EU-Lateinamerika-Gipfel in Madrid - Ergebnisse
Harald Neuber zieht in Telepolis eine Bilanz des Gipfels. Sein Fazit: "Waehrend auf den Gipfeltreffen in Wien und Lima noch eine gemeinsame Partnerschaft angestrebt wurde, kann daran spaetestens seit Madrid niemand mehr glauben."
http://www.heise/tp/r4/32/32689/1.html
Dazu passt eine Meldung der kubanischen Granma von heute. Darin wird der venezolanische Staatschef Chavez zitiert, der anlaesslich einer Beratung der bilateralen chinesisch-venezolanischen Arbeitsgruppen fuer gemeinsame Wirtschaftsprojekte die wachsende Rolle Chinas in Lateinamerika hervorhebt.
Die Basis der chinesischen Wirtschaftsaktivitaeten in Lateinamerika ist der je gegenseitige Vorteil. Das steht im Gegensatz zum "Ansatz" der EU-Staaten, die - aehnlich wie die USA - darauf aus sind, die lateinamerikanischen Maerkte mit Freihandelsvertraegen zu oeffnen und damit diese schwaecheren Wirtschaften einer Konkurrenz auszusetzen, in der sie unterliegen muessen. Letzten Endes fuehrt das kaum zu einer wirtchaftlichen Entwicklung der lateinamerikansichen Staaten, sondern dazu, dass diese von nordameriknaischen und westeuropaeischen Banken und Konzernen beherrscht und zu Rohstoffgebieten und "verlaengerten Werkbanken" gemacht, bzw. in diesem Status gehalten werden.
Die nicht auf gegenseitigen Vorteil sondern maximale Ausbeutung gerichtete Wirtschaftspolitik der reichen westlichen Staaten in Lateinamerika ist gegenueber der chinesischen kurzsichtig und auf Dauer nicht durchsetzbar, wie das Scheitern des US-Projekts ALCA zeigt. Mit diesem haette ganz Amerika zu einer einzigen Freihandelszone werden sollen, mit den entsprechenden Nachteilen fuer die schwaecheren Staaten, naemlich die lateinameriknaischen. Das "Reserve-Projekt" ist nun der Abschluss von Freihandelsabkommen mit einzelnen Staaten. Das geht nur mit US-hoerigen Regierungen wie der Kolumbiens oder Perus und direkt von den USA installierten Regimes wie in Honduras. Die Versuche der EU-Staaten, mit einer quasi etwas gemaessigeteren "ALCA-Politik" zu gemeisamen Vereinbarungen mit den lateinamerikansichen Staaten zu kommen (und damit nebenbei die USA auszuhebeln), fuehren auch nicht weit. Dafuer steht der eben zu Ende gegangene Gipfel von Madrid.
Dieser Beraubungspolitik erwaechst mit China eine ernsthafte und kapitalkraeftige Konkurrenz. China hat in den letzten zehn Jahren in Lateinamerika Fuss gefasst, und seine Rolle waechst von Jahr zu Jahr.