Einkommensunterschiede in China

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

 

Die Financial Times Deutschland und die Sueddeutsche hegen grosse Sympathie fuer die Arbeiter - die chinesischen. Ueber eine Streikfuehrerin schreibt die Sueddeutsche:

 

"Li Xiaojuan ist eine mutige junge Frau. Sie hat sich nicht nur mit den Bossen ihrer Fabrik angelegt. Sie hat zudem alle Unternehmer in ihrem Land und zur Kroenung auch noch die chinesische Regierung herausgefordert."

 

- Der Rest des Artikels ist ein einziges Wohlwollen: Wut am Fliessband http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/506560 .

 

Solche Toene wuerde man gern mal von der Suedeutschen hoeren, wenn in Deutschland gestreikt wird. Aber bei uns gibt es wahrscheinlich keine mutigen jungen Frauen, die Streiks anfuehren. Da sind das eher verbohrte alte Gewerkschafter, die den Zug der Zeit nicht verstanden haben, nicht die gebuehrende Ruecksicht auf den "Standort Deutschland" nehmen und sich auch noch ins eigene Fleisch schneiden, weil die Sachzwaenge und der globalisierte Wettbewerb nun einmal keine Erhoehung der Loehne hergeben und eine solche bloss "Arbeitsplatzabbau" bewirkt. So verschieden geht es halt zu auf der Welt.

 

Die Financial Times graemt sich auf diese Weise ueber das harte Schicksal der Arbeiter, der chinesischen:

 

"In den 15 Jahren bis 2008 legte die Arbeitsproduktivitaet ... im Schnitt um 21 Prozet zu. Der Anstieg der Loehne blieb im selben Zeitraum jeweils um 8 Prozentpunkte zurueck."

 

- Volltext: Chinas Kollektiv schlaegt zurueck http://www.fdt.de/unternehmen/industrie/:agenda-chinas-kollektiv-schlaegt-zurueck/50133168.html

 

Unglaublich, wie es in China zugeht ! Da nimmt die Arbeitsproduktivitaet um 21 % zu und die Loehne steigen bloss um 13 % ?! So etwas koennte in Deutschland nie passieren. Bei uns ist die Regel, dass eine erhoehte Arbeitsproduktivitaet automatisch, ohne dass die Gewerkschaften auch nur einen Piep machen muessen, in voller Hoehe an die Beschaeftigten weitergegeben wird, von den Unternehmern selbst, sozialpartnerschaftlich halt. Nicht wahr ? Aber da hinten in China ...

 

Falls die Mainstream-Medien - die FTD und die Sueddeutsche sind ja nur Beispiele - ihre Arbeitersympathien nicht so ganz ehrlich meinen sollten, koennte es einen anderen Grund fuer sie geben: die Hoffnung, die rasante chinesische Entwicklung werde endlich von sozialen Unruhen gestoppt werden, in die Widersprueche der chinesischen Gesellschaft koennten Dissidentenkeile geschoben werden; auf die man dann draufhauen kann, um diese Widersprueche zu vergroessern und der Macht der Kommunistischen Partei "unabhaengige Kraefte" entgegenzustellen. Ein stagnierendes China, versehen mit den zugehoerigen westlichen Freiheiten: Was fuer ein schoener Traum !

 

Der FTD schwant aber schon, dass es damit vielleicht nichts wird:

 

"... immer oefter bewegen sich die Arbeitgeber und erhoehen die Loehne - nicht zuletzt auf Wunsch der Zentralregierung. Denn die Partei versucht, die von der Parteifuehrung beschworene "harmonische Gesellschaft" zu sichern."

 

Bloed. So verschieden geht es aber halt zu auf der Welt. In Deutschland koennte das zum Beispiel nicht passieren. Oder kann sich jemand vorstellen, dass eine Merkel-Westerwelle-Regierung die Unternehmer bedraengt, die Loehne zu erhoehen ? Oder eine SPD-Regierung ? - Absurde Idee. Es ist doch allgemein bekannt, dass wir alle den Guertel enger schnallen muessen. Alle ausser den Unternehmern natuerlich, denn die muessen schwer verdienen, wg. Verteidigung des Standorts Deutschland und der Sachzwaenge wegen. Aber die Chinesen haben ja nicht einmal richtige Sachzwaenge. Die haben Perspektivplaene, Fuenfjahresplaene und all so Zeug. Anstatt den Maerkten ihren bekanntlich fuer alle gedeihlichen Lauf zu lassen, mischen sich die Kommunisten andauernd in den freien Wettbewerb ein. Dabei hat doch Politik in der Wirtschaft gar nichts zu suchen, ausser es muessen Banken und Konzerne gerettet werden natuerlich. Von dieser klitzekleinen Ausnahme abgesehen - bei der HRE z. B. lumpigen 120 Millarden-Euro-Garantien - darf die Freiheit des Unternehmertums nicht eingeschraenkt werden.

 

Die Chinesen wollen es aber wieder einmal besser wissen. Wie ihre Suenden wider die Freiheit im einzelnen aussehen, kann hier nachgelesen werden:

 

http://www.kommunisten.eu/index.php?option=com_content&view=article&id=1284:einkommensunterschiede-in-der-vr-china&catid=44:internationales&Itemid=92

 

___

 

siehe auch

http://kritische-massen.overblog.de/article-china-weg-vom-billiglohnland-52056926.html

und

http://kritische-massen.over-blog.de/article-china-einige-details-zur-wirtschaftlichen-lage-52625101.html

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