Der Kurswechsel, den wir brauchen

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Macht braucht Gegenmacht!
Was tun gegen Sozialabbau, Kürzungspaket, Rente erst ab 67..?
 
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„Gerecht geht anders“ (DGB), „Kurswechsel für ein gutes Leben“ (IG Metall) – unter die-sen Losungen demonstrieren und protestie-ren in diesen Wochen die gewerkschaftlich organisierten Kolleginnen und Kollegen. Die Herrschenden, die Kapitalisten und ihre Diensthabenden in der Regierung und in den Manageretagen, brauchen keinen Kurswechsel für ein gutes Leben, denn sie haben schon eins, auf unsere Kosten. Wir, unsere Gewerkschaften brauchen einen Kurswechsel! Unterschriftensammlungen und selbst Großdemonstrationen beeindru-cken Regierung und Kapital nicht, das ist unser aller Erfahrung.

Ein guter Vorschlag des ver.di -Vorsitzenden

Frank Bsirske, der Vorsitzende von ver.di, verschickte am 6. Juli 2010 einen Rund-brief, in dem er einen bemerkenswerten Vorschlag machte: „Angestrebt wird, dass in diesen Wochen
  • möglichst viele Betriebs- und Personalversammlungen stattfinden. Gut wäre auch, wenn
  • vor Ort – in den verschiedenen Organisationsbereichen der DGB-Gewerkschaften –
  • möglichst viele Personalversammlungen am selben Tag und zur selben Zeit stattfinden würden, und – wo möglich –
  • Versammlungen zu einem verabredeten Zeitpunkt an einem gemeinsamen Treffpunkt ihren Abschluss finden würden, um so gemeinsam ein Zeichen zu setzen.“
Eine solche Aktion – an einem Ort, in einem Bundesland, in der ganzen BRD - wäre noch kein politi-scher Streik, kein Generalstreik. Eine solche Aktion wäre aber ein wichtiger Schritt vorwärts – weg vom „Häuserkampf“ im einzelnen Betrieb, hin zur gemeinsamen Gegenwehr aller Arbeiter und Angestellten.

Was können wir lernen von Banken und Konzernen?

Die Herren der Banken und Konzerne beschränken ihren Einfluss auf die Politik nicht auf ein Kreuzchen am Wahltag und eine gelegentliche Demonstration. Ihre wirtschaftliche Macht über uns setzen sie täglich als politische Macht ein, über die Medien, über ihre Verbände, ihre Lobbyisten, über Parteispenden und Pöstchenvergabe, über offene Erpressung mit der „Vernichtung von Arbeitsplätzen“… Das geht bis dahin, dass die Bundeswehr in alle Welt marschiert – für sie, die wirtschaftlich Mächtigen, wie es der vorige Bundespräsident Köhler versehentlich wahrheits-gemäß ausplauderte.

Und das können wir davon lernen:
Macht braucht Gegenmacht! (hieß es früher mal in der IG Metall)


Keine Fabrik würde laufen, keine Bahn, kein Lkw und kein Bus fahren, keine Ware über den Ladentisch gehen und keine Finanzoperation vollzogen, wenn nicht die die Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben all diese Arbeiten ausführen würden.
In Frankreich, Griechenland, Italien, Portugal, Spanien und anderen Nachbarländern zeigt sich das im-mer wieder, wenn die Arbeitenden gegen die gleichen Angriffe auf Renten und andere Sozialleistungen protestieren wie wir – aber nicht am Wochenende, sondern in der Arbeitszeit, in machtvollen Generalstreiks.

Politischer Streik – ein Tabu?

In der BRD haben reaktionäre Arbeitsrichter, von denen viele schon in der Nazizeit tätig waren, in den fünfziger Jahren den politischen Streik für „rechtswidrig“ erklärt. Seitdem gilt dieser als Tabu – auch für viele unserer Gewerkschaftsführer. Und das, obwohl Deutschland wegen dieses Verbots des politischen Streiks von der Europäischen Kommission gerügt wurde. Das hat Gründe:
Das Verbot des politischen Streiks verschafft den Kapitalisten hierzulande einen Wettbewerbsvorteil. Ebenso unsere niedrigen Löhne, weshalb Frankreich bereits von der Bundesregierung gefordert hat, bei uns die Inlandsnachfrage anzukurbeln. Merkel fordert zurück: Lohnverzicht, Sozialabbau auch in Frank-reich und allen Ländern der EU. Daraus folgt: Unser Stillhalten ist unverzeihlicher Streikbruch gegen-über den streikenden Kollegen in den anderen Ländern!
Deshalb: Bsirske-Vorschlag durchführen! Das ist an manchen Orten schon losgegangen:
  • In Braunschweig bildeten am 8. September die Beschäftigten von Volkswagen am Ende ihrer Betriebsversammlung einen Demonstrationszug in die Innenstadt. Dort trafen sie sich mit Delega-tionen von anderen Betrieben zum gemeinsamen Protest – insgesamt 2.500 Menschen.
  • In Salzgitter-Peine beteiligten sich am 29. September mehr als 6500 Menschen an einer Groß-kundgebung der IG Metall während der Arbeitszeit. Die Arbeit ruhte in vielen Großbetrieben vier Stunden lang, unter anderem bei Volkswagen und im Stahlwerk.
  • In weiteren Orten sind ähnliche Aktionen geplant.
Das ist der Kurswechsel, den wir brauchen – an jedem Ort, in jedem Betrieb, in den Gewerk schaften, jetzt und nach den Aktionswochen, denen schnellstens weitere und bessere folgen müssen!

Wenn wir uns zusammenschließen und unsere Macht gebrauchen, dann werden rassistische Schreihälse wie Sarrazin, Seehofer, Gauweiler …, die schwer arbeitende Kolleginnen und Kollegen genau so ek-lig und furchterregend finden wie Hartz4-Empfänger oder sog. „Moslems“, endlich einen Dämpfer kriegen. Dann werden auch Erwerbslosengruppen, Sozialbündnisse, Demokraten, Antifaschisten Hoffnung schöpfen können. Dann haben wir überhaupt erst eine Grundlage, für ein „gutes Leben“ für uns kämpfen zu können.

Alle Räder stehen still, wenn Dein starker Arm es will!


Gruppe Kommunistische Arbeiterzeitung - AG "Stellung des Arbeiters in der Gesellschaft heute"


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Quelle: https://www.secarts.org/?site=journal&

 

 

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Veröffentlicht in Deutschland

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A
<br /> <br /> Kleiner als die FAU - trotzdem nicht weniger engagiert - und nicht so "dogmatisch":<br /> <br /> <br /> IWW = Wobblies<br /> <br /> <br /> http://www.wobblies.de/<br /> <br /> <br /> http://de.wikipedia.org/wiki/Wobblies<br /> <br /> <br /> <br />
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A
<br /> <br /> Danke für deine Erklärung!<br /> <br /> <br /> Ich selbst komme aus einem Berufssparte, in der Gewerkschaften keine Rolle spielen - und ich war/bin kein Gewerkschaftsmitglied. Allerdings sehe ich, mich auf deine Ausführungen stützend, wenig<br /> Hoffnung auf eine Änderung zum Guten - leider!<br /> <br /> <br /> FAU und IWW haben natürlich nur wenige Mitglieder, aber ich betrachte ihren Kampf als ehrlich, engagiert und gerecht.<br /> <br /> <br /> Letztendlich werden "DGB" und alternative Gewerkschaften nichts ausrichten - sollte sich das Bewußtsein der Menschen nicht ändern.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Deinen letzten Satz unterschreibe ich. Ich wollte, die FAU-Aktivisten (IWW kenn ich nicht) würden ihre Energie in die DGB-Gewerkschaften stecken, eben wenn sie ehrlich und engagiert sind.<br /> <br /> <br /> <br />
A
<br /> <br /> Der Vergleich mit dem ADAC ist gut ;-)<br /> <br /> <br /> Aber was wäre, wenn die Belegschaften tatsächlich eines Tages "aufmucken" sollten - wie würde die Führungsetage reagieren? Irgendwie habe ich den Verdacht man würde versuchen die Mitglieder zu<br /> disziplinieren...<br /> <br /> <br /> Aus meiner Sympathie für "alternative Gewerkschaften" mache ich allerdings kein Hehl.<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Wie ich es sehe, gibt es in den Gewerkschaften - unter den Mitgliedern und im Funktionärskörper - , grob gesprochen, drei Hauptströmungen:<br /> <br /> <br /> 1. diejenigen, die meinen, man sässe "im nationalen Standort" mit den Unternehmern in einem Boot.<br /> <br /> <br /> 2. Diejnigen, die schon sehen, dass es Interessensgegensätze mit den Unternehmern gibt und dass es daher notwendig ist, diese auch auszutragen.<br /> <br /> <br /> 3. Eine kleine Strömung, die Letzteres auch sieht und daraus den Schluss zieht, dass man die Unternehmer enteignen und die Wirtschaft selber in die Hand nehmen muss.<br /> <br /> <br /> Aus 1. folgt "Co-Management" und "Burgfrieden"; aus 2. vielfach die Vorstellung des "gerechten Teilens" (z.B. von Produktivitätsfortschritten), "aktive Lohnpolitik", "zurück zum Sozialstaat",<br /> "Reformen"; aus 3. das schon Gesagte.<br /> <br /> <br /> Der Punkt scheint mir aber weniger zu sein, was die Kolleginnen und Kollegen im Kopf haben, sondern mehr der, ob sie sich einmischen oder die Schnauze halten (oder bloss in der Frühstückspause<br /> auf "die Gewerkschaft" schimpfen). Wer sich einmischt, Sachen liest, in gewerkschaftlichen Gremien arbeitet etc. kriegt  schon mit, wie weit die Interessen zwischen Kapital und Arbeit<br /> auseinander laufen. Er hat die Möglichkeit, aus der praktischen Erfahrung zu lernen. In der Hinsicht gibt es zwischen denen unter 2. und 3. Übereinstimmungen und Überschneidungen, und die unter<br /> "3." Genannten müssen halt helfen, dass die mehr "reformistisch" gesinnten Kollegen politisch weiterkommen.<br /> <br /> <br /> Das ist natürlich ein Kampf auch innerhalb der Gewerkschaften, und die "Co-Manager" disziplinieren, täuschen und tricksen, wie sie können. Der Kampf geht auch darum, den Einfluss der "Co-Manager"<br /> zurückzudrängen und um bessere Führungen.<br /> <br /> <br /> Den anderen Weg - "alternative Gewerkschaften" - sehe ich nicht. Die FAU hat ein paarhundert Mitglieder. Da ist selbst die bisher noch schwache organisierte Gewerkschaftslinke um<br /> Grössenordnungen stärker. Mir scheint, dass in den Gewerkschaften zuarbeiten und sich dabei als Gewerkschaftslinke zu organiseren viel erfolgversprechender ist.<br /> <br /> <br /> <br />
A
<br /> <br /> Der Herr Bsirske - wenns nicht so traurig wäre, könnte man drüber lachen...<br /> <br /> <br /> Ein hoher Funktionär einer "Gewerkschaft", die des öfteren durch vorauseilenden Gehorsam auffällt, gefällt sich in quasi fast schon "revolutionärer" Rhetorik! <br /> <br /> <br /> Wie lange es wohl dauert, bis er "zurückgepfiffen" wird!? Oder pfeift er sich gar selbst zurück, bevor die klassische Drohung von der "Arbeitsplatzvernichtung" ausgesprochen wird? :-)<br /> <br /> <br /> Wir brauchen dringend eine richtige Gewerkschaft im Land!<br /> <br /> <br /> Mit einem "DGB" kommen wir auf jeden Fall nicht mehr weiter...<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> P.S. Schlecht sind die Vorschläge natürlich nicht - es wäre zumindest ein Anfang. Ergänzend verweise ich noch auf: http://stopbanque.blogsport.de/<br /> <br /> <br /> <br />
Antworten
S
<br /> <br /> Wenn die Leute, die es braucht, eine "richtige" Gewerkschaft zu betreiben, in den DGB-Gewerkschaften aktiv werden würden, bräuchte es keine neue Gewerkschaft, weil dann die "alten" mehr taugen<br /> würden. Woran es fehlt ist, dass zu wenige Kolleginnen und Kollegen sih selbst um ihre Interessen kümmern - mit den DGB-Gewerkschaften als Instrument. Zu viele halten die Gewerkschaften für eine<br /> Art ADAC. Und es sind oft die Belegschaften selbst, die sich auf faule Kompromisse einlassen.<br /> <br /> <br /> <br />