Eine Kritik

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Zu meinen Artikel in der Arbeiterstimme, den ich in dieses Blog gestellt habe ( http://kritische-massen.over-blog.de/article-kommunisten-in-deutschland-2010-63777365.html ), hat Walter Listl, der Bezirksvorsitzende der DKP Südbayern, einen Leserbrief geschrieben, den er mir freundlicherweise zur Kenntnisnahme gemailt hat. Ich nehme zur Kenntnis. Da der Text als Leserbrief geschrieben wurde, ist offenbar Öffentlichkeit erwünscht. Da die nächste Ausgabe der ArSti erst im Frühjahr 2011 erscheint, stelle ich den Text hier schon mal ins Blog:

 

"Walter Listl

DKP Südbayern

Über den 19. Parteitag der DKP

In der Zeitschrift „Arbeiterstimme" Nr. 170 – Winter 2010/2011, schreibt Sepp Aigner „Über den 19. Parteitag der DKP".

Seine darin enthaltene Beschreibung zweier Strömungen innerhalb der DKP offenbaren eine sehr verengte Sicht auf die Kontroversen innerhalb der Partei.

Schade auch, dass der Leser/die Leserin nur wenig über die Inhalte der Auseinandersetzung innerhalb der DKP erfährt, dafür aber mehr über angebliche Mehrheitsverhältnisse auf dem Parteitag.

Aigner macht „zwei Strömungen" in der DKP aus: „...eine, die an den traditionellen kommunistischen Grundpositionen festhält und darauf besteht, dass die Partei auf marxistisch/leninistischer Grundlage Avantgarde werden muss...", die andere, eine angeblich „…um Leo Mayer gruppierte Neuererströmung...die der These vom kollektiven Imperialismus anhängt..." die die KP als eine Stimme unter vielen linken verstehe und die Nähe zu linkssozialistischen Organisationen wie der Partei Die Linke und die Europäische Linkspartei suche.

Offensichtlich soll das laute Zuschlagen von Schubladen, in die Meinungen einsortiert werden, die Dürftigkeit der politischen Inhaltsangabe des Parteitages in diesem Artikel übertönen.

Die Aufgabe, dass die DKP auf marxistisch/leninistischer Grundlage Avantgarde werden muss, ist zwar nicht Inhalt des Parteiprogramms der DKP, aber ein Ziel, das allen zugestanden sei, die sich zu Aigners „marxistisch-leninistischen Flügel" zählen mögen.

Aber was der Genosse Aigner über die andere „Strömung" schreibt, ist falsch und irreführend (und das nicht zum ersten mal).

Ich kenne niemanden in der DKP, der/die sich einer „Neuererströmung" zugehörig fühlen würde. Da ist Leo Mayer von einer Strömung umgeben die es, außer in der Vorstellung des Autors, gar nicht gibt.

Die These vom kollektiven Imperialismus wurde erstmals im Februar 2002 in der UZ diskutiert mit der Folge eines breiten Diskussionsprozesses in der DKP.

Diese These geht davon aus, dass es gemeinsame, kollektive Interessen der imperialistischen Hauptländer gibt, die diese auch gemeinsam und wo nötig militärisch verfolgen. Gleichzeitig existieren Interessenskonflikte und Konkurrenzen zwischen diesen, vergleichbar einer Räuberbande, die sich nach gemeinsamen Raubzügen um die Beute balgt.

Wann und unter welchen Umständen das gemeinsame, kollektive und wann das konkurrierende Moment überwiegt, das sind diskussionsnotwendige und nicht ein für alle mal beantwortbare Fragen und sie eignen sich kaum zur Charakterisierung von tatsächlichen oder vermeintlichen „Strömungen" innerhalb der DKP.

Besser als bei Sepp Aigner kann man das nachlesen in der von der Jungen Welt dokumentierten Debatte im Juli und August 2010 (u.a. in „Globalisierung des Kapitals" von Walter Listl und „Verstärkte Konkurrenz" von Beate Landefeld).

Recht kurios erscheint mir die Vorhaltung, die sog. Neuererströmung sehe die „KP als eine unter vielen linken Stimmen".

Dies zu bestreiten hieße ja, dass es außer der Stimme der DKP keine weitere linke gäbe. Die DKP ist eine wichtige, eine unverzichtbare, eine marxistische, aber dennoch eben nur eine unter vielen linken Stimmen. Wo ist das Problem dieser Feststellung?

Auch geht die Vermutung, in der DKP „suche" jemand die Nähe zur Partei Die Linke oder zur Europäischen Linken am Problem vorbei.

Ein Blick ins Programm der DKP, in das der Partei Die Linke und in das der EL klärt dies empirisch. Da braucht man nichts suchen. Aber überlegt werden muss immer wieder, welche taktische und grundsätzliche Politik sich aus dieser Nähe ergibt, wo Zusammenarbeit nötig und sinnvoll ist.

Statt Stimmen zu zählen, noch dazu von Strömungen, deren Inhalt auch noch verfälscht widergegeben wird, ist ein Nachdenken z.B. darüber nötig, welchen Charakter diese Krise hat, was sich für eine Kommunistische Partei aus der Globalisierung des Kapitals und seiner neoliberalen Herrschaftsvariante ergibt.

Statt um die Mehrheitsverhältnisse der Strömungen in der DKP zu fabulieren geht es ums Nachdenken darüber, warum z.B. die gegenwärtige Krise nicht die Stunde der Linken ist.

Wie kann die DKP eine aktivere und organisierende Rolle im Kampf gegen die neoliberale Lösung der Krise spielen?

Wie können KommunistInnen der DKP eine zusammenführende und vorwärtstreibende Rolle in den Gewerkschaften und den gesellschaftlichen Bewegungen spielen?

Welchen Beitrag erbringen die KommunistInnen für ein alternatives gesellschaftliches Projekt der Linken und der gesellschaftlichen Bewegungen, das die Hoffnung auf Veränderung wieder herstellt und die arbeitende Klasse und alle fortschrittlichen Menschen mobilisiert?

Welchen Beitrag erbringen die KommunistInnen zum Aufbau einer gesellschaftlichen Gegenmacht und im Kampf um Hegemonie und die Emanzipation der Arbeiterklasse?

Wie kann perspektivisch der Weg zum Sozialismus geöffnet werden?

Darum geht der Streit in der DKP, der viel zu wichtig ist, als dass die unterschiedlichen Meinungen darüber in der DKP in den gut sichtbar etikettierten Schubladen selbsternannter Strömungsdeuter verschwinden dürfen."

 

 

 

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Veröffentlicht in Kommunisten

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A
<br /> <br /> Danke für den ausführlichen Kommentar!<br /> <br /> <br /> Ich denke nach....und das nicht erst seit gestern*<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> * bin auch schon 44 ;-)<br /> <br /> <br /> <br />
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A
<br /> <br /> ...und ich frage mich seit langem:  lohnt es sich in eine Patei einzutreten, die sich nicht einig ist?<br /> <br /> <br /> Ob es jetzt verschiedene Flügel oder Strömungen sind, sei mal dahingestellt.<br /> <br /> <br /> Lohnt nicht nur der Kampf in einer geschlossenen Partei? *<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> *ich war noch nie Mitglied einer Partei<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> "Geschlossenheit" ist immer relativ. Das ist m.E. auch gut so. Die "eherne Einheit und Geschlossenheit" von früher regierenden KPs ist ja wie ein Kartenahus zusammengestürzt, Ich glaube, auch<br /> deswegen, weil man "unangenehme Themen" nicht so diskutiuert hat, wie es nötig gewesen wäre, Es ist ja so, dass auch auf eine kommunistische Partei ständig Neues einwirkt und analytisch<br /> verarbeitet werden muss, darunter auch Sachen, die nicht so leicht einzuschätzen sind. Daher sind Irrtümer und gewisse Schwankungen zwangsläufig. Auch in sehr kämpferischen und selbstbewusten<br /> KPen wie der KKE z.B. wird heiss diskutiert, Oder nimm Lenins Aprilthesen, die die entscheidende Wende hin zur Oktoberrevolution waren: - es hat nicht so viel gefehlt, und sie wären in der<br /> russischen Partei von damals nicht durchgekommen.<br /> <br /> <br /> In der DKP ist es nach meiner Erfahrung so, dass die bestehenden Differenzen im "Parteialltag" nicht im Vordergrund stehen. Man kann schon miteinander arbeiten. Praktisches Beispiel: In der<br /> Gegend, in der ich organisiert bin, gibts das Atomkraftwerk Ohu, das Mitte 2011 stillgelegt werden sollte und es nun, nach der Laufzeitverlängerung, nicht wird. Gegenm diese Laufzeitverlängerung<br /> gibt es Bewegung. Die Stimmung ist so, dass sich sogar die Landshiter CSU genötigt sah, auf dem Papier die fristgerechte Stilllegung zu fordern.<br /> <br /> <br /> Wir beteiligen uns natürlich als DKP an dieser Bewegung, soweit unsere schwachen Kräfte das erlauben. Auch hier hat natürlich jeder, je nachdem, zu welcher Strömung er sich gehörig fühlt, Sachen<br /> "im Hinterkopf", die ein wenig unterschiedlich sind. Die einen setzen mehr auf "soziale Bewegungen", sehen die Anti-Ohu-Bewegung als Beispiel dafür, vernachlässigen vielleicht die Bestimmung des<br /> Klassencharakters dieser Bewegung; die anderen machen sich in der Sache weniger Hoffnung, sehen vielleicht genauer auf die soziale Zusammensetzung dieser Bewegung und ihre dementsprechenden<br /> politischen Grenzen. Aber alle sind dafür, dass daran teilgenommen wird.<br /> <br /> <br /> So ist es, denke ich, in vielen Fällen. Es geht schon noch miteinander, obwohl es an manchen Stellen ziemlich hakt.  Ich halte es für die nähere Zukunft der kommunistischen Bewegung in D<br /> (Bewegung ist allerdings ein zu "grosses" Wort) für äusserst wichtig, dass die DKP bestehen bleibt, stärker wird und sich möglichst viele, die sich als Kommunisten sehen, in dieser und keiner<br /> anderen Partei organisieren. Ein Zerfall der DKP wäre der Rückfall ins Zirkelwesen, und das ist eine ganze Qualität "weiter unten" als die parteimässige Organiisiertheit. Keine andere der<br /> bestehenden Organisationen könnte das auffangen.<br /> <br /> <br /> Wenn man den Blickwinkel weitermacht, sieht man, dass es Auseinandersetzungen wie die heuitigen in der DKP immer gegeben hat, in der Geschichte der KPD, der KPdSU oder wo immer man auch<br /> hinschaut. Da und dort endeten sie in organisatorischen Brüchen. So etwqas kann notwendig werden, ist aber immer zunächst ein Rückschritt. Soweit ist es in der DKP nicht, und ich hoffe, dass es<br /> auch nicht dazu kommen wird. Die Streitpunkte werden ja auch beständig mit der realen gesellschaftlichen Entwicklung konfrontiert, an der man sehen kann, ob sich bstimmte Positionen (Aussagen<br /> über die wirkliche Entwicklung) als richtig herausstellen oder nicht. Ich bin z.B. ein Gegner der These vom "kollektiven Imperialismus" und in der Hinsicht ganz zuversichtlich, dass die reale<br /> Entwicklung dieser These den Boden unter den Füssen wegzieht. - Geduld ist auch eine der "Tugenden", die man als Kommunist ziemlich dringend braucht.<br /> <br /> <br /> Wenn Du mit dem Gedanken einer Mitgliedschaft "spielst" - probiers halt einfach aus. Für einen eigenen Standpunkt ist , unabhängig davon, das Beste, soviel wie möglich zu lernen, geradezu zu<br /> studieren. Das ist anstrengend, aber nützlich und macht sogar "ein gutes Gefühl".<br /> <br /> <br /> <br />