anführungszeichen

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

In der chinesischen Provinz Xinjiang haben Terroristen ein Massaker veranstaltet - wahloses Morden unter Leuten, die sich gerade zufällig auf der Strasse befanden. Wenn in Nordamerika oder Westeuropa so etwas passiert, wird in den Massenmedien zutreffend von Terror geschrieben. Nicht so, wenn es in China passiert. Dann wird das Wort Terror in Anführunszeichen gesetzt: http://www.noows.de/terroranschlag-in-kashgar-fordert-19-tote-30431 . Und von allen Mistblättern und -TV-Kanälen wird relativiert, Verständnis für die Täter nahegelegt. Bestenfalls sind "beide Seiten" schuld. Die Regierung unterdrückt, und die Terroristen wehren sich halt dagegen - indem sie Passanten mit Messern aufschlitzen. Aber dafür kann es ihnen ja dann auch passieren, dass sie von der Polizei erschossen werden - also "Gewalt auf beiden Seiten": http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/353199/353200.php .

 

Na, dachte ich, ich bin doch auch unzufrieden, und ich kenne nicht wenige Leute, die es ebenso sind.  Dann gehen wir eben Leute aufschlitzen. Meine Kumpel fanden die Idee auch gut. Wir bewaffneten uns mit Messern und Dolchen. Wir gingen in die Stadt, enterten einen LKW, dessen Fahrer gerade seine Leberkässemmel frühstückte, schlitzten ihn auf, warfen ihn aus dem LKW und fuhren los. Glücklicherweise gab es auf dem Stadtplatz gerade eine Menschenmenge, die so gross war, dass es sich lohnte. Wir fuhren mitten in die Menge, stürmten mit unseren Messern aus dem LKW und schlitzten alle auf, die wir erwischen konnten. Leider ist dann die Polizei gekommen, die selbst in Deutschland zu einer gewissen Gewalttätigkeit neigt, und hat uns erschossen.

 

Das ist aber nicht so schlimm, weil die Präsidentin des Uigurischen Volkskongresses mit Sitz hier bei uns in München den Leuten erklärt hat, dass man schon Verständnis für uns haben muss: "Man könne „den Uiguren, die solche Angriffe ausführen, keine Vorwürfe machen, weil sie durch die chinesische Politik zur Verzweiflung getrieben werden“, erklärte Kadeer in einer Email-Botschaft. Weil die chinesische Regierung ein „Umfeld der Hoffnungslosigkeit“ geschaffen habe, müsse sie die Verantwortung für die Tragödie vom Wochenende tragen." (Quelle: s. o.) Das mit den Uiguren und der chinesischen Politik ist natürlich Tarnung. Gemeint sind die deutschen Arbeitslosen und Hartz IV-Bezieher und die von der deutschen Regierung unterdrückten Bayern im allgemeinen. 

 

Nachdem wir ja jetzt tot sind, kann ich die ganze Wahrheit sagen: Die Uigurenpräsidenten ist unsere geliebte Führerin. Es stimmt nicht so ganz, dass wir, meine Kumpels und ich, uns getroffen haben und einfach losgezogen sind, zwecks Menschen aufschlitzen. Sie, unsere geliebte Führerin, hat uns vorher eine Reise nach Pakistan bezahlt. Dort hat man uns in einem Lager beigebracht, wie man Menschen fachgerecht aufschlitzt. Unsere Ausbilder haben alle Englisch gesprochen, mit USamerikanischem Akzent. Sie waren echt klasse Spitzenfachleute und haben uns die Sachen gut beigebracht. Das mit dem Akzent hat uns auch nicht gewundert. Unsere geliebte Führerin hat nämlich auch ein Büro in Washington D.C. .(Dazu ein Eintrag in diesem Blog aus 2009: http://kritische-massen.over-blog.de/article-33496934.html )

 

Jetzt, nachdem ich eh erschossen bin, könnte es mir ja eigentlich egal sein. Aber ich hoffe doch, Ihr habt ein wenig Verständnis für meine kumpel und mich ? Nehmt Euch einfach ein Beispiel an unseren geliebten demokratischen Medien.

 

verwandte Beiträge: http://kritische-massen.over-blog.de/article-33514984.html (2009) und http://kritische-massen.over-blog.de/article-33588565.html (2009)

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Veröffentlicht in China

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T
<br /> <br /> So gut ich den Beitrag finde, möchte ich ihn doch ergänzen, besonders nach dem anderen, dem "Mittelschichten"-Eintrag zu China.<br /> <br /> <br /> Die Verzweiflung der uigurischen Täter und deren soziale Grundlage ist doch wohl nicht ernsthaft zu verkennen und zu leugnen! Blöd ist nur, daß sich diese Leut ethnisch-religiös, uigurisch,<br /> kasachisch, usbekisch ausrasten lassen. Aber auch diese nationalistische Idiotie hat eine "harte" soziale Grundlage, wie ich 2009 einem anständigen Print-Artikel der Le Monde<br /> Diplomatique und anschließenden Kurzrecherchen entnahm. Vielleicht hast Du diese Sachen ja unter den Links, ich geb zu, ich hab sie nicht gelesen - Zeitdruck - und schreibs lieber gleich hier<br /> drunter.<br /> <br /> <br /> Schon damals hatte die infrastrukturelle Aufrüstung der Provinz und die dazugehörige Umsiedlungspolitik einen "pace" und eine Gestalt, die vom Standpunkt iwie harmonischer und gedeihlicher <br /> Sozialentwicklung absolut wahnwitzig war. Hauptakteur war und ist vermutlich noch die Armee mit ihrem weltweit einmaligen zivilen Sektor, der in vieler Hinsicht als ein eigenes Staatswesen<br /> anzusehen ist. Weder die ökonomischen Motive dieser zivilen Aufrüstung noch die Motive und harten Zwänge der Umsiedlung von Han-Chinesen aus Teilen der Nation, in denen sie wg.<br /> Bevölkerungswachstum, Krise, Schranke des Exports, Rationalisierung überschüssig werden, haben sich seither geändert, im Gegenteil. Freilich sind auch die Gründe, denen diese Motive und die<br /> Rücksichtslosigkeit ihrer Verfolgung zugrunde liegen, nicht bloß "hausgemacht", aber wenn man die ideologisch nicht gelten läßt, müssen sie halt als hausgemacht erscheinen und dann auch in den<br /> genannten blöden Perspektiven.<br /> <br /> <br /> Und die Sache mit den "Mittelschichten" ist reine Propaganda. Auch die Chinesen setzen keine Naturgesetze außer Kraft, und folglich nicht die Gesetze der Wertproduktion, die zwar keine<br /> Naturgesetze sind, aber deren Form annehmen. Wenn Du freilich die Weise, wie ein Proletarierleben im Deutschland der 50ger und 60ger Jahre in ein Leben im Dienste der Plusmacherei verwandelt<br /> wurde, mit Krediten für "Eigenheime" in der Reihenhauskolonne, Volkswagen, Fernsehen, Kühlschrank, Waschmaschine, Schrankwand aus der DDR, Hundehütte aus Polen, und Aussteuer für's Töchterlein<br /> aus der CSSR für "mittelständisch" ausgeben wolltest - ja; dann wäre vieleicht iwie von mittelständisch zu reden.<br /> <br /> <br /> Gruß<br /> Tom<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Ich war selber nie in China, hab bloss darüber gelesen und von Leuten, die dort waren, erzählt bekommen. Was zur Zeit in Xinjiang und überhaupt im Westen Chinas passiert, stelle ich mir so vor,<br /> dass das einige Ähnlichkeit mit der Erschliessung des Westens in Nordamerika im 18./19. Jahrhundert hat. Natürlich voller Grausamkeiten, Aneinenanderkrachen unterschiedlicher Kulturen und Völker.<br /> Immerhin im Vergleich zu Amerika um einiges gemildert. Die Uiguren und anderen Minderheitsvölker werden ja nicht ausgerottet, sondern haben gegenüber den Han-Chinesen sogar einige Privilegien.<br /> <br /> <br /> Die Armee-Unternehmen sind, denke ich, nur die Pioniere. Jetzt kommt grosses Kapital in grossem Stil, chinesisches und ausländisches. Gleichzeitig geht wohl, um eine europäiche Parellele zu<br /> ziehen, die "Charles-Dickens-Phase" in die "Gründerzeit-Phase" über. Das ist für die Proleten auch kein Zuckerschlecken. Aber das wird nicht lang dauern, wenn der Tiger, den die chinesische<br /> Regierung (Partei) reitet, den Reiter nicht abwirft und frisst. Zehn, zwanzig Jahre sind natürlich in einem Menschenleben trotzdem schrecklich lang.<br /> <br /> <br /> Die Mittelstandsgeschichte habe ich deswegen aufgegriffen, weil sie bei uns jedermann im Kopf hat und viele sich zugeörig fühlen. Ich verwende das Wort sonst, wenn, nur in<br /> Anführungszeichen, weil es kein Begriff sondern ein Unbegriff ist. Was damit in dem german.china-Beitrag gemeint ist, ist wohl tatsächlich ziemlich genau das, womit Du es vergleichst - nicht<br /> mehr, und nicht weniger. Die offizielle Perspektive ist: Bis Mitte des Jahrhunderts soll ein "Wohlstands"niveau wie heute in Spanien erreicht werden. Ich hab da zehn Jahre gelebt und weiss, was<br /> das bedeutet. Selbst dahin ist es aber noch weit. Wenn davon die Rede is, dass 2025 die gute Hälfte dieses "Mittelstandsniveaus erreicht hat, bedeutet das ja immerhin, dass die Hälfte es<br /> noch nicht erreicht hat.<br /> <br /> <br /> Im allgemeinen habe ich eine gewisse Hoffnung, dass der chinesische "Versuch" klappt. Andererseits ist klar, dass der Versuch, einen gesteuerten und in gewisser Weise gezähmten Kapitalismus über<br /> mehrere Jahrzehnte unter Kontrolle zu halten (ohne dass die "Kontrolleure" dabei selber vollständig korrumpiert werden) , vorsichtig gesagt, kühn ist. Für wie gefährlich die chinesischen<br /> Kommunisten, die das nicht nur dem Namen nach sind, das halten, kann man daran sehen, dass von den erwischten korrupten Staats- und Parteifunktionären jedes Jahr ein paartausend erschossen<br /> werden. Leute, die sich wissenschaftlich mit der chinesischen Entwicklung befassen und die parteiinternen Auseinandersetzung aus eigenem Augenschein ein wenig mitkriegen, erzählen mir von einer<br /> Renaissence der marxistischen Kräfte. - Ich hoffe, wie die auch, mit einer gehörigen Beimischung von Skepsis.<br /> <br /> <br /> Zu den Messerstechern noch: Der Fanatismus, der dazu gehört, entsteht nicht spontan. Klar kann einer durchdrehen und Amok laufen. Aber ganze Gruppen ? Und immer wieder mal, wellenartig ? - Das<br /> ist organisert. Diese Leute sind, scheint mir, nicht spontan durchgedreht sondern systamtisch fanatisiert worden, ähnlich wie die "Suiicid-Bomber" anderswo. Es ist etwas anderes, wenn eine<br /> Fabrikbelegschaft streikt, mit der Polizei aneinandergerät und es dabei Tote oder eine brenende Polizeistation gibt. (Bei SOLCHEN Auseinandersetzungen steht übrigens die Zentralregerung oft<br /> auf der Seite der Arbeiter GEGEN Lokal- und andere untergeordnete Behörden.)<br /> <br /> <br /> <br />
T
<br /> <br /> Diesen Eintrag würde ich gern spiegeln, statt nur zu verlinken. Bist Du einverstanden und magst mir nen Tip geben, wo steht, wie sowas geht? (google half mir nicht)<br /> <br /> <br /> Gruß<br /> <br /> <br /> Tom<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Spiegeln: Klar kannst Du, auch ohne Rückfrage.<br /> <br /> <br /> Einfach rechte Mousetaste klicken (und geklickt halten) und damit den ganzen Text überziehen. (Der erscheint dann farbig markiert.) Mousetaste loslassen. Strg und c gleichzeitig drücken.<br /> Dann auf Dein Blog gehen, Cursor auf den für den Spiegeltext vorgesehenen Paltz. Strg und v gleichzeitig drücken. Dann erscheint der gespiegelte Text.<br /> <br /> <br /> <br />