Irak 1991: So sind "Friedensmissionen" in der Praxis

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Es sei noch nicht zu spät für ein Eingreifen in Libyen, sagte heute der NATO-Generalsekretär Rasmussen. Und die US-Aussenministerin Clinton sagt, es genüge womöglich nicht, wenn die UNO eine "Flugverbotszone" beschliesse. In den Medien wird die "Idee" kolportiert, man brauche in der Region Bengasi vielleicht eine "Fahrverbotszone". Alle reden vom Schutz der Menschenrechte. Wie das praktisch aussieht, illustriert der Irak. Dort fing es damals so an:

 

Die "Mutter aller Schlachten" – der zwanzigjährige Krieg gegen den Irak

Von Joachim Guilliard *

In der Nacht vom 16. zum 17. Januar 1991 öffneten sich über dem Irak die Schleusen der Hölle. Um 2.30 Uhr schlugen die ersten Bomben in Bagdad ein. Die Fernsehzuschauer in den USA waren zum ersten Mal live dabei. 42 Tage dauerte die »Operation Wüstensturm«, für die die USA 580000 Mann eigener und 80000 Mann verbündeter Truppen am Persischen Golf in Stellung gebracht hatten. Durchschnittlich alle 30 Sekunden feuerten US-Kampfflugzeuge während dieser 42 Tage ihre tödliche Fracht auf den Irak ab. Nach drei Wochen überstieg die eingesetzte Explosivkraft bereits die der gesamten alliierten Luftangriffe während des Zweiten Weltkriegs. Am Ende waren 88500 Tonnen Bomben auf das Zweistromland, die einstige Wiege der Zivilisation, abgeworfen worden. Die Kosten trug zu einem guten Teil Deutschland, das 15 Milliarden DM beisteuerte.

Selbstverständlich hatte die irakische Führung mit dem Einmarsch in Kuwait am 2. August 1990 eindeutig das Völkerrecht verletzt und so den Anlaß zur Intervention geschaffen. Allem Anschein nach war sie den USA dabei in die Falle gegangen. Washington hatte nach dem Ende des Irak-Iran-Krieges Kuwait zu einer provozierenden Politik gegen das Nachbarland ermuntert (insbesondere zu einer den Preis drückenden Ausweitung seiner Ölproduktion), der irakischen Führung aber bis unmittelbar vor dem Einmarsch signalisiert, daß sie sich nicht in »innerarabische Konflikten« einmischen werde (siehe junge Welt vom 31. Juli 2010).

Obwohl die irakische Führung am 5. März 1991 faktisch kapitulierte und allen Forderungen nachgab, endete der Krieg nicht, sondern ging in einen Luftkrieg niederer Intensität über. Häufige vereinzelte Angriffe (phasenweise mehrmals pro Woche) auf zivile und militärische Ziele in den von Washington und London eigenmächtig definierten »Flugverbotszonen« im Norden und Süden des Landes eskalierten immer wieder – so im Januar, Juni und November 1993, im September 1996 und im Dezember 1998 – zu umfangreichen, zuletzt mehrtägigen Bombardements.

Einfach fortgesetzt wurde auch – trotz Erfüllung aller bezüglich des Einmarschs in Kuwait erlassener UN-Resolutionen – das umfassendste Embargo, das je verhängt wurde. Mit dem Segen der Vereinten Nationen und der breiten Unterstützung der europäischen Staaten wurde der Irak völlig zugrunde gerichtet. Nach acht Jahren waren Schätzungen von Experten zufolge 1,2 Millionen Iraker an den Folgen der UN-Sanktionen gestorben –»das stille Äquivalent zu zehn Hiroschima-Bomben«, so Dieter Hannusch, Leiter der Notfallversorgung des Welternährungsprogramms der UNO.

Zerstört durch Krieg und Sanktionen wurden nicht nur die technische Infrastruktur, sondern auch das einst vorbildliche Gesundheits-, Sozial- und Bildungssystem. Während in Marokko auch heute noch 50 Prozent der Bevölkerung Analphabeten sind, war im Irak bis Mitte der 1980er Jahre der Analphabetismus nahezu vollständig beseitigt. Die UNESCO würdigte das Zweistromland 1987 ausdrücklich für sein Bildungswesen, das Frauen und Mädchen gleichberechtigt mit einschloß. Nach zwanzig Jahren Krieg und Besatzung ist der Irak wieder auf das Niveau Marokkos gesunken.

Als »Um Al-Maarik«, als »Mutter aller Schlachten«, hatte der damalige irakische Staatschef Saddam Hussein 1990 den bevorstehenden Krieg bezeichnet. Egal, wie er seinen rasch zum geflügelten Wort avancierten Begriff selbst verstand, war er in einer Hinsicht absolut treffend: Der Krieg gegen den Irak, der gemäß den Worten des damaligen US-Präsidenten, George Bush sen. eine »Neue Weltordnung« begründen sollte, eröffnete eine bis heute andauernde Phase militärischer Interventionen der USA und ihrer Verbündeter.

Nach zwölfjähriger Belagerung folgten im März 2003 schließlich die von US-Präsident George W. Bush befohlene Invasion des sturmreifen Landes und ein bis heute andauernder Krieg gegen den Widerstand, der sich rasch gegen die Besatzung entwickelte.

* Aus: junge Welt, 4. März 2011

 

 

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Veröffentlicht in Westliche Werte Boerse

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A
<br /> <br /> Danke für die Info! Ich habe also gelernt, dass ...Die Einheiten der Währung sind Yuán (元, formell: 圓 / 圆), Jiǎo (角) und Fēn (分). Ein Yuan entspricht 10 Jiao bzw. 100 Fen. (aus Wikipedia) Dann entspricht ein Yuan etwa 10 Euro-Cent und ein Jiao etwa 1 Euro-Cent. Daraus folgt, dass ein Zehntel eines<br /> gegebenen Yuan-Betrages der entsprechende Euro-Betrag ist, oder umgekehrt dass das Zehnfache eines gegebenen Euro-Betrages der entsprechende Yuan-Betrag.<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Danke, jetzt hab ich von Dir was gelernt<br /> <br /> <br /> <br />
A
<br /> <br /> Da die USA definitiv Pleite sind, benötigen sie eine kontinuierliche Kette von Kriegen und Unruhen um von diesem Umstand abzulenken. Das bringt ihnen aber nur einen zeitlichen Aufschub vor dem<br /> Offenbarungseid, denn gleichzeitig hält die Rüstungsindustrie die Hand auf und die Verschuldung steigt ins Unermessliche! Wenn die Chinesen ihre Geschäfte in Renmimbi(?) abwickeln und das Öl- und<br /> Gasgeschäft nicht mehr über den US-Dollar läuft, dann schlägt für die USA die Stunde der Wahrheit. Dem könnten sie vielleicht nur mit offenem Terror zu entkommen versuchen?<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Das chinesische Buntpapier heisst Renminbi (Volksgeld), die Einheit Yuan (= 10 Jiao oder 100 Fen).<br /> <br /> <br /> Das mit der Pleite - ich weiss nicht. Es gibt halt, der Grössenordnung nach, zehnmal so viel Recihtumsanspruch auf dem Papier (in jeder denkbaren Form) als realer Reichtum vorhanden ist. Diese<br /> "Blase" gibtes in allen Währungen. Ich vermute, dass ein Schnitt unvermeidlich ist und bald bevorsteht. Aber das wird alle Hauptwährungen betreffen, nicht bloss den USD. Und wenn die Schulden<br /> einigermassen abgeschlagen sind - nicht zuletzt die staatlichen - geht die Sch... halt von vorn los.<br /> <br /> <br /> Die besondere Aggressivität der USA hat, glaub ich, damit zu tun, dass sie, gemessen an ihrer ökonomischen Stellung um die Mitte des 20. Jahrhunderts, als sie fast die Hälfte aller Waren weltweit<br /> erzeugten, eine absteigende Macht sind (heute sind es "nur" noch gute 20 %). Und das versuchen sie mit einer besonders grossmäuligen Aussenpolitik und besonders brutalen Militärpolitik zu<br /> kompensieren.<br /> <br /> <br /> Im Vergleich dazu ist z.B. Deutschland ein Leisetreter, wie man in der zweiten Phase der Libyenkrise gerade wieder sieht. In der ersten Phase waren die deutschen Reckinnen und Recken allerdings<br /> besonders forsch, woran man sient, dass sie nicht netter sind, sondern bloss den Arsch noch zu weit unten haben, um mit den USA in puncto Militär mitzuhalten. Zur Zeit sind die Merkel<br /> und der Westerwelle so friedliebend, weil Sarkozy und Cameron sie nicht mit ins Bett gelassen haben, ich vermute unter Zutun Obamas, der hier mehr als Spanner auftritt. Das war im Fall<br /> des Irakkrieg schon so ähnlich. Der Schröder ist so friedliebend geworden, als ihn Bush nicht als partner in leadership behandelt hat, sondern als Schildknappen halten wollte. - "Dann eben gar<br /> nicht."<br /> <br /> <br /> <br />