Meinungsfreiheit

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Einer der höchstgepriesenen unter den westlichen Werten ist sie, die Meinungsfreiheit. Haben wir die ? Oft wird das bezweifelt. Die Meinungen werden manipuliert, heisst es. Die grossen Medien und sonstigen Meinungsmacher filtern die Informationen so, dass, mit einer gewissen Variationsbreite, ein ganz bestimmtes Weltbild erzeugt wird und dieses Bild zeichne sich dann auch in den Köpfen ab, sodass im Ergebnis die vermeintlich eigene Meinung eher eine fremde ist. Weiter wird darauf verwiesen, dass die Meinungsfreiheit durchaus ihre Grenzen hat. Hinter dem Betriebstor äussert man besser keine Meinung, die dem Chef womöglich nicht gefällt und die er für eine Störung des Betriebsfriedens halten könnte, und vielleicht hat man einen Chef, dem es prinzipiell nicht gefällt, dass die Liebenmitarbeiter überhaupt irgendeine Meinung haben. Wer sich nicht beruflichen Aufstieg erschweren oder verunmöglichen oder auch bloss seinen Job behalten will, setzt seinem Meinen auch im "öffentlichen Raum" und sogar im Privatleben gewisse Tabugrenzen, die ihn als nicht allzuweit weg von der Mitte ausweisen.

 

Alle diese Einwände gegen die Meinungsfreiheit treffen zu, und man könnte noch andere anführen. Die Meinungsfreiheit ist im "freien Westen" durchaus beschränkt. Etwas anderes wiegt aber vielleicht noch schwerer: Das Meinen der Leute ist ziemlich irrelevant. Es gibt kaum einen Übersetzungsmechanismus zwischen dem Meinen und dem, was in der Gesellschaft tatsächlich passiert.

 

- Doch, das Wahlkreuzchenmalen ? Nicht im Ernst. Jedermann weiss, dass die Gewählten nach der Wahl nicht tun, was sie vorher versprochen haben, sondern in der Regel eher das Gegenteil; dass die Funktionsmechanismen der parlamentarischen Demokratei dafür sorgen, dass die Mandatare ganz anderen Interessen mehr verpflichtet sind, als denen ihrer Wähler. Die Wahlenthaltung ist ein Mass dafür, wie viele wahlberechtigte Bürger zur Kenntnis genommen haben, dass ihr in Wahlkreuzchen manifestiertes Meinen eine Übung ist, die den Aufwand nicht lohnt. Wenn die Wahlenthaltung, die bei manchen Kommunalwahlen heute auch in Deutschland schon über 50 % liegt oder wenn ein USamerikanischer Präsident gewöhnlich von nicht mehr als 20 oder 25 % der Wahlberechtigten gewählt ist und dies immer noch als demokratisch gilt - "die Leute sind ja selbst schuld, wenn sie nicht wählen" - sagt das auch etwas über die Bedeutung des Meinens aus: Was die Leute sich so denken, ist ziemlich egal.

 

Das ist die Sorte Freiheit, zu der die höchstgepriesene westliche Meinungsfreiheit gehört. Sie ist deshalb und in dem Mass frei, in dem sie keine praktischen Wirkungen auf die politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen hat. Die blosse Meinerei ist das Blöken der Schafe, um das sich der Schäfer und seine Hunde auch nicht kümmern, wenn die Herde hierhin und dorthin getrieben wird, nach dem Interessedes Schäfers und nicht nach dem Meinungsgeblök der Schafe.

 

Ausbüchsen ? "Der geht vor die Hunde", heisst es ganz treffend.

 

Das ist nunmal so und nicht zu ändern ? Das nun wiederum auch nicht. Darüber wäre zu reden.

 

 

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Veröffentlicht in Westliche Werte Boerse

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G
<br /> <br /> Die Frage war: "Wozu die Mühe und den Aufwand?". Ich rechne darauf, dass meine Beiträge nicht nur von Dir gelesen werden. Mir geht es um das, worüber Du schreibst. Dir nicht um das, worüber ich<br /> schreibe. Sondern das, was ich angeblich mache und Du angeblich machst. Pech für mich.<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Diskussionen zwischen uns sind, denk ich, sinnlos. Aber es steht ja jedem, der hier mitliest, frei, auf Deine Argumente einzugehen.<br /> <br /> <br /> <br />
G
<br /> <br /> Wenn ich davon ausginge, dass meine Kritik an einigen Deiner Texte nur von Dir gelesen würde, würde ich sie nicht aufschreiben. Für eine vorgestellte über Dich und Kucaf hinausgehende Leserschaft<br /> nehme allerdings in Kauf, dass Du - meist bezugfrei zu meinen Einlassungen - das letzte Wort hast. So wichtig ist es mir schon. Ich werde mich also vielleicht vor Ostern noch mal melden.<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> Du kommst auf mein Blog und kritisierst meine Texte. Aber auf nähere Nachfrage teilst Du mit, dass es Dir gar nicht darum geht, sondern dass Du mein Blog bloss als Plattform benutzen willst, um<br /> andere Leute zu agitieren; also, da wir, beiderseits nicht bestritten, gegensätzliche Zwecke verfolgen, mein Blog für Deine und damit gegen meine zu benutzen. Worauf rechnest Du dabei? Darauf, dass<br /> ich demokratische Ideale im Kopf hab - etwa "Freiheit der Diskussion" -, über die Du selber nur lachen kannst, die Du aber benutzt, wenns geht ?<br /> <br /> <br />
G
<br /> <br /> Aha. Weil ich glaube, "dass alle unentrinnbar gefangen sind", sage ich ihnen (mit reichlich mehr Aufwand als andere!), wofür ihr Pochen auf freie Meinung nützlich ist - eben nicht für sie.<br /> Darüber hinaus: Wonach Du, Sepp, suchst, will ich eigentlich gar nicht behandeln, sondern das, was Du über Meinung und Wählen geschrieben hast, weil ich es für falsch und untauglich zum<br /> "Verbreitern von Haarrissen" halte. Und wenn ich sage 'falsch', verlasse ich auch notwendigerweise das demokratische Feld des Respekts vor der 'freien Meinung'. Das ist unausweichlich, wenn man<br /> eine Aussage von jemand anderem auf ihre Folgen hin ernst nimmt. So wie Du es machen würdest, wenn Du einem Arbeitskollegen erklärtest, dass seine beschissene Lagen nicht daran liegt, dass der<br /> Chef womöglich dunkle Haut oder eine Hakennase hat.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Wie weit Kucaf je war, kann ich nicht beurteilen. Nicht gewusst habe ich, dass das Zitat "Die herrschende Meinung ist die Meinung der herrschenden Klasse" von ihm stammt. Respekt. Das alles eine<br /> Ursache hat und eine Wirkung, war mir weniger neu.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Ob Ihr auch inhaltlich was zu meinem Geschreibsel bringen wollt, liegt natürlich an Euch. Könnte ja sein, dass es nicht stimmt.<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Aber ich weiss doch, und nicht erst seit gestern, dass Du für falsch hältst, was ich mach, und nicht nur in diesem Fall, sondern immer. Ich meinerseits halte für falsch, was Du machst. Worüber<br /> also sollen wir reden ? Bei jedem konkreten Thema gehtes doch jedesmal nicht darum, sondern um das dahinter stehende "Meta-Thema". Du schreibst selbst, dass Du das auch nicht stehenlassen willst<br /> - "verlasse ich auch notwendigerweise das demokratische Feld des Respekts vor der "Freien Meinung" ..."<br /> <br /> <br /> Praktisch ist es so, dass jeder nur beschränkte Zeit hat. Eine wirkliche Diskussion zwischen uns wäre ziemlich zeitaufwendig. Wenn wir wissen, wieviel uns trennt und wie wenig aussichtsreich es<br /> ist, dass einer den anderen von seiner Auffassunng überzeugt, also die seine sein lässt, weil sie sich gegenseitig ausschliessen - wozu die Mühe und den Aufwand ?<br /> <br /> <br /> <br />
K
<br /> <br /> Was ist schon freie Meinung und wie frei kann Meinung überhaupt sein? Dabei sollte nicht vergessen werden, wenn es um Meinungsfreiheit geht, zumindest auch den Begriff der Freiheit zu klären. Und gerade in diesem Zusammenhang scheiden sich ja die Geister. Dabei ist es auch unrelevant ob Meinungsfreiheit<br /> am Betriebstor endet, denn auch seine Meinung nicht zu sagen, sie zurückzuhalten, ist Meinungsfreiheit!<br /> <br /> <br /> Und mal ehrlich Sepp, waren wir da nicht schon mal weiter?<br /> <br /> <br /> Ach ja, und nichts ist ohne Ursache, nicht ist ohne Wirkung! Dabei sollten sich die Gralshüter der Meinungsfreiheit, wie auch anderer Freiheiten, durchaus bewusst sein, dass auch diese ihre<br /> Ursachen haben und immer konkret historisch sind.<br /> <br /> <br /> Freiheit, die Einsicht in die Notwendigkeit, sowie der Notwendigkeit entsprechendes Handeln, sich der Konsequenzen bewusst sein. Freiheit besteht nicht in der Möglichkeit, sondern in der<br /> praktische Tat! So hat auch Meinungsfreiheit Ursachen, genau wie die Meinung selbst und erzielt Wirkungen, welche nicht ohne Folgen bleiben. Dabei entspringt und entspricht der Grad der Freiheit<br /> der Meinung immer auch den jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnissen! Wie ich an anderer Stelle schrieb; die herrschende Meinung in einer Gesellschaft, ist die Meinung der herrschenden Klasse!<br /> Wie lange diese Meinung aber die beherrschende Meinung ist, hängt hingegen sehr von den Umständen ab.<br /> <br /> <br /> Nächtlichen Gruß<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Hallo Thomas.<br /> <br /> <br /> "Waren wir nicht schon mal weiter ?" - Ja, aber leider kommts auf uns nicht an. Es geht um das beharrliche Bohren in ein ziemlich dickes Brett.<br /> <br /> <br /> <br />
G
<br /> <br /> Was Du die "nicht sonderlich grundsätzliche(r) Natur" dieses Widerspruches nennst, ist nichts als das von mir beschriebene Einverständnis im Punkt Wachstum (also der ganzen<br /> Scheiß-Marktwirtschaft, den Du mal schnell als "Sachzwang" vorstellst) zwischen Herrschenden und Beherrschten, um das es bei der Wahl genau geht - und auf das ich eben hinaus wollte. Den Leuten<br /> genau das hinzusagen, dass sie sich mit ihren "Wünschen", ihrer "Enttäuschung" oder ihren "Forderungen" genau für solches Regiertwerden entscheiden, wird in diesem Blog jedoch notfalls als<br /> "hochnäsig" besprochen.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> In dieser Ablehnung von "Hochnäsigkeit" bist Du Dir wiederum mit denen einig, denen die freie Meinung des demokratischen Bürgers über fast alles geht. Die freie Meinung ist demokratisch alles<br /> andere als "ziemlich wurscht". Sie ist der staatlich geschützte Bereich (sie wird auch noch ausdrücklich erlaubt!!!), in dem der Bürger sich mit seinem Staat über alles mögliche Ungemach<br /> versöhnen kann, weil er dazu ja meinen darf, was er will. Das ist nicht wenig, und diejenigen, die etwas auf ihre freie Meinung halten, verbitten sich auch - bisweilen handgreiflich -, wenn Du<br /> sie - egal wie wenig hochnäsig - auf Ihre sachlichen Interessen als die notorisch Angeschissenen hier ansprichst.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Dass sie - die freie Meinung - eine Funktion hat, die genau nicht darin besteht, sich über etwas gemeinsam ins Klare zu kommen, merkt man dann, wenn sie zur Sicherung der Nachhaltigkeit<br /> kapitalistischen Wachstums von Zeit zu Zeit im streng demokratisch-rechtsstaatlich ausgerufenen Ausnahmezustand öffentlich ein bisschen abgeschaltet wird. Aber wer so was tut, kann nach Deiner<br /> Lesart ja gar kein Demokrat sein, weil Demokratie ist ja Fortschritt und Errungenschaft - wofür - darüber wäre hier zu reden.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> PS: Bei der Demokratie ist es auch so eine Sache mit den Wünschen. Manche sagen, das hier sei ja "keine richtige Demokratie". Ich kenne keine andere.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> PPS: Beim Wachstum ist es auch so eine Sache. Lucas Zeise hat offenbar ein Buch "Geld - der vertrackte Kern des Kapitalismus" veröffentlicht. Ich kenn's nicht, würde aber schon auch noch eine<br /> Auseinandersetzung unter dem Titel "Geld - der vertrackte Kern des real existierenden Sozialismus" erwarten wollen. Das als etwas alternativer Neujahrswunsch. Prosit!<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Du suchst halt nach den Tatsachen, die dafür sprechen, dass alle unentrinnbar gefangen sind; ich nach den, zunächst durchaus "systemimmanenten" Widersprüchen, den Haarrissen, die sich vielleicht<br /> verbreitern lassen.<br /> <br /> <br /> <br />