Ein Hund ist er schon, der Ratzinger
Marktl am Inn ist ein kleiner Marktflecken, zerschnitten von der vielbefahrenen B 12 fast ein Strassendorf, das sich nach der Kirchenseite hin flussaufwärts ausbuchtet. Ich habe gelesen, dass dort jetzt das Geburtshaus Ratzingers zu einem Denkmal gemacht worden ist und allerlei Andenken verscherbelt werden, deren einziger Gebrauchswert symbolisch ist: aus dem Geburtsort des Papstes. Die kleinen Geschäftlein mit Postkarten und Heiligenfiguren laufen nebenbei. Die wichtigere Einkommensquelle ist die Chemie. Wenn man am innseitigen Ortsende Marktls die Brücke über den Fluss passiert, geht es Richtung Burghausen, und Burghausen ist Wacker-Chemie. Um die zehntausend Malocher verdienen dort ihren Lohn, mit Werksbussen herangekarrt aus fünfzig Kilometer Umgebung. Marktl liegt günstig. Bis zum Werk sind es bloss zehn Kilometer. Marktl - das ist nicht Weihrauch und Heiligenschein, sondern Silan und zig andere Erdölderivate.
Ratzinger, der alte Mann mit dem Spitznamen Benedikt, hat mit dem Leben der Marktler, der Chemie-Malocher nichts zu tun. Seine Welt ist eine andere. Er lebt in seinem Palast, in mittelalterlichem Fürstenprunk, der mit höchst modernen Bereicherungsmethoden unterhalten wird. Entgegen dem Anschein, den die pittoresken Rituale des Katholizismus vermitteln, ist die katholische Kirche ein Riesenkonzern, und Ratzinger ist sein Chef. Man ist investiert in der Mitleidsindustrie wie im Waffenbau, in Banken wie im Grossgrundbesitz, gar nicht anders als jeder andere hundsgewöhnlich-weltliche Konzern. Die Reichtumsquelle der Heiligen ist keine andere als die gewöhnlich-weltlicher Kapitalisten auch: die Arbeitskraft derer, die nichts anderes zum Leben haben, als eben diese zu verkaufen.
Die katholischen Kirchenfürsten geben sich gern leutselig. Das ist falsche Freundlichkeit von oben herab. Man ist nett oder streng mit den Untertanen, den Schäflein des Hirten in goldkrokatenen Gewändern, weil und so weit solche Zuwendung gewinnbringend ist. Die Imagewerbung gehört zu den Kosten des Geschäfts. Markenpflege lohnt sich. Neben dem Alleinstellungsmerkmal Halleluja-Singen ist die Bionadewerbung halbprofessionell.
Jetzt ist der Fürst also in Berlin. Die Reise kostet mehr als die Summen, die die katholische Kirche den Missbrauchsopfern ihrer Pfaffen gezahlt hat. Siebzehn Reden hält der Fürst in vier Tagen, macht allerlei heilige Gesten, macht den Philosophen, der Sinngebung verspricht wie ein USamerikanischer TV-Prediger, bespricht sich mit den anderen Mächtigen. Der Ratzingerbub aus Marktl ist im Apparat der katholischen Amtskirche aufgestiegen bis an die höchste Spitze, und mit jedem Karriereschritt hat er sich weiter von den kleinen Verhältnissen entfernt, aus denen er kommt.
Derweil malochen die Marktler bei Wacker-Chemie, Schicht für Schicht. Ich hab das fünf Jahre lang gemacht und weiss, wie es sich anfühlt. Beim Feierabendbier winkt der Joseph aus dem Bildschirm, gravitätisch. So weit kann einer es also bringen. Ein Bengel aus einem niederbayerischen Kaff wird glatt Papst. Ein Hund ist er schon, der Joseph. Schau, wie er grinst auf den hinteren Stockzähnen, immer ein wenig schiefmäulig, immer mit dieser Falschheit in den Augen. Ein Hund ist er schon, der Ratzinger, aber ein falscher. Ob der auch Wacker-Aktien hat ? .