Hartz IV und die Philosophie

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Das Lohnniveau und die sogenannten sozialen Leistungen sollen gesenkt werden. Die überflüssigen Arbeitskräfte sollen zwar nicht direkt verhungern, aber zu den geringstmöglichen Kosten als Reservearmee und potentielle Lohndrücker gehalten werden. So schlicht ist der Inhalt der Politik der Unternehmerverbände bei Tarifverhandlungen und der Regierungspolitik, die die Interessen der Unternehmer bedient.

 

Aber so nackt kann man das nicht stehenlassen. Das sieht nicht gut aus. Die, die noch Arbeit haben und die, die schon arbeitslos sind, könnten leicht auf dumme - genauer gesagt: kluge -Gedanken kommen und die Leistungsträger - das sind die Leute, die die Leistung anderer in den eigenen Panzerschrank tragen - nach Bermuda jagen, wo ihr Geld schon ist.

 

Also macht man ein Gedöns. Die Herren und Damen Experten müssen sich eine Philosophie einfallen lassen, ganze Philsiophieserien im modernsten Format, Sachzwänge und Standorte wollen erfunden sein, Abhandlungen über das Wesen des Menschen und soziales Management, über unsere westlichen demokratischen Werte, das moderne Menschenbild etc.pp. ; möglichst solange, bis sich die ordinäre Absicht, aus den Liebenmitarbeitern mehr Profit zu pressen und die Überflüssigen als lästigen Bodensatz so kurz wie möglich zu halten, in geradezu ein moralisches Anliegen im Dienst des Fortschritts der Menschheit verwandelt hat, zu einer Wohltat, die allen zugute kommt, wenn auch den Lohnabhängigen nur allerallerletzten Endes, am besten am allerletzten Ende der Rente mit 67, nach deren halbjährlichen Bezug man den Löffel abgibt. - Was für ein Kostenersparnispotential !

 

Das hier verlinkte Referat hat der Jesuitenpater Hengsbach auf dem Berliner Armutskongress im Juni dieses Jahres gehalten. Hengsbach arbeitet sich an der zeitgenössischen Variante der Ideologie ab, die die Ausbeutung und Unterdrückung philosophisch garniert. Was er dem entgegenstellt, ist auch wieder Philosophie, eine viel humanere und idealere - aber es ist nicht zu vergessen: Es geht bloss um den Reibach der Ausbeuter, und auch die humaneren und idealeren Philosophien reden um dieses Zentralmotiv bloss herum.  

 

Eigentlich ist Verjagen nach Bermuda angesagt, nicht Philosophieren. Aber bis das genügend Leute einsehen und zur Tat schreiten, muss man wohl noch durch so manche Philosophie hindurch. Deren aktuelle Innenansicht dröselt der Pater ganz anschaulich auf. Wer sich die Mühe machen möchte, kann das im folgenden nachlesen. Nicht ganz zufällig hat Gegenblende, eine Debattenplattform des DGB, das Jesuitenreferat auf seine Seite gestellt.

 

Hier: http://www.gegenblende.de/05-2010/++co++6f6f8f10-cbbb-11df-60c5-001ec9b03e44

 

 

 

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Veröffentlicht in Westliche Werte Boerse

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