Das DDR-Kabinett Bochum
Die DDR ist nicht nur als Staat ausgelöscht worden. Ausgelöscht soll auch jede positive Erinnerung an sie werden. Trotz zwanzig Jahren Trommelfeuers seit der "Wende" gelingt das nicht, obwohl Hunderte von hauptamtlichen Staatsfunktionären und Schreiberlingen damit beschäftigt sind, ihre Geschichte und Lebenswirklichkeit mit Bergen von Hetze und Lüge zu entstellen. Die DDR wird aus der deutschen Geschichte nicht ausgelöscht werden können. Man wird sich noch an sie erinnern, wenn die Kläffer von heute längst vergessen sind. Sie hatte viele Mängel. Aber das Beste an ihr wird weiterwirken. Es bleibt: Sozialismus geht. "Lieber das halbe Deutschland ganz als das ganze halb" soll Konrad Adenauer gesagt haben. Das nächste Mal steht die Frage anders: Das ganze Deutschland - sozialistisch.
Vorläufig bleibt die Pflege des Vermächtnisses des untergegangenen ersten deutschen Arbeiter- und Bauernstaates Menschen überlassen, die sich nicht haben wenden lassen. Ein Beispiel dafür ist Andreas Maluga. Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass in Bochum ein kleines DDR-Museum entstanden ist - das "DDR-Kabinett".
Was ihn antreibt lässt sich aus dem sehr persönlichen Text erschliessen, den ich hier gespiegelt habe.
Hohen Respekt habe ich vor jedem DDR Bürger, der offen und ehrlich mit seiner Lebensgeschichte umgeht und nach wie vor zu unseren gemeinsamen Sache steht. Gerade wir Jüngeren können und müssen von den Älteren lernen. Gutes bewahren und aus Fehlern die notwendigen Schlüsse für die Zukunft ziehen. Denn es gibt für mich keine Alternative zu einer sozialistischen Gesellschaftsordnung!
GO a.D. Klaus-Dieter Baumgarten hat Recht wenn er in seiner Biographie schreibt:
„Die Geschichte wird die gegenwärtigen Verzerrungen und Verleum-dungen richtig stellen“
Einer der wichtigsten Momente in meinem Leben war die bewusste Entscheidung Mitglied der kommunistischen Partei zu werden, die ich seit Ende der 70er Jahre, als Sympathisant begleitet habe. In Buchenwald, an der Stelle wo Ernst Thälmann von den Faschisten feige ermordet wurde, trat ich im Rahmen einer Delegation 1984 der DKP bei. Eine sehr bewusste Entscheidung die bis heute Bestand hat.
Der Schwerpunkt meiner politischen Arbeit war immer die Bündnis- u. Friedenspolitik. So durfte ich im Parteiauftrag Mitte der 80er Jahren die großen Ostermärsche mit über 100.000 Teilnehmern im Ruhrgebiet organisieren.
Dabei erinnere ich mich gerne an viele Künstler aus der DDR die ich mit Unterstützung des Kulturbüros der SED einladen konnte. Viele Besuchs- und Delegationsreisen in die Bezirke Halle und Leipzig folgten darauf.
Von 1987-1989 war ich hauptamtlicher Mitarbeiter beim DKP Bezirk Ruhr-Westfalen im Referat für Bündnispolitik und in der Geschichtskommission.
Bei dieser Gelegenheit schöne Grüße an den Verfassungsschutz. Ob ich wohl auch einmal Einsicht in meine Akte bekomme?
Die Ereignisse des Herbstes `89 , ich persönlich nenne es Konterrevolution, hat mich sehr getroffen. Daher will ich nicht verschweigen, das ich einige Zeit brauchte um diese vermeintliche Niederlage des Sozialismus persönlich zu verarbeiten. Jahrelang wurde man bei jedem DKP-Infostand als „DDR-Agent“ (die Aufzählung anderer Beleidigungen erspare ich mir) beschimpft und nun war der Triumph scheinbar perfekt geworden! Und als am Tag des Anschlusses der DDR an die BRD meine Nachbarn die Sektkorken knallen ließen (heute schimpfen sie über die „Ossis“ und wünschen sich die „Mauer“ wieder her) saß ich ziemlich allein und schämte mich meiner Tränen nicht.
Obwohl ich ja nie im ersten sozialistischen deutschen Staat leben durfte, war er für mich ein Stück Heimat ! Und in meinen Augen das Beste, was die Arbeiterbewegung jemals in Deutschland geschaffen hat.
Wir im Westen sollten auch nicht vergessen, das vieles an sozialen Fortschritten und positiven Entwicklungen für die Arbeiter und Angestellten durch die westdeutschen Gewerkschaften nur erstritten werden konnten, dank der Existenz der DDR. Der soziale Kahlschlag und das Zurückdrängen von ArbeitnehmerInnenrechte setzte doch sofort nach dem Anschluß der DDR an die Bundesrepublik ein.
Als ich dann im Sommer 1990 meine Fahrt nach Nordhausen in Thüringen begann, konnte ich noch nicht ahnen, das sie fast zwei Jahre dauerte. Sehr hautnah und nicht weniger emotional wurde ich Zeuge, wie an vielen Orten der DDR in diesen „Wendezeiten“ Geschichte und Lebensbiographien entsorgt wurden. Uniformen landeten auf dem Müll, Alltagsgegenstände hatten scheinbar ihren Zweck erfüllt, Unzählige Literatur, Zeitschriften und Zeitungen landeten in den Papiersammelstellen. Fahnen, Auszeichnungen und Ehrengeschenke wurde an Touristen verschleudert und manch’ ein „hoch dekorierter“ DDR Bürger wechselte schneller seine „Überzeugung“ als ein Chamäleon die Farbe. Aber auch sehr viele standhafte Genossinnen und Genossen habe ich getroffen, die mit viel Rückgrat und unter persönlichen Opfern sich dem „Zeitgeist“ entgegenstellten. Ebenso sind mir viele menschliche Schicksale, gerade im Bereich der Angehörigen der bewaffneten Organe, begegnet. Viele meiner Freundinnen und Freunde aus diesen Tagen leiden bis heute an den Folgen der verordneten, einseitigen und in vielen Teilen falschen Geschichtsaufarbeitung und der bundesdeutschen Strafjustiz. In den meisten Fällen unter Bruch des sogenannten „Einigungsvertrages“.
Seit diesen Tagen versuche ich nun jedes mir erhältliche Belegstück aus der DDR zu bewahren. Und als ich nach Bochum zurückkehrte war der Grundstock einer umfangreichen Sammlung aus allen Bereichen der DDR gelegt. Im Laufe der Zeit entstand dann die Idee das ganze auf für Interessierte zugänglich zu machen. Als Beitrag, gerade hier im Westen, ein ehrliches Bild von der Geschichte und dem Leben in der DDR zu zeigen und gegen die pausenlosen Trommelfeuer der Lügen und Verdrehungen anzugehen. Keine leichte Aufgabe!
Das Ergebnis dieser Arbeit ist nun das DDR-Kabinett-Bochum, das zum 1. März 2010 eröffnet wurde. Über 6.000 Exponate können zur Zeit in unserer Ausstellung betrachtet werden. Es ist erst der Anfang und wir suchen, als Förderverein DDR-Kabinett-Bochum e.V., weiter nach größeren Räumlichkeiten in Bochum und Umgebung. Ich persönlich hoffe, das es uns bald gelingt. Dazu bedarf es aber weiterer Mitstreiter und zahlreicher neuer Fördermitglieder.
In Zukunft soll die Ausstellung auch verstärkt durch inhaltliche Veranstaltungen. Lesungen und Kulturabende begleitet werden. Darüber werde ich auch an dieser Stelle aktuell einladen und informieren.
Ich hoffe wir sehen uns bald im DDR-Kabinett-Bochum !
Andreas Maluga
