Ehemalige DDR-Bürger und Hartz IV

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Zu diesem Blogeintrag http://kritische-massen.over-blog.de/article-hartz-iv-praxis-ist-entrechtung-demutigung-unterdruckung-70549398.html kam ein Kommentar eines ehemaligen DDR-Bürgers, in dem es darm geht, was aus den blühenden Landschaften und Hoffnungen geworden ist oder als was sie sich erwiesen haben - als TV-Werbungs-Luftschlösser. Hier der Text:

 

... Gerade viele Ostdeutsche haben vor über 20 Jahren wieder besseren Wissen gehandelt. Haben ihre Errungenschaften auf dem Altar des Kapitals geopfert und sichere Arbeitsplätze gegen Bananen getauscht, anstatt den Sozialismus besser zu machen. Ich kann mich an Diskussionen erinnern, wo ich zu hören bekam, dass bald der Mercedesstern von den Türmen prangen wird, in der Hoffnung auf freien Zugang in die Tempel des Kapitals. Als ich damals auf die Risiken verwies, wurde abgewinkt, immerhin waren im Westen ja auch nur die Faulen arbeitslos und selbst waren die Menschen ja fleißig, was konnte da schon passieren? Das hatte ihnen vor der Wende sogar das Westfernsehen bescheinigt, später ändert sich die Ansicht, aber da spielte es nur noch eine untergeordnete Rolle. Und so drehten sich die Gedanken lange, viel zu lange, um die blühenden Landschaften, welche, um blühen zu können, erst einmal von den Spuren industriellen Seins befreit werden mussten. Dem Gang in die Tempel des Konsums wurde oft die Würde geopfert, eigene Erfolge selbst schlecht geredet und den Goldgräbern die goldene Schippe gereicht. Auch schien es anfänglich nicht zu stören, wenn die Arbeit verloren ging, fleißigen Menschen wird es schon nicht schlecht gehen und immerhin, die neue Freiheit hat eben ihren Preis!

 Als sich dann aber so nach und nach herausstellte, dass die verlorene Arbeit nicht wiederkam, andere schwerlich zu finden war, und wenn, nicht ohne erhebliche Verluste an Einkommen, und/oder Lebensqualität in Kauf zu nehmen, setzte langsam ein Bewusstseinswandel ein. Nun gibt es hier durchaus Menschen, welche seit über 20 Jahren ihren Fleiß in ABM, Umschulungen, Praktika und was es noch so alles gibt, ausleben können. Zwischen derlei Maßnahmen kann die neu gewonnene Freiheit dann voll ausgekostet werden, meistens reicht es aber nur dafür, sich vor die Glotze zu setzen, und vom neuen Wohlstand zu träumen. Schöne heile Welt! Oder?

So schön und heil ist die Welt aber nicht, wird immer öfter festgestellt, Dauerberieselung durch die Medien verliert an Wirkung und es wird sich erinnert, an eine Zeit, welche Geschichte ist. Das wiederum sollte natürlich nicht sein, den Gral der Freiheit gilt es hochzuhalten, die Bitternis zu schlucken und so ersinnen nicht nur die Medien, immer neue Möglichkeiten der Ablenkung.

Die Hartzgesetze setzten dem bis jetzt die Krone auf und mit der Zeit sind die Menschen in diesem Land zumindest in ihrem Elend gleich. Repressionen sollen aber nicht nur die Menschen in prekäre Beschäftigungsverhältnisse zwingen, sondern sie auch davon abhalten, sich mit den Ursachen ihrer eigentlichen Probleme zu beschäftigen. Wenn es Unregelässigkeiten gibt, sollen sie doch klagen und ist es nicht gar gewollt, dass so manches Gesetz unklar formuliert und in seiner Auslegung viele Möglichkeiten bietet? Gehört nicht auch dieses dazu, die Menschen ins Labyrinth bürgerlicher Gerichtsbarkeit zu lotsen, mit dem Ziel sich verlaufen zu lassen? 

Das die Menschen im Osten damals gehandelt haben, wie sie gehandelt haben, hat die verschiedensten Ursachen, wobei etliche davon hausgemacht waren. Ihr Verhalten, ihre Entscheidungen damals, ihnen heute noch zum Vorwurf zu machen, ist hingegen wenig konstruktiv. Es ist Geschichte, geändert werden kann diese nicht mehr. Was hingegen die Gegenwart betrifft, da gibt es einiges zu tun, gerade auch Strukturen zu schaffen, welche das Bewusstsein der verschiedensten Ungerechtigkeiten, in Taten gegen diese zu wandeln vermögen. Sich in dieser Hinsicht „nur“ zu mühen, Menschen über ihre Rechte aufzuklären und sie zu unterstützen diese wahrzunehmen, ist zwar wichtig, bedeutet letztlich aber die bestehenden Verhältnisse zu erhalten, in dem sich diesen angepasst wird. Viel wichtiger ist die Entwicklung der Fähigkeit zum praktischen Widerstand, entgegen der bestehenden Strukturen.   

Ja, Menschen sollen beschäftigt werden, wenn es nicht einmal genügend prekäre Beschäftigungsverhältnisse gibt, dann soll sich wenigstens mit sich selbst beschäftigt werden. Damit die Menschen dabei aber nicht auf „dumme“, dem System nicht genehme, Gedanken kommen, wird jeder Versuch unternommen, auch diese Selbstbeschäftigung zu steuern.

Wenn ich heute in der hiesigen Regionalzeitung lese, dass die „Leihmutter“ oder „Leyenmutter“ der Nation für ihre neusten Machenschaften mit dem Slogan: „mehr Dezentralität, höhere Flexibilität, größere Individualität, höhere Qualität, mehr Transparenz“ wirbt und das unter der Überschrift: „Leistungssteigerung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente“ steht, kann einen eigentlich nur schlecht werden, wenn dieses Kauderwelsch in Normalsprache übersetzt wird. Dabei sollen verschiedene Maßnahmen deutlich reduziert werden, und zwar gerade solche, welche „Problemgruppen“ zugedacht waren. Der Abbau von ABM wird nun sogar damit begründet, dass diese Maßnahmen „zum Teil sogar einer Vermittlung in reguläre Jobs entgegengewirkt“ hätten. Das ist doch was, als ob es diese Kritik nicht schon zur Einführung von ABM gegeben hätte! Betroffen von den Veränderungen sind vor allen arbeitslose Jugendliche und ältere Arbeitslose, wenn dass nicht nach Selektion für den Arbeitsmarkt riecht! Also gerade solche Arbeitskräfte, welche entweder noch nicht, oder nicht mehr flexibel genug für die Wirtschaft sind. Untermauert wird das ganze mit der Aussage: „Ziel der Reform sind nicht die Einsparungen, sondern mehr Flexibilität“!

Ja, so ist es mit den Maßnahmen, welche ergriffen werden, damit die Wirtschaft weiter wächst und die Gewinnausschüttungen von einem zum anderen Rekord geführt werden können. Die Betroffenen, welche immer mehr gezwungen werden prekär zu arbeiten, und auch jene, welchen nicht einmal mehr diese Tätigkeiten „gegönnt“ werden, machen es letztlich aber selbst mit möglich. Vereinzelt wird sich ins „unvermeidliche“ Schicksal gefügt und gelegentlich auch rein gedrängt.

Übrigens kommt mir in diesem Zusammenhang eine gute Idee, warum nicht Unternehmen, welche zum Beispiel Menschen prekär beschäftigen, einfach benennen? Ich habe solch eine Tätigkeit im Dezember und Januar ausgeübt, 3,-€ gab es die Stunde, wobei die geleisteten Stunden nicht einmal alle bezahlt wurden. Dabei arbeiten die meisten meiner Kollegen als Kraftfahrer auf derselben Basis, und leisteten unter Umständen noch wesentlich mehr Stunden. Im Internet präsentiert sich das Unternehmen von seiner besten Seite, den Preis haben die Mitarbeiter zu zahlen. 3,-€ als Auslieferungsfahrer ist nicht gerade berauschend und um auf 399,-€ im Monat zu kommen, müssen 133 bezahlte Stunden im Monat geleistet werden, oft auf Abruf, jederzeit verfügbar, einen Vertrag gibt es nicht. Die Arbeit ist durchaus anspruchs- und verantwortungsvoll, sowie körperlich schwer, wenn an die schweren Behältnisse für Essen gedacht wird, welche Einrichtungen (Kindergärten, Krippen, Schulen, Betriebe) erhalten. Wenn ein Fahrer am Fahrzeug dann noch eine Beule oder anderen Schaden verursacht, muss er für diesen gerade stehen und dann kann es schon mal passieren, dass die Arbeit des Monats umsonst war. Dass gerade in diesem Bereich die Fluktuation sehr hoch ist, versteht sich von selbst. Aus diesem Grund werden immer wieder neue Mitarbeiter eingearbeitet, wobei es auf einen Einsatz keinen Anspruch gibt. Flexibler kann eine Tätigkeit wohl kaum sein! Oder doch?

 

Gruß Th. Loch

 

( http://kucaf.de/2011/03/31/verscharfung-der-hartz-gesetze-reform-jagt-reform/ )

 

 

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S
<br /> <br /> Einen Kommentar, dessen Autor seltsamerweise das Pseudonym eines anderen Kommentators (kucaf) usurpiert hat, habe ich deswegen gelöscht. Sepp Aigner.<br /> <br /> <br /> <br />
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K
<br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Und gkb,<br /> <br /> <br /> was habe ich anderes zum Betrug geschrieben? Einen Satz aus dem Zusammenhang zu nehmen, ist leicht, aber ohne die gesamte Aussage zu nehmen …, nun ja!<br /> <br /> <br /> <br />
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K
<br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Hallo Sepp,<br /> <br /> <br /> nun will ich ja nicht rumunken, aber hier hat jemand meinen "Namen" missbraucht. Der Kommentar 5 ist definitiv nicht von mir. Da wird mit falschem Fahrschein gereist.<br /> <br /> <br /> Gruß<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Hat mich schon gewundert. Das war nicht Deine Schreibe. Ich hab den Text gelöscht.<br /> <br /> <br /> <br />
G
<br /> <br /> zur Diskussion weiter oben:<br /> <br /> <br /> Sepp: "...armen sind nämlich nicht systemrelevant" - ihre Armut ist sehr wohl systemrelevant, deswegen geht der Staat in der Krisenbewältigung auch wie ein Kampfhund auf sie los.<br /> <br /> <br /> kucaf: ~ "es ist sehr bedenklich, dass Menschen gezwungen werden zu betrügen" - das ist in einer Gesellschaft, in der es um Tausch geht, Grundlage des Erfolgs/Überlebens - ämlich Übervorteilung;<br /> nur bei den Erfolglosen macht man ein Verbrechen daraus;<br /> <br /> <br /> <br />
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G
<br /> <br /> von wg. Brauchbarkeit von "Geld nur noch als Tauschmittel": Wenn ein Umsturz sich nicht dagegen richtet, dass die Menschen hier vom Staat als Tauschgegner (vom Kindergarten an idealisiert zu<br /> "Tauschpartner") einander gegenüber gestellt werden, dann kommt nichts anderes heraus, als das, wovon kucaf mit seinem "alles Geld muss per Arbeit erwirtschaftet werden" heraus.<br /> <br /> <br /> Es wäre viel gewonnen, wenn sich die Ausgebeuteten hier einen Begriff davon machen würden (bzw. wenn man ihnen dabei helfen würde,dies zu tun), dass das kaufkräftige Geld, dass die Herren<br /> Kapitalisten hier als "leistungslose" Geldvermehrung/Zinsen einnehmen, tatsächlich eher auf Bäumen wächst (aus der Luft geschöpft wird), als dass es erarbeitet würde. Der staatliche Umgang mit<br /> der Finanzkrise ist doch genau der, dass die ganzen zu Schulden gewordenen Spekulationssummen von den Staaten eingelöst werden zu gültigen Ansprüchen gegen die Arbeitskraft ihrer Untertanen - und<br /> beileibe nicht das auf "realer" Produktion erwirtschaftete Geld in der Krise getrennt worden wäre vom "fiktiven".<br /> <br /> <br /> Alles Fressen, Wohnen, Atomespalten und Mitstromversorgen ist im Kapitalismus nur Abfallprodukt der Vermehrung von Geld, nicht umgekehrt.<br /> <br /> <br /> Ich bin kein Hellseher, und ob dass in "kritischer" Menge für den Kap. die Leute kapieren, weiß ich nicht. Aber genau die sachfremde Stellung zum Zins als dem realen Allgemeinwohl der kap.<br /> Gesellschaft, die kucaf nach meinem post hier aufgemacht hat, hatte ich im Auge, als ich auf den "guten Tausch" losgegangen bin.<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> gkb, Geld:<br /> <br /> <br /> Nur ein Aspekt: In der Krise (wie zur Zeit, aber in jeder) erweist sich ein Teil des Geldkapitals als fiktiv, d.h. als Reichtumsanspruch, der keine materielle Entsprechung hat. Anders: Es stellt<br /> sich heraus, dass Kredit, vorgeschossenes Kapital, sich nicht verwerten konnte. An der Stelle falliert der Kredit halt, ganz gewöhnlich. Die Summen, um die es dabei ging (geht), sind aber so<br /> gross, dass sie die Kreditenketten im Weltmassstab zerreissen würden, wenn die Staaten (Zentralbanken) das den gewöhnlichen Geschäftsgang, in dem Fall zur Pleite, gehen liessen. "Ausweg": Die<br /> Staaten "schöpfen" Geld und stellen es den "systemrelevanten" Kapitalen zur Verfügung. Damit wird aber das Problem bloss von denen auf den Staat als letztem Garanten überwälzt. An der Fiktivität<br /> ändert sich dabei nichts. Der nicht erzielte Profit wird ersetzt durch staatliche Steuereinnahmen in der Zukunft, letzten Endes hauptsächlich Lohnabzug via Steuern. Das geht im Prinzip. Aber<br /> wegen der Höhe der Summen geht es aktuell nicht. Schulden von 400 % des Jahres-BIP z.B. in Japan bedeuten ja über den daumen gepeilt 40 Jahre lang 10 % des BIP für die Tilgung der<br /> staatsgarantierten Kredite. Das wird nicht zu machen sein, vermute ich. Es geht wohl um eine "zeitliche Streckung", die den (vorübergehenden) Zusammenbruch des "Finanzsystems" halt so weit wie<br /> möglich hinausschiebt und "verstetigt". Nach den Tagen der Wahrheit geht die Schose dann von vorne los, jedenfalls wenn die Leute es sich gefallen lassen. Pqassiert ist dann nichts weiter, als<br /> dass via Krise, der Kreditüberbau gewaltsam wieder in Übereinstimmung mit dem sachlich vorhandenen Reichtum gebracht worden ist.<br /> <br /> <br /> <br />