Im Anschlussgebiet: Bauernland in Junkerhand
Die Enteignung der Grossgrundbesitzer und die Übergabe des landwirtschaftlichen Bodens an die werktätigen Bauern war eine der ersten grundlegenden Reformen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Die bald darauf beginnende Überführung der Einzelwirtschaften in Genossenschaften war zwar von allerlei staatlichem Druck begleitet. Aber danach lebten die DDR-Bauern so gut, wie Bauern in Deutschland nie gelebt hatten. Sie verdienten eher mehr als selbst die bestbezahlten Industriearbeiter, die Wohnverhältnisse kamen auf einen moderneren Stand, die Arbeitszeit war - so weit die Natur der Sache das zulässt - einigermassen geregelt, es gab´Urlaub wie in der Industrie auch, die Kinder auf dem Land hatten die selben Bildungschancen wie die in der Stadt, in so gut wie jedem Dorf gab es ein Kulturhaus, und niemand hatte Angst, von grösseren Konkurrenten ruiniert zu werden. Die DKP organiserte seinerzeit Bauerndelegation in die DDR. Ich erinnere mich gut, dass die niederbayerischen Bauern durchaus beeindruckt waren, wenn sie zum ersten Mal ein Milchkarussel sahen oder von ihren DDR-Kollegen erzählt bekamen, wohin die nächstens in Urlaub fahren würden.
Ganz folgerichtig war nach der Konterrevolution - politisch korrekt: Wende -, neben der allgemeinen Desindustrialisierung und der nahezu kostenlosen Übereignung des Volkseigentums an Gauner und Banken aus dem Westen, das ländliche Genossenschaftswesen ein Hauptangriffsziel. In der DDR war die alte Bauern-Parole "Junkerland in Bauernhand" verwirklicht worden. Nach der "Wende" wurde die Parole umgedreht: "Bauernland in Junkerhand". Ganz konnte das ehemalige bäuerliche DDR-Genossenschaftswesen bis heute nicht ausgetilgt werden. Reste bestehen, in verkrüppelten Formen und abhängig von den Banken, immer noch fort.
Dem soll jetzt mit neuen gesetzlichen Massnahmen abgeholfen werden. modesty schildert, was gerade passiert - "Bauernland in Junkerhand", Teil II und Finale:
http://gedankenerbrechen.wordpress.com/2010/12/17/bauernland-in-junkerhand-ii/
Die glücklichen Neueigentümer sollten sich übrigens sputen und gucken, dass sie ordentlich was rausholen aus dem ehemaligen Gemein- und Genossenschaftseigentum. Es hat sich ja gezeigt, dass Geschichte nicht unumkehrbar ist, zuletzt Richtung rückwärts. Aber das gilt natürlich für die entgegengesetzte Richtung auch.