Griechenland: Einige Informationen gegen die Desinformation
Im Zusammenhang mit Griechenland ist nur noch von Milliarden die Rede - und davon, wie sie von "den Griechen" verplempert worden sind. Mit dem wirklichen Leben der griechischen Buerger hat das nichts zu tun. Sie muessen jeden Euro zweimal umdrehen, ehe sie ihn ausgeben, wie zwei Drittel der deutschen Buerger auch.
Die wuesteste Hetze kommt von BILD. Hier wirft ein griechischstaemmiger deutscher Journalist ein Licht auf die bodenlosen Luegen:
http://print-wuergt.de/2010/05/02/die-rentenluge-folge-192/
Loehne in Griechenland:
Beispiele:
Ingenieur, drei Jahre Berufserfahrung: tariflicher Mindestlohn: 1034 E brutto
Programmierer: 702 E
Sekretaer mit Fremdsprachenkenntnissen: 717 E
Buchhalter: 721 E
Fahrer: 716 E
Einfache Angestellte verdienen im Durchschnitt 40 % weniger als vergleichbare deutsche.
Gesetzlicher Mindestlohn: 740 E
Tarifliche Mindestloehne:
Elektro-, Elektronik und Maschinenbau: 683 E (Stand 2007)
Finanzbranche: 1080 E
Sozialabgaben
Rentenversicherung:
Angestellte: 7 % vom Brutto
Arbeiter: 11 % vom Brutto
Krankenversicherung: 5 %
Arbeitslosenversicherung: 4 %
Das Netto-Einkommen liegt bei 80 % vom Brutto.
Rente
Um Vollrente zu erhalten, muss man (bisher) 37 Jahre eingezahlt haben. Die angeblich extrem niedrigen Renteneintrittsalter gelten nur fuer Ausnahmefaelle (extrem schwere Arbeit etc.; s. Quelle oben). Das wirkliche drchschnittliche Renten-Eintrittsalter liegt pratisch gleichauf mit dem deutschen - ca. 61 Jahre.
Lebenshaltungskosten
Etwas niedriger als in Deutschland. Milch, Kaese, Eier sind um ein Drittel bis zum Doppelten teuerer als in Deutschland. Fleisch kostet gewoehnlich mehr als 8 E/kg. Die Mieten sind in der Provinz niedriger als in Deutschland (aber die Loehne dort auch); Tendenz stark steigend; in den Touristikgebieten Wohnungsmangel, weil vorzugsweise an Touristen vermietet wird.
Kuerzungen
Der erreichte Stand soll jetzt radikal beschnitten werden. Im Moment mischen sich noch schon beschlossene Kuerzungen mit noch nicht beschlossenen Forderungen von EU/EZB/IWF. Dazu zaehlt:
- Streichung der 13./14. Monatsgehaelter im Staatsdienst (das, was in Deutschland einmal Urlaubs- und Weihnachtsgeld war)
- Kuerzung der "Zulagen" im Staatsdienst und oeffentlichen Betrieben. (Die "Zulagen" sind einfach ein Teil des Lohnes und machen ungefahr ein Drittel des Brutto aus.)
- Erhoehung des obligatorischen Renteneintrittsalters auf 60 Jahre.
- Erhoehung der Mindestbeitragsjahre fuer die Vollrente von 37 auf 40 Jahre
- Als Basis fuer die Renetnberechnung soll kuenftig die gesamte Lebensarbeitszeit genomen werden. Das ist faktisch eine massive Rentenkeurzung, weil damit Beitragszeiten eingerechnet werden, in denen die griechischen Loehne noch auf 3.Welt-Niveau lagen.
- Erhoehung der MWSt von 21 auf 23 % (nach anderen Angaben auf 25 %)
- Erhoehung des Benzinpreises um 8 Cent/Liter
- Erhoehung der Steuern auf Tabak und Getraenke um 10 % (nach anderen Angaben um 20 %)
Wenn alles, was jetzt durchgehechelt wird, wirklich durchgesetzt wird, faellt der erreichte Lebensstandard fuer die Masse der Beschaeftigten weit ab. Der Inlandskonsum wird enorm gedrosselt werden. Die "Einsparungen" bedeuten unweigerlich eine tiefe Depression. Die Arbeitslosigkeit wird enorm steigen. Die untersten Schichten werden hungern.
Die europaeischen und griechischen Herrschaften, die ihre Misswirtschaft jetzt auf dem Ruecken der Arbeitenden sanieren wollen, operieren aber auf unsicherem Gelaende. Die Frage ist, ob sich die griechische Arbeiterklasse gefallen laesst, was ihr jetzt zugemutet wird.
Quellen:
http://www.ba-auslandsvermittlung.de
http://www.go2hellas.de ( funktioniert nicht mehr)