Was kostet so viel ?
Das Haus, in dem wir leben, kostet im Monat 950 Euro Miete. Dazu kommt noch einiges nebenbei. Hätten wir es gekauft würde es um die 300 000 Euro kosten, und um die Hypothek abzustottern, wäre die monatliche Rate noch höher. Was kostet da so viel ? Es handelt sich doch bloss um paartausend Ziegelsteine, etwas Holz und Fliesen, Installationen, ein Stückchen Boden ?
Wir zahlen den Hausbesitzer. Der will paar Euro an uns verdienen. Er wiederum zahlt an die Bank, die ihm das Geld für den Hausbau geliehen hat. Die will paar Euro verdienen. Zwanzig Jahre Hypothek bedeutet, dass er über die Zinsen das Haus zweimal bezahlt. Die Baufirma, die das Haus hochgezogen hat, wollte auch paar Euro verdienen; desgleichen der Besitzer des Grundstücks.
So kommt zusammen, was den Leuten jeden Monat 30, 40 oder sogar 50 % ihres Einkommens abverlangt - bloss für ein Dach überm Kopf.
Vor zwei Jahren war ich in Marinaleda, jenem "sozialistischen" Dorf in Andalusien. Dort kostete ein neues Haus seine Bewohner im Durchschnitt 28 500 Euro, anschliessend 15 Euro im Monat. Dazu kommen 15 Euro (wenn ich mich richtig erinnere) pro Monat fürs Wasser, dazu Strom und Müllabfuhr (Letztere kostet 15 Euro ... im Jahr.)
Wieso kostet ein Haus in Marinaleda keine 30 000, unser gemietetes Haus in einem bayerischen Provinzkaff aber 300 000 ?
In Marinaleda ist der Boden keine Ware, weil in Gemeindebesitz und nicht handelbar. Die Gemeinde zahlt die Erschliessungskosten, das Baumaterial und die Facharbeit. Ihre Einnahmen sind nicht höher als die eines beliebigen andalusischen Dorfes, aber sie werden anders verteilt, weil die Gemeinderegierung kommunistisch ist. Keine Bank verdient an so einem Haus paar Euro für die Hypothek, die Mauerer und Fliesenleger und Elektriker kriegen für ihre Arbeit Lohn, aber kein Bauunternehmer Profit, einen privaten Grundstückseigner gibt es nicht.
Das macht schon den ganzen Unterschied. Kapitalistisches Wohneigentum verzehnfacht für die Benutzer den Preis. Der "Sachzwang" der verschiedenen Kapitaldienste, die Kette von Profiten zwingt uns, nur fürs Wohnen ein Drittel unserer Arbeit oder mehr aufzuwenden.
In Marinaleda haben die Bewohner in den 1970er Jahren einen regelrechten Aufstand gemacht. Sie erkämpften sich 1 500 Hektar Land und fingen an, es genossenschaftlich zu bewirtschaften. Das macht den Unterschied. - Sie haben einen Aufstand gemacht. Man kann sagen: Aufstand machen ist die beste Zukunfstinvestition, die sich denken lässt.