Rede eines kubanischen Kommunisten in Mexiko
LATEINAMERIKA UND DIE KARIBIK:
WELTWEITE KRISE UND GEOPOLITISCHE VERÄNDERUNGEN
(Partido Comunista de Cuba, Felipe Gil)
NEOLIBERALISMUS UND KRISE DES KAPITALISMUS
Die Krise ist der wesentliche Faktor, der das Wesen und den Tempus der wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Tendenzen der aktuellen Welt vorausahnen lässt. Eine politische Analyse der aktuellen weltweiten Umstände setzt deshalb die gründliche Bewertung des Wesens und der Grenzen der weltweiten Krise des Kapitalismus voraus.
Seit Ende des 20. Jahrhunderts ist die allgemeine Tendenz des Kapitals stärker
geworden, gesellschaftliche System zu errichten die von transnationalen wirtschaftlichen, politischen und geistigen Mächten beherrscht werden. Die Propheten des neoliberalen Kapitalismus liefen zu einer vermeintlichen neuen Gesellschaft über, die zu einem anderen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Paradigma vorrücken würde. Die Hegemonie des Kapitals verschob sich in einer überwältigenden Form zu einer transnationalen Dominanz, mit nicht wenigen Versuchen der globalen Hegemonie.
Die Delirien der 90er Jahre haben für viele die Theorien über die Krise des Kapitalismusund der gesellschaftlichen Veränderungen der "unwiderruflichen bürgerlichen Vergangenheit" zugewiesen. Heute ist der Hinweis auf die Krise des Kapitalismus schon eine Banalität. Krise der Wirtschaft oder Finanzen für die Einen, des neoliberalen Modells für die Anderen oder des kapitalistischen Systems für die Dritten. Die verschiedenen Ansätze und vielfältige methodische und ideologische Herangehensweisen führen zu unterschiedlichen Vorstellungen über die Zukunft der Welt im 21. Jahrhundert.
Die Euphorie der 90er Jahre hat sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts in Ängste
verwandelt: Die Welt des Kapitals ist den Krisen wieder ausgesetzt, jetzt mit einem deutlich transnationalen Charakter und einer ausgemacht globalen Tendenz. Seither ist das Thema ein wesentlicher Aspekt im gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Denken und Handeln geworden. Der Terminus wurde vom Tode erweckt und wieder eingegliedert in das Lexikon von Volkswirtschaftlern und Soziologen, Journalisten und Philosophen, Politikern und Technokraten. Bis dahin undenkbare Texte begannen zu zirkulieren, in denen die Finanzfürsten mit Klaus Schwab, Claude Smadja und
Soros ihre Befürchtungen hinsichtlich des Systems äußerten. Es wurden Titel
veröffentlicht wie "Die globale Krise" von Soros, während manche Falken der
nordamerikanischen Rechten Bücher herausgegeben haben wie: "Turbokapitalismus" von Edward Luttwak oder "Wenn die Konzerne die Welt regieren" und "Die Welt nach den Konzernen. Leben nach dem Kapitalismus (The post-corporate world. Life after capitalism)" von David Korten. Arbeiten, in denen sie systemimmanente Kritik an den Exzessen eines unhaltbaren, globalen Kapitalismus üben.
Ungeachtet der finanziellen Gaukeleien und der medialen Offensive mit denen die Wirkungen der Krise verschleiert werden sollen, der Beteuerungen über die vorgeblich "grünen Sprösslinge" und den Ankündigungen der wirtschaftlichen Gesundung der Zentren der Weltmacht und der speziellen Organisationen (Weltbank, IWF und andere spezialisierte Institutionen), befindet sich das kapitalistische System in einer strukturellen Krise. Das bürgerliche Akkumulationsmuster hat sich erschöpft, in einer Welt mit hohen Niveaus der Universalisierung der menschlichen Beziehungen, die weit reichenden Veränderungen in der globalen Geopolitik beinhalten.
Die Menschheit geht beispiellose Wege zu neue wissenschaftliche Paradigmen in einem tiefen Dilemma zwischen Wissenschaft, Ethik und sozialer Gerechtigkeit. Die Erfolge in der Kommunikations- und Informationstechnologie, der Biotechnologie, der Luft- und Raumfahrt, Genetik und Medizin zeigen die Verfügbarkeit der technischen Ressourcen, um die sozialen strukturellen Gebrechen zu überwinden oder um die Menschheit vom Antlitz der Erde zu beseitigen. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts zeigt sich in aller Schärfe die entscheidende Herausforderung der ökologischen Grenzen der die menschliche Spezies gegenübersteht.
Der transnationale Kapitalismus hat die Beziehung der bürgerlichen Welt zwischen Gesellschaft und Natur erschöpft: das bürgerliche System wurde zu einem sozialen Gefüge der Zerstörung, auf einer Stufe der menschlichen Spezies, in der die Natur sich selbst zerstört. Es gibt keine gesellschaftliche Alternative zum Kapitalismus, wenn sie nicht neue Beziehungen zwischen dem gesellschaftlichen System und dem Ökosystem entwickelt. Für die Menschheit ist von ausschlaggebender Bedeutung, dass ein Bruch mit der Marktzentrierung erfolgt und ein Übergang zu einem menschenzentrierten Paradigma eingeleitet wird, wo der Mensch das Wesentliche, der Anfang und das Ende des Musters der Produktion und gesellschaftlichen Reproduktion ist.
Der heutige Kapitalismus zeigt ein Schema unhaltbarer gesellschaftlicher Reproduktion,die deutlich wird in der Konzentration des Reichtums und dem gleichzeitigen exponentiellen Wachstum des Ausschlusses, die sich im Vorhandensein von über 1.300 Millionen von Armen in der Welt ausdrückt, von denen 60 % Frauen sind. Allein in Lateinamerika und der Karibik gibt es etwa 220 Millionen Ausgeschlossener, von denen etwa 60 Millionen in kritischer Armut leben. Die 82, von der Krise am meisten verwundbare Länder sind große Importeure von Lebensmitteln und Energie; ihre Stabilität und Nachhaltigkeit hängt immer mehr von der Gunst der Spekulation und den Manipulationen auf diesen zwei existenziellen Bestandteilen des menschlichen Lebens ab.
Wie der Genosse Fidel sagte: "Es geht nicht mehr um einen Konflikt zwischen schwer bewaffneten Großmächten, sondern eher um größere Engpässe bei Lebensmitteln und steigende Preise der Nahrungsprodukte (und die politischen Zerrüttungen, zu der das führen würde), die unsere globale Zukunft bedrohen. Es sei denn, dass die Regierungen sehr schnell die Fragen der Sicherheit revidieren und die Rüstungsausgaben umlenken für die Milderung des Klimawandels, die Effizienz der Wasserversorgung, die Erhaltung der Böden und die demographische Stabilisierung, denn aller Wahrscheinlichkeit nach wird die Welt einer Zukunft mit größerer klimatischer Unbeständigkeit und Schwankungen der Lebensmittelpreise gegenüberstehen (…)." (F. Castro; "Die schwere Nahrungskrise", 30. Januar 2011)
Geschätzter Genosse Alberto Anaya:
Genossinnen und Genossen der Partei der Arbeit:
Delegierte zum XV. Internationalen Seminar der Politischen Parteien:
Für die Delegation der Kommunistischen Partei Kubas (PCC) ist es eine Ehre an diesem Internationalen Seminar teilzunehmen. Wir sind uns sicher, dass uns dieses Treffen der fortschrittlichen und revolutionären Parteien erlauben wird, zu lernen und Ideen auszutauschen über die internationale Lage und die Herausforderungen, mit denen wir in den nächsten Jahren konfrontiert sein werden.
Das Seminar findet in einer Zeit komplexer Entwicklungen der Welt statt, die geprägt ist von einer strukturellen Krise des Kapitalismus und tiefgehenden globalen, geopolitischen Veränderungen. Die Zeiten der Krise, immer wesentlich und innerlich verbunden mit Perioden der Veränderungen, sind Zeiten in denen die latenten Widersprüche beschleunigt werden und die mit der Transformation der Nationen und der geltenden gesellschaftspolitischen Praxis abschließen. Deshalb setzt sich jeder Versuch, Ideen zu skizzieren oder Gesichtspunkte über die möglichen weltweiten Tendenzen vorzustellen, der Gefahr aus, durch die gegenwärtigen dynamischen Transformationen überrollt zu werden.
GESELLSCHAFTSPOLITISCHE WIRKUNG DER KRISE DES KAPITALISMUS
Ungeachtet der unterschiedlichen Meinungen zur Krise, haben ihre Effekte schon
schwere Folgen - beispiellos seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Krise beschleunigt die geopolitischen Änderungen, als Ausdruck der Probleme, der die Führungen Asiens und insbesondere Chinas im 21. Jahrhundert gegenüberstehen und begünstigt die Tendenz zur Multipolarität, die den Aufstieg von Ländern wie Russland, Brasilien und Indien befördert hat.
Die internationalen wirtschaftlichen und politischen Spannungen befördern häufig konservative Werte und die Rechte: Ausländerhass, Chauvinismus und Nationalismus, zusammen mit einer Vervielfachung ethnischer Konflikte und separatistischerStrömungen in verschiedenen Regionen der Welt. Die Nachrichten berichtensystematisch über Folgen der ungerechten Verteilung des von Menschen Hand geschaffenen Reichtums: Terroristische Aktionen, ernste Probleme der Migration, Umweltkatastrophen, Bedrohungen durch Pandemien, zugespitzte soziale Konflikte, Kriegen für die Kontrolle der Energie, ethnische Kriege und anderes.
In der Tendenz konnte die Mehrheit der fortschrittlichen und revolutionären
Organisationen und Parteien, die systematisch das neoliberale Modell und seine sozialen Folgen kritisiert haben, die aktuelle komplexe Lage politisch nicht nutzen. Das hängt mit den Antworten auf die Krise zusammen, mit Rückständigkeiten in den Formen und Methoden der Organisation sowie dem Wesen und den Formen der Konzepte und der politischen und gesellschaftlichen Diskurse vieler politischer Kräfte.
Die Verbreitung und Verschärfung sub-regionaler und regionaler Konflikten ist heute direkt proportional zur Vertiefung der strukturellen Krise des Kapitalismus und der Beschleunigung der geopolitischen Veränderungen zwischen den Polen der Weltmächte. Dies provoziert eine stärkere Konfrontation im Streit um die Neuverteilung der Kontrolle über die Naturressourcen der unterentwickelten Länder.
Von besonderer Bedeutung sind die Krisen der globalen Klimaerwärmung, der Energie, Nahrung und des Wassers, die sich unter dem bürgerlichen ökonomischen Muster verschärfen, kombinieren und gegenseitig auf sich einwirken, so dass sich in kurzer Zeit die sozialen Krisen und die Konflikte zwischen den verschiedensten Sektoren vervielfachen könnten, um die Energie zu kontrollieren, den Durst zu löschen und den Hunger auf dem Planeten zu sättigen.
Die kombinierte Wechselwirkung von wirtschaftlicher und finanzieller, Energie-,
Nahrungs-, Rohstoff-, Wasser- und ökologischer Krise; die Möglichkeit der Vertiefung der Krise im transnationalen ökonomischen Zyklus oder die veränderliche Kombination dieser Ereignisse kann sich zu ernsten politischen, militärischen und sozialen Konfrontationen in den verschiedensten Punkten der weltweiten Geopolitik entwickeln. Konflikte, die die multilateralen Institutionen und Organisationen - die durch die transnationalen Kapitale und die Zentren der Weltmächte absichtlich geschwächt sind - diskreditieren, lahm legen und gegenüber der Internationalen Gemeinschaft ein Bild geben, das sie kaum die Möglichkeit haben, als ein Platz des Dialog, der Mäßigung und Lösung der Probleme und Konflikte von globaler Tragweite zu dienen.
Die Vereinigten Staaten, das größte Imperium in der Geschichte der Menschheit, und das bürgerliche System sind in Widersprüchen aller Art gefangen, die die Absicht verhindern, sich als eine omnipotente Macht über den Rest der Welt zu halten. Die Führung der USA steht ernsten strukturellen inneren Probleme und der Herausforderungen gegenüber, die aus den Wechselwirkung der Kräfte in Asien, dem Mittlerer Osten und Lateinamerika entstehen.
Wenn ein Imperium und ein gesellschaftliches System die Produktion und die
Reproduktion seiner Herrschaft nicht nachhaltig machen kann, dann geht es dem Ende
seiner Hegemonie entgegen. Um seine Weltmachtposition aufrecht zu erhalten, setzt das nordamerikanische Imperium neben seinen hegemonialen Instrumenten für die politischideologische und kulturelle Beherrschung zunehmend seine militärischen Macht ein.
Damit verallgemeinert es die schweren politischen und militärischen Konflikte, aber es wird nicht gelingen, die heutige Welt, mit ihrer Komplexität und Verschiedenheit zu beherrschen. Dies wird auch von unseren Fähigkeiten abhängen, am politischenideologischen Disput zugunsten von den gesellschaftlichen Veränderungen teilzunehmen.
Die gegenwärtige gesellschaftliche Ordnung und die aktuelle Kräfteverhältnisse sind schon unhaltbar, ihr unvermeidlicher Verfall wird die verschiedensten Widersprüche zwischen den globalen Machtzentren, zwischen den transnationalen Mächten und den lokalen bürgerlichen Eliten, sowie zwischen den Oligarchien und unseren Völkern verschärfen. Die Differenzen verschlimmern sich und das gegenwärtige geopolitische Gleichgewicht wird immer prekärer. Wenn sich die aktuellen Tendenzen der Hegemonie fortsetzen, konnte auf mittlere Sicht die Regierbarkeit der Welt zwischen Chaos und Ordnung schweben; ein existenzieller Konflikt, der die Menschlichkeit an den Rand des Abgrundes führen könnte, ohne Alternative zum dominanten Schema.
Im dem Maße, in dem die imperialistischen Interesse die Existenz der Menschheit angreifen, könnte sich der Groll und das Leid allmählich in mehr Organisation, Bewusstsein und antiimperialistische Ideologie übersetzen. Jede seiner neuen politischen, wirtschaftlichen und militärischen Handlungen, werden in der Folge zu vielfältigen Formen des Kampfes und des Widerstands führen. Was zweifellos die Bahnen für fortschrittliche, revolutionäre und humanistische Ideen öffnen wird.
Wenn das nordamerikanische Imperium seine weltweiten Führerschaft verliert, würde die Welt von der größten Kraft der Ausbeutung und Unterdrückung des Menschen befreit werden. Aber die Vereinigten Staaten können sich mit vielen wirtschaftlichen und militärischen Mitteln, mit einer Kultur und einem Geist der Dominanz immer noch als eine machtvolle Kraft halten.
Für das am weitest fortgeschrittene zeitgenössische Denkens steht nicht in Frage der Prozess der Verschärfung der Krise des Kapitalismus, was debattiert wird, das ist dasWesen und das Ausmaß derselben. Wie wird sie die geopolitischen globalen Veränderungen beeinflussen, die in der Welt stattfinden? Wird man die Menschheit bewahren können? Wie werden sich die Zentren der Macht gegenüber der Krise verhalten und werden sie die Kämpfe für ihre unvereinbaren Interessen immer noch schlichten können? Werden sich Räume für das Auftauchen und die Sicherung der neuen Prozesse der gesellschaftlichen Veränderungen öffnen? Wird sie zur Einheit und der Integration der Welt der Arbeit, der lateinamerikanischen Länder und Karibik beitragen oder zu einer größeren Balkanisierung der Völker führen?
LATEINAMERIKA UND DIE KARIBIK
Genossen und Genossinnen:
Die politischen und sozialen Auswirkungen der Krise in Lateinamerika und der Karibik widerspiegeln sich mit großer Härte in der steigenden Arbeitslosigkeit der ärmsten und schutzlosesten Sektoren, dem ungeheuren Wachstum der gesellschaftlichen Gewalt, des Dynamisierung des Rauschgifthandels als wirtschaftliche Alternative neben dem Verschleiß zahlreicher politischer und sozialer Organisationen. Die Krise provoziert eine Situation wachsender gesellschaftlicher Zersetzung und Spannungen, die sich zu anarchischen Lagen und ernsten gesellschaftspolitischen Konflikten verschlimmern können.
Lateinamerika hat Priorität für die nordamerikanische Politik. Zwar wird in dieser Region nicht über die Rolle der USA als weltweite Führungsmacht entschieden, aber die USA betrachten die Schwächung ihres Einflusses in dieser Region als eine große Herausforderung für ihre nationale Sicherheit. Die aktuelle Politik gegenüber der Region setzt auf restaurative Bemühungen, um die nordamerikanischen wirtschaftlichen, politischen und militärischen Interessen zu fördern. Dies beinhaltet die Förderung des Aufstiegs einer neuen Rechten, die Eindämmung des Einflusses der ALBA-Länder, die Zerschlagung der fortschrittlichen und revolutionären Erfahrungen (besonders von Venezuela und Kuba), die Modernisierung der militärischen Macht, Wiedererrichtung der Kontrolle der wesentlichen Rohstoffe und die Eindämmung des Vordringens von China, Russland, Iran und anderen Akteuren.
Die fundamentale Ursache des Konfliktes zwischen den Vereinigten Staaten und den fortschrittlichen und revolutionären Kräften besteht im Interesse des
nordamerikanischen Imperialismus den regionalen Markt und die Rohstoffe unseres Kontinents zu kontrollieren. In dieser Perspektive sind die fortschrittlichen Prozesse ein Hindernis in den geopolitischen Bestrebungen des Imperialismus in Lateinamerika. Deshalb deutet sich an, dass die Widersprüche zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten der lateinamerikanischen Oligarchie auf der einen Seite und den neuen Führung, die in der Region in Erscheinung treten, auf der anderen, zunehmen werden.
Die kolumbianisch-nordamerikanische Aktion gegen Raúl Reyes auf dem
Staatsterritorium Ecuadors, die Wiedereinsetzung der IV Flotte der Vereinigten Staaten, der Staatsstreich in Honduras, das kolumbianisch-nordamerikanische Militärabkommen, die Verstärkung der Destabilisierungsoffensive gegen die bolivarianische und cubanische Revolutionen und Fass, sowie gegen die ALBA-Länder, werden von Analytikern als der Beginn einer Offensive der US-Regierung angesehen. Die Ziele dieser imperialistischen Offensive sind: Eindämmen und dann Zurückrollen der fortschrittlichen Prozesse, Wiedererlangen der Kontrolle über die Rohstoffe, Eingrenzen der Fortschritte in den lateinamerikanischen Beziehungen mit China, Russland, Iran und anderen wichtigen Ländern, und außerdem wollen sie eine neue Hegemonie der Rechten in der Region installieren. Schon sagen manche Analytiker für die Wahlperiode 2011-2013 die Möglichkeit einer Wendung zur Rechten in einigen wichtigen lateinamerikanischen Länder voraus. Was zweifellos bei den am meisten konservativen Kreisen des Imperiums und der lateinamerikanische Oligarchie Illusionen erweckt. Eine Analyse, die die Komplexität der kapitalistischen Krise, sowie die Fähigkeit zum Kampf und Widerstand der Lateinamerikaner und Caribeños unterschätzt.
Die zweideutige und verschleierte Form in der die neue nordamerikanische Regierung ihre politisch-militärische Offensive führt, ist anders als die traditionellen Muster des Imperiums. Sie nähert sich mehr den neuen Konzeptionen der sog. "intelligenten Macht" an, die mit den inneren und äußeren Schwächen und Kompliziertheiten verbunden sind,denen die Obama-Regierung gegenübersteht, insbesondere dem Druck der erzkonservativen Sektoren. Das erklärt mit gewisser Vernünftigkeit, dass wir einen Nobelpreisträger, Präsident der Vereinigten Staaten haben, der mehr Truppen nach Afghanistan sendet, Militärbasen in Kolumbien und Panama einrichtet, eine hegemoniale Strategie gegenüber Lateinamerika reartikuliert und den Staatsstreich in Honduras bestätigt. Gleichzeitig verschärft er seine Offensive gegen die ALBA-Länder undgenehmigt den höchsten Militäretat in der Geschichte der USA. Das ist eine imperialistische Offensive, die uns zurückführt zum zentralen Problem unserer Kämpfe für die Unabhängigkeit: imperiale Hegemonie und Rekolonialisierung, oder zweite Unabhängigkeit und sozialer Wandel.
Die EU und die lateinamerikanischen Oligarchien strengen sich an, eine gesellschaftliche Rechte als Alternative zu den fortschrittlichen und revolutionären Regierungen der Region aufzubauen, deren Programme effiziente Regierungen mit sozialer Verantwortung versprechen. Die Ergebnisse, die diese Rechte im Jahr 2010 erzielen konnte, sind verschieden und noch erreichen diese Kräfte nicht, sich als Alternative zu den Kräften der Veränderung zu stabilisieren. Aber eine eventuelle Konsolidierung dieser Tendenz könnte die aktuellen Kräfteverhältnisse verändern. Welche Entwicklung eingeschlagen wird, wird in großem Umfang von der Fähigkeit der Linken und der fortschrittlichen und populären Kräfte abhängen, diesen Herausforderung die richtige Antwort zu geben.
In Mittelamerika hat der Rechtsentwicklung der letzten Monate die nordamerikanische Hegemonie gestärkt; die ihre wirtschaftlichen und Sicherheitsinteressen festigt, um den Einfluss der fortschrittlichen Prozesse in Südamerika zu vermeiden. Dessen ungeachtet haben die Nordamerikaner bis zum heutigen Tag nicht erreicht, die Sektoren der Rechten in einer Zone zu stabilisieren, die am meisten von den Wirkungen der Krise betroffen ist und die ernsten wirtschaftlichen, politischen und sozialen Probleme gegenübersteht.
Südamerika ist die Zone der fortschrittlichen und revolutionären Regierungen, in der die politische Hegemonie der USA am meisten in Frage gestellt wird. Ein Laboratorium der Initiativen, die sich zum Sozialismus bekennen und von Projekten der linken Mitte, und der radikalsten Kritiker des Neoliberalismus. Die politischen und ökonomischen Allianzen auf die sie sich stützen, erlauben ihnen größere Niveaus der Autonomie gegenüber den Vereinigten Staaten.
Eine große Herausforderung sind die hochkonzentrierten, großen Medien. Sie bilden die virtuellen Führer für die Parteien der Rechten, der lokalen, eng an das transnationale Kapital angebundenen Oligarchien sowie der Machtsektoren, die Reserven der Reaktion sind: wie die Streitkräfte, die religiösen Hierarchien, und andere.
Genossinnen und Genossen:
Heute ist das Vorankommen der fortschrittlichen und revolutionären Bewegung in Lateinamerika und der Karibik klar und ermutigend. Ein Regenbogen von verschiedenen patriotischen, nationalen, reformistischen, sozialdemokratischen, sozialistischen und revolutionären Prozessen, privilegiert heute die lateinamerikanische und karibische Landschaft; wobei wir die steigende Kraft der politischen Organisationen unterschiedlicher Art hinzufügen müssen, die auf kurze oder mittlere Frist auf relevante Anteile der Macht zugreifen können, und die Bedeutung der alternativen Räume der Absprachen und Integration, die sich - wie ALBA, PETROCARIBE, UNASUR - allmählich festigen. Damit wird uns erlaubt, mit größerer Souveränität und Unabhängigkeit voranzugehen gegenüber den Mächten, die die Weltwirtschaft und die globale Politik in einem Ausmaß hegemonisieren, wie es noch nie in der modernen Geschichte unserer Ländern seit den Unabhängigkeitskriegen der Fall war.
Die fortschrittlichen und revolutionären Erfahrungen der ALBA-Länder haben mit
unterschiedlichen Nuancen und Niveaus der Radikalität wichtige wirtschaftliche,
politische und soziale Fortschritte im Lauf der Jahre verwirklicht. Es gibt jedoch neue Herausforderungen, die sich aus der komplexen Situation in der Welt ergeben und die wir zu lösen haben; die sich verbinden mit der Logik der fehlenden Erfahrung, dem Mangel an Humankapital für die Mehrheit, und dem Fehlen von Ressourcen bei Vielen. Und das Ganze verschärft durch die Wirkungen der Weltwirtschaftskrise.
Die einzige Möglichkeit, um gegenüber den neuen Herausforderungen und den
kolossalen transnationalen und weltweiten Mächte voranzukommen, wird die Einheit in unserer Verschiedenheit sein, die Fähigkeit die Notwendigkeit zu begreifen, die kreativen Form der Solidarität zwischen den Kräften der Veränderung und des Fortschritts zu vervielfachen.
Genossen und Genossinnen:
Es ist nicht möglich, diese Wörter ohne einen Hinweis auf Cuba zu beenden: Unsere kleine Insel, die aus einem Jahrzehnt der „Sonderperiode“ herauskam, die sich jetzt der Brandung der weltweiten Wirtschaftskrise des neoliberalen Modells sowie der Notwendigkeit stellt, eigene Irrtümer zu überwinden und unsere Gesellschaft den aktuellen Anforderungen anzupassen.
Bei der Gedenkveranstaltung zum 10. Jahrestag des Kooperationsabkommens Cuba - Venezuela, am 8. November 2010, hat der Genosse Raúl Castro ausgedrückt: "Während sich die Auseinandersetzung in Lateinamerika mit den reaktionären und konservativen Sektoren zuspitzen, die ein politisches und wirtschaftliches Modell der Abhängigkeit und Ausbeutung verteidigen, kommen andererseits die revolutionären und fortschrittlichen Kräfte voran, die sich der Gerechtigkeit, der Gleichheit und der Unabhängigkeit der Völker der Region verpflichtet haben." „In diesem Kontext verwandelt sich die Beziehung zwischen Cuba und Venezuela zum besten Beispiel, wie die Beziehungen zwischen den Völkern sein müssen und erlangt eine größere Dimension, wenn in Rechnung gestellt wird, dass sie sich inmitten schwieriger internationaler Umstände entwickelt, die erstens geprägt sind von politischer und wirtschaftlicher Instabilität, und zweitens davon, dass globale wirtschaftliche Krise, die energetische Krise, die Nahrungs- und Umwelt-Krise sich zu einer großen Bedrohung für den Weltfrieden summieren.“
In dieser komplexen Lage analysiert die Leitung unseres Landes in Austausch mit dem Volk die notwendigen Maßnahmen, um die sozialen Errungenschaften maximal zu schützen und die Veränderungen zu verwirklichen, die die wirtschaftlich notwendigen Transformationen erzeugen, die den angemessenen Gebrauch der verfügbaren Mittel, die notwendige Effizienz und größere wirtschaftliche Rationalität unterstützen.
Wenn Kuba den schweren Folgen der doppelten Blockade während der Jahre der
Sonderperiode widerstehen konnte und sich heute den Kompliziertheiten der
internationalen Krise entgegenstellt, dann gelingt dies durch die Einheit des Volkes mit seiner Partei, mit Fidel und Raúl, sowie seiner Verbundenheit mit den sozialistischen Werten. Wie der Genosse Raúl, in der Fünften Periode der Sitzungen der Nationalen Versammlung der Volksmacht erklärte: "die Einheit zwischen den Revolutionären und zwischen der Leitung der Revolution und der Mehrheit des Volkes ist unsere wichtigste strategische Waffe, die uns erlaubt hat, bis hierher zu kommen und in der Zukunft erlauben wird, den Sozialismus zu vervollkommnen" (…) "die Einheit formiert sich und ist Ergebnis in einer breiten sozialistischen Demokratie und einer offenen Debatte mit dem Volk über alle Angelegenheiten, wie sensibel sie auch sein mögen".
Heute vielleicht mit viel mehr Gründen denn je, hissen die cubanischen Revolutionäre das patriotischen und sozialistischen Banner gegenüber den Drohungen und den Herausforderungen der Zukunft.
Vielen Dank.
Quelle: http://www.kommunisten.de/attachments/3073_PCCuba_Felipe-Gil.pdf