UZ-Pressefest: Eindrücke einer ehemaligen DDR-Bürgerin
Das 17. UZ-Pressefest ist vorbei. Petrus hat natürlich wieder auf den Papst gehört und es regnen lassen. Trotzdem sind einige zehntausend Menschen zum grössten Fest der Linken in Deutschland gekommen, junge und ältere, aus West und Ost. So viele Menschen - so viele Eindrücke. Einen sehr persönlichen einer ehemaligen DDR-Bürgerin vermittelt dieser Blogeintrag bei Trotz alledem :
Da bin ich also wieder zurück. Wie schon vor 2 Jahren, habe ich das "Fest der Solidarität" der DKP in Dortmund, im Wischlinger Revierpark besucht.
Wieder waren es schöne Begegnungen, natürlich mit Anne, die mich dabei ein wenig an die Hand nimmt, ich kenne dort ja kaum einen.
Am meisten hat uns das Programm im Zelt "Roter Brandenburger" angesprochen, so haben wir auch dort die meiste Zeit verbracht. Hätte es nicht den ganzen gestrigen Tag geregnet, wären wir sicher mehr auf dem Freigelände rumgelaufen, so saßen wir zumeist eben im Zelt.
Zwei Diskussionen hatten mir es besonders angetan. Bereits am Freitag abend, ich kam gerade so zum Beginn hin, haben Eberhard Czichon und Wiljo Heinen über die Notwendigkeit, eine neue Thälmann-Biografie zu schreiben, diskutiert. Es ginge nicht darum, die Thälmann-Biografie, die 1980 im Dietz-Verlag erschienen ist, zu widerlegen, sondern sich dort befindliche Lücken zu füllen. Ausgehend von dem Ziel, eine Geschichte der KPD zu schreiben, haben Heinz Marohn und Eberhard Czichon während der Vorarbeiten erkannt, daß sie diese Arbeit nicht mehr schaffen würden und sich dann auf den Thälmann-Report konzentriert.
Von mir wäre hier anzumerken, daß sich hoffentlich ein linker Verlag mal der Neuauflage der 8-bändigen "Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung" annimmt, es erscheint mir persönlich für die Auseinandersetzung junger Sozialisten und Kommunisten mit der Geschichte sehr sehr wichtig.
Die Gruppe Albatros (den Namen haben sie sich nach einem Lied von Karat gegeben) überraschte dann bereits am Freitagabend mit FDJ-Liedern. Es war schön, mal wieder Lieder wie "Der Zug fährt auf stählernen Gleisen", "Hab'n Se nich noch Altpapier" u.a. lautstark mitzusingen, Anne und ich erwiesen uns dabei als erstaunlich textsicher. Nochmal durften wir Albatros am Samstag erleben, beides Mal beendeten sie ihr kurzes Programm mit unserer Nationalhymne, erstens heute hochaktuell und davon abgesehen - ein wunderschönes Lied.
Überhaupt war der Freitagabend der Abend des Singens, kurz bei Jane Zahn vorbeigeschaut und lautstark in "Bella ciao" eingestimmt, weitergewandert zu Achim Bigus in den Jugendtreff der SDAJ, wo wir gleich nochmals "Bella Ciao" anstimmen konnten. Seine musikalische Reise ging vor allem durch Lieder des spanischen Bürgerkrieges.
Am Samstag haben wir als erstes den RotFuchs-Stand in der Eishalle besucht, ein Schwätzchen mit Klaus Steiniger und den Genossen vom Stand, waren der richtige Auftakt für den Diskussionstag.
Die zwei Stunden mit Heinz Keßler, Hans Bauer, Dr. Seltsam und Günter Ganzauge vergingen wie im Flug. Vorgestellt wurde das Buch von Keßler und Streletz "Ohne die Mauer hätte es Krieg gegeben". Da sich in Kürze der Tag der Grenzschließung zum 50. Mal jährt, steht uns dort medial bestimmt einiges ins Haus. Der 91-jährige Heinz Keßler strahlte eine Kraft aus, die mir wahnsinnig imponiert hat. In vollkommen freier Rede beantwortete er die ihm gestellten Fragen. Auch Günter Ganzauge, der die Informationsstelle der Grenztruppen am Brandenburger Tor geleitet hat (daß es sowas gab, war mir übrigens völlig unbekannt) hat mir in der Diskussion gefallen. Er sprach u.a. vom Eintrag Gorbatschows in das Gästebuch der Informationsstelle und wie sehr sich diese Verlautbarung doch von dem unterschied, was der Herr später nach der Vereinigung von sich gab.
So sind zwei Tage wieder Geschichte, die mir viel gegeben haben, die ich nicht missen möchte und die mich schon jetzt den Entschluß fassen lassen: in zwei Jahren bin ich wieder dabei, auf ein Neues, Anne!!!
Bildnachweis: J. B., 25.06.2011, v.l.n.r. auf dem Podium, soweit zu erkennen: Bauer, Keßler, Ganzauge, Dr. Seltsam
Wieder waren es schöne Begegnungen, natürlich mit Anne, die mich dabei ein wenig an die Hand nimmt, ich kenne dort ja kaum einen.
Am meisten hat uns das Programm im Zelt "Roter Brandenburger" angesprochen, so haben wir auch dort die meiste Zeit verbracht. Hätte es nicht den ganzen gestrigen Tag geregnet, wären wir sicher mehr auf dem Freigelände rumgelaufen, so saßen wir zumeist eben im Zelt.
Zwei Diskussionen hatten mir es besonders angetan. Bereits am Freitag abend, ich kam gerade so zum Beginn hin, haben Eberhard Czichon und Wiljo Heinen über die Notwendigkeit, eine neue Thälmann-Biografie zu schreiben, diskutiert. Es ginge nicht darum, die Thälmann-Biografie, die 1980 im Dietz-Verlag erschienen ist, zu widerlegen, sondern sich dort befindliche Lücken zu füllen. Ausgehend von dem Ziel, eine Geschichte der KPD zu schreiben, haben Heinz Marohn und Eberhard Czichon während der Vorarbeiten erkannt, daß sie diese Arbeit nicht mehr schaffen würden und sich dann auf den Thälmann-Report konzentriert.
Von mir wäre hier anzumerken, daß sich hoffentlich ein linker Verlag mal der Neuauflage der 8-bändigen "Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung" annimmt, es erscheint mir persönlich für die Auseinandersetzung junger Sozialisten und Kommunisten mit der Geschichte sehr sehr wichtig.
Die Gruppe Albatros (den Namen haben sie sich nach einem Lied von Karat gegeben) überraschte dann bereits am Freitagabend mit FDJ-Liedern. Es war schön, mal wieder Lieder wie "Der Zug fährt auf stählernen Gleisen", "Hab'n Se nich noch Altpapier" u.a. lautstark mitzusingen, Anne und ich erwiesen uns dabei als erstaunlich textsicher. Nochmal durften wir Albatros am Samstag erleben, beides Mal beendeten sie ihr kurzes Programm mit unserer Nationalhymne, erstens heute hochaktuell und davon abgesehen - ein wunderschönes Lied.
Überhaupt war der Freitagabend der Abend des Singens, kurz bei Jane Zahn vorbeigeschaut und lautstark in "Bella ciao" eingestimmt, weitergewandert zu Achim Bigus in den Jugendtreff der SDAJ, wo wir gleich nochmals "Bella Ciao" anstimmen konnten. Seine musikalische Reise ging vor allem durch Lieder des spanischen Bürgerkrieges.
Am Samstag haben wir als erstes den RotFuchs-Stand in der Eishalle besucht, ein Schwätzchen mit Klaus Steiniger und den Genossen vom Stand, waren der richtige Auftakt für den Diskussionstag.
Die zwei Stunden mit Heinz Keßler, Hans Bauer, Dr. Seltsam und Günter Ganzauge vergingen wie im Flug. Vorgestellt wurde das Buch von Keßler und Streletz "Ohne die Mauer hätte es Krieg gegeben". Da sich in Kürze der Tag der Grenzschließung zum 50. Mal jährt, steht uns dort medial bestimmt einiges ins Haus. Der 91-jährige Heinz Keßler strahlte eine Kraft aus, die mir wahnsinnig imponiert hat. In vollkommen freier Rede beantwortete er die ihm gestellten Fragen. Auch Günter Ganzauge, der die Informationsstelle der Grenztruppen am Brandenburger Tor geleitet hat (daß es sowas gab, war mir übrigens völlig unbekannt) hat mir in der Diskussion gefallen. Er sprach u.a. vom Eintrag Gorbatschows in das Gästebuch der Informationsstelle und wie sehr sich diese Verlautbarung doch von dem unterschied, was der Herr später nach der Vereinigung von sich gab.
So sind zwei Tage wieder Geschichte, die mir viel gegeben haben, die ich nicht missen möchte und die mich schon jetzt den Entschluß fassen lassen: in zwei Jahren bin ich wieder dabei, auf ein Neues, Anne!!!
Bildnachweis: J. B., 25.06.2011, v.l.n.r. auf dem Podium, soweit zu erkennen: Bauer, Keßler, Ganzauge, Dr. Seltsam
___
update:
Fotos vom Fest: http://www.dkp-online.de/pressefest/2011/fotos/
Hier der Bericht in junge welt: http://www.jungewelt.de/2011/06-27/052.php
Werbung