Mauer im Kopf: Gysi will junge welt boykottieren.
Die Sozialdemokraten in der Linkspartei reden gern von "pluralistischer Linker". Bloss - anderer Meinung als sie sollte man lieber nicht sein. Gysi fordert jetzt den Ausschluss von junge welt aus Linksparteizusammenhängen. Die AKL (Antikapiatlistische Linke) in der Linkspartei ist dagegen. Hier ihre Stellungenahme:
Angriff auf die Pressefreiheit
Die innerparteiliche Linke-Strömung AKL (Antikapitalistische Linke) kritisiert in ihrem aktuellen Newsletter Boykottaufrufe gegen junge Welt:
Seit Dienstag wird (…) um Unterschriften für einen Aufruf geworben, der von Vorständen und Fraktionen der Partei Die Linke fordert, die Kooperation mit der Tageszeitung junge Welt zu beenden. Konkret geht es um die Forderung, daß Amts- und Mandatsträgerinnen die jW nicht mehr für Artikelveröffentlichungen nutzen sollen, daß keine Anzeigen mehr geschaltet werden sollen und daß sich die jW auf Parteitagen und anderen Parteiveranstaltungen nicht mehr präsentieren darf. Anlaß des Aufrufs ist das jW-Cover vom 13. August. Das forum demokratischer sozialismus (fds) unterstützt den Aufruf und wirbt um Unterschriften; ebenso die Emanzipatorische Linke.
Der Boykottaufruf zeigt eine politische Haltung, die nicht auf Diskurs und Auseinandersetzung, sondern auf Ausgrenzung setzt und in der Konsequenz Repressionen nach sich ziehen würden. Wir sehen in ihm ein fragwürdiges Verständnis von Demokratie und einen Angriff auf die Pressefreiheit. Die junge Welt ist eine unabhängige linke Tageszeitung. Weder die Partei noch die Fraktionen Die Linke bestimmen den Inhalt der jungen Welt. Dies ist allein die Aufgabe der Redaktion. Und wir schätzen es an der jungen Welt, daß sie eben nicht käuflich, sondern wirklich unabhängig ist.
Ferner kritisieren wir, daß offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen wird: Wann haben diejenigen, die nun zum Boykott der jungen Welt aufrufen, jemals gefordert, jede Kooperation mit Medien einzustellen, die imperialistische Kriege in Afghanistan und andernorts propagieren, die den barbarischen Kapitalismus schönreden und Hartz IV verteidigen, die dem Überwachungsstaat das Wort reden, die nicht zuletzt die Partei Die Linke regelmäßig in die Schmuddelecke zu schieben versuchen? Wann wurde beispielsweise zum Boykott der taz aufgerufen, die bereits 1999 den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Jugoslawien mit ihren Kriegslügen medial vorzubereiten half?
Wir bitten Euch deshalb im Interesse der Pressefreiheit und einer pluralen Presselandschaft, den Boykottaufruf nicht zu unterzeichnen und werden uns auch zukünftig für eine Kooperation mit der jungen Welt einsetzen. Wenn Die Linke die Kooperation mit der jW einstellt, nimmt sie nicht zuletzt sich selber die Möglichkeit, ein nicht unbedeutendes Spektrum der Linken in Deutschland mit ihren Positionen zu erreichen.
An dieser Stelle wollen wir auf einen unaufgeregten Umgang mit dieser aus den eignen Reihen aufgezwungenen »Boykottdebatte« hinweisen: Im Deutschlandfunk reagierte Oskar Lafontaine in einem Interview mit dem Deutschlandfunk anläßlich des deutsch-französischen Gipfels zur Euro Krise auf die Frage nach einem jW-Boykott wie folgt: »Ich bin nicht verantwortlich für die Schlagzeilen irgendwelcher kleinen Presseorgane.«
Wir rufen alle Genossinnen und Genossen darüber hinaus dazu auf, nach den für Die Linke insgesamt nur schädlichen Debatten um Antisemitismus oder Mauerbau, sich nun endlich wieder gesellschaftlich aktuellen Problemen und Herausforderungen zuzuwenden, die die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung tangieren. (…)
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