Geschichte der Leiharbeit in der BRD
Es fing ganz klein an. Das war 1973. Behutsam wurde die Schweinerei von den Regierungen - gleich welcher Couleur - ausgebaut bis zum heutigen Umfang. Hamburger Utsichten hat die Stationen aufgelistet:
Die Entwicklung der Leiharbeit
1973:
Erstes AÜG (Arbeitnehmerüberlassungsgesetz):
Entleiher kann die
Beschäftigung jederzeit beenden; kein
gleicher Lohn für gleiche Arbeit, kein
Mindestlohn; Überlassungsdauer auf 3
Monate begrenzt - es gibt etwa
25.000 Leiharbeiter
1985:
Überlassungsdauer auf 6 Monate verlängert
- es gibt etwa 50.000 Leiharbeiter
1994:
Überlassungsdauer auf 9 Monate verlängert
- es gibt etwa 150.000 Leiharbeiter
1997:
Überlassungsdauer auf 12 Monate
verlängert - es gibt etwa 200.000
Leiharbeiter
2002:
Überlassungsdauer auf 24 Monate
verlängert - es gibt etwa 300.000
Leiharbeiter
2003:
Völlige Abschaffung einer Obergrenze
für die Überlassungsdauer; Problem
für Rot/Grün: Europäische Richtlinie
verlangt gleiche Bezahlung für Leiharbeiter.
Regierung setzt das um,
schreibt aber Hintertür ins Gesetz:
niedrigere Bezahlung möglich, wenn
ein Tarifvertrag das zulässt. Die Verleihfirmen,
die die Gewerkschaften bis
dahin nicht mal mit dem Hintern angeguckt
haben, brauchen zum Lohndumping
plötzlich einen Tarifvertrag.
Anfang Mai 2003 machen sich die
sog. Christlichen Gewerkschaften mit
dem Abschluss eines solchen Tarifvertrages
zum Büttel; Ende Mai ziehen
dann die DGB-Gewerkschaften nach.
Leiharbeiter bekommen dadurch weiterhin
etwa 30 % weniger als Stammleute
- es gibt etwa 350.000 Leiharbeiter.
2008
- es gibt etwa 750.000 Leiharbeitnehmer
2009
- in der Krise ist die Zahl der Leiharbeiter
auf etwa 100.000 zurückgegangen
2010
- neueingestellt werden fast nur Leiharbeiter
– Zahl steigt wieder auf
Aber wie es ist, muss es nicht bleiben. Mit dem neuen Tarifvertrag für die Stahlarbeiter hat die IG Metall begonnen, einen alten Fehler gutzumachen und gleichen Lohn für gleiche Arbeit auch für die Leiharbeiter durchgesetzt. Das Beispiel ist von anderen Gewerkschaften bereits aufgegriffen worden.
Stahlkocher stellen Ehre
der IG Metall wieder her
Nachdem die IGM 2003 zusammen mit
den anderen DGB-Gewerkschaften im
Tarifvertrag mit den Verleihfirmen Lohndumping
unterschrieben hat, versucht sie jetzt,
den Fehler wieder gut zu machen. In der
Stahltarifrunde 2010 war eine zentrale Forderung:
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!
Die KollegInnen haben die Forderungen mit
vielen Warnstreiks und mehreren tausend
Teilnehmern unterstrichen und sich durchgesetzt.
In den Verleihfirmen ist der Organisationsgrad
niedrig, in der Stahlindustrie
hoch. Der Weg, die höhere Kampfkraft der
Stammbelegschaften einzusetzen, um die
für alle schädliche Spaltung zwischen
„Stamm“ und „Rand“ endlich wieder zu
überwinden, ist der richtige.
Das Beispiel macht Schule: Die Ver.di-
Fachgruppenkonferenz im Hafen hat am
15.9.10 als künftige Tarifforderung
beschlossen: „Gleicher Lohn für Leiharbeiter
und Stammpersonal“ und „Übernahme
eines Leiharbeiters nach einer Einsatzdauer
von einem Jahr“.
Dank den Stahlkochern!
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aus: http://dkp-hamburg.de/pdf/UtsichtenHerbst10.pdf
750.000.